Vollgas voll laut. Fotos: Joachim E. Röttgers

Vollgas voll laut. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 228
Gesellschaft

Das Dröhnen der Motoren

Von Jürgen Lessat
Datum: 12.08.2015
Im Weinflecken Schnait vor den Toren Stuttgarts geben Biker gern Vollgas. Zum Leidwesen der Anwohner, die seit Jahren gegen Motorradlärm auf kurvenreicher Strecke ankämpfen. Nun soll ein halbherziges Tempolimit versuchsweise für mehr Ruhe sorgen – während die Kradlawine deutschlandweit weiterrollt.

Oswald Meier kann sich schon lange nicht mehr freuen, wenn an Wochenenden die Sonne vom Himmel lacht. "Dann ist hier die Hölle los, da verstehen Sie ihr eigenes Wort nicht mehr", erzählt der 65-jährige Rentner, der seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Mit dem schönen Wetter fallen sie ein in Schnait, einem Ortsteil von Weinstadt im Remstal, gut 15 Kilometer östlich von Stuttgart. Behelmte Gestalten auf ihren Feuerstühlen, häufig mit mehr als 100 Pferdestärken unter dem Allerwertesten. Oft allein, manchmal auch als "marodierendes Rudel", wie Meier die Karawanen von K-Rad-Fahrern bezeichnet, die an seinem Haus in der Weinstraße vorbeidröhnen. 270 Maschinen in dreieinhalb Stunden zählte das Ordnungsamt vergangenes Jahr an einem Maisonntag. "Der Verkehr hat massiv zugenommen, heute fährt hier noch viel mehr durch als früher", zürnt er.

Kaum einer der Biker kommt, um zu bleiben. Sondern um Gas zu geben auf der K 1865, die von der Gaststätte Lamm unten im Flecken in sieben Kehren steil hinauf in den Schurwald führt. "Die Streckenführung verleitet viele zum Rasen und lärmintensiven Ausdrehen der Gänge", sagt Meier. Auf Youtube hat einer der Fahrer die Abfahrt vom aussichtsreichen Höhenzug hinunter ins Tal dokumentiert. Der Clip zeigt, wie beim Beschleunigen aus den Kurven der Drehzahlmesser am roten Bereich kratzt, wie Mensch und Maschine mit über achtzig Sachen in den Ortskern rasen. Ein großes Schild der Verkehrswacht, das am Straßenrand ein schlafendes Baby und ein unmissverständliches "Pssst. Rücksichtsnahme" zeigt, bleibt unbeachtet. "Die strecke macht sooo bock", freut sich ein Kommentator mit leichter Rechtschreibschwäche.

Die Anwohner fordern eine Verkehrsberuhigung

Viele der rund 250 Anwohner dagegen sind mit ihren Nerven längst am Ende. "Das war nicht mehr auszuhalten", begründet Meier, warum sich Lärmgeplagte im Jahr 2002 in der "Interessengemeinschaft gegen Lärm und Raserei" zusammenschlossen. Seither fordern sie, im wahrsten Sinne des Wortes, Verkehrsberuhigung. Eine, die das Leben im Geburtsort des Chorleiters Friedrich Silcher wieder erträglich macht. "Die Rechtslage gibt verkehrsbeschränkende Maßnahmen nicht her", bekamen sie jahrelang zu hören. Auch von Weinstadts Oberbürgermeister Jürgen Oswald, der selbst "sehr gut nachvollziehen kann, dass der Lärm der Motorräder insbesondere in der Sommersaison für die Anwohner der Schnaiter Weinstraße nicht angenehm ist".

Man habe zusammen mit allen Verantwortlichen schon vor Jahren alle rechtlichen Möglichkeiten intensiv geprüft, erinnert das Stadtoberhaupt. Doch Anträge der Kommune auf Tempo 30 wurden vom zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart immer abgeschmettert. Während Windräder oder Gewerbebetriebe strikten Lärmschutzvorgaben unterliegen, gestehen Gesetzgeber und Behörden dem Verkehr, insbesondere den motorisierten Zweirädern, offenbar mehr Freiheiten zu.

Denn Behörden können die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken beschränken oder verbieten, wie Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt. Etwa "aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung", wenn es immer wieder an der gleichen Stelle kracht. Einschreiten dürfen sie auch "zum Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen". "Wir handhaben dies sehr restriktiv", sagt Klaus Trautmann, Leiter des Verkehrsreferats im Stuttgarter Regierungspräsidium. Anders gesagt: Straßen sind aus Sicht der Behörden zuallererst für den Straßenverkehr da. Und nicht für Anwohner, die an ihnen wohnen.

