KONTEXT:Wochenzeitung
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Hartnäckig bleiben!

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Frankreich hat gewählt und nun die Wahl: neoliberal oder ultranationalistisch. Aber im Vergleich mit einer Rechtsextremen ist selbst ein weiterer Unternehmerfreund an der Spitze eines Staats eine Erleichterung. Der bekennt sich wenigstens zu einem offenen Europa. Grundsätzlich freut uns, was die Nachbarländer Deutschland und Frankreich verbindet. Nicht nur metaphorisch, sondern ganz real. Wie die neue Bahnstrecke zwischen Straßburg und Kehl, die am Wochenende nach der Wahl eröffnet. Wie gruselig die Anti-Utopie einer Präsidentin Marine Le Pen ist, zeigt ein Comic von François Durpair. In schwarz-weiß.

Aber es gibt auch Farbe! Etwa die Bewegungen wie Pulse of Europe, der Women's March oder Science March aus den USA, die international Millionen von Menschen mobilisiert haben. Nun mögen einzelne Veranstalter ominös erscheinen. Aber wenigstens tut sich wieder was, gehen Menschen auf die Straßen, werden laut, protestieren gegen eine Politik, die nicht sie meint. Was sie verbindet, ist der Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit. Für Gleichberechtigung und Weltoffenheit. Das ist schon mal nicht verkehrt.

Denn Engagement kann etwas bewegen. Mit Kopp-Online ist eines der zentralen Sprachrohre der neurechten Weltverschwörungsszene Deutschlands verstummt. Schon seit dem 10. März ist dort kein Artikel mehr erschienen. Im Netz kursiert ein – nicht verifiziertes – Schreiben des Verlags, demzufolge von den bis zu 600 000 LeserInnen pro Tag zu wenige zahlungswillig gewesen seien. Dazu kommt: Nachdem zunächst die Deutsche Bahn dem Verlag die Plakatwerbung an Bahnhöfen und Haltestellen untersagte, hatten die Rechtspopulisten zunehmend Schwierigkeiten, Anzeigen zu schalten.

Es lohnt sich also, hartnäckig zu bleiben. Das zeigt auch das Engagement der Anstifter in Sant'Anna di Stazzema. Ihrer Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass das SS-Massaker von 1944 nicht vergessen wird, und nun ein deutsch-italienisches Jugendcamp organsiert wird. Und noch eine positive Neuigkeit: Nach anhaltenden Protesten von TierschützerInnen teilte das Max-Planck-Institut in Tübingen vergangene Woche mit, seine Versuche an Primaten endgültig beendet zu haben.

Die Welt wird dadurch vielleicht nicht gerettet. Aber es sind kleine Erfolge, die das Leben schöner machen.


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4 Kommentare verfügbar

  • Mikail M
    am 27.04.2017
    Antworten
    hä? Begeisterung oder Freude über den Ausgang der Wahl kann ich in dem text ehrlich gesagt keine erkennen. halt nicht die allerschlimmste und das is halt besser als die allerschlimmste. Das mehr neoliberale Politik auf Dauer mehr rechtsextreme Wähler bedeutet kann schon sein. aber ne Glaskuegel hab…
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