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S-21-Ausstieg ernsthaft erwogen

Jetzt ist es amtlich: Aus den entschwärzten Teilen eines für Angela Merkel erstellten Vermerks vom 5. Februar 2013 geht hervor, dass die Staatssekretäre der beteiligten Bundesministerien vor drei Jahren die Frage eines Ausstiegs aus Stuttgart 21 ernsthaft prüfen lassen wollten, bevor über die Kostensteigerungen entschieden werden sollte. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Michael Odenwald (CDU) hatte "eine umfassende Unterlage" erstellen lassen, wonach, wie es in dem vierseitigen Schreiben an die Kanzlerin heißt, "offenbar die Antwortentwürfe der DB AG auf die Fragen des AR kritisch kommentiert, weitere Fragen zur Kostenentwicklung und Risiken sowie nach Projektabbruch und Alternativen formuliert" wurden.

Unter anderem gibt der Vermerk die Auffassung des Bahnvorstands wieder, nach der die seinerzeit eingeräumten Kostensteigerungen nicht allein zu Lasten des Bundes gehen und andere Vorhaben der Bahn nicht tangieren würden. Das Bundesverkehrsministerium hatte dieser Ansicht zuvor widersprochen. Abschließend heißt es: "Um ein Scheitern des Projekts auf der Zeitschiene zu verhindern, muss der Aufsichtsrat nach Erörterung und Bewertung der von der DB beantworteten Fragen zügig eine Entscheidung (...)" fällen. Und das Verkehrsministerium wird gedrängt, "zügig zu einer abschließenden Bewertung der Faktenlage zu kommen und diese mit den anderen Ressorts abzustimmen".

Für Eisenhart von Loeper, der die Entschwärzung am Donnerstag in Berlin in einem Vergleich vor dem Verwaltungsgericht erreicht hat, ist damit der "Verdacht der rechtswidrigen Einflussnahme auf die Weiterbauentscheidung erhärtet". Die weiteren nun einsehbaren Passagen des bisher Dokuments zeigten, so das Aktionsbündnis in seiner Pressemitteilung, "dass es in der Sache massive, wenn auch diplomatisch formulierte Forderungen gab, Verkehrs-Staatssekretär Odenwald solle seine begründete Forderung der ernsthaften Prüfung des Ausstiegs aus dem Projekt aufgeben". Von Loeper weiter: "Obwohl es den Staatssekretären darum ging, bei Stuttgart 21 'vor dem Hintergrund der Entwicklung beim BER eine möglichst belastbare Finanzierung gewährleisten und Risiken soweit wie möglich ausschließen' zu können, sollte sich das Verkehrsministerium die Meinung des Bahnvorstands zu eigen machen. Dieser votierte dann trotz der enormen Kostensteigerung für Weiterbau."


Stuttgart 21: Steter Tropfen

Das Kanzleramt entschwärzt weitere Teile eines brisanten Stuttgart-21-Vermerks. Wie Eisenhart von Loeper am Donnerstag nach dem Erörterungstermin zur Aktenvorlage vor dem Berliner Verwaltungsgericht mitteilte, werden damit rund 80 Prozent jenes Papiers mit Datum 5. Februar 2013 öffentlich, in dem es um das Okay des DB-Aufsichtsrats für das Milliardenprojekt trotz der Kostensteigerungen und vor allem der Tatsache geht, dass nicht geklärt war und ist, wer die Mehrkosten trägt. Von Loeper hofft jetzt nachvollziehen zu können, wie und was in den entscheidenden Wochen 2013 intern diskutiert wurde. Im Raum steht seit dem umstrittenen Votum der Vorwurf, dass das Kanzleramt Einfluss auf die Aufsichtsräte genommen hat. Schon im Sommer 2014 hatte von Loeper die Herausgabe wichtiger Dokumente durchsetzen können, die seither auf der Internetseite www.strafvereitelung.de eingesehen werden können. Die neuen Passagen sollen dem Aktionsbündnis noch diese Woche zugestellt werden.


