Stadtplanung kann manchmal schwer danebengehen. Eine Tagung im Rathaus diskutiert die Beteiligung der Bürger am Städtebau. Foto: Martin Storz

Ausgabe 199
Gesellschaft

Wunde im Stadtzentrum

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 21.01.2015
Die Geschichte des Kleinen Schlossplatzes liest sich wie eine Kette von Fehlentscheidungen. Bis heute charakterisiert sie die Stuttgarter Stadtplanung. Eine Tagung im Rathaus dazu ruft auf, sich einzumischen.

Die Geschichte des Kunstmuseums beginnt mit einer Panne: Eigentlich hätte der Bau schon zur Wiederwahl des Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster im Herbst 2004 fertig sein sollen. Doch ein technischer Defekt führte dazu, dass die Sammlung der vormaligen Galerie der Stadt Stuttgart erst im März 2005 in den Kubus am Schlossplatz einziehen konnte. So verschiebt sich nun auch das Jubiläum – auf den März 2015. Es war nicht die erste Panne in der Geschichte dieses Orts mitten im Zentrum der City.

Alles begann 1963 mit dem Abriss des Kronprinzenpalais, das den Krieg ausgebrannt, aber sonst leidlich gut überstanden hatte. Ganz vorn unter den Befürwortern: Oberbürgermeister Arnulf Klett. "Wertvoller als die beschädigte Fassade der Ruine des Kronprinzenpalais", schrieb er bereits 1951 an den Architekten Paul Bonatz, "ist der lebendige Mensch unserer Zeit und unserer Stadt." Der lebendige Mensch saß im Automobil. Eine "Querspange" sollte die beiden Hauptverkehrsachsen, die Theodor-Heuss-Straße und die Konrad-Adenauer-Straße verbinden: mitten hindurch zwischen dem Alten und Neuen Schloss, über den Schlossplatz.

Das entsprach der Philosophie der Zeit. 1959, vier Jahre vor dem Abriss, war das Buch "Die autogerechte Stadt" von Hans Bernhard Reichow erschienen. 1962 wurde am Charlottenplatz mit dem Bau eines dreigeschossigen, kreuzungsfreien Verkehrsbauwerks begonnen. Die Devise lautete: "Entflechtung der Verkehrsarten." Damit war gemeint: Straßenbahnen und Fußgänger unter die Erde, um für den Autoverkehr oben Platz zu schaffen. Schon seit nationalsozialistischer Zeit war ein Cityring geplant. Allerdings hatten die Nazis die Idee nicht erfunden: Schon 1933 hatte die Charta von Athen unter Federführung des Stararchitekten Le Corbusier die Trennung der Funktionen des Wohnens und Arbeitens mit großen Verkehrs-"Schlagadern" gefordert. Das Besondere an Stuttgart war allenfalls der Eifer, mit dem diese Planungen in der Enge des Talkessels durchgezogen wurden. Bis ins Mark sollte die Stadt autogerecht sein. Dem stand das Kronprinzenpalais im Weg.

Völlig verfehlte Betonbaukunst

Unmittelbar nach dem Abriss in den Sechzigern kamen den Planern indes erste Zweifel. Sie verzichteten zwar nicht auf die Querverbindung, suchten diese jedoch weitgehend in den Untergrund zu verbannen. "1966 bis 1969", urteilt zehn Jahre später der Architekturkritiker Karl Wilhelm Schmitt, "entstand ein Werk der Betonbaukunst mitten in Stuttgart, das sich bei seiner Fertigstellung bereits als völlig verfehlt erwies: der Kleine Schlossplatz." Davor auf der Königstraße verkehrten damals noch Autos und Straßenbahnen, was sich gleich danach ändern sollte: Die Straßenbahnen wurden tief in der Erde vergraben. Die Königstraße wurde unter anfänglichem Protest der Geschäfte, die später davon profitierten, zur Fußgängerzone umgestaltet. Der Eingang zur Unterwelt, unterhalb der Betonplatte, wo wie ein verschämtes Schuldeingeständnis noch ein Fensterbogen des Kronprinzenpalais stehen geblieben war, hatte seine Funktion verloren.

