KONTEXT:Wochenzeitung
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Anwältin der Kontext-Basis

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Was haben die "Stuttgarter Zeitung" und die taz gemeinsam? Eigentlich nichts. Schließlich sitzt unsere Partnerzeitung taz in Berlin, hat bundesweite Bedeutung und steht für Qualitätsjournalismus. Doch beide Zeitungen haben jüngst, also nach 100 Tagen der dritten Auflage von Grün-Schwarz im Südwesten, Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) interviewt. So weit, so normal. Lustig sind allerdings die gewählten Überschriften: In der "Stuttgarter Zeitung" steht in der Druckausgabe vom 15. August: "Ich bin Anwalt der grünen Basis", auf taz-online heißt es: "Ich bin auch Anwalt der Grünen-Basis".

Entweder glauben die Überschriftenmacher:innen, ihr Publikum interessiere am meisten, wie der bürgerliche Özdemir auf seine Partei schaut. Oder es geht ihnen um die augenfällige Absurdität dieser Aussage, Ironie sozusagen. Denn wenn beim Mitgliederentscheid der baden-württembergischen Grünen auf die Frage, ob die Einführung von Palantir gestoppt werden soll, 92 Prozent "Ja" sagen und der MP daraufhin zu verstehen gibt, das interessiere ihn nicht – dann erscheint die Aussage in der Überschrift doch recht realitätsfern. Aber dieses Thema wurde in keinem der Interviews angesprochen. Vielleicht aber ja doch, man weiß es nicht. Aus eigener Erfahrung mit Interviews mit Grünen-Politiker:innen wissen wir bei Kontext, dass ein Interview super laufen kann mit klaren Aussagen, und wenn es dann aus der Pressestelle zurückkommt, sind alle klaren Aussagen weg. Unsere Schlussfolgerung: Im Vorfeld stets überlegen, wen man interviewt.

Wir besinnen uns da lieber auf unsere landespolitische Korrespondentin Johanna Henkel-Waidhofer, die Anwältin der Kontext-Basis sozusagen, und die hält es für eine verschenkte Chance, dass die dritte grün-schwarze Koalition die 100-Tage-Marke ihrer Amtszeit ungenutzt verstreichen lässt. Dabei hätten manche Ministerien durchaus etwas vorzuweisen, schreibt die Kollegin und erläutert das auch in der neuen Folge des Podcasts "Zwei mit Kontext".

Es sei wichtig, Erfolge einer bürgerlichen Politik darzustellen, meint Henkel-Waidhofer, nicht zuletzt, weil die rechtsextreme AfD ja immer so tut, als könne sie alles besser. Das verfängt bei vielen und vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt in zweieinhalb Wochen macht sich republikweit die Sorge breit, dass diese Leute dort gar die absolute Mehrheit erringen könnten. Das liege nicht nur, aber auch am Wahlsystem, schreibt unser Autor Hermann G. Abmayr. Denn dieses lässt durch die Fünf-Prozent-Hürde allzu viele Stimmen bedeutungslos werden und ermöglicht damit zugleich, dass der AfD weniger Stimmen für die Hälfte der Parlamentssitze reichen. Was wiederum dazu führen könnte, dass am Ende vielleicht 20 Prozent der Wähler:innen im Parlament nicht repräsentiert sind, die sich frustriert abwenden von der Demokratie und Zerstörerparteien wählen.

Statt im Zerstören übt sich Peter Lenk lieber im Gestalten. Sie wissen schon, dieser Bildhauer vom Bodensee, der ein großartiges Stuttgart-21-Denkmal geschaffen hat, das er aber wieder abbauen musste. Nun hat der 79-Jährige eine gewohnt großformatige Skulptur für das von einem Schweizer Atomkraftwerk verschattete Dorf Dogern am Hochrhein geschaffen, und offenbar ist er auch mit Cem Özdemir im Gespräch. Der will Kunscht, wie der bewusste Schwabe gerne sagt, für den Garten seines Amtssitzes, die Villa Reitzenstein, hat Kontext-Redakteur Josef-Otto Freudenreich in Erfahrung gebracht. Vielleicht hat Satire in Stuttgart ja doch noch eine Chance.

Eine Chance, die hiesigen Politiker:innen dazu zu bringen, sich endlich ernsthaft mit Erderwärmung, Hitze, Dürre, Überschwemmungen zu beschäftigen, ist die nächste Demo von Fridays for Future Stuttgart. Für kommenden Sonntag, 23. August rufen sie zur Hitze-Demo auf. Die Forderung: Klima- und Hitzeschutz jetzt! Start ist um 19.30 Uhr auf dem Schlossplatz.

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