KONTEXT Extra:
Jetzt doch ein Koalitionsausschuss zu Afghanistan

Vor Weihnachten hatten Grünen und CDU eine inhaltliche Aussprache über die Abschiebepraxis nach Afghanistan vermieden. Stattdessen wurde im Koalitionsausschuss vor allem darüber diskutiert, ob Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand es "schäbig" nennen darf, wenn sein CDU-Pendant, Innenminister Thomas Strobl, auch alte oder kranke Menschen abschieben will. Zur bisher einzigen Sammelabschiebung wurde ein Mann sogar aus einer Psychiatrischen Klinik geholt, dann allerdings doch nicht ins Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Am kommenden Dienstag werden dieser und andere Fälle sowie die grundsätzliche Vorgehensweise im Koalitionsausschuss diskutiert. Die Grünen, die die Debatte durchgesetzt haben, erinnern an die geltenden Leitlinien des Landes zu Abschiebungen und Rückführungen, nach denen eine Einzelfallprüfung ohnehin zwingend ist. Bisher hatte sich Strobl gegen eine inhaltliche Behandlung der von ihm mitinitiierten verschärften Abschiebepraxis im Koalitionsausschuss ausgesprochen. Die Grünen gehen davon aus, dass die Leitlinien und damit die Einzelfallprüfung bestätigt werden.

Auf dem Tisch liegt auch ein Papier der sogenannten G-Länder, also aller Koalitionen, an denen Grüne beteiligt sind. Diesem zufolge muss gewährleistet sein, "dass Ausreisepflichtige keinen Schaden an Leben und Gesundheit nehmen". Die Regierungspartner in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen "betonen eine Reihe von Grundlinien und Anforderungen bezüglich Rückführungen nach Afghanistan". Sie fordern die Bundesregierung aber auch auf, die Sicherheitslage in Afghanistan "erneut zu überprüfen". (14.1.2017)


Ein zweites Raumwunder für Geflüchtete

Engagement kann sich lohnen. Im September hatte Kontext über die Initiative der Künstlerin Martina Geiger-Gerlach berichtet, eine Wohnung in einem zum Abriss vorgesehenen Haus im Stuttgarter Stadtteil Steckfeld monatsweise Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig finden dort immer Ausstellungen statt, die Nachbarn und Interessierten Gelegenheit geben, Künstlern und Geflüchteten zwanglos zu begegnen. Nun hat der Vermieter, das katholische Siedlungswerk, der Künstlerin eine zweite Wohnung im selben Haus als Lernwohnung zur Verfügung gestellt, damit Geflüchtete, die im Trubel ihrer Unterkunft nicht zur Ruhe kommen, eine Rückzugsmöglichkeit finden. Zudem bleibt das Haus länger stehen: voraussichtlich zwei Jahre. Dem Siedlungswerk gefällt das Projekt so gut, dass Martina Geiger-Gerlach gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könnte, im Quartiersraum des Neubauareals an Stelle des früheren Olgahospitals eine Aufgabe zu übernehmen. Und: Ihr Wohnungs-Projekt ist für den Stuttgarter Bürgerpreis der Bürgerstiftung vorgeschlagen worden. Am 20. Januar um 19 Uhr eröffnet in der Karlshofstraße 42 in Steckfeld die nächste Ausstellung mit Gemälden von Ivan Zozulya und dem DJ Roman Levin. Am 31. Januar wird die Entscheidung zum Bürgerpreis bekannt gegeben. Jeder kann mit abstimmen!


Der Gewitterwanderer im Glück

Mitte November hatte der 33-jährige Göppinger Schriftsteller Kai Bleifuß noch geschimpft wie ein Rohrspatz. Der promovierte Goethe-Experte rackert sich seit Jahren mit Schreiben ab. Fabrizierte zuletzt einen Roman über den Dichterfürsten und wie der so wäre, würde er in unserer Zeit leben. "Goethes Mörder" heißt das gute Stück. Gutes Zeug. Guter Mann. Das weiß auch Bleifuß selbst. Kontext gegenüber machte er keinen Hehl daraus, dass er sich selbst für einen ziemlich duften Typen hält. Doch bislang schlug ihm seitens des ganzen "Literaturzirkus" und der Verlage kalter Wind entgegen. Niemand wolle mehr ein Risiko eingehen. Literatur würde immer mehr unter ökonomischen Abwägungen betrachtet, konstatierte der resolute Literaturnerd. "Schreiben ist das Idiotischste, was man machen kann. Nicht schreiben aber auch."

