Brennende Barrikaden im Schanzenviertel – gleich eskaliert hier die Lage. Fotos: Jens Volle

Ausgabe 328
Gesellschaft

Der Gipfel der Entfremdung

Von Minh Schredle
Datum: 12.07.2017
Man hätte meinen können, eine muntere Pfadfindertruppe mache sich auf den Weg zum G20-Gipfel. So lustig war's im Sonderzug nach Hamburg. Doch später finden sich Reisende im Schwarzen Block wieder. Kontext ist mitgefahren.

"Entschuldigung, können Sie einen Schritt zur Seite gehen?", fragt ein vermummter Autonomer. Nichts wie weg. Zwei Sekunden später fliegt ein Pflasterstein durch die Fensterscheibe einer Bank. Das ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 7. Juli.

24 Stunden zuvor wartet am Bahnhof Kornwestheim bei Stuttgart eine jugendliche Reisegruppe auf den Sonderzug zum G20-Gipfel. Der hat drei Stunden Verspätung, denn am Abfahrtsort Basel hat die Polizei alle 160 Menschen, die mitfahren wollen, einzeln kontrolliert. Gegen mehr als 30 von ihnen wird ein Einreiseverbot verhängt. Auf Gleis 6 in Kornwestheim wird Ärger laut über die "unerträgliche Repression, mit der man als linker Aktivist verfolgt wird". Das Zitat ist an keine Person zu binden, weil niemand namentlich genannt werden will. Bilder sind unerwünscht und nur nach Absprache erlaubt. Unter den rund 200 Mitreisenden aus Stuttgart, zum Großteil zwischen 16 und 25 Jahre alt, sind viele friedfertige Demonstranten, aber, wie die kommenden Tage zeigen werden, auch Befürworter von Militanz und gewaltbereite Radikale.

Die Stimmung im Zug ist gut, fast euphorisch. Viel Gelächter, ausgelassene Blödeleien, das Herumgealbere von Heranwachsenden. Im Gastroabteil, einem von insgesamt elf Waggons, servieren Dreadlockträger veganes Gulasch und Karotte-Ingwer-Suppe, alles frisch und selbstgemacht. Essen und Trinken kosten nix, wer keine Kohle hat, muss nichts zahlen, wer was über hat, soll's spenden. Die Tageszeitung der Wahl ist die "junge Welt", an den Wänden hängen Plakate mit Slogans wie "Solidarität mit den Befreiungskämpfen in Rojava" oder "Weg mit dem Verbot der PKK". Abgesehen von den überall präsenten Politparolen könnte man während der 13-stündigen Fahrt auch den Eindruck gewinnen, hier würde eine muntere Pfadfindertruppe reisen. 

"Wir sind hier nicht zum Spaß"

Am Hamburger Hauptbahnhof warten mehrere Hundertschaften der Polizei auf die Ankunft der insgesamt etwa 800 Leute, die an sechs Stationen quer durch die Republik zugestiegen sind. Sie begleiten uns bis zum Protestcamp im Altonaer Volkspark. Es ist Mittagszeit, die Sonne steht im Zenit. Etwas abseits sitzt Alejandro, keine 20 Jahre alt. Er hat einen gefalteten Hut aus Zeitungspapier auf dem Kopf, aber der kam, wie er sagt, zu spät: die Hitze sei ihm schon zu Kopf gestiegen. Jetzt attestiert er seinem Gesprächspartner "vampiresk anmutende Schneidezähne", ein paar Minuten später springt er auf, um sich sein letztes Dosenbier einzuverleiben. Sehr zum Ärger eines Kurden, der sagt: "Wir sind hier nicht zum Spaß." Die Vereinbarung laute "keine Drogen" und gelte seit diesem Donnerstag. Alejandro entgegnet, als Autonomer habe er Schwierigkeiten, solche Anordnungen zu akzeptieren. Später wird er sich dem Schwarzen Block anschließen und Steine schmeißen. Was erst richtig deutlich wird, wenn man die Beteiligten unmaskiert vor sich sieht: Ein großer Teil der radikalen Militanten ist noch mitten in der Pubertät.

