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Tag ohne Frauen

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Frauen in ganz Amerika sollen an diesem Mittwoch zu Hause bleiben. Zu einem Tag ohne Frauen hat die Anti-Trumpbewegung aufgerufen. Denn noch nie war der Internationale Frauentag so wichtig wie heute. Wo antidemokratische und rechtspopulistische Haltungen Zuspruch bekommen, werden auch Frauenrechte in Frage gestellt. Sei es in der Türkei, in den USA oder in Deutschland. Unsere türkische Kolumnistin Filiz Koçali macht dies mit ihrem dreifachen Nein besonders deutlich. Sie berichtet, warum Widerspruch wichtig ist und Nein-Sagen gelernt sein will – für das Recht auf weibliche Selbstbestimmung, berufliches Fortkommen und für demokratische Rechte.

Wir haben am diesjährigen Frauentag, dem 8. März, weit über den Kesselrand hinausgeschaut. Mit Filiz Koçali in die Türkei. Mit unserer Autorin Johanna Henkel-Waidhofer auf die habsburgische Kaiserin Maria Theresia, der von der französischen Feministin Elisabeth Badinter bescheinigt wird, gekonnt mit verschiedenen Rollen jongliert zu haben. Mit der Ethnologin Godula Kosack blicken wir in die Welt der Kleinbäuerinnen, auf die Töchter, welche die Hälfte der Erde bewirtschaften, dieses Land aber oft nicht besitzen dürfen. Und mit unserer Schaubühne, dem Comics "Der Ursprung der Welt" zeichnen wir ein skurril-humoristisches und gleichzeitig trauriges Bild einer weiblichen Körperregion, die seit Jahrhunderten von einfallsreichen Männern ihres Charakters beraubt wurde. Nein, liebe Populisten, das ist kein Genderwahnsinn, sondern eine klug machende Leseempfehlung zum Frauentag.

Manche vom rechten Rand outen sich nicht nur als Frauenfeinde, sondern auch als neue Freunde der Kernkraft. Warum dies gerade mal sechs Jahre nach Fukushima besonders pikant ist, darauf weisen Franz Alt und Jürgen Lessat in ihren Artikeln zum Jahrestag des japanischen Super-GAUs hin.

Und dann hat uns noch Post aus Irland erreicht. Der frühere Chef der Staatsgalerie hat die Berichterstattung in Kontext verfolgt und sich aus Dublin zu Wort gemeldet. "Ich bin nicht überzeugt, dass Outsourcing und unangekündigte Kontrollgänge die gewünschte Wirkung haben, wenn nicht gleichzeitig Vertrauen aufgebaut wird", schreibt Sean Rainbird in seiner Replik. Wir freuen uns natürlich über die Reichweite von Kontext.

Und wir habe noch ein traurige Mitteilung zu machen.

Bruno Bienzle ist tot

Er war ein Journalist vom alten Schlag. So sagt man zu einem Kollegen, der es noch ernst gemeint hat mit seiner Arbeit. Bruno Bienzle war so einer. Mehr als 40 Jahre bei den "Stuttgarter Nachrichten", lange Zeit Sport- und Lokalchef, der Mann und Maus in der Stadt kannte, und mit niemandem verbandelt war. 2007 war Schluss im Pressehaus, 2011 erschien sein erster Artikel in Kontext, dem noch etliche folgen sollten. Besonders gerne zum Pressewesen. Kritisch, analytisch, präzise, auch gegenüber seinem alten Arbeitgeber. Geschrieben hat sie Bienzle mit der Mundmaus im Bett, wo er, vom Hals abwärts gelähmt, nach einem Fahrradsturz (2009) lag. bb ist am vergangenen Donnerstag (2. März) im Alter von 74 Jahren in Nürtingen gestorben. Den besten Nachruf hat sein Freund Joe Bauer ("Auf dem geraden Weg") verfasst.


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4 Kommentare verfügbar

  • CharlotteRath
    am 09.03.2017
    Antworten
    Polizei und Bundeswehr üben seit zwei Tagen ihre Zusammenarbeit hier im Ländle. Warum hat die grün-schwarze Landesregierung einer Mitwirkung an GETEX zugestimmt? Asyl scheint mir nicht das einzige Grundrecht zu sein, das Herr Strobl energisch bemüht ist einzuschränken. Freundliche Grüße vom…
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