Ein Bleifuß lässt sich aber nicht unterkriegen – und jetzt hat es gerappelt im Karton: Am vergangenen Sonntag sackte der Göppinger für seinen Text "Fünf Variationen auf das Unsagbare" den Autorenpreis "Irseer Pegasus 2017" ein. 150 Schriftsteller aus dem ganzen Land hatten sich mit ihren Werken beworben, doch Bleifuß hat den mit 2000 Euro dotierten Preis gewonnen. Neben ihm auf dem Siegertreppchen der Preisverleihung im Kloster Irsee im Allgäu strahlte David Krause aus Kerpen.

"Der glücklose Autor hatte endlich einmal Glück!", schrieb Goethe-Glücksbärchen Bleifuß voller Freude an Kontext, mit der Bitte unseren LeserInnen mitzuteilen, dass man am 27.1. ab 21:05 Uhr im BR2 sein Hörspiel "Pinball" senden werde. Machen wir doch gerne. (11.1.2017) 


Abstand halten von den Volksverrätern

Aus 594 Wörtern haben die Sprachwissenschaftler um die Darmstädter Professorin Nina Janich das Unwort des Jahres 2016 ausgesucht: "Volksverräter". Aus dem Erbe der NS-Diktatur werde das Wort von Pegida, AfD und anderen Rechtsaußen verwendet, um PolitikerInnen  zu diffamieren. Mit der Folge, dass das "ernsthafte Gespräch" und notwendige Diskussionen in der Gesellschaft abgewürgt würden, begründet die Jury. Auf den weiteren Plätzen folgen "postfaktisch", "Populismus", "Gutmensch" sowie eine "Armlänge Abstand". Mit in der fünfköpfigen Jury saß auch Kontext-Autor Stephan Hebel. (10.1.2016)


Sichere Herkunftsstaaten: Kretschmann schon lange für längere Liste

Winfried Kretschmann hat sich mit jüngsten Äußerungen zur Einstufung von Marokko, Tunesien und Algerien als sichere Herkunftsländer derart in die Nesseln gesetzt, dass sich sein Staatsministerium zu einer "Klarstellung" aufgerufen sah. Tatsächlich handelt es sich um einen durchsichtigen Versuch der Schadensbegrenzung. Der grüne Regierungschef hatte auf Anfrage der "Rheinischen Post" in einer Stellungnahme zur aktuellen Sicherheitsdebatte erklärt: "Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden." Zugleich sprach er sich für die Aufnahme der drei Maghreb-Staaten auf die Liste sicherer Herkunftsländer aus: "Baden-Württemberg wird der Ausweitung zustimmen, sofern die Bundesregierung das Ansinnen in den Bundesrat einbringt."

Die Wirkung beider Sätze im Zusammenhang sind ihm und "meinen Leut", wie er seine engsten Mitarbeiter gern nennt, offenbar entgangen. Jedenfalls stellte "das Staatsministerium klar, dass die signalisierte Zustimmung weder aus aktuellem Anlass beschlossen wurde, noch ihre Begründung in der Gewaltbereitschaft mancher Gruppen junger Männer aus diesen Ländern hat". Vielmehr sei die Entscheidung "schon im Frühsommer 2016 nach einem langen Abwägungsprozess, in dem vor allem der Frage nachgegangen wurde, ob es angesichts der Menschenrechtssituation in den besagten Ländern vertretbar wäre, diese zu sicheren Herkunftsländern zu erklären (...), als sich die Bundesregierung dem Ministerpräsidenten gegenüber bereit erklärte, in einer Protokollerklärung festzuhalten, Personen aus sogenannten vulnerablen Gruppen wie Homosexuellen, verfolgten Journalisten, religiösen Minderheiten mit gleicher Sorgfalt zu prüfen wie Flüchtlinge aus sonstigen Ländern". Das Staatsministerium sagt allerdings nichts dazu, ob die Forderung erfüllt wurde und warum das Thema nicht längst endgültig ausgetreten ist. Denn laut dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration werden die drei Länder in der Statistik überhaupt nicht mehr einzeln ausgewiesen, weil die Zahl der einreisenden Asylbewerber so niedrig ist. Und bereits 2015 gehörten die drei Staaten nicht zu jenen zehn Ländern, aus denen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. (5.1.2017)


