KONTEXT Extra:
Mit klassischer Musik gegen Kampfdrohnen

Mit Cello und Bratsche rücken 80 MusikerInnnen vor der US-Kommandozentrale in Stuttgart-Möhringen an. Am kommenden Montag, 29. 8., 10 Uhr, wollen sie dem "Drohnenmord den Schlussakkord" setzen. Sie sammeln sich seit 30 Jahren unter dem Namen "Lebenslaute" und finden sich überall dort ein, wo sie Menschen bedroht sehen: auf Militärübungsplätzen, Abschiebeflughäfen, vor Atomkraftwerken und Raketendepots. Ihr Konzert ist verbunden mit einer Demonstration, bei der die Organisatoren von "Ohne Rüstung Leben" 13 000 Unterschriften an einen Vertreter von Africom und Eucom übergeben wollen. Sie fordern die Schließung der Kommandozentralen. Mit der "stillschweigenden Duldung" von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) werde hier der Einsatz von tödlichen Kampfdrohnen koordiniert, schreibt das Bündnis. (26. 8.)


Versprochen, gebrochen!

Was kommt da eigentlich noch?, fragt sich die designierte SPD-Landesvorsitzende und mit ihr die politisch interessierte Öffentlichkeit im Land. Vor vier Wochen waren die ersten Nebenabreden öffentlich geworden, die Grüne und CDU nicht in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen hatten (Kontext berichtete). Ministerpräsident Winfried Kretschmann musste in einer Landtagsdebatte alle Register ziehen, um deren Notwendigkeit mehr schlecht als recht gerade auch vor den Regierungsfraktionen und der eigenen Klientel zu rechtfertigen. Ungenutzt ließ er die Chance, reinen Tisch zu machen, alles zu offenbaren, was er mit CDU-Landeschef Thomas Strobl ausbaldowert hat. Die Aufregung wäre groß gewesen - und doch deutlich kleiner als der Ärger, den sich die beiden jetzt eingehandelt haben. Drei Tage, sagt der Regierungschef gern, lägen zwischen "Hosianna" und "Kreuziget ihn!", was schon immer zweideutig war, weil er damit die Verantwortung für einen Niedergang auch dem Publikum zuschreibt. Jetzt tragen Kretschmann und Strobl diese ganz allein. Der Grüne allerdings deutlich schwerer als der Schwarze, weil er - siehe Persönlichkeitswerte - sehr vielen Menschen als Inbegriff der Redlichkeit galt. Mit seiner "Politik des Gehörtwerdens" war ein Transparenzversprechen verbunden, und das hat er höchstpersönlich gleich mehrfach gebrochen.


AfD kann nicht rechnen

Zu ihrer 100-Tage-Bilanz im Landtag legen die Abgeordneten der AfD-Fraktion, also jene, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit nicht gefolgt sind, eine arg geschönte Bilanz ihrer Arbeit vor. "Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir bereits 37 Anfragen gestellt, über die wir künftig berichten werden", heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: "Das übertrifft die SPD-Fraktion bei weitem, die gerade einmal 14 Anfragen eingereicht hat, oder auch die FDP, die beide aufgrund ihrer Parlamentshistorie mit einer deutlich größeren Mannschaft im Hintergrund agieren."

Wahr ist, dass die Fraktionsgröße die Zahl der Beschäftigten bestimmt und vor allem, dass die AfD-Fraktion seit der Abspaltung der "Alternative für Baden-Württemberg" (ABW) acht Kleine Anfragen gestellt hat und die ABW seit ihrer Gründung Anfang Juli neun. Davor hatte es die noch geeinte AfD auf 34 Kleine Anfragen gebracht. SPD und FDP kommen aber auf jeweils über 70 Initiativen in ihren ersten 100 Tagen, darunter Kleine Anfragen, Große Anfragen, Anträge und Gesetzentwürfe. "Nachdem die AfD bis zur Stunde mit ihren ungeheuerlichen Mätzchen dem Parlament und seiner demokratischen Kultur nur Schaden zugefügt hat, kommt sie nun mit einer vor lauter Selbstbeweihräucherung triefenden 100-Tage-Bilanz daher, die aber noch nicht mal korrekte Rechenkünste vorweisen kann", reagiert Martin Mendler, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, scharf. Der SPD würden fälschlicherweise lediglich 14 Anfragen zugeordnet, wohingegen es laut Parlamentsdokumentation des Landtags von Mai bis August in der 16. Legislaturperiode mehr als fünf Mal so viele seien.


Mit Wolfgang Dietrich naht die Rettung

Die Rettung rückt immer näher: Jetzt hat der Aufsichtsrat des Stuttgarter Fußballvereins VfB den früheren S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich offiziell zum Präsidenten-Kandidaten erhoben. Gewählt wird er am 9. Oktober, so sich nicht irgendwelche Ultras zu einem Block zusammen rotten. Nicht so ganz schlüssig sind sich die beiden Fusionsblätter vor Ort, ob sie den 68-jährigen Streithansel gut oder schlecht finden sollen. Zum einen sei Dietrich ein "gewiefter Geschäftsmann", gar ein "Universalstratege", zum anderen ein "Polarisierer" und eine "Reizfigur", meinen die StZN, und sprechen von der "Altlast S 21". Sie mögen sich von den Parkschützern Mut zur Meinung machen lassen. Wenn das Neckarstadion unter die Erde gelegt werde, schreiben sie, könne man "oben Luxuswohnungen und Einkaufstempel" bauen.


Brigitte Lösch im Visier der AfD

Die beiden AfD-Gruppierungen im baden-württembergischen Landtag wollen ihre Spaltung nutzen, um mit einem Untersuchungsausschuss unter anderem gegen die frühere grüne Landtagsvizepräsidentin und Stuttgarter Abgeordnete Brigitte Lösch vorzugehen. Hintergrund ist ihr Engagement gegen die Bildungsplangegner der "Demo für alle" und für das Bündnis "No Pegida Stuttgart".

Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sollen auch die Ereignisse vom vergangenen Oktober sein, als Künstler und Beschäftigte aus Protest gegen die "Demo für alle" ein Banner mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Dach des Großen Hauses der Württembergischen Staatstheater entrollten (Kontext berichtete). Die beiden AfD-Fraktionen verlangen Auskunft darüber "wieso das Opernhaus Stuttgart durch Gegendemonstranten besetzt werden konnte". Grundsätzlich will die "Alternative für Deutschland", die mit ihren zur Zeit zwei Fraktionen allein einen Untersuchungsausschuss beantragen kann, dem "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nachgehen und einer möglichen Nähe zu "der gewesenen oder derzeitigen Landesregierung, Parteien, der Verwaltung, der Behörden oder dem Landtag".

Die vier demokratischen Fraktionen sehen darin einem Missbrauch der parlamentarischen Möglichkeiten. Bereits ins Auge gefasst ist eine Überprüfung des Vorgehens der Rechtsnationalisten durch den baden-württembergischen Verfassungsgerichtshof. Nach geltendem Recht kann ein Untersuchungsausschuss eingesetzt werden, wenn mindestens zwei Fraktionen oder ein Viertel aller Abgeordneten dafür sind. Er ist allerdings nur zulässig zu Sachverhalten, "deren Aufklärung im öffentlichen Interesse liegt" und wenn sie geeignet sind, "dem Landtag Grundlagen für eine Beschlussfassung im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Zuständigkeiten zu vermitteln".

Drei vom Landtag bestellte Gutachter sahen Ende Juli auf Basis der geltenden Geschäftsordnung keinen Weg, der AfD die Bildung zweier Fraktionen zu verwehren. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warnte schon damals, die "Alternative für Deutschland" könnte ihren doppelten Fraktionsstatus missbrauchen. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die AfD nutze ihre Spaltung, "um sich Vorteile zu erschleichen".

Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Christina Baum, die dem Bundessprecher Jörg Meuthen im Antisemitismus-Streit um Wolfgang Gedeon nicht in die neue Fraktion gefolgt ist, bewertet das gemeinsame Vorgehen als "positives Signal für alle bürgerlichen Schichten im Land". Beide Fraktionen verhehlen auch nicht, dass der jetzt vorgelegte Antrag eine "Vorbereitung der Wiedervereinigung" (Baum) ist. Nach dieser, die für den Herbst und im Zuge einer gerade gestarteten Mediation von beiden Seiten in Aussicht gestellt wurde, könnte der Untersuchungsausschuss aber nicht mehr durchgesetzt werden.


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Grafik: Susanne Wais

Grafik: Susanne Wais

Ausgabe 219
Medien

Wir fordern Pressevielfalt

Von unserer Redaktion
Datum: 10.06.2015
Das Ende war absehbar, doch die Nachricht hat die RedakteurInnen kalt erwischt: Am Montag verkündete Geschäftsführer Richard Rebmann den Betriebsratsvorsitzenden von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" die Fusion der beiden Redaktionen und den Wegfall von 35 Stellen. Wir von Kontext fordern: Keine Zusammenlegung der beiden Stuttgarter Blätter. Unsere Initiative für Pressevielfalt und wer schon unterschrieben hat, lesen Sie hier.

Kontext-Initiative "David kämpft für Goliath"

Wir fordern Pressevielfalt!

Kein Zusammenlegen von "Stuttgarter Nachrichten" und "Stuttgarter Zeitung"

Bis zum April 2016 soll die redaktionelle Zusammenlegung der "Stuttgarter Zeitung" und der "Stuttgarter Nachrichten" vollzogen sein. Das heißt konkret: 35 Redakteure insgesamt weniger. Auch wenn 15 Redakteure neu hinzukommen sollen, bedeutet das einen Verlust an Qualität und Vielfalt.

Seit Jahren wird bei der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) bei den Redaktionen gespart. Das zeitigt nun die schlimmste anzunehmende Variante: Das Sterben der Pressevielfalt in Stuttgart!

Das ist der Lackmus-Test für alle, die wissen, dass Pressevielfalt und Qualitätsjournalismus wichtig für die Teilhabe an demokratischen Entscheidungsprozessen sind. Sie können deutlich machen, was ihnen die Pressefreiheit, die Pressevielfalt und die Qualität im Journalismus wert ist.

In einem Jahr ist Landtagswahl im Lande. Frisch zur neuen Landesregierung soll der Kahlschlag im Stuttgarter Blätterwald vollzogen sein.

Wir sagen: Nein!

Die Kontext-Wochenzeitung startet zusammen mit BürgerInnen, PolitikerInnen GewerkschafterInnen, KünstlerInnen, Parteien und Verbänden die Initiative zur Presse- und Medienvielfalt in Stuttgart.

Stuttgart braucht viele Medien, Stuttgart braucht Qualität im Journalismus. Beide Zeitungen "Stuttgarter Zeitung" und Stuttgarter Nachrichten" müssen redaktionell eigenständig, vollständig und journalistisch von bester Qualität sein!

Unter dem Motto "David kämpft für Goliath" protestieren wir gegen die Zusammenlegung der beiden Stuttgarter Blätter.

Unterschriften bitte (mit Wohnorts- und Berufsangabe) an: pressevielfalt--nospam@kontextwochenzeitung.de

 

ErstunterzeichnerInnen: 

Leni Breymaier, Verdi-Landesbezirksleiterin

Kajo Döhring, djv Hauptgeschäftsführer

Gabriele Frenzer-Wolf, stellvertretende DGB-Landesvorsitzende

Willi Friedmann, Geschäftsleitung Theaterhaus Stuttgart

Peter Friedrich, Minister und stellvertretender SPD-Landesvorsitzender

Klaus Grabowski, Vorstand des DJU-Ortsvereins Stuttgart

Siegfried Heim, Leiter Fachbereich Medien, Kunst und Industrie, Verdi Baden-Württemberg

Dagmar Lange, Vorsitzende DJV Baden-Württemberg

Brigitte Lösch, Landtagsvizepräsidentin

Edzard Reuter, Ex-Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG

Gudrun und Werner Schretzmeier, Theaterhaus Stuttgart

Ulrich Schreyer, Landesvorsitzender der Deutschen Journalisten Union (DJU)
Baden-Württemberg

Dieter Spöri, Ehrenpräsident der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD)

