Ausgabe 340
Editorial

Lautsprecher

Von unserer Redaktion
Datum: 04.10.2017

Siller fragt weiter. Das freut uns. Begonnen hat der geschätzte Kollege in Kontext mit den SpitzenkandidatInnen vor der Bundestagswahl. In Bild und Ton und Wort. Offensichtlich hat er Gefallen an dem neuen Format gefunden, und sich nun Rezzo Schlauch vorgenommen. Logisch, dass es dabei um Jamaika geht, aber auch um den 70sten Geburtstag des grünen Lautsprechers und die Frage, ob denn da gekifft werde. Für Überraschendes war der ehemalige Fraktionschef schließlich immer gut. Im Stuttgarter Landtag – darauf ist der Mann mit dem frühen Faible für die Schwarzen heute noch stolz – hingen über seinem Sitz immer die Mikrofone der Rundfunkanstalten. Wegen seiner Zwischenrufe.

Aber keine Sorge ob des neuen Formats. Wir halten es weiterhin mit dem geschriebenen Wort. Mit langen Texten, so sie denn einordnen, analysieren und im Besonderen das Allgemeine deutlich machen. Altmodisch in die Zukunft lautete unser Motto, als wir 2011 mit unserem spendenfinanzierten, anzeigenfreien Online-Projekt angefangen haben. Fünf Jahre später haben wir dazu einen Film gedreht, den Susanne Stiefel jetzt zu einer Veranstaltung von Netzwerk Recherche in Düsseldorf mitgenommen hat. Es ging um Non-Profit-Journalismus. In diesem Feld waren wir vor sechs Jahren Pioniere – und gehören inzwischen zu den Veteranen, von denen junge JournalistInnen lernen wollen. "Wie habt ihr es geschafft, euch so lange über Wasser zu halten?", wollte Moderator Thomas Schnedler von der Redaktionsleiterin wissen. "Weil wir das journalistische Handwerk ernstnehmen", antwortete Stiefel, "so ernst wie unsere Unabhängigkeit." Und weil wir Soli-AbonnentInnen haben, die uns monatlich unterstützen. Ihnen sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt!

Danke sagen wir auch der Jugendstiftung Baden-Württemberg. Die nämlich hat als ein Sponsor des Kontext-Medienprojekts mit jungen Geflüchteten den so entstandenen Film beim Jugendbildungspreis "Dein Ding 2017" eingereicht. "Nun heißt es Daumendrücken", steht unter dem erfreulichen Schreiben an die Redaktion. Wir drücken schon!

Um Geflüchtete und ihre Perspektiven ging es auch bei "Kein Mensch ist illegal", der Esslinger Aktionswoche Bleiberecht. Am vergangenen Mittwochabend moderierte unsere Redakteurin Anna Hunger die Diskussion "Ausbildung statt Abschiebung". Beeindruckt war die Kontext-Moderatorin vom Publikum: Menschen mit Familien, Arbeit und eigenen Sorgen bemühen sich, junge Geflüchtete in Ausbildungsverhältnisse zu vermitteln. Und scheitern immer wieder an sinnlosen, undurchschaubaren, lebensfernen Regelungen von Politik und Verwaltung. "Eine Politik des 'Wir schaffen das' sollte den BürgerInnen, die sie tragen, nicht so viele Steine in den Weg legen", meint unsere Redakteurin. Und hofft auf Besserung.


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