VfB gewinnt die Süperlig

Der VfB ist nun doch noch Meister geworden! Nach dem Abstieg aus der 1. Bundesliga am Samstag hat er schon am Tag darauf die türkische Süperlig gewonnen. Wenigstens ein bisschen. Sagen wir mal, unter Einberechnung des Schön-war-die-Zeit-Vergangenheitsbonus', zu zwei Elfteln. Die beiden Besiktas-Istanbul-Spieler Mario Gomez und Andreas Beck haben nämlich ihre VfB-Meisterschaftserfahrung aus dem Jahr 2007 in den türkischen Club eingebracht. Nach dem 3:1-Sieg gegen Osmanlispor kann Besiktas am letzten Spieltag nicht mehr eingeholt werden. Gefeiert wurde das auch auf dem Stuttgarter Schlossplatz, schließlich hat der Verein viele Fans. Die sind übrigens Weltrekordhalter: in einem Spiel gegen Tottenham im Jahr 2006 (nach anderen Angaben 2007 gegen Liverpool) haben sie sich mit 132 Dezibel den Höchstwert für Fußballstadien zusammengejubelt. Die Besiktas-Fangruppe Carsi (offiziell aufgelöst, aber weiter virulent und freundschaftlich mit Sankt Pauli verbunden) umrundet das A im Namen zum Zeichen für Anarchie, versteht sich auch als soziale Bewegung und war etwa bei den Taksim-Platz-Protesten gegen Erdogan aktiv. Was jetzt eventuell weniger an den VfB und seine Fans erinnert. Aaaaaber: Trainiert wurde Besiktas auch einige Jahre von Christoph Daum, der den VfB 1992 zum Meister machte. Und drei Jahre später hat Daum mit Besiktas die Süperlig gewonnen! Wenn man also auch noch den Daum-Faktor einrechnet, dann ist der VfB an diesem Sonntag sogar mit mehr als Zwei-Elfteln türkischer Meister geworden. (17.5.2016)


Stuttgarter Friedenspreis 2016 an Jürgen Grässlin

Die Verleihung des diesjährigen Anstifter-Preises an Jürgen Grässlin ist ein Signal. Denn dem Rüstungsgegner droht eine Haftstrafe. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat wenige Monate nach seinem Enthüllungsbuch "Netzwerk des Todes" über die Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden Vorermittlungen eingeleitet: Gegen ihn und seine Mitautoren Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg - wegen des Verdachts verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.

Dabei hatte Mitautor und Regisseur Daniel Harrich der Staatsanwaltschaft zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt, auf deren Basis die staatsanwaltschaftliche Klageschrift gegen Heckler & Koch verfasst werden konnte. Vor rund einem Monat hat Daniel Harrich noch den Grimme-Preis dafür entgegengenommen. Nicht nur im Fall Böhmermann - auch sonst sehen sich deutsche Medienmacher und kritische Autoren immer wieder mit Strafermittlungen konfrontiert. Jetzt erst recht - Kontext gratuliert zum Friedenspreis.

In diesem Jahr wird er zum 14. Mal verliehen, 25 Vorschläge gingen bei den Anstiftern ein. Der erste Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Auf weiteren Plätzen folgen der Zeitzeuge Theodor Bergmann, Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und die kurdische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana. (16.Mai 2016)


Bündnis gegen rechts

Winfried Kretschmann engagiert sich im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf: Er ist einem breit verankerten Komitee gegen rechts und zur Unterstützung von Alexander van der Bellen beigetreten. Der frühere Bundesvorsitzende der österreichischen Grünen, der als parteiunabhängiger Kandidat antritt, kam bei der Volkswahl Mitte April im ersten Wahlgang auf 21,3 Prozent der Stimmen. Norbert Hofer, der Kandidat der rechtspopulistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ), liegt mit 35 Prozent weit vorn. Zusammengefunden haben sich vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang am 22. Mai viele Promis aus dem deutschsprachigen Raum, die sich für van der Bellen stark machen. Darunter Oscar-Preisträger Christoph Waltz, Everest-Bezwinger Reinhold Messner oder Liedermacher Konstantin Wecker und hunderte Schauspieler, Künstler, Journalisten, Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler oder Diplomaten aus dem linken, aber auch aus dem bürgerlichen Lager. Nach Pfingsten, am Dienstagabend,  wird Kretschmann nach Wien reisen, um im Wahlkampf des Universitätsprofessors aufzutreten. Er habe van der Bellen "als engagierten, fairen und vertrauenswürdigen Menschen kennen und schätzen gelernt, der für Demokratie, Menschenrechte, ökologische Nachhaltigkeit, gegenseitigen Respekt und Chancengleichheit" eintrete. Unter weiter: "Gerade in diesen bewegten Zeiten ist eine besonnene, weltoffene und weitsichtige Person in einem solchen Amt besonders wichtig." Hofer ist programmatisch einer der führenden Köpfe der FPÖ und damit der europäischen Rechten. Seine schlagende Verbindung Marko Germania hält wenig vom selbständigen Staat Österreich, sondern bekennt sich zu einem "deutschen Vaterland", "unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen". Er wäre in Mitteleuropa der erste Rechtspopulist im höchsten Amt eines Staates. (15.5.2016)