Auch oben auf dem Deckel lief nicht alles wie geplant. Während sich am Ticketschalter der Straßenbahn oft lange Schlangen bildeten, verirrten sich nur wenige in die Läden im hinteren Teil. Max Bächer, einer der Architekten des Bauwerks, organisierte gut besuchte Veranstaltungen. So unternahm Otto Herbert Hajek, der umtriebige Künstler, der so etwas bereits 1966 in Esslingen vorexerziert hatte, eine "Platzbemalung". Nur war es nicht unbedingt die Hautevolee der Kunstsammler und Kulturbürger, die solches goutierte: Es kamen vor allem die damals langhaarigen Jugendlichen, die der Stadt und den Händlern ohnehin ein Dorn im Auge waren. Auf den Kleinen Schlossplatz ging man, um einen Krümel Schwarzen Afghanen zu erstehen. Oder auf den Flohmarkt, der den Händlern angeblich die Kunden wegnahm. Als der dann jedoch auf den Karlsplatz verlegt wurde, wo er bis heute wöchentlich stattfindet, blieb der Kleine Schlossplatz erst recht leer.

So war bereits zehn Jahre nach Fertigstellung Konsens, dass die Betonplatte eine Fehlplanung war. 1982 wurde der erste Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der das ändern sollte. Die Galerie der Stadt Stuttgart, bisher ohne Dauerpräsentation im Rundgang der ersten Etage des Kunstgebäudes versteckt, sollte ein eigenes Museum erhalten. Dies scheiterte letztlich nicht nur an Meinungsverschiedenheiten, sondern vor allem am Geld. Die Streitigkeiten waren nicht aus der Welt geschafft, als 17 Jahre später endlich die Entscheidung für den Entwurf der Architekten Hascher und Jehle fiel. Nur eine geniale Lösung zur Finanzierung meinte der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Schuster gefunden zu haben.

Die oberen Etagen der Königsbau-Passagen – eine Totgeburt

Die Einnahmen, die den Bau des Kunstmuseums finanzierten, stammten aus dem Verkauf von Aktien der NWS, die erst 1999 durch Fusion der Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS) mit der Energieversorgung Schwaben (EVS) entstanden war, an die EnBW. Und aus dem Verkauf städtischer Grundstücke. Hascher und Jehle bauten nämlich nicht nur das Kunstmuseum, sondern auch auf dem Gelände hinter dem Königsbau für das Hamburger Nobel-Einrichtungshaus Stilwerk: Es entstand eine vierstöckige Shoppingmall, deren dritte und vierte Etage von Anfang an Probleme bereiteten.

In den oberen Etagen der Mall am Schlossplatz, mittlerweile Königsbau-Passagen genannt, standen nach drei Jahren die Geschäfte leer. Stilwerk gab auf und übergab die Mall an den Marktführer ECE, der sich allerdings im Herbst 2014 mit der Eröffnung des Milaneo, des nunmehr größten Einkaufszentrums in Baden-Württemberg, aus den Königsbau-Passagen zurückzog. In ihren oberen Etagen bleiben diese ein totgeborenes Kind.

Der Entwurf von Hascher und Jehle für das Kunstmuseum sah vor, die ehemalige Tunnelröhre zu nutzen und an die Kante zum Schlossplatz signalhaft einen gläsernen Würfel zu setzen – ähnlich wie in Hamburg, wo Oswald Mathias Ungers den Altbau der Kunsthalle über eine ehemalige Tiefgarage mit dem Kubus der Galerie der Moderne verbunden hatte. Tageslicht gibt es kaum. Ein Oberlichtband auf dem verbleibenden Kleinen Schlossplatz war bald beschädigt und wird nun nach erneut kontroversen Debatten geschlossen. Ein großer architektonischer Wurf sieht anders aus.

