Christine Prayon spricht auf der 400. Montagsdemo. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 355
Gesellschaft

Wo so was immer anfängt

Von Christine Prayon
Datum: 17.01.2018
Mit ihrer Tanja-Gönner-Parodie auf den Montagsdemos schaffte sie es ins "heute-Show"-Team. Auf der 400. Montagsdemo stellt Christine Prayon klar: Stuttgart 21 wird gar nicht teurer, aber pünktlich 2121 fertig.

400 Montagsdemos – boah. Das letzte Mal, als ich auf einer Demo gegen Stuttgart 21 gesprochen habe, war auch anlässlich eines Jubiläums, und zwar zur 150. Montagsdemo. Ich weiß noch, es fiel mir schwer, etwas zu sagen, weil für mein Dafürhalten schon alles gesagt war. Wäre es nicht längst an der Zeit gewesen, selbstkritisch die Fehler und Versäumnisse der Bewegung unter die Lupe zu nehmen? Nein, halt, nicht beim Jubiläum. Bei Jubiläen wird jubiliert. Also lieber einen fiesen Spruch über die Grünen. So was wie: Eine gegrillte Paprika mag von oben grün aussehen, doch wendet man sie, ist sie schwarz wie die Nacht.

So etwas würde ich heute, 250 Demonstrationen später, nicht mehr sagen. Es hat sich ja so viel verändert in den letzten Jahren: Stuttgart hat sich unter einem grünen Bürgermeister und einer grünen Landesregierung von einer fußgänger- und fahrradfeindlichen zu einer autofreundlichen Stadt entwickelt.

Auch meine kritische Haltung zu Stuttgart 21 musste ich überdenken, denn Nachrichten über Kostenexplosionen oder Verzögerungen der Bauarbeiten beim umstrittenen Großprojekt haben sich schließlich als Fake News herausgestellt: Stuttgart 21 wird gar nicht teurer. Viele Leute werden hier nur immer ärmer. Und wer ärmer wird, findet natürlich, dass alles viel zu teuer ist. 4,5 Milliarden … 7,6 Milliarden … 10 … 20 Milliarden Euro … das klingt natürlich viel. Aber doch nur für uns, hier unten. Schauen Sie: Ob ich mir für 4,5 Milliarden zwanzig Inseln in der Karibik kaufe oder für 7,6 Milliarden fünfundzwanzig Inseln, ist doch kein wirklicher Unterschied, das müssen Sie zugeben.

Dann die Sache mit der Verzögerung – Blödsinn! Der Zeitplan wird selbstverständlich eingehalten. Böse Zungen verbreiten das Gerücht, die Eröffnung des neuen Bahnhofs werde nicht vor 2024 stattfinden. Also bitte: Dann wäre Stuttgart 21 ja gar nicht Stuttgart 21, sondern Stuttgart 24. Was natürlich Käse ist. Stuttgart 21 ist und bleibt Stuttgart 21. Es ist sogar so was von Stuttgart 21, dass es ab sofort Stuttgart 2121 heißt und deshalb konsequenterweise auch im Jahr 2121 fertig sein wird. Von Verzögerung kann also keine Rede sein.

Einfach mal 'ne Line Feinstaub durchziehen

Auch privat haben mir die letzten Jahre Stuttgart wieder nähergebracht: Anfängliche Überlegungen, meinen Wohnsitz in eine andere Stadt zu verlegen, haben sich endgültig zerschlagen, nachdem ich eine Wohnung auf der Halbtiefe, in exklusiver Kessellage, bezogen habe und mir nun tagtäglich auf meinem Balkon gratis eine Feinstaub-Line durch die Nase ziehe. Sie glauben gar nicht, wie bewusstseinserweiternd das wirkt, wie das die Fantasie anregt, wie verkrustete Denkmuster aufbrechen und sich neue Perspektiven auftun. Die ganze Persönlichkeit verändert sich!