Sie finden sich bei der "Welcome to hell"-Demo am Fischmarkt in St. Pauli wieder, wo es zu den ersten größeren gewaltsamen Ausschreitungen kommt. Die Verantwortlichen dafür sind, je nach Position, schnell gefunden: die Polizei oder die Chaoten. Dass es aus beiden Lagern Übergriffe gab, die sich schwer rechtfertigen lassen, kann anscheinend kaum einer glauben. Vermummte werfen Steine aus der Masse überwiegend friedlicher Demonstranten, die Polizei erwischt mit Wasserwerfen, Tränengas und Pfefferspray auch Unbeteiligte, Pressefotografen, Journalisten und Anwälte. Ein Franzose, Anfang 30, mit verdächtig wenigen Zähnen im Mund, sagt, im Vergleich zu dem, was er aus seiner Heimat gewohnt sei, verhielten sich beide Lager "sehr harmlos."

Im Arrivati-Park, kaum größer als ein gutbürgerlicher Schrebergarten, feiern am Freitag gegen 20 Uhr ein paar hundert Gipfelgegner in aller Seelenruhe. Keine 30 Meter weiter sind vier Wasserwerfer im Einsatz, und ein Räumungspanzer steht bereit. Demonstranten rufen Polizisten entgegen: "Wir sind friedlich, was seid ihr?" Gleichzeitig fliegen aus ihren Reihen Flaschen, Böller und Steine auf die Beamten. Aus einem Lautsprecher ertönt immer wieder die gleiche Ansage: "Unterlassen Sie das Werfen von Gegenständen, oder wir sind gezwungen, unmittelbaren Zwang anzuwenden." Die Reaktionen sind jedes Mal die gleichen. Höhnisches Gelächter, noch während der ersten Worte werfen Vermummte die ersten Gegenstände.

Mit Lennons Hippie-Hymne gegen Gewalt

Auch die Organisatoren im Arrivati-Park rufen alle paar Minuten dazu auf, friedlich zu bleiben oder zu werden. Ein paar Aktive sammeln Glasflaschen ein, versenken Pflastersteine tief in Gebüschen, um sie möglichst unschädlich zu machen. Zwischendurch läuft Musik, aus den Lautsprechern ertönt auch John Lennons Hippie-Hymne: "All we are saying is give peace a chance". Bühne und Mikrofon sind offen für alle, ein Mitzwanziger mit krausen Locken und bunter Sonnenbrille fragt: "Wie können wir von unseren Regierungen verlangen, Kriege einzustellen und dabei Menschen mit Steinen beschmeißen?" Ein paar Buh-Rufe gibt es. Aber vor allem Applaus.

Nur einen halben Kilometer weiter, Am Schulterblatt, bahnen sich die brutalen Ausschreitungen an, die später alle begründete Kapitalismuskritik und jeden friedlichen Protest gegen G20, wie die Demo von 100 000 Menschen am Samstagmittag, überschatten werden. Die Polizei hat die Zufahrten rund um den Neuen Pferdemarkt fast vollständig mit Wasserwerfern, Räumungspanzern und dutzenden Hundertschaften umstellt. Die einzige Route, die den Vermummten offen bleibt, führt ins Schanzenviertel. Dort beginnen Radikale mit Straßenschildern Pflastersteine aus den Straßen zu hebeln, in Teile zu schlagen und faustgroße Wurfgeschosse auf großen Haufen zu stapeln. Andere errichten Barrieren, die wenig später brennen werden.

Die Polizei versucht mit einer Hundertschaft vorzudringen, weicht aber unter einem Hagel von Steinen zurück. Von den Dächern schießen Extremisten Stahlgeschosse mit Steinschleudern, die nach Angaben der Polizei eine lebensgefährliche Bedrohung für die Beamten dargestellt haben. Die Staatsmacht zieht sich zurück und überlässt das Viertel der Anarchie. Parallel dazu sitzen die Mächtigen dieser Welt wohlbehütet und isoliert in der protzigen Elphi und hören Beethovens neunte Sinfonie mit der bekannten Textzeile: "Deine Zauber (die der Freude, d. Red) binden wieder, was die Mode streng geteilt; alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt."