Aber auch aus anderen Gründen war der Bau seinerzeit heftig umstritten. Es ging um die Frage, ob das Museum große offene Räume oder viele Wände zur Hängung von Bildern benötigte. Der Direktor der Städtischen Galerie, Johann-Karl Schmidt, hielt das Konzept der Architekten für einen "Haufen Scheiße", wie er im Abspann eines Films von drei Studenten der Merz-Akademie bekennt.

 

"Die Kalte Platte" lautet der Titel dieses exzellenten Films, der die Geschichte des Kleinen Schlossplatzes von allen Seiten beleuchtet. Wieder einmal hatte die Subkultur das ungeliebte Stück städtischen Betons erobert: oben die Kultkneipe Pauls Boutique, unten die Hall of Fame, auch Gaskammer genannt, wo sich Sprayer und Rollerskater austoben durften, ohne Passanten zu belästigen oder durch Graffiti Eigentum zu "beschädigen". Die drei Studenten trauerten dieser Subkultur nach und ließen viele kritische Stimmen zu Wort kommen.

Den Galeriedirektor kostete die unbedachte Äußerung im Abspann des Films seinen Job. Aber er rächte sich, indem er zwei bedeutende Privatsammlungen, die ans Stuttgarter Kunstmuseum hätten kommen können, an andere Häuser vermittelte: Die Kollektion von Otto und Etta Stangl ging ans Franz Marc Museum in Kochel am See. Für das Kunstmuseum besonders bitter war, dass die Sammlung von Alfred Gunzenhauser mit 278 Werken von Otto Dix nach Chemnitz abwanderte.

Tagung "Stuttgart für alle" im Rathaus

Nach wie vor werden in Stuttgart Altbauten abgerissen, Straßen weiter ausgebaut und wichtige stadtplanerische Entscheidungen Investoren überlassen. Damit sich dies ändert und die Planungen nicht immer von oben nach unten durchgepaukt werden, laden die Architekten für K 21, das Aktionsbündnis gegen Stuttgarter 21 und die Gemeinderatsfraktion SÖS/Linke/Plus am 30. und 31. Januar zu einer Tagung ein.

Mit dabei: Hannes Rockenbauch (SÖS), Peter Conradi, die Bezirksvorsteherin Mitte, Veronika Kienzle, und der Stadtplaner Uwe Stuckenbrock. In sieben Workshops geht es um Bürgerbeteiligung, Mobilität, Wohnungsnot und die Privatisierung des öffentlichen Raums. In einem Dokumentarfilmkabinett ist auch "Die Kalte Platte" zu sehen.

 

Die Tagung "Stuttgart für alle. Wohin entwickelt sich unsere Stadt?" findet am 30. Januar 2015 ab 18 Uhr und am Samstag, 31. Januar ab 10 Uhr im Stuttgarter Rathaus statt. Das genaue Programm findet sich unter diesem Link.


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13 Kommentare verfügbar

  • thomas w.
    am 28.01.2015
    Die selbsterklärten Ur-Stuttgarter hier - falls sie mehr sein sollten als das Produkt einer schlechten Astro-Turf-Agentur - bestätigen leider, daß der enge Horizont des Talkessels oft auch ein geistiger ist. Und daß Reisen anscheinend nicht immer bildet.

    Was an Stuttgart seit 1950 ff. städtebaulich geglückt sein soll, diese Antwort bleiben sie mithin auch schuldig. Das einzige, worauf sie sich irgendwie verständigen können, ist eine provinzielle Feindschaft bezüglich allem, was sich auf Schienen bewegt. Und übersehen großzügig den Krebs namens motorisierter Individualverkehr, der zumindest den im Kessel gelegenen Teil Stuttgarts zunehmend zerfrißt und erstickt.