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Ausgabe 219
Medien

Kahlschlag im Pressehaus

Von Josef-Otto Freudenreich und Peter Henkel
Datum: 10.06.2015
Im Stuttgarter Pressehaus gibt es den befürchteten Kahlschlag. Eine Redaktion soll zwei Zeitungen machen und so tun, als wären es zwei verschiedene. Das spart dem Verlag Geld, der Leser bekommt noch mehr vom Gleichen und eine Vielzahl von JournalistInnen die Kündigung.

Es mag den Außenstehenden etwas merkwürdig anmuten, aber es ist wirklich so: An den Tischen der Pressehaus-Kantine sitzen die JournalistInnen getrennt. Jene von der "Stuttgarter Zeitung" am Fenster, jene von den "Stuttgarter Nachrichten" im weniger lichten Bereich. Und jeder Neuling, der einen Platz für seine Linsen und Spätzle sucht, wird sofort in die richtigen Bahnen gelenkt.

Ja, man ist auf Unterschiede, auf Distanz bedacht. Und das nicht nur bei Tisch. Sorgsam wurde im dritten Stock, bei den StN, gehütet, was auf keinen Fall im zweiten Stock, bei der StZ, landen durfte. In den Redaktionen wurde penibel registriert, wer wie viele Exklusivmeldungen an die Agenturen ausgesandt, und wer wieder einmal, gemein, gemein, von wem abgekupfert hatte. Und politisch gesehen empfand man sich bei der "Stuttgarter Zeitung" weltläufig liberal, auch differenzierter als etwa den schwarzen Sheriff Wolfgang Molitor von den "Nachrichten". Man denke nur an den Bahnhof, der bei den StN nach wie vor mit Feuereifer gebaut wird, im Gegensatz zur StZ.

Frisch aus dem Urlaub, verkündet der Chefredakteur den Plan

Aber jetzt soll alles eins werden. Spätestens ab 1. April 2016 sollen beide Titel von einer gemeinsamen Redaktion befüllt werden, die das Kunststück zu vollbringen hat, den Eindruck zu erwecken, dass in beiden Blättern etwas anderes steht. So verkündete es StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs, frisch aus dem Urlaub zurück, seinen konsternierten Leuten am gestrigen Dienstag (9.6.). Wenige Wochen zuvor hat er derlei noch dementiert. Und so bekundet es Geschäftsführer Richard Rebmann, dem das Zusammenlegen, ausweislich der Tageszeitung "Welt", als "neuer Stuttgarter Weg" erscheint und dem daran gelegen ist, dass die "Marken ihre Identität behalten". Wie das gehen soll, weiß zwar noch niemand, klar ist nur: dafür braucht es weniger Personal. Und das ist der Zweck der Übung. Sie sind halt vorbei, die Zeiten, als das Herausgeben einer Zeitung noch der Lizenz zum Gelddrucken gleich kam. Die sagenhaften Umsatzrenditen von 20 Prozent und mehr sind Geschichte, die Verleger aber daran gewöhnt und hätten sie gerne wieder. Da macht ein Fehlbetrag von 71,4 Millionen Euro, den die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) für 2013 ausweist, nervös - und einen einzigen Gedanken zur einzigen Option. Sparen.

Laut Verlag sollen bis zu 35 Vollzeitstellen in der Redaktion fallen, bei einem derzeitigen Stand von 260 scheinbar moderat, aber niemand vermag derzeit zu sagen, wie viele konkrete Personen es trifft. Das Teilzeitwesen ist auch im Pressehaus weit verbreitet. Doch immerhin: es soll 15 neue Jobs geben, vorrangig im digitalen Bereich, Konditionen unbekannt. Ausgelobt werden dann wieder Abfindungsverträge, deren Ausstattung unklar ist, sowie sozialverträgliche Kündigungen, über deren Inhalte sich jetzt die Betriebsräte die Köpfe zerbrechen können.