Dabei lässt sich nicht einheitlich beantworten, wann Verkehr zu laut ist. Denn es existieren verschiedene Grenz-, Richt- und Orientierungswerte mit spezifischen Anwendungsbereichen. So nennt das Bundesimmissionsschutzgesetz 59 Dezibel (dB(A)) tagsüber und 49 Dezibel nachts als Grenzwert in reinen Wohngebieten. In Dorfgebieten liegt er tageszeitabhängig bei 64 und 54 dB(A). Allerdings gelten diese Werte nur beim Neubau von Straßen. An bestehenden Verkehrswegen darf Verkehrslärm deutlich höher sein, nämlich 60 dB(A) nachts und 70 dB(A) am Tag. Der Unterschied ist aus menschlicher Sicht beträchtlich: Eine Pegeländerung um 10 Dezibel entspricht etwa einer Verdopplung beziehungsweise Halbierung der subjektiv empfundenen Lautstärke.

Das Problem sind die lauten Ausnahmen

In der Praxis taugen die Grenzwerte nicht immer, beispielsweise wenn einzelne laute Vorbeifahrten durch LKW oder, wie in Schnait, durch Motorräder zum Problem werden. Ein Fahrverbot für diese Fahrzeugarten würde eine spürbare Entlastung für Anwohner bringen, auch wenn sich das nicht entsprechend in der Senkung des Mittelungspegels niederschlägt. Auch wirksame Geschwindigkeitsbeschränkungen vermindern die Geräusche der einzelnen Fahrzeuge bei Vorbeifahrt besonders stark. "Dies führt dazu, dass solche Geschwindigkeitsbeschränkungen von der betroffenen Bevölkerung positiver bewertet werden als dies im Rückgang des errechneten Lärmpegels zum Ausdruck kommt", heißt es auch unter Ziffer 3.3 der behördlichen Lärmschutz-Richtlinien.

Dieser Erkenntnis verschließt man sich inzwischen auch im Stuttgarter Regierungspräsidium nicht mehr. "Nach jahrelangen Gesprächen und Diskussionen", so Weinstadts Sprecher Jochen Beglau, stimmte die Behörde im vergangenen Jahr einem Verkehrsversuch zum Lärmschutz in Schnait zu. An Wochenenden und Feiertagen im Sommerhalbjahr gilt Tempo 40 innerorts sowie Tempo 70 jenseits des Ortschilds. Im Frühjahr stimmte das Verkehrsministerium einer Verlängerung des Pilotversuchs für die diesjährige Motorradsaison bis zum 31. Oktober zu. Das erste Testjahr hatte noch kein eindeutiges Ergebnis geliefert. Unabhängig davon hatten die Schnaiter mehr gefordert. "Woanders ist heute Tempo 30 gängig, um Verkehrslärm zu bekämpfen", betont Anwohner Meier.

Doch die meisten Motorräder lärmen legal. Der Grund: Die Maschinen sind in der Praxis deutlich lauter als ihnen das EU-Genehmigungsverfahren zugesteht. Zwar gelten ab 1. Januar 2016 für neue Motorräder verbesserte Messvorschriften zur Lärmbegrenzung. Doch auch diese sind noch immer viel zu weit vom praktischen Fahrbetrieb entfernt, wie ein Versuch des baden-württembergischen Verkehrsministeriums auf dem Flughafen Lahr im Mai ergab.

Wie laut die Motorräder in Schnait sind, veranschaulicht seit kurzem ein Messgerät. Ein Lärmdisplay, vom Landtagsabgeordneten Jochen Haußmann (FDP) von einer Bürgerinitiative im sächsischen Radebeul ausgeliehen, misst die Schallintensität bei Vorbeifahrten. "Mehr als 60 dBA? Bitte Gas weg!", fordert die Anzeigentafel, ähnlich wie bei Tempotafeln. "Es ist ein deutlicher Appel an die Vernunft der Motorradfahrer", so Oberbürgermeister Oswald bei Aufstellung der Anlage, um deren Betrieb sowie Datenauswertung sich die Anwohner kümmern.

