Ausgabe 407
Editorial

Kontext lässt schäumen

Von unserer Redaktion
Datum: 16.01.2019

Das Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen, hatte Winfried Hermann vermutlich schon öfter in seinem Leben. Aktuell wegen seines Interviews in der vergangenen Kontext-Ausgabe. Darin hatte der grüne Landesverkehrsminister das Tunnelbahnhofsprojekt Stuttgart 21 zwar als "grandiose Fehlentscheidung" bezeichnet. Einen Ausstieg aus dem Projekt wäre für ihn trotzdem "nicht mehr vermittelbar".

Erwartbar, dass daraufhin sofort die Kritik der Projektgegner aufbrandete, nachzulesen in der regen Leserdiskussion unter dem Kontext-Beitrag – und in der aktuellen Ausgabe in einer Replik von Werner Sauerborn. Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 weist darin unter anderem darauf hin, dass es durchaus zu rechtfertigen wäre, dem bereits ausgegebenen Geld nicht noch viel mehr Geld hinterherzuschmeißen. Er beklagt zudem, Hermann und seine grünen Kollegen opferten mit dem Festhalten an S 21 zentrale Felder ihrer Politik auf dem Altar der Regierungsbeteiligung.

Kritik gab es aber auch von der anderen Seite, von den nach wie vor knallharten S-21-Befürwortern. Als "Schaden für die Koalition" bezeichnete Manuel Hagel, Generalsekretär der Landes-CDU, den Verkehrsminister ob seiner Äußerungen in Kontext. Und der Verkehrspolitiker Thomas Dörflinger sprang seinem amtsbedingt schäumenden Parteikollegen bald bei. Das könnte nun einen von der Landes-CDU unbedachten und ungewollten Nebeneffekt haben – und der Bahn in ihrer Klage um Übernahme der S-21-Mehrkosten in die Hände spielen, wie Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer darlegt. Ob die Wutbürger von der Union das bedacht haben?

Solch heiße Debatten auf entgegengesetzten Seiten entfacht zu haben, darüber freuen wir uns natürlich. Doch Kontext lässt nicht nur schäumen, sondern regt auch zu konstruktivem Handeln an. Im ersten Teil des Hermann-Interviews in Kontext-Ausgabe 405 breitete der Verkehrsminister seinen Verdruss über den Zustand der Deutschen Bahn aus. Ein Leser aus Darmstadt nahm das zum Anlass, einen Brief an Hermanns hessischen Amtskollegen Tarek Al-Wazir zu schreiben. Dieser enthält Handlungsempfehlungen zu zwei Schienenprojekten und ist hier nachzulesen. Ob sich Al-Wazir davon inspirieren lässt, wissen wir nicht. Aber wir helfen gerne.

Nicht zum Schäumen, aber zum Rauchen vieler Köpfe hat Ruprecht Skasa-Weiß' Weihnachtsrätsel geführt, das sich rund um den Turm drehte. Die meisten unserer LeserInnen lagen richtig (was uns nicht wundert), hatten von Kaiser Hadrian über Alice Schwarzer bis hin zu Heinrich Wilhelm von Gerstenberg alle gefragten Personen gefunden und einzelne Buchstaben aus deren Namen zum richtigen Lösungswort "Grundstein" zusammengesetzt. Aus dem Karton voller Postkarten und ausgedruckter Emails zog Kontext-Glückskobold Johannes Rauschenberger unter den strengen Augen der Redaktion die glücklichen GewinnerInnen. Wir gratulieren ganz herzlich – und hoffen, dass auch all jene, die nichts gewonnen haben, viel Spaß beim Knobeln hatten! Ganz besonders danken wollen wir natürlich dem Kollegen Skasa-Weiß, der das Weihnachtsrätsel für Kontext aufgetürmt hat.


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3 Kommentare verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 20.01.2019
    @Redaktion,
    ach tatsächlich? Die Redaktionellen bei KONTEXT schäumen doch wohl nicht über. Wohlmöglich noch prustend und dabei nach Luft ringend. N I C H T doch!

    Überlasst es lieber den anderen – denen die nicht selbst denken wollen, sondern Vordenker brauchen, denen sie sich auch noch unterordnen -bedingungslos-!
    Hier nachzulesen, was dabei mitunter so zur "Selbstverteidigung" in die WELT gebracht wird. [b][1][/b]

    Ist er, der (Mit-)Verursacher, doch bekannt für seine "wohlgesetzten" Aussagen, die sich auch im Online-Repertoire von KONTEXT befinden.
    Wie hier: 07.11.2012 Ausgabe 84 Na ja, man kann halt nix machen
    Können kann Mann schon – Mann muss halt auch wollen!
    Think positiv, wie Timothy Leary am 03.10.2010 veröffentlicht:
    Stuggi, Stuggi, Stuttgart https://www.youtube.com/watch?v=9Cb9DqSgaSA 4:09 Min.
    Mit Musik nicht gegen etwas
    sondern für etwas
    für K21
    für eine vernüftige Zukunft & ein modernes und [b]demokratisches Stuttgart[/b]

    [b][1][/b] Stand: Dezember 2012 Chronologie der Presse-Veröffentlichungen https://up.picr.de/34878437ea.pdf auf 13 Seiten, 3,8 MB
    Auf Seite 5
    [i]„Also von mir aus könnte Stuttgart 21 eine Billion Euro
    kosten, und ich wäre immer noch dafür“[/i]
    [b]Michael Conz, Stuttgarter Stadtrat (FDP)[/b]
    am 13.7.2010 bei einer öffentlichen Veranstaltung der S21-Blockparteien in
    Untertürkheim

    8. August 2010: Ein von der Stadt Stuttgart beauftragtes und 2 Jahre
    geheim gehaltenes Gutachten der Firma SMA zu S21 wird vom Stern
    veröffentlicht. ([b]„hohes Stabilitätsrisiko“, „schwer beherrschbares
    Gesamtsystem“[/b]). Zitat aus dem Gutachten [i]„Aufgrund der Brisanz
    vorliegenden Resultate ist absolutes Stillschweigen erforderlich“[/i]
  • Jörg Tauss
    am 16.01.2019
    Na ja. Die Sympathie für Herrn Minister tropft aus jeder Zeile des Artikels. Dazu tragen sicher auch die Herren Dörflinger und Hagel bei, deren Geschwätz schon im oberen Bereich von noch erträglichen Schmerzgrenzen anzusiedeln ist.

    Allerdings ist auch Hermann auf der anderen Seite nicht allzuweit davon entfernt. Natürlich muss er wegen des S 21 - Prozesses lavieren. Seine höchst überflüssige Beschimpfung der Gegner, quasi als Ewiggestrig, hat damit aber nicht das Mindeste zu tun. Es ist die beleidigte Reaktion des Ertappten, Taktik vor Überzeugung zu setzen, wegen mir auch setzen zu müssen.

    Das grüne Spielchen, ich habe es doch schon immer gesagt, habt mich lieb aber jetzt eben Augen zu und durch, ist so durchschaubar, dass es in der Tat weh tut. KONTEXT sollte sich dafür nicht instrumentalisieren lassen.
    • a. Ziervogel
      am 16.01.2019
      Das Instrumentieren-Lassen von Medien finde ich in diesem Zusammenhang ebenso beachtenswert wie bedenklich! Wo blieben die konsequenten Nachfragen an Herrn Hermann? Ich habe sie schmerzlich vermisst!

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