Davor sicher, so weit der Plan, sind die beiden Chefredakteure Joachim Dorfs (StZ) und Christoph Reisinger (StN), die sich verschärft auf das Digitale stürzen wollen. Nachrichten auf allen Kanälen, zu jeder Zeit, minutenschnell, mit innovativen Erzählformen und Videos - das sei das Gebot der Stunde, sagen sie, wobei das Gedruckte keine große Rolle mehr spielt. Das "Bedrucken toter Bäume" (Dorfs) hat für sie keine Zukunft mehr, die Papierzeitung ist Vergangenheit, auch wenn sie immer noch das Geld bringt. In diesem Sinne verkündet Dorfs den lieben "Nutzerinnen und Nutzer" das Zukunftsprogramm der "Stuttgarter Zeitungen" (Obacht Plural), das verspricht, den "Usern" ein höchstqualitativer Führer durch den "Informationsdschungel" zu sein. Da dies kein einfaches Unterfangen sei und eine "hohe Personalkapazität" erfordere, habe man sich entschieden, beide Redaktionen "weitgehend zusammen zu legen". Vom Sparen schreibt Dorfs nichts, nur noch von Wolf Biermann, der einmal gesagt habe, dass sich nur der treu bleibe, der sich ändert.

Jetzt muss auch noch Wolf Biermann für die Fusion her halten

Seine Indianer fragen sich nun nicht nur, wie ihr kapitalfreundlicher Häuptling gerade auf Biermann gekommen ist, sondern auch danach, wie das mit dem Fusionieren gehen soll? Wie eingangs erwähnt, sind sie im Gegeneinander aufgewachsen, stets darauf bedacht gewesen, ihr Blatt zu vertreten - auch wenn's für manche immer schwerer geworden ist. Die 21 Ressortleiter dürfen nun darüber nachsinnen, welcher von ihnen noch gebraucht wird. Doppelspitzen sind, im Gegensatz zur Chefredaktion, nicht vorgesehen. Und nur neun Ressorts sollen übrig bleiben. Die Lokalredakteure, die es wohl am stärksten treffen wird, können würfeln, wer bleibt. Es braucht doch keine zwei Beobachter der Rathauspolitik, wenn auch einer oder eine reicht. Wieder andere werden darüber nachdenken, ob sie zum erlesenen Kreis der zwölf "Profilautoren" zählen, der, je hälftig verteilt, die Ausprägungen beider Zeitungen schärfen soll. Und das ist dann die Meinungsvielfalt! Das glaubt nicht mal der DGB.

Was bleibt sind viele leere Stühle: Das Stuttgarter Pressehaus. Foto: Joachim E. Röttgers
Was bleibt sind viele leere Stühle: Das Stuttgarter Pressehaus. Foto: Joachim E. Röttgers

Mit "Sorge und Unverständnis" hat der Gewerkschaftsbund am gestrigen Dienstag als erste Organisation reagiert. Es bestehe die große Gefahr, warnt die stellvertretende DGB-Vorsitzende im Land, Gabriele Frenzer-Wolf, dass das Profil beider Zeitungen "verwässert" werde. Die Themen- und Meinungsvielfalt werde auf jeden Fall abnehmen und dies aus einem einfachen Grund: "Kosten sparen". Dabei dränge sich der Eindruck auf, dass die Redaktionen für Managementfehler büßen müssen. Unter anderem für den teuren Kauf der "Süddeutschen Zeitung".

Die eiskalte Luft in strategischen Höhen - schon vor 41 Jahren

Uns drängt sich dabei etwas auf, das lange her ist, aber immer noch passt, dort oben in Möhringen. Vor 41 Jahren schlüpften die bis dahin selbständigen "Stuttgarter Nachrichten" unter das Dach des Stuttgarter Zeitungsverlags, oder besser: sie wurden geschlüpft. Eugen Kurz, damals erst seit Kurzem Geschäftsführer, bastelte sich ein ganzes Imperium zusammen, bestehend aus StZ, StN, der Jahrzehnte später eingegangenen Fernsehzeitschrift IWZ, dem "Stuttgarter Wochenblatt" und dem wenig später hinzukommenden "Sonntag aktuell". Begünstigt wurde das ehrgeizige Expansionsprogramm durch schon länger bestehende Kooperationen, Anzeigenringe und vor allem durch diverse Eigentümerverflechtungen, auch mit der Ulmer "Südwestpresse" und dem Verlag der "Süddeutschen Zeitung" in München.