Doch während in Schnait Hoffnung auf Ruhe aufkeimt, dröhnt es woanders weiter, wo Landschaft schön und die Kurven eng sind. In Mittelgebirgen und in den Alpen herrscht an schönen Tagen "eine Geräuschkulisse wie auf der Rennstrecke", so die Klagen von Bürgerinitiativen bundesweit. Doch nicht nur in Erholungsgebieten und Urlaubsregionen, auch in den Ballungsräumen leiden immer mehr Menschen unter den Easy Ridern. "Laute Motorräder sind der Schlafkiller Nummer eins im Revier", berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung kürzlich über Untersuchungen an der Autobahn A 45 in Dortmund.

Es hat mehrere Gründe, warum Biker immer mehr Menschen auf die Nerven gehen. Zum einen ist es die rasant wachsende Bestand motorisierter Zweiräder, der Ende 2014 mit 5 939 954 zugelassenen Fahrzeugen an der 6-Millionen-Grenze kratzte. Im vergangenen Jahr verzeichnete die deutsche Motorrad- und Rollerbranche mit 8,7 Prozent den höchsten Zulassungsaufschwung der letzten 17 Jahre. Allein die Zahl der Motorräder stieg in diesem Jahr laut Kraftfahrtbundesamt auf über 4,145 Millionen Maschinen. Mit 1,94 Krafträder pro 1000 Einwohner ist Bayern mit Abstand das Biker-Land Nummer Eins, gefolgt von 1,38 Bikes auf 1000 Hessen und 1,36 K-Räder in Baden-Württemberg. "Die Rahmenbedingungen dafür sind großartige neue Modelle, eine neue Lust auf Motorräder und Roller als urbane Mobilitätsgaranten und die stabile deutsche Wirtschaftspolitik", berichtet der Industrieverband Motorrad. Genervte Anwohner wie Oswald Meier sehen den Motorrad-Boom dagegen als Ausdruck einer Wohlstandsgesellschaft, in der individuelles Vergnügen mehr zählt als verantwortungsbewusstes Verhalten: "Wer nach Feierabend kurz mal hundert Kilometer Richtung Alpen runterreist, macht sich keine Gedanken über Anwohner oder Klimawandel."

Im Test zeigte sich, dass einzelne Motorräder bei einer praxisnahen Auslegung des Messverfahrens mehr als 10 dB(A) lauter waren als im gesetzlichen Verfahren. Insbesondere lärmintensives hochtouriges Beschleunigen und straßenübliche Geschwindigkeiten über 80 km/h werden in den EU-Messvorschriften nicht berücksichtigt, kritisiert Staatssekretärin Gisela Splett als Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung. Für Anwohner beliebter Motorradstrecken ist das keine gute Nachricht: Auch vorschriftsmäßige neue Motorräder werden bei sportlicher Fahrweise auf Jahre hinaus massiv Lärm verursachen.

Zahlreiche schwarze Schafe

Zudem gibt es zahlreiche schwarze Schafe, die ihre Maschinen manipulieren. Zwischen März und Mitte Juli 2015 kontrollierte die "Kontrollgruppe Motorrad" der bayerischen Polizei in Oberbayern 1400 Biker. Dabei stellten die Beamten 308 Ordnungswidrigkeiten, 123 Verwarnungen und 18 Straftaten fest. Das entspreche einer Beanstandungsquote von knapp 30 Prozent, was "ein immens hoher Wert ist", so der verantwortliche Polizeiführer. Die meisten Verstöße betrafen Manipulationen an der Auspuffanlage. "Mindestens ein Drittel der Fahrer schraubt die Schalldämpfer von ihren Auspuffen, was ohrenbetäubenden Krach verursacht", sagt auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und kritisiert, dass dieses illegale Imponiergehabe seit Jahren geduldet werde. "Wer erwischt wird, muss beim TÜV nur mit (zu diesem Anlass) eingeschraubtem Schalldämpfer vorfahren", fordert die Organisation, Motorräder mit entferntem Schalldämpfer aus dem Verkehr zu ziehen.

Eine Leserumfrage des BUND-Magazins zu Motorradlärm traf einen Nerv. In 160 Zuschriften schilderten Anwohner von Motorradstrecken und Wanderer in verlärmten Erholungsgebieten ihre Negativerlebnisse und verlangten Abhilfe. Motorradfahrer fühlten sich dagegen zu Unrecht angegriffen, verwiesen auf andere Lärmquellen. Auspuffhersteller und die Politik kritisierten die Fragestellung des BUND als zu einseitig und tendenziös. Die heftigen Reaktionen nötigte die Umweltschützer zu einer Klarstellung: "Der BUND und sein Arbeitskreis Motorradlärm kritisieren nicht die Gesamtheit oder auch nur die Mehrheit der Motorradfahrer, sondern will dazu beitragen, dass die "schwarzen Schafe" nicht weiter ihren - nachweislich besonders wahrnehmbaren und lästigen - Motorradlärm über Stadt und Land verbreiten."