    @ Fred Heine: ein Gleis"gebirge" gab es nicht einmal nach den Entgleisungen durch den Pfusch bei der Bahnsteigverlängerung. Macht aber nichts, wird ja ohnehin durch ein sich richtig auftürmendes Betongebirge ersetzt. Wahrscheinlich genauso urban wie die städtebauliche und ästhetische Totgeburt Europaviertel nebenan.

    Zu der herabsetzenden Polemik und dem herablassenden Paternalismus, wie sie bei "mueller" und "Fred Heine" zum Vorschein kommen, bleibt nur zu sagen, daß diese mehr über die Betreffenden als die von ihnen Kritisierten aussagen.
  • Fred Heine
    am 27.01.2015
    Ich lebe seit über 50 Jahren in Stuttgart. Je mehr ich in der Welt herumkomme, desto schöner finde ich meine Heimatstadt. Wenn erst einmal das hässliche Gleisgebirge im Herzen der Stadt verschwunden ist, wird das eine zusätzliche Bereicherung. Klar, es gibt eine Sorte von Leuten, meine Mutter hätte sie als Griesmichel bezeichnet, denen man nix recht machen kann, weil sie immer recht haben. Die findet man heute als erklärte Montagsdemonstranten und morgen vielleicht in Dresden beim Spazieren gehen. Mir egal, ich liebe meine Stadt und finde es schön, dass sie sich ständig wandelt.
  • Meursault
    am 27.01.2015
    Ich kann "mueller" nur zustimmen. Stuttgart ist eine einmalig schöne Stadt mit einem unvergleichlichen Lebensgefühl. Vielleicht sollten die motzet öffter mal wegfahren um ihre Heimat wetschätzen zu lernen.
  • mueller
    am 26.01.2015
    @bytheway
    Jetzt aber nicht davonlaufen!
    Ich habe Ihnen meine Meinung mehrfach begründet.
    Auf geht's und her mit den Beispielen des wunderschönen Stuttgart der 60er!
    Bin gespannt :-)

    Achtung, was zum Lesen: Aber Vorsicht! Es könnte der destruktiven Denkweise schaden!

    "...Bern und Kopenhagen bieten für Europäer die höchste Lebensqualität... ...Den dritten Platz im Ranking hält Luxemburg. Als bestplatzierte Stadt in Deutschland landete Stuttgart auf Platz 4. Düsseldorf folgt auf Rang 7. München, Frankfurt und Bonn teilen sich den 10. Platz, ..."

    PS: Stuttgart europaweit auf dem vierten Platz?
    Nanana... Das halte ich doch für übertrieben.

    Aber man muss sich schon besonders anstrengen um hier zum Griesgram zu werden.
    An der Stadt liegt es sicherlich nicht.
  • By-the-way
    am 25.01.2015
    @ mueller, 24.01. 19.00 Uhr

    Sorry, offensichtlich habe ich Sie falsch eingeschätzt....

    Dann weiterhin VIEL SPASS und FREUDE in dieser UnStadt !
  • mueller
    am 24.01.2015
    @bytheway
    Wenn man schon griesgrämig durch die Welt zieht, dann sollte man wenigstens Argumente dafür haben.
    Wo ist denn das schöne Stuttgart der 60er oder 70er?
    Die Hüttenwerke? Die Königstraße vor der Fußgängerzonenzeit?
    Und warum ist diese Stadt bei Umfragen zur Lebensqualität stets auf den vorderen Plätzen?
    Was an meinem Kommentar ist Satire? Gibt es etwa nicht diesen wunderschönen Schlossplatz, der durch die Tieferlegung der Bahn aufgewertet wurde?
    Warum Sie noch nie in den Wäldern der Halbhöhe spazieren?
    Ich habe den Eindruck, Sie waren noch nie in Stuttgart.
    Vielleicht kommem Sie auch nicht hinter dem Rechner hervor?
    Am liebsten würde ich Sie an der Hand nehmen und Ihnen Stuttgart mal zeigen. Bisher war jeder Fremde dem ich die Stadt gezeigt habe begeistert.
  • By-the-way
    am 23.01.2015
    @mueller 23.01. 18.17 Uhr

    Ich hab´s verstanden, Sie schreiben hier Real-Satire...