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Ausgabe 219
Medien

Kahlschlag im Pressehaus

Von Josef-Otto Freudenreich und Peter Henkel
Datum: 10.06.2015
Im Stuttgarter Pressehaus gibt es den befürchteten Kahlschlag. Eine Redaktion soll zwei Zeitungen machen und so tun, als wären es zwei verschiedene. Das spart dem Verlag Geld, der Leser bekommt noch mehr vom Gleichen und eine Vielzahl von JournalistInnen die Kündigung.

Es mag den Außenstehenden etwas merkwürdig anmuten, aber es ist wirklich so: An den Tischen der Pressehaus-Kantine sitzen die JournalistInnen getrennt. Jene von der "Stuttgarter Zeitung" am Fenster, jene von den "Stuttgarter Nachrichten" im weniger lichten Bereich. Und jeder Neuling, der einen Platz für seine Linsen und Spätzle sucht, wird sofort in die richtigen Bahnen gelenkt.

Ja, man ist auf Unterschiede, auf Distanz bedacht. Und das nicht nur bei Tisch. Sorgsam wurde im dritten Stock, bei den StN, gehütet, was auf keinen Fall im zweiten Stock, bei der StZ, landen durfte. In den Redaktionen wurde penibel registriert, wer wie viele Exklusivmeldungen an die Agenturen ausgesandt, und wer wieder einmal, gemein, gemein, von wem abgekupfert hatte. Und politisch gesehen empfand man sich bei der "Stuttgarter Zeitung" weltläufig liberal, auch differenzierter als etwa den schwarzen Sheriff Wolfgang Molitor von den "Nachrichten". Man denke nur an den Bahnhof, der bei den StN nach wie vor mit Feuereifer gebaut wird, im Gegensatz zur StZ.

Frisch aus dem Urlaub, verkündet der Chefredakteur den Plan

Aber jetzt soll alles eins werden. Spätestens ab 1. April 2016 sollen beide Titel von einer gemeinsamen Redaktion befüllt werden, die das Kunststück zu vollbringen hat, den Eindruck zu erwecken, dass in beiden Blättern etwas anderes steht. So verkündete es StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs, frisch aus dem Urlaub zurück, seinen konsternierten Leuten am gestrigen Dienstag (9.6.). Wenige Wochen zuvor hat er derlei noch dementiert. Und so bekundet es Geschäftsführer Richard Rebmann, dem das Zusammenlegen, ausweislich der Tageszeitung "Welt", als "neuer Stuttgarter Weg" erscheint und dem daran gelegen ist, dass die "Marken ihre Identität behalten". Wie das gehen soll, weiß zwar noch niemand, klar ist nur: dafür braucht es weniger Personal. Und das ist der Zweck der Übung. Sie sind halt vorbei, die Zeiten, als das Herausgeben einer Zeitung noch der Lizenz zum Gelddrucken gleich kam. Die sagenhaften Umsatzrenditen von 20 Prozent und mehr sind Geschichte, die Verleger aber daran gewöhnt und hätten sie gerne wieder. Da macht ein Fehlbetrag von 71,4 Millionen Euro, den die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) für 2013 ausweist, nervös - und einen einzigen Gedanken zur einzigen Option. Sparen.

Laut Verlag sollen bis zu 35 Vollzeitstellen in der Redaktion fallen, bei einem derzeitigen Stand von 260 scheinbar moderat, aber niemand vermag derzeit zu sagen, wie viele konkrete Personen es trifft. Das Teilzeitwesen ist auch im Pressehaus weit verbreitet. Doch immerhin: es soll 15 neue Jobs geben, vorrangig im digitalen Bereich, Konditionen unbekannt. Ausgelobt werden dann wieder Abfindungsverträge, deren Ausstattung unklar ist, sowie sozialverträgliche Kündigungen, über deren Inhalte sich jetzt die Betriebsräte die Köpfe zerbrechen können.