In lärmgeplagten Weinort Schnait wollen die Behörden im Herbst entscheiden, ob künftig ein dauerhaftes Tempolimit gilt.

 

Weiterführende Links:

Arbeitskreis Motorradlärm im BUND

Bundesverband der Motorradfahrer


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15 Kommentare verfügbar

  • Schwaben Streich
    am 17.08.2015
    Da bläst man jahrelang zum Schwabenstreich und läuft laut trillernd durch die Stadt. Und jetzt den lärmsensiblen Spießer raushängen :-)
  • Gregor
    am 17.08.2015
    Bei dem ganzen Argumentieren der Leser hier wird eines völlig vergessen: Motorradfahren geht auch leise - nur eben nicht mit 150 PS, offenen Auspuffrohren, Auspuffklappen bzw. Auspuff mit EU ABE. Auch Autofahren geht leise - nur halt nicht mit dem aufpreispflichtigen Sportauspuff oder mit dem Porsch/AMG-Daimler etc. Alle, die hier das Spektakel produzieren und ihre Umwelt belästigen, haben für ihren Lärm bezahlt. Es geht nicht gehen das Normalmotorrad mit dem Tourenfahrer, sondern gehen diese Supersportler in ihren Strampelanzügen bzw. die Damen und Herren bei der Sommerfastnacht auf ihren Harley-Schleifsteinen. Das Ego macht den Lärm - und der ist leider nicht zu vergleichen mit oder Laubbläsern. Mit meinem Nachbarn kann ich wegen des Rasenmähens reden. Am Sonntag stehen Ordnungsgelder von bis zu 10.000 Euro auf Rasenmähen. Aber diese anonymisierte Sippschaft beruft sich auf ihre Freiheit, anderen auf die Nerven zu gehen - wann, wo und wie sei will.
  • Sigi.L
    am 17.08.2015
    Was ist nicht alles erlaubt, was Lärm verursacht : Flugzeuge, LKW, PKW, Traktoren, Kettensägen, Rasentrecker, Laubbläser, ATV’s und natürlich Motorräder.

    Wer käme denn auf die Idee, das alles zu verbieten ? Nein, der Krach, den ich selbst verursache, ist ja nicht wirklich nicht störend - nur die Anderen nerven, klar.

    Der Punkt ist doch, dass mit allen modernen ‚Fortbewegungsmitteln‘ sowohl in der Industrie, dem Handwerk als auch beim Staat (KFZ- und Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer) kräftig daran verdient wird und kaum jemand Interesse daran hat, das zu ändern. Und zu glauben, Lärm ließe sich nach notwendig, unvermeidlich oder als Begleiterscheinung individuellen Vergnügens einordnen, sollte doch mal sein eigenes Verhalten überprüfen. Der Urlaubsflieger nach Malle macht Krach, jedes Kaff muss heute ‚Events‘ veranstalten, die lange Autoschlangen der Besucher nach sich ziehen usw. Es gäbe noch tausende weiterer Beispiele.

    Ich fahre selbst gern und viel Motorrad, aber ein neues ‚leises‘ Motorrad zu erwerben, ist fast unmöglich. Da werden Auspuffklappen verbaut (im Messbereich leise, in der Praxis laut), oder mit zugelassenen, ‚besser klingenden‘ Töpfen bekannter Hersteller bestückt - alles legal selbstverständlich. Es wäre Aufgabe des Gesetzgebers, hier sozialverträglichere Lärmobergrenzen festzulegen und auch wirklich durchzusetzen - wird aber nicht gemacht.

    Ebenso bei den bestehenden Fahrzeugen, wird aber auch dort nicht gemacht. Im Gegenteil, was bis zum 01.05.2014 noch Punkte in Flensburg einbrachte (manipulierter Auspuff), kostet heute € 90.- ohne Punkte. Hier in Norddeutschland könnte man damit eine Menge Bußgelder einnehmen, macht aber keiner - macht ja Arbeit. Blitzen bringt mehr ein und kann an externe Dienstleister vergeben werden.