Hans-Albert Stechl, SWR Verwaltungsratvorsitzender und Medienanwalt

Heinrich Steinfest, Schriftsteller

Frank Werneke, stellvertretender Vorsitzender Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi

 

Weitere UnterzeichnerInnen:

Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalisten Union (DJU)

Joachim Kreibich, Betriebsratsvorsitzender des Reutlinger General-Anzeigers, Mitglied im Landes- und Bundesvorstand der DJU

Rainer Wochele, Schriftsteller

Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW) Baden-Württemberg

Matthias Schneider, Landesgeschäftsführer/Pressesprecher der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg

Benjamin Hechler, Landtagsfraktion der Grünen, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Michael Henn, Rechtsanwalt, Stuttgart

Renate Angstmann-Koch, Betriebsratsvorsitzende des Schwäbischen Tagblatts Tübingen, Mitglied der Tarifkommission und des Landesvorstands der dju in Verdi

Karl-Heinz Kaschel-Arnold, Landesgeschäftsführer DJU in Verdi Bayern

Anton J. Seib, Redakteur Online-Zeitung "Der neue Landbote", Rockenberg

Dr. Klaus Kunkel, Diplompsychologe, Stuttgart

Michael Haußer, Dipl.-Wirt-Ing (FH), Produktionsleiter Verlag, Stuttgart

Birgit Kipfer, MdL 1988-2009, Sprecherin für Verbraucher- und Medienpolitik der SPD-Landtagsfraktion

Angelika Neidhardt, Mediaberaterin, Coburg

Dietmar Schreck, Betriebsratsvorsitzender Verlag und Druckerei Main-Echo GmbH & Co. KG, Aschaffenburg

Michael Schulze, Schatzmeister der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg

Johannes Rauschenberger, Diplom-Kaufmann, Wirtschaftsprüfer/Steuerberater, Stuttgart; Mitglied des Aufsichtsrats der taz.die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG, Berlin

Jürgen Grässlin, Buchautor, Mitglied im Schriftstellerverband von Verdi, Träger des Aachener Friedenspreises, Freiburg

Ralf Stockheim, Landesbezirksleiter i.R. IG Bergbau, Chemie, Energie, Stuttgart

Stephan Braun, Journalist, von 1996 bis 2011 MdL (SPD)

Alfred Denzinger, verantwortlicher Redakteur des Magazins "Beobachter News", Rudersberg

Stefan Dangel, freier Journalist, Waldenbuch

Thekla Walker, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Oliver Hildenbrand, Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg

Cordula Weinke, Redakteurin, Landesvorsitzende Fachbereich Medien, Kunst und Industrie, Verdi Baden-Württemberg

Christopher Bolte, Autor, Berlin

Rainer Nolte, Ministerialrat, Bad Boll

Susanne Meyder-Nolte, Studienleiterin Ev. Akademie Bad Boll

Viviane Nolte, Studentin, Bad Boll

Philipp Schultheiß, Lehrbeauftragter der Uni Marburg, Marburg

Klaus Huber, Elektrotechniker, Stuttgart

Uli Röhm, Fernsehjournalist und Wirtschafstredakteur, Jugenheim in Rheinhessen

Ben Mendelson, freier Journalist, Göttingen

Gerhard Reischmann, Freier Journalist, Bad Wurzach

Peter Jakobeit, Kulturmanager, Stuttgart

Elgin Fischbach, Zeitungszustellerin, Leimen

Dr. Gabriele Weigel, Ärztin, Stuttgart

Dr. Karin Kaiser, Diplompädagogin, Esslingen

Monika Moll, Diakonin/Sozialpädagogin, Nürtingen

Widmar Puhl, freier Autor und Redakteur bei SWR2, Stuttgart

Renate Schauer, Journalistin, Aichwald

Hans Heydemann, Dipl. Ingenieur, Stuttgart

Catherine Kern, Kreisvorstand Bündnis90/Die Grünen Hohenlohe, Öhringen

Irmela Neipp-Gereke, Heilpädagogin, stellv. Fraktionsvorsitzende Bündnis90/Die Grünen im Regionalparlament

Bruno Heil, Rentner, Ex-Redakteur, Koblenz

Ulla Stauber, Lehrerin, Stuttgart

Rolf Gramm, Vorstand dju Rhein-Neckar, Neckargemünd

Jörg Prostka, Pressesprecher, Gevelsberg

Rudi Schönfeld, Freier Journalist, Leutkirch im Allgäu

Michael Busch, 1. Vorsitzender des Bayerischer Journalisten-Verband, München

Dr. Annette Ohme-Reinicke, Soziologin, Stuttgart

Martin Perraudin, Lehrer, Kirchheim/Teck

Heide Friederichs, Gemeinderätin, Rottweil

Susanne Bayer, Oberstudienrätin a.D., Stuttgart

Monika Welke, Lehrerin, Berlin

Helmut Zorell, Pressesprecher Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, Stuttgart

Ingeborg Samol, Altenpflegerin, Stuttgart

Franz Rumiz, Student, Kreisvorstand Bündnis 90/Die Grünen Stuttgart

Hannah Keding, Wissenschaftliche Referentin, Bezirksbeirätin in Bad Cannstatt

Prof. Dr. Manfred G. Lieb, Hochschullehrer, Stuttgart

Kerstin Steglich, Lingusitin, Pädagogin, Mitglied im Kreisvorstand von Bündnis90/Die Grünen Stuttgart

Dorothee Dieter, Altenpflegerin, Stuttgart

Muhterem Aras, Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, Stuttgart

Barbara Hermann, Stuttgart

Aytekin Celik, Bildungsreferent und Mitglied im Kreisvorstand von Bündnis90/Die Grünen Stuttgart

Prof. Dr. Dieter Hülser, Biophysiker, Stuttgart

Mona Suzann Pfeil, Künstlerin, Präsenztrainerin für Hochsensible und Hochbegabte, Marbach am Neckar

Birgit-Caroline Grill, HA Information, Dokumentation und Archive des Südwestrundfunks und des Saarländischen Rundfunks (IDA), Informations-Service
Ausbildungsbeauftragte IDA, Stuttgart

Klaus Schrage, Vorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union Mittelfranken, Betriebsratsvorsitzender Verlag Nürnberger Presse, Nürnberg

