KONTEXT:Wochenzeitung
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Von Gut und Böse

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Was haben wir gebibbert! Kommt er rechtzeitig oder nicht, der Max Uthoff? Er sitze im Zug und der stecke fest, heißt es. Natürlich die Bahn. Wieder einmal verspätet. Womöglich mit Absicht, als Revanche für unbotmäßige Berichterstattung. Man kann ja nie wissen. Aber dann war er doch da, zehn Minuten vor dem Start in einen wunderbaren Abend. Und wie! Im Theaterhaus, inmitten einer "arschlochfreien Zone", getreu seinem Motto, das er Kontext schriftlich gegeben hat: "Die Guten müssen zusammenhalten, dass sie gemeinsam böse sein können." Zumindest einen Abend lang darf man/frau sich so fühlen.

Das Böse geht dann so: Wie degeneriert muss ein Rudel sein, das einen Wolf zum Anführer wählt? Wann erklärt Kretschmann Nordkorea zum sicheren Herkunftsland? Warum sagen die Grünen nicht, dass sie das wärmende Kirschkernkissen für den Schlaf der Wohlstandsbürger sind?

Da denken sich die Guten, zumindest die, die sich dazu zählen: Die Satire darf halt alles. Gut so. Und wir denken manchmal: Schade, dass Kontext kein Satireblatt ist. Eine Art wöchentliche "Titanic" oder gedruckte "Anstalt", in der Uthoff als scharfer Kabarettist auftritt. Aber so einfach ist es halt nicht, so klar. Hier das Gute und dort das Böse. Und zum anderen hängen wir nicht der modernen These an, dass Satire inzwischen den Journalismus ersetzt, Politik neuerdings von der "heute-show" erklärt wird.

Kontext bleibt altmodisch. So wie es Susanne Stiefel in ihrer Festrede gesagt hat. Recherchieren, nachfragen, schauen, was ist, eine linke Alternative zu dem, was wie ein medialer Mahlstrom über uns kommt. Ein Gegenstück zum "Neuen Stuttgarter Weg" vom Möhringer Pressehaus, zum Beispiel. Das geht nicht in einem "Maschinenraum", das braucht eine geförderte Denkerstube, und das Schöne ist, dass wir mit dieser Meinung nicht alleine sind. Oder wären sonst 700 Gäste unserer Einladung ins Theaterhaus gefolgt?

Dieser Zuspruch ist einfach überwältigend und ein Beweis dafür, dass Journalismus, entgegen allen Grabreden, Zukunft hat. Wenn er aufrecht daherkommt. Anleihen bei Max Uthoff können dabei immer hilfreich sein. Ein Glück, dass er da war.

Unter den Festgästen war auch Albrecht Müller, der Herausgeber der "Nachdenkseiten". Er war vom Auftritt Peter Grohmanns so angetan, dass er die Rede unseres Wetterers im Wortlaut auf seinem Internet-Portal veröffentlicht hat. Verbunden mit hohem Lob an die Stuttgarter Anstifter, deren Arbeit Müller als "vorbildlich und nachahmenswert" bezeichnet. Zu finden hier.

***

Und wer beim Kontext-Fest noch nicht genug bekommen hat von unserem Stargast: Demnächst ist Max Uthoff wieder in Stuttgart: Am 22. Juli im Hospitalhof nimmt er, gemeinsam mit "Anstalt"-Autor Dietrich Krauß, im Nachtschicht-Gespräch mit Pfarrer Ralf Vogel das Thema Gerechtigkeit in gewohnt scharfer Manier unter die Lupe. Der Titel: "Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher."

Schon am kommenden Sonntag bittet Ralf Vogel Sigrid Klausmann und Walter Sittler zur Nachtschicht "Manche lernen's nie". Am 8. Mai sind die Dokumentarfilmerin und der Schauspieler seine Gäste. Klausmann arbeitet an dem Projekt "199 kleine Helden". Das sind 199 Geschichten von Kindern aus fast jedem Land der Erde, die Klausmann auf ihren Schulwegen begleitet hat. Dabei erzählen die Kinder von ihrem Leben, ihren Träumen und ihren Ängsten. Sigrid Klausmann und Walter Sittler, als Produzent, berichten von ihrem Projekt und zeigen Filmausschnitte. Zum ersten Mal gemeinsam mit ihren Eltern auf der Bühne steht die Musikerin Lea Sittler: Mit Patrick Bebelaar und Frank Kroll sorgt sie für den musikalischen Rahmen dieser Nachtschicht.


Info:

"Manche lernen's nie" – Nachtschicht im Theaterhaus Stuttgart. 8. Mai, um 19 Uhr. Eintritt frei.


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