    Ach ja, bleibt noch des profilierungssüchtigen Lokalpolitikers beliebteste Lösung : Streckensperrung. Eine Sperrung aufgrund erhöhter Unfallzahlen, Geschwindigkeitsübertretungen oder Lärm (Motorräder) ist meist leicht vor dem Verwaltungsgericht zu kippen. Ausserdem wird das Problem ja nicht beseitigt, sondern nur auf andere Strecken verdrängt.
  • M. Schenk
    am 15.08.2015
    Meine erste Reaktion nach Lesen des Artikels war: Also gut, mal wieder (maximal) halbgares Kradfahrer-Bashing. Kennen wir, vergessen wir.

    Aber dann: Ich zahl ja dafür. Außerdem lebt Kontext von seinen (kommentierenden) Lesern. Also tragen wir ein paar Gedanken zusammen, ohne auf vorherige Kommentare (Tillup! Khaled C.!) einzugehen:

    Motorradplage in Schnait.

    > Musste die Strasse nach Manolzweiler wirklich ausgebaut und neu asphaltiert werden? Die beste (und billigste!) Massnahme gegen (die meisten) motorradfahrenden Freizeitsportler ist eine enge und holprige Strecke. Aber das erzählen wir mal unseren mit immer besseren Fahrwerken gefederten Autofahrern...

    > Die Auffahrt ist das Thema, weil dann die Motorleistung abgefordert wird. Die Abfahrt lässt sich mit simpler Geschwindigkeitskontrolle nach dem Ortseingang in den Griff bekommen.

    > Bevor die erwähnten Hinweise aufgestellt wurden, standen dort Schilder, die den gemeinen Motorradfahrer zum Asozialen stempelten. Mit Verlaub, da habe ich bei einer Duchfahrt nahezu die Contenance verloren und beinahe richtig Gas gegeben. Gaben diese (inzwischen ersetzten) Schilder die grundsätzliche Einstellung der Aufsteller ggü. Motorradfahrern wieder?

    Verkehrsberuhigende Maßnahmen.

    > Von welchen verkehrsbeschränkenden Maßnahmen reden wir? Fahrverbote? Das ist eine St.Florians-Maßnahme. In meinen Augen: Wer das fordert, disqualifiziert sich damit für eine Diskussion über das Thema.

    > Was spricht (zunächst einmal) gegen häufige Geschwindigkeitskontrollen (in Richtung Schurwald) in Verbindung mit Kontrolle auf zugelassene Abgasanlagen? Darüber wird in dem Artikel in diesem Zusammenhang leider nicht geredet.

    Lärmvorschriften sind lückenhaft.

    > Korrekt. Das gilt übrigens nicht nur für Motorräder, sondern für alle Kraftfahrzeuge und Krafträder, die bei uns unterwegs sind. Der Interessierte schaue sich einmal die dementsprechenden technischen Einrichtungen an Autos und Motorrädern an. Warum werden die Vorschriften nicht wasserdicht gemacht?

    Immer mehr Motorräder.

    > Der wachsende Bestand motorisierter Zweiräder (hierzu zählen auch die unten erwähnten Roller!) nervt niemanden. Zweiräder können(!) nerven, wenn sie gefahren werden. Hat der Autor recherchiert, wie sich die Fahrleistung der angemeldeten Motorräder in den letzten Jahren entwickelt hat? Wenn nein, möchte ich ihm dies empfehlen. Hinweis: Die Benutzung des Motorrades hat sich in den letzten 30 Jahren massiv vom (täglich genutzen) Alltagsfahrzeug zum Freizeitmobil gewandelt. Das hilft an den neuralgischen Stellen wenig, weil dort der Lärm ist, legt aber nahe, dass das vom Autor angezogene Argument nicht stichhaltig ist.

    Motorradfahren als Freizeitvergnügen.

    > Nunja. Ist den geplagten Anwohnern aufgefallen, dass die meisten 'Natur'sportarten (Joggen, Bergwandern, Klettern, ...) zunächst einmal Motorsport sind? Wie kommt der genervte Anwohner Oswald Meier zum Wandern in die Alpen? Oder, etwas auf die Spitze getrieben: Fährt er mit den Öffis zur Arbeit? Erledigt er seine Einkäufe mit dem Fahrrad? Ich wohne in Hörweite der B10. Was soll ich denn wohl von den Arbeitnehmern halten, die lieber in einem stillen und hübschen
    Örtchen im Remstal wohnen und täglich mit dem Auto zur Arbeit nach Stuttgart pendeln?

    Schwarze Schafe.