Davor sicher, so weit der Plan, sind die beiden Chefredakteure Joachim Dorfs (StZ) und Christoph Reisinger (StN), die sich verschärft auf das Digitale stürzen wollen. Nachrichten auf allen Kanälen, zu jeder Zeit, minutenschnell, mit innovativen Erzählformen und Videos - das sei das Gebot der Stunde, sagen sie, wobei das Gedruckte keine große Rolle mehr spielt. Das "Bedrucken toter Bäume" (Dorfs) hat für sie keine Zukunft mehr, die Papierzeitung ist Vergangenheit, auch wenn sie immer noch das Geld bringt. In diesem Sinne verkündet Dorfs den lieben "Nutzerinnen und Nutzer" das Zukunftsprogramm der "Stuttgarter Zeitungen" (Obacht Plural), das verspricht, den "Usern" ein höchstqualitativer Führer durch den "Informationsdschungel" zu sein. Da dies kein einfaches Unterfangen sei und eine "hohe Personalkapazität" erfordere, habe man sich entschieden, beide Redaktionen "weitgehend zusammen zu legen". Vom Sparen schreibt Dorfs nichts, nur noch von Wolf Biermann, der einmal gesagt habe, dass sich nur der treu bleibe, der sich ändert.

Jetzt muss auch noch Wolf Biermann für die Fusion her halten

Seine Indianer fragen sich nun nicht nur, wie ihr kapitalfreundlicher Häuptling gerade auf Biermann gekommen ist, sondern auch danach, wie das mit dem Fusionieren gehen soll? Wie eingangs erwähnt, sind sie im Gegeneinander aufgewachsen, stets darauf bedacht gewesen, ihr Blatt zu vertreten - auch wenn's für manche immer schwerer geworden ist. Die 21 Ressortleiter dürfen nun darüber nachsinnen, welcher von ihnen noch gebraucht wird. Doppelspitzen sind, im Gegensatz zur Chefredaktion, nicht vorgesehen. Und nur neun Ressorts sollen übrig bleiben. Die Lokalredakteure, die es wohl am stärksten treffen wird, können würfeln, wer bleibt. Es braucht doch keine zwei Beobachter der Rathauspolitik, wenn auch einer oder eine reicht. Wieder andere werden darüber nachdenken, ob sie zum erlesenen Kreis der zwölf "Profilautoren" zählen, der, je hälftig verteilt, die Ausprägungen beider Zeitungen schärfen soll. Und das ist dann die Meinungsvielfalt! Das glaubt nicht mal der DGB.

Was bleibt sind viele leere Stühle: Das Stuttgarter Pressehaus. Foto: Joachim E. Röttgers
Was bleibt sind viele leere Stühle: Das Stuttgarter Pressehaus. Foto: Joachim E. Röttgers

Mit "Sorge und Unverständnis" hat der Gewerkschaftsbund am gestrigen Dienstag als erste Organisation reagiert. Es bestehe die große Gefahr, warnt die stellvertretende DGB-Vorsitzende im Land, Gabriele Frenzer-Wolf, dass das Profil beider Zeitungen "verwässert" werde. Die Themen- und Meinungsvielfalt werde auf jeden Fall abnehmen und dies aus einem einfachen Grund: "Kosten sparen". Dabei dränge sich der Eindruck auf, dass die Redaktionen für Managementfehler büßen müssen. Unter anderem für den teuren Kauf der "Süddeutschen Zeitung".

Die eiskalte Luft in strategischen Höhen - schon vor 41 Jahren

Uns drängt sich dabei etwas auf, das lange her ist, aber immer noch passt, dort oben in Möhringen. Vor 41 Jahren schlüpften die bis dahin selbständigen "Stuttgarter Nachrichten" unter das Dach des Stuttgarter Zeitungsverlags, oder besser: sie wurden geschlüpft. Eugen Kurz, damals erst seit Kurzem Geschäftsführer, bastelte sich ein ganzes Imperium zusammen, bestehend aus StZ, StN, der Jahrzehnte später eingegangenen Fernsehzeitschrift IWZ, dem "Stuttgarter Wochenblatt" und dem wenig später hinzukommenden "Sonntag aktuell". Begünstigt wurde das ehrgeizige Expansionsprogramm durch schon länger bestehende Kooperationen, Anzeigenringe und vor allem durch diverse Eigentümerverflechtungen, auch mit der Ulmer "Südwestpresse" und dem Verlag der "Süddeutschen Zeitung" in München.