Schöne Wochen waren das nicht für die Journalisten, vor allem bei den StN. Das kleinere der beiden Stuttgarter Blätter hatte zwar auf mysteriöse Weise bis dahin überlebt, und das gar nicht schlecht - trotz schwachen Umfangs und eines geradezu erbarmungswürdigen Anzeigenteils. Nun aber wurde es plötzlich von oben dargestellt als unmittelbar vor dem Exitus stehend. Chefredakteur Rudolf Bernhard kam blass von Sitzungen mit Kurz zurück, raunte von "eiskalter Luft in strategischen Höhen" und ging von Stube zu Stube, um die Vorzüge freiwilligen Ausscheidens zu preisen - natürlich zwecks Kostensenkung. Allerdings stimmte das Bundeskartellamt dem Deal damals nur zu mit der beruhigenden Auflage, redaktionell müssten StZ und StN gänzlich getrennt bleiben.


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Kommentare

Andreas, 11.06.2015 13:28
Wenn die Zusammenlegung dazu führt, dass Gestalten wie Herr Molitor und Herr Bok endlich viel Zeit für den Stammtisch haben, an den sie intellektuell und stilistisch gehören (von Ethik ganz zu schweigen) und dafür nicht mehr in zumindest ansatzweise journalistisch orientierten Redaktionen herumlungern müssen, sollte sie besser heute als morgen erfolgen.
Auch bei der StN gibt es leider offenbar nur noch vereinzelt journalistisch tätige Redakteure (Herr Müller fällt da als Erstes ein), die notfalls sicherlich auch anderswo unterkommen könnten - etwa bei KONTEXT selbst. Die StZ hat zudem auch massiv nachgelassen, so dass von Meinungsvielfalt auch bei Wohlwollen kaum mehr die Rede sein kann. Bzw. die Meinungsvielfalt durch die beiden Blättchen ist ziemlich genau so groß wie die Meinungsvielfalt in unserer "Groko". Homöpathisch vorhanden, praktisch nicht wirksam.

StN weg? Besser heute als morgen. Die Mentalskinheads inner- und außerhalb der Redaktionen werden auch anderswo noch genügend Material zur Festigung ihres Weltbilds finden. Good riddance!

altermann, 11.06.2015 11:52
Einer schreibt, die anderen schreiben ab. So ist die Realität in der Hauptstrompresse, andere sagen "Kloakenpresse". Eigene Recherche findet nicht mehr statt. Man nutzt nicht mal Dr. Google um einfachsten Dingen innerhalb von fünf Minuten auf den Grund zu gehen. Bei ard und zdf das gleiche. Als Referenz der eigenen Berichte dienen Berichte in Zeitungen, die auch von der gleichen Quelle abgeschrieben hat. Ich muss ehrlich sagen, die Zeiten, wo ich mich beim Abflug am Flughafen mit reichlich Lesestoff eingedeckt habe sind längst vorbei. Alle Medien sind gleich(geschaltet). Langeweile verkauft sich eben schlecht. Ich freue mich nur, wenn der "Hintergrund" kommt, das einzige noch von mir abonnierte Magazin.

BadenMailer, 11.06.2015 07:46
Der Josef-Otto Freudenreich muss in Oberschwaben (Herkunft und Heimat), und im Pressehaus (langjähriger Wirkungsstätte) schon ziemlich heftige Traumata erlitten haben - so sehr wie er in div. Artikeln ständig und mit endloser Häme undifferenzierte Klischees (tot-) reitet ... es ist traurig genug, was passiert.

Uli T., 10.06.2015 18:45
Man könnte diese Situation auch deutlich differenzierter betrachten und kommentieren. Da ist Kontext leider noch blinder auf einem Auge als die "etablierte" Presse. Immer nur feste druff, mit Scheuklappen. So sehr ich die Meinung der anderen Seite (also meiner) schätze, wenn sie die Parteilichkeit noch mehr kultiviert als der Gegner, wird's austauschbar.