Klaus Lauble, Diplom-Übersetzer, Abtsgmünd

Uwe Hampe, Angestellter, Stuttgart

Annette Scheibler, Diplom Figurenspielerin, Reutlingen

Anette Busch, Buchhändlerin, Stuttgart

Werner Fischbach, freier Luftfahrtjournalist, Mitglied des Luftfahrt-Presse-Clubs, Esslingen

Ayse Egilmez, Vorstand des DJU-Ortsvereins Stuttgart, Redakteurin bei "Alinteri"

Dr. Dipl.-Psych. Christine Schrenk, Wissenschaftsjournalistin, Bremen

Dr. Helmut und Edelgard Küster, Pädagogen, Niederkrüchten

Jörg Prostka, Pressesprecher, Vorsitzender Märkischer Presseverein im DJV-NRW, Gevelsberg

Arkadius Jaschek, Korntal

Gert Greiner, Schriftsetzer, Frankfurt am Main

Eberhard Brinkmann, Gemeinschaftskundelehrer, Stuttgart

Axel Zyrewitz, Leser, Rottweil

Thomas Bock, Bauingenieur, Stuttgart

Hubert Klöpfer, Verleger, Tübingen

Stefan Urbat, Stadtrat SÖS Linke Plus, Stuttgart

Jürgen Heinz, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Gerstetten-Heuchlingen

Peter Finckh, Leser, Ulm

Marlies Beitz, Leserin, Stuttgart

Brigitte Schäfer, Diplompsychologin, Trainerin, Coach, Herrenberg

Albrecht Salewski, Dipl.-Bibliothekar i.R., Singen

Martin Schanz, Freier Medienberater GMK, Pforzheim

Willi Dillschneider, Filmemacher, Dozent, Stuttgart

Ulrich Kohler, Bauingenieur, Ludwigsburg

 

 


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Kommentare

Der Herr Wolle, 24.06.2015 12:37
STN und STZ unterscheiden sich nicht so wirklich. Deswegen sollte man hier nicht mit dem Wettbewerbsargument hantieren.

Ich sehe auch überhaupt keine Notwendigkeit zwei nahezu tote Blätter zu reanimieren. Das Problem der Stuttgarter Zeitungen liegt zum einen daran, dass natürlich seitens der Verleger eine politische Linie verfolgt wird, andererseits darf man aber die Frage stellen, wie modern eine Zeitung eigentlich ist, die sich in den letzten 50 Jahren optisch eigentlich nicht mehr als gelegentliches Facelifting verordnet hat.

Man möge sich doch ein Besipiel nehmen an prämierten Lokalzeitungen, z.B. aus Nordeuropa. Die erscheinen zwar nur dreimal in der Woche, dafür sitzt aber aber neben jedem Redakteur ein Grafiker, der einen Anteil von 50 Prozent am Erfolg des Artikels hat. Begleitet von einem guten Internetauftritt ist das ein Erfolgsrezept.

Die Lösung kann eigentlich nur lauten: Wir müssen nicht zwei schlechte Zeitungen am Leben erhalten, sondern eine ganz neue, urbane, kritische, lustvolle Zeitung schaffen.

Leider ist auch kontext in der Printversion der taz ganz dem klassischen, aber für mich überholten Erscheinungsbild der Gattungs Tageszeitung verhaftet. Von dieser Seite erwarte ich mir daher keine Impulse.

Sven, 24.06.2015 10:15
Es gibt nicht nur die journalistische Monopolbildung in Stuttgart, sondern auch im Kleinen[1]. Im Blick sind nur die Journalisten. Zuvor sind schon die Fahrer, Zusteller, Geschäftsstellen ausgelagert, externalisiert bzw. geschlossen worden[2]. Die Frage ist, ob die fehlende Pressevielfalt tatsächlich so relevant ist, wie im Ideal.

Zum Argument Kosten: Steigende Kostenanteile verursacht v.a. der Vertrieb. D.h. die wöchentlichen Werbemittel, Köderangebote und Kooperationen, weiter diverse Veranstaltungen, Wohltätigkeit, Gewinnspiele, public viewing u.a.
Allgemein ist der Kostenanteil der Herstellung stark gesunken, der von Redaktionen kaum verändert. [3]
Kosten entstehen auch durch die Expansion in Bereiche jenseits der Presseerzeugung mit den Einnahmen aus dem Printgeschäft (vgl. Dt. Post, Dt. Bahn). Nicht vergessen sollte man den Gewinn, der dem Eigentümer zugeht (gewöhnt an hohe Renditen[4]) [5] während die o.g. Arbeitnehmer immer schlechtere Bedingungen erhalten.

Da lohnt ein Blick auf die ehemaligen Verlage, die jetzt folgerichtig Medienhäuser heißen und m.M.n. Pressefreiheit für ihr unternehmerisches Handeln nicht mehr reklamieren dürften. Hier werden anscheinend große Abteilungen beschäftigt, die mit der Gestaltung der unzähligen Abowerbemittel (bei uns meist mit abschreckendem Erscheinungsbild/hauptsache billig!) bzw. dem Kontakt mit Neukunden beschäftigt sind. Allein das Ergebnis des Aufwandes ist minimal und steht in keinem Verhältnis. Die Print-Abonnenten werden seit Jahren mit Werbung behelligt, doch endlich EPaper zu abonnieren - ohne großen Erfolg. Auch braucht es viele Mehrfachstrukturen und Geschäftsleitungen für die ausgelagerten Unternehmensteile. Beschäftigt werden Media- und sonstige modische "Bullshit-Jobs".[10]

Was liefern Zeitungen? Bieten sie nur noch Bezugspunkte für Small Talk[6]? Liegt Wolfgang Michal richtig, wenn er feststellt, dass Provokation, gemein machen mit Handelnden/Betroffenen, ein Hochschreiben von Unbedeutendem und der bewusste Bruch mit journalistischen Standards vorherrschen[7]?
Wird nur noch kosteneffizient ein Informationsstrom erzeugt der Gesprächsgemeinschaften tragen kann aber tunlichst den Schritt zum politischen und gesellschaftlichen Handeln tabuisiert um damit dem mitgetragenen Gesellschaftswandel und dem devoten[8][3] Konkurrenten um Werbung Privatfernsehen zu entsprechen?

