"Kennt ihr noch die Serie 'Twilight Zone'?", fragt Dolores Veledar-Peric in die Runde. Zusammen mit Kontext und dem Ehepaar Benito und Ersin, das nicht mit Nachnamen in der Zeitung stehen will, sitzt die Beraterin vom Projekt "Elvan Âlem", das Migrant:innen aus der LSBTTIQ+-Community bei der Integration unterstützt, in ihrem Büro. "In der Serie passiert immer irgendwas Komisches, aber alle benehmen sich, als wäre alles normal. Man spürt, dass irgendwas falsch ist, aber man kann nichts ändern – wie in einem Albtraum." Für die Beraterin aus Bosnien passt diese Beschreibung aber nicht nur zur Serie – sie treffe auch auf den aktuellen Zustand der Stuttgarter Ausländerbehörde zu.
Vor zweieinhalb Jahren hat Kontext schon mal mit Veledar-Peric über die Situation in der Stuttgarter Ausländerbehörde gesprochen. Damals kampierten Menschen zum Teil wochenlang vor dem Gebäude in der Eberhardstraße, bangten um einen der wenigen Termine. Hofften, dass ihr Fall von den chronisch unterbesetzten Sachbearbeiter:innen abgearbeitet wird. Die Bilder von den Menschen, die stundenlang in der Schlange standen, lösten bundesweit Empörung aus. Die Stadt Stuttgart rief damals eine "Task Force" ins Leben mit dem Ziel, die Situation zu verbessern. Als eine von vielen wichtigen – und in Teilen überfälligen – Änderungen wurde damals die Online-Terminvergabe eingeführt. Die Theorie: bequem von zu Hause einen Termin vereinbaren, auf eine Bestätigung warten, kurz zur Behörde, fertig.
"Es funktioniert einfach nicht", sagt Veledar-Peric. Seit Anfang des Jahres versucht sie, für sich online einen Termin zu vereinbaren. Ihre permanente Aufenthaltserlaubnis müsse in ihr neues Ausweisdokument übertragen werden. "Das dauert fünf Minuten", doch es gebe keine Termine. Jeden Tag stehe sie früh auf, probiere zum Teil über mehrere Stunden einen Termin zu vereinbaren. Immer wieder klickt sie auf die Terminvergabe – nichts. Auch am Servicetelefon erreiche sie niemanden. Und vor Ort werde ihr immer wieder gesagt, sie müsse den Termin online ausmachen. Ein Teufelskreis.
Im April will Veledar-Peric eigentlich nach Bosnien reisen für eine Fortbildung und um ihre kranke Mutter zu besuchen. "Aktuell weiß ich nicht, ob ich wieder zurückkommen könnte", erzählt sie aufgebracht.




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