Ulrich Scheuffele, 10.06.2015 18:22
teilweise kann ich die schadenfrohe Stimmung beim Niedergang dieser beiden Blätter verstehen.
Allerdings, nicht alles war schlecht, was in der StZ geschrieben wurde (die Nachrichten habe ich nie gelesen). Ich habe bei keiner anderen Zeitung erlebt, dass mich ein Redakteur anruft und sich bei mir für einen Leserbrief bedankt und danach noch zwei eigene scharfe Artikel zum Thema veröffentlicht hat, so bei der StZ geschehen. Wir dürfen nicht schadenfroh zuschauen, wenn eine Zeitung nach der Anderen eingestellt wird. Jedes mal geht ein Stück Demokratie verloren. Und jedes mal stehen Journalisten auf der Strasse. Man mag zu den beiden Blättern stehen wie man will, mich macht diesse Entwicklung traurig.

Fred Heine, 10.06.2015 12:39
Was will uns Josef-Otto Freudenreich mit dieser Aussage sagen: "Die sagenhaften Umsatzrenditen von 20 Prozent und mehr sind Geschichte, die Verleger aber daran gewöhnt und hätten sie gerne wieder. Da macht ein Fehlbetrag von 71,4 Millionen Euro, den die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) für 2013 ausweist, nervös - und einen einzigen Gedanken zur einzigen Option. Sparen."

Hier geht es längst nicht mehr um Umsatzrenditen, sondern um immense Verluste. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, bedeutet das über Kurz oder Lang das Aus. Hier geht es um eine existenzielle Bedrohung des Unternehmens, und der Autor faselt was von Umsatzrenditen. In welcher Welt muss man leben, um das zu verstehen?

Ernst Hallmackeneder, 10.06.2015 11:32
Boah, damit habe ich jetzt aber nicht gerechnet.
Damit, daß die Kontext-Wochenzeitung mit ihrem ganz speziellen "Qualitätsjournalismus" (oben grün, unten grün, vorne grün, hinten grün, plus hin und hin und wieder ein bißle Futter für den roten Salon) nach nur 4 Jahren den Möhringer Riesen zum Wanken bringt!
Faszinierend!

Zaininger, 10.06.2015 09:39
Zu dem erwähnten Eugen Kurz folgendes: bevor er vor 41 Jahren in Möhringen "eiskalte Luft" verbreitete durfte er sich als Geschäftsführer der DVA bewähren. Wer heute Dienste des ADAC in Anspruch nimmt oder beim Amtsgericht anzutreten hat, wird kaum wissen, dass sich auf dem Areal eines der größten Druck- und Verlagshäuser der Region befand.
Nicht nur der Wandel im grafischen Gewerbe sondern auch hier führte Missmanagement zum Niedergang der Druckerei. Hunderte von Setzern, Druckern, Korrektoren, Lithographen verloren ihren Job und dank Kurz mussten Versammlungen der Belegschaft im Hof und auf der Straße stattfinden. Die Flugblätter aus dieser Zeit spiegeln das Klima in der "kleinen Fleetstreet" von Stuttgart wieder. Und was da von außen angetragen wurde, war auch nicht ohne: "Es gibt noch eine RAF, Herr...!" hieß es in einer der Flugschriften.
Die damals noch kurz zuvor für teures Geld angeschaffte Rolle soll zu einem Spottpreis nach Möhringen geschlüpft sein - ein schöner Brautpreis für den Einstieg in das Imperium.

Madeleine, 10.06.2015 09:16
Hier kann ich "By-the-way" nur zustimmen!

Die sog. Redakteure haben ja in den letzten Jahren alles - aber auch wirklich alles getan - um sich auf dieses "Niveau" runterzuschreiben! Nun haben sie es endlich geschafft ......... und was den Rückgang der Zeitungsabos betrifft: Selbstkritik ist anscheinend bei diesen sog. "neutralen" Zeitrungsredaktionen immer noch nicht angekommen!
Die Abo-Zahlen werden weiter zurückgehen ........... und das haben sie sich auch redlich "verdient"!

gerd_k21, 10.06.2015 07:21
Diese Zusammenlegung wird für mich der Anlass sein mein ABO der Stuttgarter Zeitung zu kündigen!

Gerd_k21

By-the-way, 10.06.2015 00:48
Es ist doch schön,

wenn diese tiefschwarzen CDU-Propaganda-Blätter endlich auf dem Niveau landen, auf welches sie seit Jahren hingehören:

BILD-Zeitungs- "Niveau" !

Claus, 10.06.2015 00:15
Kommt da noch was nach? Oder endet das wirklich mit dem Bundeskartellamt und aus? Hm.

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