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Wolfi wuppt auch die Oper 21

Wolfi wuppt auch die Oper 21
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Kennen auch Sie Menschen, die einfach keine Ruhe geben? Die sich nicht geräuschlos vom Acker machen und sagen können: Ab sofort ist Sofa? Wolfgang Schuster (CDU), 70, von 1997 bis 2013 Stuttgarter Oberbürgermeister, ist so einer. Kaum aus dem Amt, musste der Professor von Kretschmanns Gnaden in den Vorstand der Telekom-Stiftung einrücken, ein Institut für nachhaltige Stadtentwicklung sowie eine European Foundation for Education gründen, Präsident der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur in Berlin werden und Angela Merkel bei der Demografie beraten. Um nur einige der Topadressen zu nennen.

Jetzt kommen noch zwei Jobs dazu. Laut "Stuttgarter Zeitung" (StZ) soll Schuster Vorsitzender des Freundeskreises der Staatstheater werden, in dem sich vorrangig der Geldadel der Halbhöhe, aber auch eine gewisse Ineffizienz versammelt. Amtierende Vorsteherin ist Ann-Katrin Bauknecht aus der gleichnamigen Waschmaschinendynastie, eine societymäßig präsente Charitydame, die auch Honorarkonsulin von Nepal und somit terminlich sehr eingespannt ist, was dem Geldtopf nicht immer förderlich ist. Außerdem ist sie schon 79, und in die Schweiz ziehen will sie auch. Da täten junges Blut sowie ein aktiver Zugriff auf die Elite der Gesellschaft gut. Sprich: Professor Schuster.

Der Plan wird Marc-Oliver Hendriks zugeschrieben, dem geschäftsführenden Intendanten der Staatstheater Stuttgart, der im Rahmen seiner konsolidierten Kommunikation am liebsten das Großbürgertum beglückt. Es sei wichtig, zitiert ihn StZ-Autor Andreas Müller, dass die Theater in der "Spitze der Gesellschaft" verankert seien. Das wird insbesondere beim 1000-Millionen-Euro-Projekt "Oper" wichtig werden, weil die Spitze einig sein muss, wenn die Breite kommunikativ konsolidiert werden soll. Und da kann es nur den einen geben. Den unbeirrbaren Macher von Stuttgart 21, der sich weder von großen Zahlen noch von Bürgerprotesten hat beirren lassen. Sein Name stand stets, wie OB-Nachfolger Fritz Kuhn (Grüne) noch im November 2019 betonte, "für Kultur und Nachhaltigkeit". Dann wird Schuster doch auch noch die Oper 21 wuppen.

Den zweiten Job macht er, gegen Geld, für einen Adligen. Für Albrecht von Brandenstein-Zeppelin, den Urenkel des Luftfahrtpioniers, der nicht weniger will, als die Herrschaft über die Zeppelin-Stiftung zurück. Jene Einrichtung ist ein Segen für die Stadt Friedrichshafen, die zuletzt 50 Millionen Euro erhalten hat und damit locker öffentliche Bäder bauen und renovieren kann. Berater Schuster hat nun angekündigt, zwischen dem katholischen Blaublut und der Stadt vermitteln zu wollen, unter besonderer Berücksichtigung der wesentlichen Positionen seines Auftraggebers. Selbiger gehört zu den 500 reichsten Familien in Deutschland.   

Weltmarktverlierer bei Döring

Nobilitäten ähnlicher Provenienz treffen sich auch in diesem Jahr (29. – 30. Januar) wieder in Schwäbisch Hall. Die "Weltmarktführer" kommen zu Walter Döring (FDP), dem Cheflobbyisten der Hidden Champions. Kontext enthält sich diesmal der Berichterstattung, weil wir uns vor Wiederholungen hüten wollen.

Hinweisen wollen wir allerdings auf das Alternativprogramm, das die örtliche Weltmarktverlierer-Akademie anbietet. Das lohnt sich anzuschauen: www.weltmarktverlierer-akademie.de


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