Genügt der immergleiche Blick auf die Journalisten (vgl. Frauenquote)?
Was sind Journalisten ohne eine politische Gesellschaft? [9]

_______________________________________

[1] http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/suedbaden/schwarzwaelder-bote-und-suedkurier-vier-redaktionen-sollen-geschlossen-werden/-/id=1552/did=15354916/nid=1552/q4gw5z/index.html

[2] Südkurier – eine lange Geschichte der Rationalisierung http://www.seemoz.de/was-bleibt/sudkurier-eine-lange-geschichte-der-rationalisierung/

[3] BDZV Kosten 2013: http://www.bdzv.de/fileadmin/_processed_/csm_BK2814_a2f5a4ee8e.jpg 1999: http://www.bdzv.de/fileadmin/_processed_/csm_bd01700_ce07f06b3d.jpg
Werbung: http://www.bdzv.de/fileadmin/_processed_/csm_bd00700_2ed7388878.jpg 2013: http://www.bdzv.de/fileadmin/_processed_/csm_BK2614_81441aad25.jpg

[4] http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2014/06mindestlohnzeitungszusteller-wie-zeitungsverleger-die-pressefreiheit-missbrauchen-und-wie-leserinnen-darauf-antworten-konnen/

[5] Kommentar auf http://www.seemoz.de/lokal_regional/der-suedkurier-seine-zusteller-und-der-mindestlohn/
Zitat: "Der letzte Mehrheitseigner des “Südkurier”, Stefan von Holtzbrinck, verzockte mit “SchülerVZ” und ähnlichen Projekten Millionen und Abermillionen im Internet. Seine Sippschaft gründete eine Stiftung gegen Armut im beinahe gleichen Atemzug mit dem Austritt des „Südkurier“ aus der Tarifbindung. Auf Deutsch gesagt, kriegt er irgendwann das Bundesverdienstkreuz dafür, daß er mit ein paar Cent denjenigen unter die Arme greift, denen er vorher ein paar Euro die Stunde abgegriffen hat."

[6] Martin Heidegger:
Verfallen und Geworfenheit
[Sein und Zeit, §§ 35] http://www.dalank.de/notabene/sz_35_38.html

[...] Und weil das Reden den primären Seinsbezug zum beredeten Seienden verloren bzw. nie gewonnen hat, teilt es sich nicht mit in der Weise der ursprünglichen Zueignung dieses Seienden, sondern auf dem Wege des Weiter- und Nachredens. Das Geredete als solches zieht weitere Kreise und übernimmt autoritativen Charakter. Die Sache ist so, weil man es sagt. In solchem Nach- und Weiterreden, dadurch sich das schon anfängliche Fehlen der Bodenständigkeit zur völligen Bodenlosigkeit steigert, konstituiert sich das Gerede. Und zwar bleibt dieses nicht eingeschränkt auf das lautliche Nachreden, sondern breitet sich aus im Geschriebenen als das »Geschreibe«. Das Nachreden gründet hier nicht so sehr in einem Hörensagen. Es speist sich aus dem Angelesenen. Das durchschnittliche Verständnis des Lesers wird nie entscheiden können, was ursprünglich geschöpft und errungen und was nachgeredet ist. Noch mehr, durchschnittliches Verständnis wird ein solches Unterscheiden gar nicht wollen, seiner nicht bedürfen, weil es ja alles versteht.

Die Bodenlosigkeit des Geredes versperrt ihm nicht den Eingang in die Öffentlichkeit, sondern begünstigt ihn. Das Gerede ist die Möglichkeit, alles zu verstehen ohne vorgängige Zueignung der Sache. Das Gerede behütet schon vor der Gefahr, bei einer solchen Zueignung zu scheitern. Das Gerede, das jeder aufraffen kann, entbindet nicht nur von der Aufgabe echten Verstehens, sondern bildet eine indifferente Verständlichkeit aus, der nichts mehr verschlossen ist.

[...]

Dieses wird erneut dadurch gesteigert, daß das Gerede, darin vermeintlich das Verständnis des Beredeten erreicht ist, auf Grund dieser Vermeintlichkeit jedes neue Fragen und alle Auseinandersetzung hintanhält und in eigentümlicher Weise niederhält und retardiert.


[7] Wolfgang Michal http://www.wolfgangmichal.de/2015/04/gefuehlter-journalismus/

[8] http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/44/44688/1.html Reinhard Jellen

[9] http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/44/44936/1.html Zitat: "Harald Schumann: ...ja, aber diesen Spruch, die bösen Medien sind schuld, den mag ich nicht mehr hören. Die Medien machen doch genau das, womit sie durchkommen. Da sind sie nicht anders als die Politiker. Wir haben genau die Regierung, die wir verdienen, und wir haben auch genau die Medien, die wir verdienen.
Wenn der überwiegende Teil der Bevölkerung, und damit meine ich 98 Prozent, ihre demokratischen Rechte überhaupt nicht wahrnehmen, z.B. nie mit ihrem Abgeordneten reden, sich nie öffentlich einmischen und die einzige Ausübung ihres demokratischen Rechts darin besteht, dass sie alle vier Jahren zur Wahl gehen, dann sollen sie sich nicht wundern, wenn andere die Macht ausüben, die sich um diese Demokratie wenig scheren. Medien können da nicht stellvertretend für eine massenhaft träge Bevölkerung die Revolution machen."

[10] On the Phenomenon of Bullshit Jobs by David Graeber. http://strikemag.org/bullshit-jobs/

Mona Suzann Pfeil, 18.06.2015 16:17
Ich bin bereits seit Langem (es müssten gut 25 Jahre sein) Leserin und Abonnentin der STZ, weil ich Wert auf ein regionales Blatt lege. Seit einem Monat habe ich auch die Online-Version der STZ abonniert. Nun frage ich mich natürlich, inwieweit sich Inhalt und Erscheinungsbild der STZ verändern wird, bei einer "Zusammenlegung" mit der STN. Oder wird es de facto so sein, dass die STZ die STN "schlucken" wird?
Ehrlich gesagt fühlt es sich für mich nicht wirklich gut an, als langjährige Abonnentin um mehrere Ecken herum von dieser doch recht weitreichenden Entscheidung im Verlagshaus erfahren zu müssen, und nicht vom Verlag oder dem Leserservice, wie er so schön genannt wird, selbst. Ich erwarte ja nicht, dass ich mitreden kann. Aber irgendwie kann ich mir nicht helfen, die Kommunikationspolitik in Stuttgart ist wohl wirklich eine sehr spezielle, eigentlich ist es keine.
Und leider hat das alles ein Gschmäckle, wie der Schwabe sagt.