Mein altes Schwarzweißdenken habe ich abgelegt. Ich sehe die Welt jetzt bunt: rot wie das neue Herz Europas, blau wie Stuttgarts Rohrleitungen und braun wie das xenophobe Gequatsche von Boris Palmer. Früher dachte ich in Schubladen. Ich dachte, Stuttgart 21 sei falsch und Kabarett per se links. Nun hat mich der Feinstaub, Gott sei Dank, geistig elastischer gemacht – da hab ich mir auch viel von den Grünen abgeguckt. Links und rechts, richtig und falsch, das sind doch überholte Begriffe kleingeistiger Besserwisser. Mag ja sein, dass Stuttgart 21 das sinnloseste und dümmste Großprojekt Deutschlands ist. Mag ja sein, dass es nach finanziellen, städteplanerischen, sicherheitstechnischen, ethischen, moralischen und rationalen Kriterien ein "falsches" Projekt ist.

In der Logik dieses Systems aber ist es absolut richtig. In der Logik des Kapitalismus kann es gar nicht scheitern. Niemals! Mit mafiöser Attitüde, unter Zuhilfenahme dreister, fetter Lügen (neuerdings auch "alternative Fakten" genannt), durchgesetzt von einem weitestgehend korrumpierten politisch-medialen Komplex, notfalls mit nackter Gewalt, erscheinen Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Ziele, wie sie im Grundgesetz stehen, zusehends nur noch wie ein Stück sentimentaler Folklore. So wird S 21 auch zu einem Vorbild, einem praktizierten Fallbeispiel, einer politischen Blaupause dafür, wie man sukzessive in Verhältnisse rutscht, welche der Ausspruch "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf" beschreibt. Übertrieben? Hoffentlich. Ich sag's nur … falls mal wieder jemand fragt, wo so was eigentlich immer anfängt.

Porträt Christine Prayon

Christine Prayon, Jahrgang 1974, ist heute Birte Schneider. Das wissen alle Fans der "heute-Show", die sich immer wieder freitags auf die durchgeknallten Analysen der Reporterin an Oliver Welkes Seite freuen. Groß geworden ist die Kabarettistin mit dem Protest gegen Stuttgart 21. Genauer gesagt mit ihrer Parodie der damaligen Umweltministerin Tanja Gönner auf den Montagsdemos. 2012 hat die Stuttgarter Humorarbeiterin gleich drei Preise abgeräumt: den Deutschen Kleinkunstpreis, den Prix Pantheon und den Deutschen Kabarett-Preis. (sus)

Aber hey, Leute, nur so lässt sich das große Rad doch weiterdrehen! Außerdem ist das Ganze doch eine absolute Erfolgsstory: Als Immobilienprojekt, als Mega-Geld-von-unten-nach-oben-Verteil-Maschine hat sich Stuttgart 21 doch schon super bewährt! Da kann sich der zukünftige Berliner Großflughafen 'ne Scheibe von abschneiden!

Seitdem ich das erkannt habe, geht es mir viel besser. Ich möchte Ihnen auch Mut machen, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nehmen Sie mal eine kräftige Prise Feinstaub und Sie werden mit allem Ihren Frieden machen.

Dann brauchen Sie hier auch nicht mehr sommers wie winters, bei Wolkenbrüchen, brennender Sonne, beißendem Frost, bei Sprühregen, Shitstürmen und eisigem Gegenwind auszuharren und mit all den anderen (und das kriege ich jetzt ohne Ironie hin), mit all den anderen Wackeren, Unerschrockenen, Unermüdlichen, mit allen zu Recht Zornigen, Mutigen, Emanzipierten und aufgeklärt Engagierten jeder Rede seit nunmehr 400 Demonstrationen geduldig zu lauschen. Meinen Respekt und meinen Dank Ihnen allen dafür, dass Sie bereits 400 Mal ein deutliches Zeichen gesetzt haben, wem diese Stadt – wenn überhaupt – wirklich gehört.


Dieser Text ist eine verschriftlichte Form der Rede, die Prayon auf der 400. Montagsdemo vorgetragen hat. 