    Wie konnte ich auch nur auf die Idee kommen, dass Ihre subjektive Wahrnehmung gestört ist?

    Meinen Respekt
    - Sie haben satirisches Talent, super Kommentar!
  • mueller
    am 23.01.2015
    @bytheway
    Der Wald und die Reben sind so schön wie eh und je.
    Ich streife oft durch Stuttgarts Wälder. Vom Killesberg über das Feuerbach er Tal zur Solitude. Vom Marienplatz bergauf und oben durch die Wälder zum leider geschlossenen Fernsehturm.
    Von Wangen die steilen Wegle hoch zur Waldebene Ost.
    Vom Schlossplatz über den Bopser zum Teehaus und weiter zum Waldfriedhof.
    Von Heslach über den blauen Weg zum Birkenkopf.
    Das Herz hüpft vor Lebensfreude. Überall ein Blick auf diese Perle Stuttgart.
    Und die Stadt selbst.
    Schlossplatz, Königstraße, Marienplatz, Neckarstadion, Feuerbach, Killesberg, neue Messe, Staatsgalerie...
    Alles gefällt mir heute besser als in den 60ern oder 70ern. Vor allem ist es dort schöner wo die Schienen unter der Erde liegen. Bald gibt es noch mehr Chancen!
    Und wenn ich die Wandlung in der Clubszene und das kulturelle Angebot betrachte kann ich mir nicht vorstellen wie man sich hier nicht wohl fühlen kann.
    Das ganze gekoppelt mit dieser Wirtschaftskraft und der gewachsenen multikulturellen und weltoffenen Gesellschaft.
    Ich genieße mein Leben und weiß, dass es ein Privileg ist hier aufgewachsen zu sein.
    Sicher gibt es viele tolle Orte auf diesem Planeten. Aber in Stuttgart lässt es sich besonders leicht leben.
    Und nein, man muss keine Drogen nehmen um sich an der Schönheit der Stadt und ihrer Menschen zu berauschen.
    Gegenfrage: was hat dazu geführt, dass Sie das Schöne nicht mehr sehen?
  • By-the-way
    am 23.01.2015
    @mueller 23.01. 07.34
    Zitat:
    "Stuttgart hat sich zu einer prächtigen Stadt entwickelt."

    Sind Sie sicher, dass Sie Stuttgart meinen?

    Wenn ja, was haben Sie geraucht, geschluckt oder geschnupft?
    Das muss ja fantastisches Zeugs sein, mit den die Wahrnehmung so wunderbar verändert werden kann.

    Will ich auch mal probieren!
  • mueller
    am 23.01.2015
    Am kleinen Schlossplatz wurde sicher nicht alles richtig gemacht. Dennoch finde ich das Kunstmuseum sehr gelungen.
    Und wenn ich das Stuttgart der 60er und 70er mit DRM heutigen Stuttgart vergleiche, dann gefällt mir die Gegenwart sehr viel besser.
    Stuttgart hat sich zu einer prächtigen Stadt entwickelt.
    Im Gegensatz zu früher als der Lärm der Strampe durch alle Straßen drang haben wir heute viel Platz zum erholen und Ruhe.
    Ich führe oft Menschen aus aller Welt durchs Städtle. Die Begeisterung ist riesig. Klar gibt es auch Schmuddelecken. Aber lange nicht mehr so viele wie damals.
    Es wurde vieles richtig gemacht. Aber logischerweise nicht alles. Niergends wird alles richtig gemacht. Und es ist gut auf die Sünden hinzuweisen.