Aber notfalls wird es ja wohl ein Sonderkündigungsrecht geben.

jetztredichklaretxt, 17.06.2015 08:38
Verstehe die ganze Aufregung nicht. Solange durch die Rebmänner,Schaubs und Dubbers der redaktinelle Inhalt sowie der Tenor vorbestimmt ist, (Ich sag nur Stuttgart 21 u.a.)b ist eine der zwei Stuttgarter Zeitungen eindeutig überflüssig. Reicht doch wenn man einmal die Meinung gelesen hat. Wozu den zweimal?

Und meinem auf dem Markt gekauftem Salatkopf ist es egal ob er in eine Suttgarter Zeitung oder Nachrichten eingewickelt wird. Selbst meine Fesnter werden mit den Blättern gleich sauber.

Irene Waller, 17.06.2015 00:49
ich hoffe nur, dass das eine dann übrig bleibende miese Blatt möglichst bald auch noch eingeht.

By-the-way, 15.06.2015 19:07
@ Hans Paul Lichtwald

Zitat:
"Mich interessiert nur eine Antwort: Mit wessen Geld spielt Herr Rebmann den Medienmogul? Die Leute, die sich jetzt aufregen, haben doch gerne lange Zeit weggesehen!!!! Cui Bono?"

Sie benennen hier exakt den Weg, der zur Lösung der Frage führt,
wer die "Strippen zieht".

Die Lösung ergibt sich aus der Antwort auf zwei Fragen:

1. Cui bono (wem nützt es) ?
und
2. Folge der Spur des Geldes !

Eine teilweise Antwort darauf können Sie hier im Forum in meinem Beitrag von 10.06. 00.43 Uhr lesen.

invinoveritas, 15.06.2015 12:54
@Peter S.

Als Fachmann spielt sich nun mal auf, wer sich wie Sie zu derart abstrusen Tatsachenbehauptungen versteigt:

"Und es steht überall das gleiche drin. Meistens sogar noch wortwörtlich von eine gleichen (gemeint vermutlich: derselben) Agentur."

Wie abstrus das ist, lässt sich durch ein einfaches Experiment belegen: Man kaufe am selben Tag beispielsweise FAZ, Stuttgarter Zeitung und taz, lege die drei Exemplare nebeneinander und
a) vergleiche etwa die ersten zehn Seiten miteinander
b) stelle fest, in welchem Verhältnis eigene Texte zu abgedruckten Agenturmeldungen stehen.

So einfach entlarvt sich die Weltsicht des Experten S., der aber plötzlich keiner mehr sein will, sondern bloß noch ein enttäuschter Liebhaber, als - Schrott.

Hans Paul+Lichtwald, 15.06.2015 10:14
Woran machen die Leute Pressefreiheit fest? Meinungsvielfalt ist ein Grundrecht: Unteilbar! Aber ab wann interessiert es Leute? Wenn es um Stuttgart 21 vor der Haustür geht? Mit dem damals blutjungen Verleger Rebmann begann das Plattmachen von Redaktionen vor 25 Jahren in Singen. Charly Geibel sprach damals von der Champagner-Frühstücksrunde von mehreren Verlegern im Südwesten. An vielen Orten schlossen anschließend Zweitzeitungen. Schwabo, Südkurier und Badische. Die Schwäbische bekam Tuttlingen später "geschenkt". Selbst das alternative Wochenblatt wurde nach einer konzertierten Aktion rechtlich liquidiert. Die Schließung der Lokalausgabe des Schwarzwälder Boten war sozialplanpflichtig. Das hat der Oberndorfer Betriebsrat den Mitarbeitern unterschlagen. Das alles war für mich als Lokalchef schwer zu verkraften. Ich blieb meinen Lesern bis zum Ruhestand beim Singener Wochenblatt treu.
Die Zusammenlegung der Stuttgarter Redaktionen war doch abzusehen: Erst alles zusammenkaufen und dann auf Sparkurs gehen! Mich interessiert nur eine Antwort: Mit wessen Geld spielt Herr Rebmann den Medienmogul? Die Leute, die sich jetzt aufregen, haben doch gerne lange Zeit weggesehen!!!! Cui Bono?

Mike Morris, 15.06.2015 09:13
Diese "Aktion" ehrt zwar die Kontext - allerdings ist sie in meinen Augen Sinn- und wirkungslos.
Zum einen muss man erkennen, die jungen Bürger informieren sich schon lange nicht mehr aus Zeitungen. Hier wird überwiegend im TV oder im Internet nach Information gesucht und gefunden.
Gute Beispiel sind:
www.nachdenkseiten.de
www.netzpolitik.org
youtube.com Stichwort: "Armes Deutschland", "LeFloid"
Die Redaktion sollte eher dazu aufgerufen werden - ähnlich wie Kontext endlich befreit von ideologischer Bevormundung - eine eigene Netzalternative zu schaffen. Das ist im Grunde einfach möglich und kostet fast nix.
Finanzierungsmöglichkeiten haben die www.krautreporter.de vorgemacht.