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14 Kommentare verfügbar

  • P. L.
    am 22.01.2018
    Seit 2008 ist der Kapitalismus, wie wir ihn größtenteils erlebt haben, am Ende. Er hängt am Tropf geldpolitischer Maschinen, die irrsinnige Mengen wertlosen Fiat-Geldes in ihn pumpen und so seinen Kreislauf der Profitbildung künstlich am Leben halten. Das mag noch ein kleine Weile gut gehen. Aber der Knall ist angesichts auch der existenziellen globalen Probleme absehbar.

    Allerdings (in Abwandlung eines Ausspruchs) trägt der Kapitalismus auch immer den Faschismus in sich wie die Wolke den Regen. Dass er nun auch und wieder bereit ist, dieses Gewaltpotenzial zu nutzen, um sein Ende weiter hinauszuzögern und die ganze Welt, das irdische Leben dabei als Geisel zu nehmen, ist zunehmend evident - das dazugehörige Pack kommt ja gerade wieder aus seinen Löchern gekrochen; es scheut zunehmend das Licht nicht mehr.

    Faschismus ist jedoch - und darüber sollte man sich im Klaren sein - keine Meinung; er ist schlicht kriminell, ein Verbrechen. Daher sollte er im politischen Diskurs gerade einer sich selbst als offen bezeichnenden Gesellschaft, welche Demokratie, Menschenrechte und Freiheit für sich reklamiert, genau diese Rolle spielen: Er ist ein Tabu, ein Straftatbestand, etwas in jeder Hinsicht gesellschaftlich konsequent zu Ächtendes. Mit Faschisten diskutiert man nicht (weil es zwecklos ist).

    Das wissen diese Kriminellen. Und deshalb benötigen sie ja auch gemeinhin als seriös geltende Leute, die sie und ihre krude Ideologie - bewusst oder unbewusst - sachte und deshalb wirksam salonfähig machen. In einem allmählichen Prozess (wenn zum Beispiel etablierte politische Parteien, deren exponierte Vertreter, angeblich einem Pragmatismus folgend, in Wirklichkeit aber aus aus Fantasielosigkeit und Opportunismus geborener Angst um Macht und Einfluss, Forderungen, Denkfiguren und nicht zuletzt Sprache dieser Verbrecher ganz oder auch nur teilweise übernehmen) werden große Teile der Bevölkerung an dieses rechtsextreme Gedankengut gewöhnt.

    Es ist das große Verdienst der Rednerin, mutig darauf hingewiesen zu haben und diese allgemeine Tendenz auch am Projekt Stuttgart 21 im Speziellen erkannt und benannt zu haben. Und es ist mutig und richtig von dieser kleinen Zeitung, honorig, diese Rede noch einmal abgedruckt zu haben.

    Dass das weder alarmistisch, überzogen, falsch oder gar hysterisch ist, zeigen einige Kommentare unter diesem Beitrag, deren Verfasser sich offensichtlich schon an Einiges gewöhnt haben diebezüglich, wenn sie das "xenophobe Gequatsche" - nicht eines braunen AfD-Funktionärs, sondern des grünen Tübinger OBs - relativieren.
    • Schwa be
      am 23.01.2018
      Vielen Dank an P.L. für diesen m.E. analytischen, sachlichen, intelligenten und nicht zuletzt Mensch- und Gesellschaftsbejahenden Kommentar auf den Punkt!
  • Andreas Lotter
    am 18.01.2018
    Also nach diesem Beitrag von Frau Prayon äh Frau Birte Schneider bin ich so niedergeschlagen das ich mich sofort hinter die nächste S-Bahn werfen wollte oder gar gleich aus dem Kellerfenster springen würde.
  • Steffi Linitzky
    am 18.01.2018
    "Was auch immer man von Boris Palmer halten mag - ihn als "braun", also als Nazi, zu bezeichnen, geht zu weit."
    (Matthias Koeber)

    " und braun dem Palmer wegen seines xenophoben Gequatsches zugeordnet, dachte ich, ich hätte mich verhört..."
    (Horst Ruch)



    „Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand Asyl beantragt und dann Frauen vergewaltigt, oder einfach in diesem Land aufgewachsen ist.“
    (Boris Palmer)