    > Aber ja: Da gibt es viele. Da kann ich Euch (je nach gewünschter
    Perspektive) Romane von Radfahrern/Fußgängern/Autofahrern und ja, auch Motorradfahrern vollschreiben.

    > Ist dem Autor bewusst, dass die große Überzahl von als Zubehör erhältlichen Auspuffanlagen inzwischen mit einer ABE versehen ist, die (mehrere Seiten stark) beim Führen des Kraftrades stets mitzuführen ist. Wer dies unterlässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Hat der Autor recherchiert, wieviele der zitierten Ordnungswidrigkeiten auf genau diesem Umstand
    beruhten?

    Summa summarum.

    > Wir haben hier ein Problem, keine Frage. Aus meiner Sicht (Motorradfahrer seit ca. 35 Jahren) ist die Darstellung des Autors nicht geeignet, eine differenzierte Sicht auf das Thema zu bekommen. Schade drum.
  • Martin B.
    am 15.08.2015
    Nicht mit lauten Motorrädern, sondern mit angepasster Geschwindigkeit und vorausschauender Fahrweise können Motorradfahrer ihr Leben retten!
  • Horst Schmitzberger
    am 15.08.2015
    Tja die armen Rentner und der Lärm.....solange sie nix dabei finden Samstag Vormittag mit dem Motorrasenmäher einer nach dem anderen versteht e sich den Rasen zu stutzen, mit dem motorbläser die Einfahrt vom Laub freiblasen und dann in aller Ruhe sich über Motorradfahrer aufzuregen ist deutschland nicht verloren. Nichtdas jemand Spaß haben könnte bei seinem Hobby, solange LKW ein vielfaches des Lärm abgeben dürfen und die Bahn fast unbeschränkt hört sich das für mich eher wie der Neid derer an die NICHT Motorradfahren können und es deshalb be anderen kritisieren müßen. Ist ja einfach gegen ne Minderheit ohne große Lobby zu stänkern, diearmen Ruhebedürftigen Rentner kämen ja nicht im Traum auf die Idee aus ihren Strassen Fußgängerzonen zu machen oderAutos und LKW zu sperren, aberauf die paar Mopeds da kann man losmeckern. Lärm liegt wohl stark im Ohr des Hörers, mich störts nicht wenn eine Harley vorbeibrummt oder ne Jawasuda Turbine mal kurz aufdreht, hat was von Musik ;-)
  • Stefan
    am 15.08.2015
    Ich kenne die Strecke nur zu gut und habe mich über die 70 nach dem Ortsausgang schon amüsiert! Ich fahre ein Auto mit wirklich ausreichend Leistung, aber auf dieser Strecke die 70 überhaupt zu erreichen geht nur mit höchsten Qualen an den Motor. Und Motorradfahrer sind in den Kurven noch deutlich langsamer als Autos. Jetzt wird darüber nachgedacht, warum man Tempo 30 nicht umsetzen kann und was man noch tun könnte.
    In Esslingen geht das viel einfacher. Da wird kurzerhand die Strasse von Oberesslingen über Oberhof auf den Schurwald für Motorradfahrer gesperrt. Punkt. Es scheint also zu gehen, muss nur der entsprechende Amtmann die richtige Einstellung haben.

    Ich kann den Schnaiter Anwohnen nur empfehlen, stellt euch auf die Hinterbeine und gebt dem Ansinnen Nachdruck! Ich verstehe sehr wohl, was sie empfinden und bin selber auf diesem Stück Strasse schon von "hirnverbrannten Idioten" überholt und genötigt worden, deren Auspuffrohre wahrscheinlich nichts mehr enthalten haben.

    Und das Argument Laut schützt Leben ist hier geringfügig fehl am Platz, weils auf Dauer die Gesundheit der Anwohner angreift.

    gruß
  • Reinhold Huber
    am 15.08.2015
    Jeder schaut auf die anderen und mossert rum, wenige kehren vor der eigenen Hütte. Lärm verursachen nicht nur Motoräder,fahre selbst Motorad und wohne an einer vielbefahrenen Einfallstraße einer Großstadt. Auch ich freue mich wenn des Sommer rum ist, dann sind zumindest die verschwunden die zeigen müssen wie stark ihr Untersatz (Auto-Moped) von roter zu roter Ampel ist.
    Insgesamt nervt aber der allgemein zuviele Verkehr bei mir 24 Std. Lieber mal alles stehen lassen. Wünsche mir wieder mal einen Verkehrs freien Tag/Woche/Monat/Jahr, wir würden alle erstaunt sein um wieviel schöner unsere Umwelt wäre.
    Da so etwas leider selten vorkommt empfehle ich mit Rücksicht,Verantwortung und Toleranz zusammenzuleben und denn anderen mal zeigen das wir ihn auch respektieren,ohne dabei unter einer Käseglocke zu leben.
  • Khaled Chaabouté
    am 14.08.2015
    " … Es liegt an den unaufmerksamen Autofahrern: Loud pipes save lives. … "

