Von Distanzierung keine Spur mehr auf der Website der Mate-Kapelle. Screenshot: matekapelle.de

Ausgabe 300
Gesellschaft

Weiter sumpfen

Von Minh Schredle
Datum: 28.12.2016
Für braune Aufmerksamkeit sorgte 2016 die Narrenkapelle Mate in Ehingen. Erst wurden in einer internen WhatsApp-Gruppe rechtsextreme Bilder verschickt, dann wurden Mitglieder rausgeworfen, die den Skandal öffentlich machten. Was ist seitdem passiert?

Mit einer Kakophonie verstimmter Blasinstrumente und scheppernden Schlagwerks wird begrüßt, wer sich auf die Internetseite der Mate-Kapelle Ehingen verirrt. Dort konnte man ab vergangenen April eine Erklärung zu rechtsextremen Umtrieben im närrischen Herrenverein nachlesen. Inzwischen ist die allerdings wieder verschwunden. Heute gibt es auf der Homepage keinen Hinweis mehr auf die schrägen Töne im vergangenen Jahr und deren kuriose Folgen.

Unter Namen und Logo der Mate-Kapelle sind damals rechtsextreme Bilder und Inhalte per WhatsApp verbreitet worden. Drei Mitglieder wollten das nicht hinnehmen. Sie forderten eine Debatte darüber, wie man mit derlei Umtrieben umgehen wolle. Zwei von ihnen wurden daraufhin rausgeworfen, beim dritten wurde die nötige Mehrheit dafür knapp verfehlt. Er ging daraufhin von selbst. 

Keiner der Ausgeschlossenen will heute noch etwas mit der Narrenkapelle zu tun haben, berichtet der Journalist Wolfgang H. Schmid gut ein halbes Jahr später. Er hatte im Mai für Kontext über die Vorfälle berichtet. Was in der Folge geschah? "Die Geschichte hat sich völlig im Sande verlaufen", sagt Schmid: "Der Fasnetverein ist einfach zum Tagesgeschäft übergegangen."

Schön unter den Teppich kehren und Kritiker loswerden – die Methode scheint Erfolg zu haben. Zumal in der Lokalpresse nur verhalten über die Vorgänge berichtet wurde. Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, sprach im Mai noch von einem Skandal. Es gehe nicht an, Mitglieder auszuschließen, die sich gegen rechtsextreme Entwicklungen stellten. Heute erklärt er gegenüber Kontext: "Ich habe die Aufarbeitung nicht weiter verfolgt und möchte mich daher nicht spekulativ äußern." Tschinderassabum!



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