    "300.000 Personen. Denen könnte man zum Beispiel Speichelproben abnehmen, solange sie nicht anerkannt sind."
    (Boris Palmer)

    „Es ist nunmal eine Tatsache, dass Asylbewerber aus dem Maghreb zu 30 Prozent kriminell sind. Und es ist eine Tatsache, dass manipulierte Altersangaben bisher nur Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien oder Tunesien gestattet haben, sich als Jugendliche sehr frei bei uns zu bewegen und furchtbare Verbrechen zu begehen."
    (Boris Palmer)

    "Wer Röntgen als unzumutbaren Eingriff wertet, könnte übrigens auch einen anderen Weg wählen: Wer nicht nachweisen kann oder durch eine Untersuchung nicht belegen will, dass er unter 18 Jahren alt ist, wird als Erwachsener behandelt."
    (Boris Palmer)

    „Anti-Rassist werde ich bestimmt nicht. Offen gestanden: Das ist für mich eine abschreckende, intolerante Ideologie.[...]Nein, ich bin kein Rassist. Demokraten sind keine Anti-Rassisten. Es geht auch nicht um den Begriff, sondern die Ideologie, mit der er konkret gefüllt wurde.“
    (Boris Palmer)

    PS:
    "Der Ausstieg ist nicht mehr möglich."
    (Boris Palmer Ende 2017 über Stuttgart 21)