    Das schlägt dem Fass den Boden aus!
    Wenn ich als Autofahrer den Wochenendmotorradfahrern gegenüber nicht ständig äußerst defensiv fahren würde, z.B. abbremsen, damit sich auch die letzten Fahrer einer Gruppe nach einem riskanten und oft auch verbotenen (durchgezogene Linie oder Überholverbot) Überholmanover bei Gegenverkehr wieder einfädeln können oder in Innenkurven ganz rechts außen fahren um nicht mit kurvenschneidenden entgegenkommenden Motorrädern zu kollidieren, gäbe es viel mehr Unfälle mit Motorrädern.

    Was der eingebildete Sicherheitsaspekt bei Fahrten durch Kurorte oder für den Autoverkehr abgesperrte Bereiche bringen soll, bleibt schleierhaft. Glauben die Fahrer der Soundgetunten Maschinen tatsächlich, die Leute würden den Kotau vor ihnen machen, weil ihr heimlicher Spießertraum so eine extra laute Karre ist?

    Typischer Eisdielenauftritt im Sommer: Die Motorradgruppe fährt mit ihren extrem lauten Karren so nah wie möglich an die Caféterrasse heran. Dann wird der Helm abgenommen, dann wird sich aus der Lederkleidung geschält, dann wird die Geldbörse aus der Tasche gekramt und erst dann werden die Motoren ausgeschaltet. Bei der Abfahrt in genau umgekehrter Reihenfolge.

    In meinem Wohnort gibt es zahlreiche Kinder-Kureinrichtungen und Erziehungs- und Ferienfreizeitstätten für Kinder. Die Kinder schauen nicht ehrfürchtig-sehnsüchtig zu den Halbgöttern auf den Maschinen auf, sondern sind verschreckt, verängstigt und weinen, wenn mal wieder so eine Horde die Kurve mitten im Ort, wo Tempo 30 erlaubt ist, mit 70 genommen und mit 120 herausbeschleunigt hat und den Echohall des Soundinfernos und ein paar Abgaswölkchen in der engen Straße zwischen den Häusern zurückgelassen hat.
    Trotz allgemein klammer öffentlicher Finanzlage werden heutzutage um fast jedes noch so kleine Kaff Umgehungsstraßen mit Lärmschutzwällen gebaut, aber die Motorräder rasen trotzdem am liebsten noch durch die alten Ortskerne.

    Hier traut sich bestimmt kein Café, ein "Bikers welcome!"-Schild aufzuhängen: Er hätte zwar eventuell am Wochende ein paar Motorradfahrer, die einen Kaffee trinken, aber alle Einheimischen würden den Laden ab sofort schneiden.

    Denjenigen, die jeden Tag mit dem Motorrad zu Arbeit oder Ausbildungsstelle fahren, genügt üblicherweise eine kleine und nicht soundgetunte Maschine vollauf. Damit ist man rund um die Ballungsgebiete meist trotzdem schneller als ein Auto.

    In der Eifel, an einem Parkplatz nahe der Rurtalsperre, steht am Beginn der Serpentinenstrecke, die hoch zum Kermeter-Massiv führt (Tempo 70 erlaubt) ein Warnschild für Motorradfahrer mit den jeweils aktuellen tödlichen Motorradunfällen der letzten Saisons. Das Schild ist leider völlig sinnlos, diese Menschen sind wie die Lemminge…
  • Hartmann Ulrich
    am 13.08.2015
    Straßen für den motorisierten Verkehr sind ein notwendiges Übel, um von A nach B zu kommen. Von Motorradfahrern (nicht nur von ihnen) werden sie in der Regel für ihren Fahrspaß zweckentfremdet. Da ist es mir völlig unverständlich, daß ihre Fahrzeuge dabei auch noch lauter sein dürfen als Pkws - und oft noch lauter sind als erlaubt. Ich höre von der Straße, die ein paar hundert Meter vom Haus verläuft, normalerweise nichts - es sei denn, Motorradfahrer sind unterwegs. Es gibt Häuser an beliebten Motorradstrecken, die praktisch unbewohnbar geworden sind. Ich begreife nicht, wie man an einem Hobby Spaß haben kann, unter dem andere leiden müssen.
  • winningindustries
    am 13.08.2015
    E-Motorräder!