Peter S., 14.06.2015 14:42
Nur um Gerüchten vorzubeugen zumindestens zu "grandiose Fachleute wie Peter S. und Co."
Ich bin weder ein Fachmann (von was eigentlich?) noch grandios.
Ich lese lediglich gerne, von Tageszeitung über Wochenzeitung. Also ein Konsument mehrerer Zeitungen.
Aber während früher relativ leicht am Inhalt zu erkennen war ob ich den Spiegel, FAZ oder TAZ in der Hand hatte, (sogar die StZ und die StN unterschieden sich) ist dies heute fast nicht mehr möglich.
Es gibt keine 360 Grad Sicht heute mehr im Print oder deren Online Varianten.
Der Blickwinkel aller Print Medien zusammen empfinde ich als Scheuklappenblick eines Ackergauls.
Zum Themenüberblick reichen mir 5 Minuten auf einer BELIEBIGEN Medien-Homepage.
Warum soll ich mir diese Scheuklappen auch noch kaufen.
Das sehen andere (ehemals Printkunden) wohl auch so.
Dazu muss man kein Fachmann sein sondern nur die (immer noch geschönten) rückläufigen Verkaufszahlen anschauen.
Die Alternative für Informationshungrige sind eben zunehmend Seiten wie NachdenkSeiten, Guardian, Intercept oder entsprechende Leaks Seiten zu Spezial Themen (das Phantom namens NSU)
Diese Tage fiel mir durch Zufall eine Monatszeitschrift namens Compact in die Hand. War so gar nicht Mainstream :-)

Sonntäglich Grüße vom Nichtfachmann

By-the-way, 14.06.2015 13:23
@ mueller

Zitat: "Die Pressefreiheit beinhaltet auch, dass ein Autor pro S21 schreiben darf."

Bei der StZ / STN schreibt nicht nur ein Autor Pro S21, sondern das ist die Blattlinie!

Diese Blätter lügen übrigens schon direkt unterhalb der Titelzeile:
"unabhängig - überparteilich"

Und diese eindeutige Positionierung scheint Ihnen nicht bekannt zu sein:

Zitat Adrian Zielke:
"Ohne die Zustimmung der 'Stuttgarter Zeitung' zu diesem Großprojekt würde, so vermute ich einfach mal, Stuttgart 21 nie gebaut werden."

Danke, diese Propagandablätter sind für mich schlicht überflüssig!

Neuanfang wäre die einzige Alternative.

Schwabe, 14.06.2015 09:27
@invinoveritas
"...,weil ihnen deren Richtung nicht passt."!
Welche "Richtung" meinen Sie denn lieber invinoveritas?

@mueller
"Die Pressefreiheit beinhaltet auch, dass ein Autor pro S21 schreiben darf."
Selbstverständlich darf er das tun - in einem Kommentar! Ansonsten hat ein Autor die Leserschaft zu informieren - und zwar neutral!

Widmar Puhl, 13.06.2015 12:42
Weder die "unternehmerische" noch die politische Tendenz des Vorgangs wundern mich. Erschreckend finde ich aber vor allem die brutale Konsequenz ihrer Umsetzung und das Fehlen jeder Stellungnahme maßgeblicher FDP-Politiker. Diese Partei, die in der Region ihre Wiege hat und einmal eine Partei der Freiheit war, sollte die Pressefreiheit wieder vor die schrankenlose Unternehmerfreiheit stellen, wenn ihr die eigene Tradition noch einen Cent wert ist.

Als Autor, Podcaster und vor allem als Blogger bin ich durchaus auch einer der vielen kleinen Davids, die hier in Stuttgart für publizistische Stimmenvielfalt sorgen. Aber ich mache mir nichts vor: Mein Einfluss, meine (meist unbezahlten) Engagements über den Mainstream hinaus stoßen an enge Grenzen in meiner Kraft und in der Wahrnehmung meiner Abeit. Deshalb finde ich es wichtig, wenn möglichst viele von uns beim großen David KONTEXT Wochenzeitung ihre Stimmen bündeln.

Da ist Eintreten für die Pressefreiheit im ursprünglichen Sinne gefragt, kein kleinliches "Nachtreten" gegenüber Kollegen, die sich nach unseren Maßstäben schon lange zu Komplizen der Totengräber der Meinungsvielfalt gemacht haben. So etwas ist kontraproduktiv. Konstruktiv wäre indessen, den Blick nach vorn zu richten und Alternativen wie die KONTEXT-Wochenzeitung zu stärken.

Mag das Bild von David und Goliath auch schief sein: Es hilft nicht, jetzt in Selbstzerfleischung und Zynismus zu verfallen. Die KONTEXT-Redaktion hat in der Sache völlig Recht!

mueller, 13.06.2015 11:25
Gerade diejenigen, die jede andere Meinung niedertrillern und gegen jeden schreiben, der eine andere Meinung hat tun so als ob ihnen was an der Pressefreiheit liegt.
Die Pressefreiheit beinhaltet auch, dass ein Autor pro S21 schreiben darf. Auch wenn dann die ach so toleranten und demokratischen Sackbahnhoffreunde wie Rumpelstilzchen tanzen.
Es ist ja gerade der Unterschied zw. Proler und Gegnern. Die Proler sund tolerant und demokratisch. Auch wenn 10 Jahre nach der Fertigstellung immer noch die Mahnwache steht und Montags auf dem Marktplatz demonstriert wird kommt niemand mit Trillerpfeifen um euch eure Meinung zu verbieten.
Stuttgart ist bunt, tolerant und vielfältig. Und das ist gut so.
Auch wenn eine kleine Truppe dies gerne anders hätte.

invinoveritas, 12.06.2015 18:53
Natürlich könnten und sollten beide Zeitungen deutlich besser sein, als sie sind.
Nur haben sie alles in allem den ignoranten Unflat, der hier von manchen Foristen über sie ausgegossen wird, nicht verdient.
Was da alles behauptet wird und faktisch unzutreffend ist - das reicht vom Chefredakteur Freudenreich, was er nie war, bis zu der Irrsinnsbehauptung, da werde nicht mehr selbst recherchiert, überall bloß noch Agenturmeldungen, und alles eine einzige ununterscheidbare Soße -, lässt nur noch den Schluss zu, dass gewisse Leute die Stuttgarter Presse um jeden Preis niedermachen wollen (und zwar in Wahrheit vorwiegend deshalb, weil ihnen deren Richtung nicht passt). Dabei aber nur zeigen, dass sie zu leidlich sachlichem Urteilen nicht mehr in der Lage sind.