    "Rassismus führt zu Wahrnehmungsstörungen und verursacht Inkompetenz"
    (Pro Asyl)
    • Horst R
      am 18.01.2018
      ....ja Steffi Linitzky und Rolf Steiner, was ist braun? Braun ist für mich die Symbol- Farbe des dritten Reichs. Daß Palmer ein unbequemer Zeitgenosse und dazu noch OB von Tübingen ist, kann doch nicht -außer Satire- für Nazisystem herhalten.
      Insofern halte ich „diese“ Diskussion für abartig. Seine Zuwanderungsbedenken sind m.E. realistisch. Mir fehlt das „linke“ Verständnis zur Realität, weil ich nur Sprüche höre ,aber keine Taten. Ich würde mich wundern, wenn Sie im Ernstfall bereit wären irgendeinen „undefinierbaren“ Jungen, der sich weigert sein Alter und seine Nationalität zu nennen in Ihrer Wohnung als Gast für eine undefinier-
      bare Zeit aufzunehmen. .....eben Grenzen setzen.
      .....Das hat mit dem Versagen zu Stuttgart 21 und deren Farbgestaltung wirklich garnichts zu tun.
    • Andromeda Müller
      am 21.01.2018
      Sehr geehrte Frau Linitzky ,
      bitte weisen Sie dann aber auch auf Nazi-CDU , Nazi-CSU ,Nazi-FDP, Nazi-AFD , Nazi- EU/Frontex, Nazi-Österreich , Nazi-Kroatien und Nazi-Slowenien , Nazi-Serbien , Nazi-Albanien ,Nazi-Bulgarien , Nazi-Polen , Nazi-England, Nazi-USA, Nazi-Australien , Nazi-Japan , Nazi- Kuweit und die anderen kleinen Golfstaaten , Nazi-Ägypten , Nazi-Lybien , Nazi-Niger , Nazi- Israel , Nazi-Saudi-Arabien , Nazi-Sarazzin, Nazi-Schuster , Nazi-Broder , und bestimmt noch mehr , hin (bestimmt noch viele vergessen) ?
      Und warum loben Sie nicht Länder , die sehr viele Flüchtlinge aufgenommen haben ( z.B. Türkei , Libanon , Jordanien) ?
      Und warum sind all die Fluchtverursacher (in Staaten- , Ideologie- und Personenform) so gut bei Ihnen und Frau Prayon weggekommen , bzw. unerwähnt geblieben ? Ist das nicht selbst ein bißchen Blümchen-Braun ?
      Ansonsten finde ich ProAsyl , wie Sie scheinbar auch ,einen guten Verein , mit Einschränkung des dümmlichen 2.Teils des , wenn es überhaupt wahr ist, "Zitats".
      Und "Wahrnehmungstörungen" müsste m.E. , durch "Ausblendungen" ersetzt werden.
  • Rolf Steiner
    am 18.01.2018
    Satire muss der Politik und allen (!) PolitlkernInnen die Grenzen aufzeigen. Sonst können diese in ihrer wachsenden Überheblichkeit kaum noch gerade aus laufen. Auch einem Palmer jr. dürfen wir Grenzen setzen und zeigen, wohin seine "Denke" über Flüchtlinge führen könnte. Ich glaube kaum, dass sein Vater sehr glücklich über genau diese Entwicklung seines Diplom-Physikers wäre.
    • D. Hartmann
      am 20.01.2018
      Moment mal! Palmer hat Mathe + Geschichte auf Lehramt studiert.
      Vielleicht doch ein Glücksfall, dass er sofort nach dem Studium in die Politik gegangen ist.
  • Horst Ruch
    am 18.01.2018
    ...Prayonˋs Auftritt war wieder einmal delikat.
    Scharf wie Senf „extra scharf“. Doch bei ihrer Sichtung der drei Stuttgarter Farben rot, blau und braun dem Palmer wegen seines xenophoben Gequatsches zugeordnet, dachte ich, ich hätte mich verhört...erinnerte ich mich eher an die braune Farbe des Senfs.....der auch süß erhältlich ist.
    Kunst, Kabarett und Küche darf alles, auch manches durcheinanderbringen.
  • Matthias Koerber
    am 18.01.2018
    Was auch immer man von Boris Palmer halten mag - ihn als "braun", also als Nazi, zu bezeichnen, geht zu weit. Satire darf ja alles - im konkreten Fall: Sie dürfte auch lustig sein.
  • Peter Meisel
    am 17.01.2018
    Es scheint das Leben tatsächlich nur erträglich, wenn man den satirischen Abstand einhält. Nur damit ist die Brutalität der Wahrheit zu ertragen.
    Mein Beispiel zur Partei der Wahrhaftigkeit, CDU, habe ich im Katechismus der Katholischen Kirche unter 2469 gefunden: "Die Menschen könnten nicht in Gemeinschaft miteinander leben, wenn sie sich nicht gegenseitig glaubten, als solche, die einander die Wahrheit offenbaren"
    Gerade Tanja Gönner hat für mich dazu beigetragen:
    Zitat: "Windkraftanlagen bezeichnete die Ministerin von den neuen Energien als am weitesten ausgereift. Aber die Windkraft bringe nur einen Bruchteil der Energie von Kernkraftwerken. Neckarwestheim leiste 1100 Megawatt. Kernkraft sei ein Risiko. "Aber wir beherrschen das Risiko", betonte Ministerin Gönner. Deutschland brauche rund 3000 Kilometer neue Stromleitungen, um die neuen Energien überhaupt transportieren zu können. Und es werde über Speichermöglichkeiten nachgedacht." (Böblinger Bote 24.01.2011 Grafenau: Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner beim Neujahrsempfang der CDU Titel: Klares Bekenntnis zur Kernkraft)
  • David Sohn
    am 17.01.2018
    Warum ist Palmer xenophob? Der ist als Bürgermeister eben mit der Realität konfrontiert und lebt nicht als Abgeordneter abgehoben auf Wolken.
    • D. v. Melzer
      am 17.01.2018
      "Warum ist Palmer xenophob?"

      Ja, gute Frage. Dabei ist er es insgeheim wahrscheinlich nicht einmal. Als Politiker erzählt er jedoch nun einmal eindeutig xenophoben Kram. In jedes Mikro, dass ihm gerade hingehalten wird. Das wirft u.a. die Frage auf, ab wann eigentlich einer "so was" ist. -Den Politiker Palmer als latenten Nazi zu bezeichnen, halte ich erst mal für keine unzulässige Überspitzung.

      "Der ist als Bürgermeister eben mit der Realität konfrontiert und lebt nicht als Abgeordneter abgehoben auf Wolken."

