KONTEXT:Wochenzeitung
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David hat verloren

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Ein knappes Jahr ist es her, dass Kontext die Kampagne gestartet hatte: "David kämpft für Goliath." Gemeint war das Stuttgarter Pressehaus, das im Juni 2015 die Fusion der Redaktionen von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" verkündet hat. Dagegen galt es, der Vielfalt wegen, anzugehen. Mitgemacht haben damals viele BürgerInnen, unter ihnen die Verdi-Chefin Leni Breymaier, SPD-Minister Peter Friedrich, Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch, der Schriftsteller Heinrich Steinfest, die Schretzmeiers vom Theaterhaus. Erfolg war der Initiative nicht gegönnt. Zum 1. April, kein Witz, kommt es genau so.

Mit allerlei Wortgirlanden versuchen nun die Chefstrategen in Möhringen, zu camouflieren, was offenkundig ist: die STZN. Keiner von ihnen sagt, dass die selbst verschuldete Not das Drehbuch geschrieben hat. Dass das Gedöns um das Digitale nur verschleiert, worum es wirklich geht: ums Sparen auf Kosten eines vernünftigen Journalismus, der nötiger denn je ist. Das ist eine bittere, wenn auch nicht neue Erkenntnis.

Aber regt sich jemand darüber auf? Gibt es darüber eine Debatte in der Stadt, die längst überfällig ist? Nichts dergleichen. Es scheint, als fiele in Möhringen ein Sack Reis um, so spannend ist das Thema. Die beiden Stuttgarter Blätter haben offenbar den Wirkungsgrad einer Valiumtablette erreicht, so müde sind ihre LeserInnen. Oder es ist ihnen einfach egal, was da aus dem Pressehaus kommt.

Das ist, bei aller Kritik, falsch. Richtig und wichtig wäre, eine öffentliche Debatte darüber zu führen, wie wir informiert werden und wie wir informiert werden wollen. Dafür müssen doch noch ein paar Menschen zu gewinnen sein. Einer war kürzlich bei uns in der Redaktion. Ein Banker, der den Qualitätsjournalismus retten wollte. Die Veranstaltung mit ihm werden wir rechtzeitig ankündigen.

Einer, der darunter litt, war Peter Conradi. Hochgeschätzter Autor und Gast bei Kontext, gestorben im Alter von 83 Jahren. Einer, der sich noch richtig aufregen konnte. Er sei, sagte die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) bei der Trauerfeier vor 900 Anteilnehmenden, ein "lebendiger Gestalter der Demokratie" gewesen. Von der SPD hat kein Spitzengenosse den Weg ins Theaterhaus gefunden. Zu unbequem war ihnen Conradi geworden. Edzard Reuter hat das Sprechen übernommen, nicht als SPD-Mitglied, sondern als Bruder im Geiste. Verbunden hat sie die letzten Jahre insbesondere der Streit um Stuttgart 21, für beide jenes Musterbeispiel, wie man öffentliche Glaubwürdigkeit und damit die Lebensfähigkeit der Demokratie aufs Spiel setzen kann.

Dazu noch die Trauerrede von Winfried Hermann, dem Verkehrsminister.

Und noch ein Nachruf von Winfried Wolf, der Peter Conradi fürs Türenöffnen dankt.


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6 Kommentare verfügbar

  • maguscarolus
    am 26.03.2016
    Antworten
    Jetzt warten wir drauf, dass es in S nur noch eine einzige Tageszeitung geben wird. Genügt ja auch, oder ist das dann vielleicht zu wenig Werbefläche?
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