Da inhaltliche Argumente ohnehin nichts mehr nützen, sei stattdessen dies gefragt:
Wieso wohl geben Kontext sowie Leute wie die Schretzmeiers, Jürgen Grässlin, Dieter Spöri, Leni Braymaier oder Heinrich Steinfest mit diesem Aufruf zu erkennen, dass jedenfalls in ihren Augen ja mitnichten schon längst Hopfen und Malz verloren sind bei diesen beiden Blättern? Sind auch das etwa alles Leute, die so blind und so korrupt und angepasst (und, schwabe, so bürgerlich-neoliberal infiziert) sind, dass ihnen entgeht, was so grandiose Fachleute wie Peter S. und Co. im Vorübergehen bemerken?

Es gibt halt eine Art der "Kritik", die über den "Kritiker" weit mehr aussagt als über ihren Gegenstand.

Andreas, 12.06.2015 16:32
Den Fall nun zum Lackmustest über Pressefreiheit zu stilisieren, verkennt den vorherigen Zustand. Ja, die Art und Weise der Zusammenlegung ist undemokratisch und menschenfeindlich (hier bitte eine Erklärung einfügen, dass "der Markt" beides eben nicht garantiert). Und so sehr ich der grundlegenden Aussage, dass Pressefreiheit und -vielfalt nicht beeiträchtigt werden dürfen (obwohl ich da bei Springer eine GANZ dicke Ausnahme machen würde), gleichfalls die journalistische Qualität, zustimme, sind gerade diese beiden Blättchen in meinen Augen der absolut falsche Anker, um daran ein Exempel zu statuieren, weil eben diese 3 Positiva a priori gar nicht vorhanden sind.

Die Mechanik des Ganzen mag man mit Recht kritisieren. Inhaltlich hat sich hier aber bei den "Stuttgarter" Blättern (die ich seit über 25 Jahren intensiv verfolge) die Pressefreiheit und -vielfalt schon vor ganz langer Zeit selbst aufgegeben, und wer sich hier "künftige Verbesserungen" verspricht, kann ebensogut darauf hoffen, dass der nächste Papst eine lesbische Frau wird.

Peter Jakobeit, 12.06.2015 14:56
Ach Leute, das ist wirklich nicht der Anlass, persönliche Befindlichkeiten gegenüber den beiden Zeitungen zu äußern. Es geht um Pressefreiheit im ursprünglichen Sinn.
So, wie dieses Projekt durchgezogen wurde (Ressortleiter oder Betriebsrat erfuhren von allem drei Tage zuvor), kann man feststellen: In diesem Verlag sind in dieser Causa demokratische und menschenwürdige Handlungen außen vor geblieben. So ein Haus wird nie und nimmer in der Lage sein, einen Qualitätsjournalismus zuzulassen.
Und für diejenigen, die ohnehin diese Blätter nicht lesen oder lasen: Jetzt ist eben auch die Hoffnung auf positive Veränderung gestorben.
Und mit Verlaub: KONTEXT kann diese jetzt entstandene und künftig sich verbreiternde Lücke natürlich niemals schließen.
Übrigens: Wer Ressortleiter o. Ä. war und das auch weiterhin sein möchte, muss sich ganz klassisch bewerben. Auch eine Methode, unliebsame Geister weg zu ekeln.

Tillupp, 12.06.2015 12:02
Was sagt eigentlich das Kartellamt zur Zusammenlegung. Ist das schon eine Marktbeherrschende Stellung, oder ist das belanglos, weil es vorher ja auch schon mit 2 verschiedenen Redaktionen die die gleichen Vorgaben vom Eigentümer bekamen marktbeherrschend war? Wahrscheinlich schauen die da noch nicht mal hin, denn man kann ja auch immer noch die überregional Süddeutsche Zeitung vom gleichen Konzern, die Bild oder Welt kaufen, oder sich von Bertelsmann informieren lassen. Es läuft alles auf eine Monokultur in der Medianlandschaft hin, wie in Ami-Land.

Andreas, 11.06.2015 21:28
Man darf auch nicht den ironischen Faktor vernachlässigen, wenn Zeitungen, deren (v.a. Wirtschafts-)Redaktionen seit Jahr und Tag das Hohelied des "freien Marktes" singen, nun, in jeder Hinsicht: endlich! - auch unter dessen Knute geraten.

In diesem Sinne: Wurde auch Zeit!

Nach unserem Wechsel von StN zu StZ vor Jahren, langem Aufregen über die immer stärker nachlassende Qualität der "Zeitung", und insbesondere die Installation von Bok in der "Sonntag Aktuell" (einem Schreiber, den in der "intellektuellen Rechten" zu verorten eine Beleidigung sämtlicher Intellektueller darstellen würde und der Molitors wochentägliche Zumutungen aus dem schwarzbraunen Jurassic Park somit trefflich komplettiert), Rufs SPCDU-freundliche Artikeln, viel zu häufigen Merkel- und Gabriel-Lobeshymnen, und demzufolge im Ganzen tiefster Enttäuschung über die "Meinungsvielfalt" von insgesamt zwei Redaktionen, deren politische Perspektive und Wohlwollen sich nahezu ausschließlich auf die drei etablierten Parteioide beschränkt, die Stuttgart auch das Loch21 beschert haben, kann ich nicht behaupten, dass meine Tränendrüsen übermäßig beansprucht würden, wenn in Zukunft diese zwei Qualitätsblätter den Weg alles Unnötigen gehen.

Peter S., 11.06.2015 19:15
Ich fordere auch Pressevielfalt.
Aber was bekomme ich?

Das hier:
https://kulturstudio.wordpress.com/2015/06/10/g7-gleichschaltung-der-propaganda-medien-sie-sehen-alle-gleich-aus/

Und es steht fast überall das gleiche drin.
Meistens sogar noch wortwörtlich von eine gleichen Agentur.
Und wenn mal was eigenes geschrieben wird, dann passt es zu 99% in den Mainstream.
(Ukraine, MH17, Putin, NSU, NSA, Griechenland, TTIP ..................)
Und bei der SWMH kommt noch das Schmankerl21 dazu.

Wer so versagt verdient kein Mitleid.
Wer die Leser nicht ernst nimmt bekommt irgendwann die Quittung.
Wir müssen nun eben mit den Füssen abstimmen.
Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt

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