    Die Lösung; macht den Spass, den Ihr braucht und ist leise.
  • Dirk S. Bröder
    am 13.08.2015
    Ja, ein albekanntes Problem, die schwarzen Schafe!
    Aber, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen! Was ich damit meine: ein Großteil der "modernen" Gesellschaft verpraßt alles Mögliche! Aber die Motorradfahrer, die zum Spaß in die Alpen fahren, da kommt dann der Umweltschutz! Hochgradige Heuchlerei! Kleine Beispiele: mit dem 2,5t SUV zum Einkaufen, oder ein Wochenendkurzflug in Deutschland, ein riesieger Golfplatz mit gespritzen "Grün"flächen usw usw usw ...!
    Und der Bestand an Pkw, Laubbläsern, Rasenmähern, usw wächst auch ständig! Die Gesamtheit der Lärmbelästigung ist ein großes Problem geworden!
    Jeder trägt ständig die Verantwortung für sein Handeln! Schon lästig das Erwachsenenleben...
  • Tillupp
    am 12.08.2015
    @Florian S., 12.08.2015 14:15
    [..]die Schalldämpfer abschrauben zu müssen. Was hat man denn von dem Lärm [..]
    Es liegt an den unaufmerksamen Autofahrern: Loud pipes save lives. Der gleiche Grund, allerdings auf etwas leiserem Niveau, warum inzwischen manche Elektroautos mit Lärmerzeugern für Motorgeräusche ausgestattet werden.
  • Kampf dem Lärm
    am 12.08.2015
    Andere Stadtteile haben andere Lärmquellen zu meistern. Ich wohne zum Beispiel 500m von einem Krankenhaus der Maximalversorgung. Zusätzlich zu Straßenlärm (Sa oft auch Hochzeitskorsos) kommen da mehrmals pro Stunde die Sirenen der ab- und anfahrenden Rettungsfahrzeuge noch hinzu, und auch die werden immer lauter, weil die Fahrzeuge mit "active noise cancelling"-Systemen im Innenraum immer leiser werden. Für Nachts gibt es auch keine leiseren Modus. Vielleicht liest das jemand, der daran was Ändern will.
  • Florian S.
    am 12.08.2015
    Ich kenne die angesprochene Strecke persönlich, sie liegt in meinem Trainingsgebiet und ich bin dort schon zigmal entlang, rauf und runter geradelt. Aufgrund der abgelegenen Lage und der Tatsache, dass es sich hier nur um Nebenstrecken am Rande des Schurwalds handelt kann ich nicht nachvollziehen, warum man dort den Durchgangsverkehr nicht einschränkt. Kein Auto- und Motorradfahrer muss zwingend da durch, es gibt baulich viel besser ausgebaute Straßen und Routen die den Schurwald erschließen als diese kleinen Kreisstraßen, die hauptsächlich für die Anlieger da sein sollten.

    Was für mich immer unbegreiflich und nicht nachvollziehbar bleiben wird ist, warum man meint, die Schalldämpfer abschrauben zu müssen. Was hat man denn von dem Lärm, außer bei sich und anderen einen dauerhaften Hörschaden zu verursachen? Dieses Imponiergehabe bei erwachsenen Menschen nervt doch eigentlich nur, ich meine, man ist doch keine 16 mehr und muss sich auf dem Schulhof irgendetwas beweisen. Haben denn alle wirklich so wenig Selbstbewusstsein entwickelt das sie meinen, es nötig zu haben? Oder ist es nur Egoismus, Protz und Prestige? Das gilt übrigens nicht nur für Motorrad- sondern auch für Autofahrer, die meinen, ihre Auspuffanlagen modifizieren zu müssen.

    Und was vielleicht mehr Sinn machen würde als ein Tempolimit (denn das kann man ja leicht übertreten, ohne erwischt zu werden) wäre die Installation von Bumpern o.ä. auf der Straße, die hohe Beschleunigungen schon im Keim ersticken. Am Besten fände ich allerdings immer noch ein KfZ-Verbot an den Wochenenden. Da wäre es nicht nur ruhiger, sondern die Luft wäre auch ein bisschen sauberer.

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