Vier Stunden lang ist kein einziger Polizist in der Schanze, Vermummte plündern, Opfer der immensen Zerstörungswut wird neben unzähligen anderen Objekten auch eine Supermarktkette, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Ein bekannter Radikaler aus Hamburgs autonomen Zentrum sagt dazu später so salopp, als wäre es das normalste der Welt, grundsätzlich sei "wenig dagegen einzuwenden, eine Bank anzuzünden oder andere symbolträchtige Ziele anzugreifen". Einen kleinen Kiosk kaputtzuschlagen, findet er hingegen "völlig gestört". Er könne sich das nur so erklären, dass "Trittbrettfahrer" die Gunst der Stunde genutzt hätten, ein paar Gratisgüter abzustauben. Außerdem wären viele "Krawalltouristen" und "Eventhopper", auch aus dem Ausland, unterwegs, die "mal ordentlich auf den Putz hauen" wollten.

Vier Kilometer weiter, im Protestcamp im Volkspark, liegen gegen Mitternacht die Nerven blank. Eine junge Soziologiestudentin humpelt auf Krücken herum, sie hat ein fettes blaues Auge, die ganze rechte Gesichtshälfte ist geschwollen. "Gehört dazu", kommentiert sie trocken. Sie hat das schon öfters erlebt und ist deutlich ruhiger als die meisten hier, die morgens um drei Uhr geweckt werden. Alarm. Die Polizei, heißt es, räume das Camp. In wilder Panik stürmt eine Handvoll in Richtung Gebüsch davon. Eine halbe Stunde später die Durchsage: falscher Alarm. Um sechs Uhr rückt die Polizei tatsächlich an, nicht um das Camp zu räumen. Sondern um alle, die ein und aus gehen, zu kontrollieren und zu erfassen.

Am Tag nach den Krawallen ist das Schulterblatt im Schanzenviertel überlaufen wie ein Rummelplatz. Schaulustige bestaunen mit offenem Mund den geschmolzenen Asphalt, wo bis vor wenigen Stunden Barrikaden brannten, und machen Selfies vor den zertrümmerten Fensterscheiben einer Sparkasse. Die Kioskläden, die die Nacht überstanden haben, machen vermutlich den Umsatz ihres Lebens. Und dort, wo die Max-Brauer-Straße das Schulterblatt kreuzt, nur ein paar Meter neben der Roten Flora, hängt mit Frischhaltefolie befestigt ein Stück Karton an einem Baum. In blauer Schrift steht darauf: "Ganz Hamburg hasst Gewalt."

Im Ernst: den Ernstfall proben

Wie schön wäre das, wenn das Schild recht hätte. Aber dem ist nicht so, auch nicht im Lager der Demonstranten. Einer, der sich als Revolutionär verstanden wissen will, erläutert, ein radikaler Umsturz würde nun mal "selten gewaltfrei" ablaufen und verweist auf die Französische Revolution, die "ohne Blutvergießen auch nicht geklappt hätte". Die Auseinandersetzungen mit der Polizei dienten auch dazu, "Erfahrungen für den Ernstfall zu sammeln und Strategien zu erproben", als eine Art Guerilla-Kampf gegen "die staatlich-repressive Übermacht".

Auch Fred, Mitte 20, und ebenfalls ein überzeugter Militanter, erachtet diese Aktionen als "notwendig". Deswegen sei er aber kein Unterstützer von Gewalt, findet er. "Das sind diejenigen, die kriegerische Bundeswehreinsätze, Waffenexporte nach Saudi-Arabien oder deutsche Panzerfabriken in der Türkei schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, aber sich empören, wenn ein paar Bullen 'n bisschen was abkriegen." Allein durch das Handeln der aktuellen Regierung seien "mehr Menschen zu Schaden gekommen, als durch alle sogenannten Linksextremisten der Bundesrepublik". Im Übrigen greife man Polizisten "nicht als Menschen, sondern als Symbole an". Ob er glaubt, damit auf Verständnis bei den Betroffenen und deren Umfeld zu stoßen? Fred sagt, es werde "keiner gezwungen, ein Bulle zu sein." Niemand hat das Recht zu gehorchen, zitiert er Hannah Arendt.

