Ausgabe 384
Editorial

Chapeau, Kolleginnen und Kollegen!

Von unserer Redaktion
Datum: 08.08.2018

Einen "Mann aus dem Background", einen schlichten AfD-Mitarbeiter, sah der vorsitzende Richter am LG Mannheim vor sich – und den Saal voller Presseleute. Das sei doch nichts Prickelndes, sprach er in den Saal und wunderte sich über das Interesse an einem Vorgang, der ihm eher langweilig erschien. Ganz anders die deutschen Medien. Sie haben die Bedeutung des Falls, den Streit um die widerlichen Chatprotokolle, aus denen Kontext zitiert hatte, sehr wohl erkannt und breit darüber berichtet.

Vorgelegt hatte taz-Kolumnist Steffen Grimberg mit dem "Arsch in der Hose", den er Kontext bescheinigt. Der "Deutschlandfunk" (Brigitte Baetz und Thomas Wagner) berichtete über die Entscheidung des Gerichts und die Reaktionen, mit Statements aus der Kontext-Redaktion und der DJV-Landesvorsitzenden Dagmar Lange. Mit ausführlichen Artikeln widmeten sich Wolfgang Janisch in der "Süddeutschen Zeitung", Ulrike Simon in ihrer Medienkolumne auf "Spiegel Plus" sowie Gesa von Leesen im "Neuen Deutschland" dem Fall.

Chapeau auch, Kolleginnen und Kollegen vom SWR! Da weiß man wieder, was man am öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben kann. Gut gemacht und gut platziert die TV-Beiträge, mit Engagement gedreht (zum Beispiel vor Ort in der Kontext-Redaktion) und präsentiert. Wer den langen Beitrag in "SWR aktuell" am 3. August um 19:30 Uhr (ab Minute 5:47) gesehen hat, durfte sich seriös unterrichtet wissen, zusätzlich versorgt mit Einschätzungen des zugeschalteten SWR-Rechtsexperten Kolja Schwarz.

Auch die Landeszeitungen schauten genau hin. Für die "Badische Zeitung" und die "Südwestpresse" schrieb Wolfgang Risch, für den "Mannheimer Morgen" der Kollege Roger Scholl, für die "Waiblinger Kreiszeitung" (in deren Verbreitungsgebiet der AfD-Mitarbeiter wohnt) Jörg Nolle, vor und nach der Entscheidung. Nicht zu vergessen die Medienportale turi2, Meedia und Bildblog – und natürlich Alfred Denzinger von den "Beobachternews" aus Rudersberg. Gefehlt haben eigentlich nur die Blätter des Stuttgarter Pressehauses. Aus welchen Gründen auch immer.

P.S.: Besonders gut gefallen hat uns ein Absatz aus Ulrike Simons "Spiegel"-Kolumne, in dem sie beschreibt, was ihr so durch den Kopf gegangen ist, als sie über die Strategie der Klägerseite gelesen hat: "Bei der Lektüre fühlte ich mich an den Film 'Blues Brothers' erinnert, genauer gesagt: an die berühmte Szene im Tunnel. Um zu begründen, warum Jake seine Braut vor dem Traualter habe vergeblich warten lassen, sagt der Blues-Mann: Das Benzin war alle, ich hatte 'nen platten Reifen, dann hatte ich einfach nicht genug Geld für ein Taxi, mein Smoking ist nicht aus der Reinigung gekommen, und ein alter Freund von außerhalb kam zu Besuch, und dann hat jemand mein Auto geklaut, da war ein Erdbeben, und da kam eine furchtbare Flutwelle ...'" Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

 

Wer noch mehr nachlesen will: Eine umfassende Linkliste zur Berichterstattung über die Verhandlung finden Sie hier.


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