      Mit welcher Realität? Der, dass das "Boot Tübingen" schon "voll ist", dieses bekanntermaßen größte Auffanglager Europas für gestrandete Flüchtende, wo ja - ebenfalls bekannterweise - die Scharia gilt und die von der Stadt bezahlten, zahlreichen Muezzine fünf mal am Tag von den zu Minaretten umgebauten Kirchtürmen alle Tübinger zum Gebet rufen?
      Oder vielleicht doch eher mit der Realität, dass "besorgte Bürger", sehr einflussreiche mutmaßlich, wie etwa dieser nicht namentlich genannte Professor mit seinen blonden Töchtern dem Bürgermeister seine Angst vor zu viel Schwarzem Mann innerhalb der Stadtmauern mitteilt, verbunden wahrscheinlich mit dem mehr oder weniger subtilen Hinweis, dass man wohl dann die Schwarzen oder Schlimmeres wieder wählen muss, wenn die Grünen das nicht hinkriegen?

      Welche auf welchen Wolken lebenden Abgeordneten meinen Sie? Den für seine Partei exemplarischen "Haben-wir-das-Recht-stolz-zu-sein-auf-Leistungen-deutscher-Soldaten-in-zwei Weltkriegen"-Gauland?, der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in "Leistungen" umdeutet, auf die "wir" "das Recht haben" "stolz" zu sein??
      Sicherlich haben Sie, David Sohn, aber auf jeden Fall recht damit, wenn Sie sagen, dass solche Leute offenbar extreme Schwierigkeiten mit Tatsachen und historischen Fakten haben.
      Mir ist darüber hinaus bis jetzt auch nicht aufgefallen, dass genau diese Leute, also militaristische Nationalrassisten und deren Nachahmer, wie sie in allen im BT vertretenen Parteien (leider! -je rechter die Partei, desto größer ihre Zahl, und zwar exponenziell steigend gen Rechts) zu finden sind, und die insgesamt eine parteiübergreifende, leider oft nicht schweigende Mehrheit darstellen, jetzt besonders "flüchtlings-freundlich" sein sollen. Eher das ist das kohärente Gegenteil der Fall: xenophobes Gequatsche allenthalben, mindestens.
  • L. Kanicz
    am 17.01.2018
    Es mag ein wenig detailversessen sein aber: Der Text dieser Rede erinnert mich (auch) an diesen ungeheuerlichen Stuttgarter Staatsanwalt, der eigentlich und vornehmlich Nazikriegsverbrechen wie jenes von Sant’Anna di Stazzema verfolgen sollte, sich statt dessen aber lieber als „Inquisitor“ gegen S21-Kritiker fast überengagierte.

    Das allein ist nicht überraschend, wagt man einen Blick über den Tellerrand der geschriebenen Geschichte der Bundesrepublik hinaus. Politisch überraschend allerdings war und ist jedoch, dass eben jener sich nazikriegsverbrecherfreundlich gerierende und offensichtlich S21-Kritiker-feindlich gestimmte Anwalt des Staates unter der grünen Ägide Kretschmann und seinem SPD-Justizminister Stickelberger unbeeindruckt und unbehelligt weiter „freislern“ konnte und durfte. Und wohl auch sollte.

    Einem mutmaßlich überzeugten Nazi-Bewunderer oder -Tolerierer in amtlicher Robe seine Gesinnung vorzuwerfen wäre das Eine, persönliche Bekehrung ungewiss.

    Aber dass regierende Grüne und Sozialdemokraten sich offenbar nicht ansatzweise zu schade sind, so ein ’Werkzeug’ zu benutzen, um den – plötzlich – unliebsamen S21-Protest zu „befrieden“, zeigt deutlich, wie die viel besungene, sich gerne auch liberal gebende „Mitte der Gesellschaft“ dem Faschismus 2.0 dergestalt Vorschub leistet.

    So fängt „so was“ wahrscheinlich immer an.
    Hierzulande – und das ist ein einzigartiger Skandal! – ohne je aufgehört zu haben.

    Tolle, mutige Rede, danke, Frau Prayon.
    Gut, dass kontext das aufgreift und verstärkt.

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