Am Gleis 13, Hamburg, Samstag, 23:00 Uhr, Rückfahrt des Sonderzugs. Die Heimreisenden sind nervlich und körperlich am Ende. Viele haben schwere Verletzungen davongetragen. Blaue Augen, geschwollene Gesichter, verlorene Zähne, ein doppelter Kieferbruch, teils mehrere gebrochene Gliedmaßen - und wieder viel Ärger über die Repression. Aus Angst, die Polizei könnte Verletzte aus dem Zug herausziehen oder Personen anhand von Aufnahmen der Ereignisse der Vortage identifizieren, verhängen sie fast alle Fenster mit Fahnen und Transparenten, die Türen werden blockiert. Ein Stuttgarter sagt, man müsse sich nach so viel Drama auch um die Psyche der Betroffenen kümmern. Auch das gehöre zum Widerstand. Wie er es mit der Gewalt hält, jetzt nach Hamburg, möchte er nicht offen sagen. Dazu könne man viele Meinungen haben, meint er, und er habe seine.


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6 Kommentare verfügbar

  • Rolf Steiner
    am 14.07.2017
    Wie wir doch ständig belogen werden: Von der Polizei hieß es zunächst 476 Beamte seien bei den Protesten verletzt worden. Wie Buzzfeed mit Bezug auf das bayerische Innenministerium und weitere Polizeibehörden berichtet, waren diese jedoch in der „erweiterten Einsatzphase“ – also zwischen dem 22. Juni und dem 10. Juli – verletzt worden und erkrankt. Während des Gipfels und an den Protesttagen wurden 231 verletzt, also weniger als die Hälfte. Mehr als 95 Prozent aller Polizisten konnten nach Behandlung vor Ort weiter arbeiten – nur 21 der 476 waren auch am Folgetag nicht einsatztauglich. Dieses törichte Bohai des Bürgermiisters Schulz und seinem Totalvesager des Jahres, dem Einsatzleiter Dudde, wurde bereitwillig von den "gehorsamen" Medien übernommen. Etwas mehr RECHERCHE könnte nicht schaden.......

    Gestern war in den Nachrichten die verstörende Meldung zu entdecken, dass 133 Kinder (!!!) auf Grund von Gewalt 2016 gestorben sind. Kein Politiker stellt sich hier an die Mikrofone und sagt, er schäme sich. Obersaubermann Thomas d. M. aus dem schwarzen Lager empört sich bei Dunja Hayali, über den Rechtsverstoß des Vermummens, nach dem Motto, alle anständigen Demonstranten hätten doch gefälligst den Anordnungen der Polizei Folge zu leisten. Dieses blindwütige Echauffieren wäre dann glaubwürdiger, wenn die Bundesregierung mit der gleichen Entschiedenheit gegen Rechtsbrüche, wie sie im Abgasskandal herausgekommen sind, auftreten würde und vor Allem: Es gar nicht so weit hätte kommen lassen ! ! !
  • Schwa be
    am 13.07.2017
    Offener Brief einiger Gewerbe- und Geschäftstreibenden im Schanzenviertel zu den tagelangen Vorkommnissen! Quasi Augenzeugenberichte mit m.E. aufklärendem und informativem Charakter!
    Hier der Link: http://www.nachdenkseiten.de/?p=39153
    Anmerkung von mir zu der Aussage im Artilel, dass der "...Ursprung dieser Wut in der verfehlten Politik des Rot-Grünen Senats..." gesehen wird. Aus meiner Sicht spielt es keine Rolle welche "Art" von bürgerlicher Politik der "radikalen Mitte" bei solchen Veranstaltungen das Sagen hat. (Neo)konservative, liberale oder (aggressiv) nationalistisch dominierte Senate in Hamburg hätten hier m.E. nicht anders gehandelt, sprich genau so viel Schuld auf sich geladen - die ich natürlich auch sehe!
  • Marla V.
    am 12.07.2017
    Der Artikel könnte auch in der Welt, der FAZ, der STZ stehen.....
    Gut, dass es noch anderen Medien gibt, die andere Blickwinkel beleuchten!
    Und vor allem demokratische Grundsätze einhalten: Beweise aufgrund von Hörensagen aufgrund von Gedankenketten..... der Anfang vom Untergang!
    Nach dem 30. sagten mehrfach gut situierte Halbhöhenlagen Frauen: jetzt könnten sie die RAF 'verstehen' ... heißt 'verstehen' gleich, unterstützen, auch machen? NEIN!