    In keiner Stadt möchte ich lieber Leben.
    Klar es fehlt eine Strandpromenade. Vielleicht ist daran auch der Schuster oder jetzt der Kuhn Schuld.

    Aber bald wird Stuttgart noch schöner.
    Durch die Entfernung des Gleisfeldes!
    Das Volk hat entschieden und freut sich.
  • Horst Ruch
    am 22.01.2015
    Heissenbüttels Retrospektive zur Stuttgarter baulichen Entwicklung der Nachkriegszeit ist facettenreich geschildert. Zeigt er damit, dass eine Stadt sich ständig erneuert, auch wenn manche Wunden nur langsam heilen. Insofern wäre Hegels "leuchtende" Aussage am Bahnhof "schon die Furcht zu irren, ist der Irrtum selbst" stimmig .
    Irrtümer in der damaligen Stadtplanung beruhten auf technischkulturellen Nachholbedarf und auf Unwissen einer traumatisierten Nachkriegsgesellschaft.
    Das unterscheidet den Irrtum vom Irrsinn.
    Dafür steht S21.
    Seit den "Visionen" in den 90er Jahren wurde von einigen schwäbischen "Dichtern und Denkern" konstruierter Lügenirrsinn als Globalplayerduft unters Volk versprüht.
    Ein fahler Beigeschmack des Fortschrittsparfums brachte großmannsüchtige Märchenerzähler aus Politik und Wirtschaft dazu, unter dem Einfluss "rechtsstaatlicher" Juristerei demokratisch legitimierte Entscheidungen ohne jeden Wahrheitsgehalt und Vernunft in den eigenen Reihen absegnen zu lassen.
    So können "Gespinste" wie S21 zu guterletzt durch Machtgelüste am eigenen Ego, vermischt mit Gier zum größten technisch wirtschaftlich Nonsense durchgepeitscht werden. Das Unwort des Jahres "Lügenpack" hat seine Berechtigung gefunden.
    Die Maxime des 21.Jahrhunderts ist mit S21erfüllt.
    Hauptsache: exorbitante Gewinne der Initiatoren steigern gleichzeitig das Wachstum des Brutto"sozial"produkts mittels Blödsinn.
    Sinnhaftigkeit und Stadtzerstörung interessieren im Gegensatz zu früher nicht.
    Stuttgart als menschliches Gefüge bleibt diesmal auf der Strecke, somit auch der Inhalt zur technologischen Erneuerung.
  • tillupp
    am 22.01.2015
    Wenn, Dank der Tunnelröhren, der Neckar in den Gips-Keuper durchbricht wird sich das Bild Stuttgarts mit neuen Seen, neuen Hügeln und rissigen Häusern derart verändern, dass die Regierung danach lieber nach Tuttlingen abwandert.
  • By-the-way
    am 21.01.2015
    Wen interessieren "Wunden im Stadtzentrum" ?

    Das ganze Stadtzentrum wurde doch, mittlerweile, "marktkonform-demokratisch" zerstört !

    Hier lohnt sich kein "Bürger-Engagement" mehr, das sowieso nur in scheindemokratische Veranstaltungen gelenkt wird, um letztendlich unter den Machtinteressen zu ersticken...

    NEIN!
    Lassen wir diese UnStadt doch einfach vor die Wand fahren, vielleicht gibt´s dann ein, zwei Jahrzehnte anschließend, kurzzeitig, politische Entscheidungen mit Bodenhaftung....

    Ist aber letztendlich egal.

    Stuttgart könnte auch als abschreckendes Negativ-Beispiel, nämlich, wie man eine blühende und ehemals schöne Stadt ("Großstadt zwischen Wald und Reben") voll an die Wand fährt, dienen.
    Möglicherweise könnten nachfolgende Generationen daraus Lehren ziehen - ist aber leider nicht garantiert.

    Lassen wir diese UnStadt einfach untergehen, und dann "schaun´ mer mal ...

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