    Müssten nicht gerade von Stuttgart, von einer S21 Widerstandszeitung Analysen, kritisches Hinterfragen und auch Ohmachtsfragen gestellt werden?
    Oder glaubt man wer die Mainstream Täterschaft in Frage stellt ist sofort Sympathisant?

    https://www.rubikon.news/artikel/hamburg-und-der-tiefe-staat
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=39137 : wem nützt die Gewalt?
    https://youtu.be/DE1X9t4IsvE Heiligendamm
    https://youtu.be/qIU8s1TpfNQ Stuttgart am 30.09.
    • Heinrich VI.
      am 12.07.2017
      Verstehe ich dich richtig Marla? Du willst keine „Beweise aufgrund von Hörensagen aufgrund von Gedankenketten“..... Aber verlinkst dann Artikel die genau eben keine Beweise liefern? V-Leute, Zivilbullen, getarnte Rechte, unpolitische Idioten.. kann gut sein, dass die alle mitgemischt haben in Hamburg. Kann sehr gut sein, gerade wenn man nach dem Cui Bono fragt... 99%.. .aber. Eben die Beweise dafür fehlen meines Wissens noch. Oder hab ich was übersehen? Nur weil es stimmig wäre ist es nicht keine Spekulation. Oder?? Gute Überlegungen dazu: https://www.heise.de/tp/news/Und-wer-war-noch-so-im-Schwarzen-Block-in-Hamburg-3770308.html

      Und ncoh was. Als Linker finde ich muss man auch hingucken was abgeht in der eigenen Szene. Normalerweise ist das ein Vorwurf von uns an Konservative und Biedermeier. Das die nicht genau hinschauen wollen bei Aufarbeitung. Jetzt gibt es ganz klare Hinweise.. man könnte auch sagen Beweise... das hier in Antika-Kreisen militantes Vorgehen strategisch geplant wird. Find ich nich so geil und will ich nichts mit zu tun haben. Gut, wenn das zur Sprache kommt. Meinungsbildung uns so....
  • Rolf Steiner
    am 12.07.2017
    Dass es sowohl in Athen, in Madrid, Toronto, Genua, Barcelona, Heiligendamm, Stuttgart vermutlich "Usus der Polizei"war , agents provocateurs in die Reihen der Demonstranten einzuschleusen, um mit provozierten und evtl. sogar selbstbegangenen Gewalttaten die jeweiligen Proteste zu diskreditieren, nimmt bis jetzt leider keiner der bekannten deutschen Journalistendarsteller wahr.
    • Andrea H.
      am 12.07.2017
      Ich denke nicht, dass die Erklärung für Hamburg so einfach ist. Agents Provocateurs allein wären wohl zu Gewalt in diesem Ausmaß kaum fähig gewesen, oder? Da müssen schon beide Seiten ihren Beitrag geleistet haben, damit eine ganze Veranstaltung so aus dem Ruder laufen kann. Und kritische Beiträge, die das beleuchten, gibt es durchaus.

      Was mich so traurig macht ist, dass ein Ausmaß an Bildern von Gewalt, Plünderung und Zerstörung erzeugt wurde, das alles andere vollständig überdeckt. Niemand spricht von den Ergebnissen, die der Gipfell nicht hat, von den wichtigen Themen, die gar nicht erst angesprochen wurden und von der Kritik, der vom friedlichen Teil des Protests geäußert wurde. Natürlich ist es zu verurteilen, wenn Medien, Polizei und Politik von Molotow-Cocktails berichten, die es nie gegeben hat. Aber was genau hätte das Werfen von Böllern oder Bengalos bewirken sollen? Denn dass brennendes geworfen wurde, ist nicht mehr zu bestreiten.

      Das, zusammen mit dem erschreckenden Demokratieverständnis eines beachtlichen Teils der Bevölkerung , das sich auf Facebook in Hetzjagden Bahn bricht, wird jetzt zum Teil des Wahlkampfs und bleibt ohne jeden Inhalt.

      Ich frage mich, warum ist die Gesellschaft nicht in der Lage, sich vom gewaltbereiten Teil solcher Kundgebungen ausreichend zu distanzieren. Die Grenze zwischen zivilem Ungehorsam und Gewalt ist doch nicht so schwer zu ziehen. Wäre eine Kundgebung in der Lage, Gewalt "auszusortieren", die Agents Provocateurs würden einfach zusammen mit den Gewalttouristen - deren Existens m. E. ebenfalls nicht zu leugnen ist - ausgespuckt. Vielleicht liegt das ja doch daran, dass der Anteil größer ist, als wir das alle immer wahrhaben wollen?

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