Schöne Wochen waren das nicht für die Journalisten, vor allem bei den StN. Das kleinere der beiden Stuttgarter Blätter hatte zwar auf mysteriöse Weise bis dahin überlebt, und das gar nicht schlecht - trotz schwachen Umfangs und eines geradezu erbarmungswürdigen Anzeigenteils. Nun aber wurde es plötzlich von oben dargestellt als unmittelbar vor dem Exitus stehend. Chefredakteur Rudolf Bernhard kam blass von Sitzungen mit Kurz zurück, raunte von "eiskalter Luft in strategischen Höhen" und ging von Stube zu Stube, um die Vorzüge freiwilligen Ausscheidens zu preisen - natürlich zwecks Kostensenkung. Allerdings stimmte das Bundeskartellamt dem Deal damals nur zu mit der beruhigenden Auflage, redaktionell müssten StZ und StN gänzlich getrennt bleiben.


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Kommentare

Andreas, 11.06.2015 13:28
Wenn die Zusammenlegung dazu führt, dass Gestalten wie Herr Molitor und Herr Bok endlich viel Zeit für den Stammtisch haben, an den sie intellektuell und stilistisch gehören (von Ethik ganz zu schweigen) und dafür nicht mehr in zumindest ansatzweise journalistisch orientierten Redaktionen herumlungern müssen, sollte sie besser heute als morgen erfolgen.
Auch bei der StN gibt es leider offenbar nur noch vereinzelt journalistisch tätige Redakteure (Herr Müller fällt da als Erstes ein), die notfalls sicherlich auch anderswo unterkommen könnten - etwa bei KONTEXT selbst. Die StZ hat zudem auch massiv nachgelassen, so dass von Meinungsvielfalt auch bei Wohlwollen kaum mehr die Rede sein kann. Bzw. die Meinungsvielfalt durch die beiden Blättchen ist ziemlich genau so groß wie die Meinungsvielfalt in unserer "Groko". Homöpathisch vorhanden, praktisch nicht wirksam.

StN weg? Besser heute als morgen. Die Mentalskinheads inner- und außerhalb der Redaktionen werden auch anderswo noch genügend Material zur Festigung ihres Weltbilds finden. Good riddance!

altermann, 11.06.2015 11:52
Einer schreibt, die anderen schreiben ab. So ist die Realität in der Hauptstrompresse, andere sagen "Kloakenpresse". Eigene Recherche findet nicht mehr statt. Man nutzt nicht mal Dr. Google um einfachsten Dingen innerhalb von fünf Minuten auf den Grund zu gehen. Bei ard und zdf das gleiche. Als Referenz der eigenen Berichte dienen Berichte in Zeitungen, die auch von der gleichen Quelle abgeschrieben hat. Ich muss ehrlich sagen, die Zeiten, wo ich mich beim Abflug am Flughafen mit reichlich Lesestoff eingedeckt habe sind längst vorbei. Alle Medien sind gleich(geschaltet). Langeweile verkauft sich eben schlecht. Ich freue mich nur, wenn der "Hintergrund" kommt, das einzige noch von mir abonnierte Magazin.

BadenMailer, 11.06.2015 07:46
Der Josef-Otto Freudenreich muss in Oberschwaben (Herkunft und Heimat), und im Pressehaus (langjähriger Wirkungsstätte) schon ziemlich heftige Traumata erlitten haben - so sehr wie er in div. Artikeln ständig und mit endloser Häme undifferenzierte Klischees (tot-) reitet ... es ist traurig genug, was passiert.

Uli T., 10.06.2015 18:45
Man könnte diese Situation auch deutlich differenzierter betrachten und kommentieren. Da ist Kontext leider noch blinder auf einem Auge als die "etablierte" Presse. Immer nur feste druff, mit Scheuklappen. So sehr ich die Meinung der anderen Seite (also meiner) schätze, wenn sie die Parteilichkeit noch mehr kultiviert als der Gegner, wird's austauschbar.

Ulrich Scheuffele, 10.06.2015 18:22
teilweise kann ich die schadenfrohe Stimmung beim Niedergang dieser beiden Blätter verstehen.
Allerdings, nicht alles war schlecht, was in der StZ geschrieben wurde (die Nachrichten habe ich nie gelesen). Ich habe bei keiner anderen Zeitung erlebt, dass mich ein Redakteur anruft und sich bei mir für einen Leserbrief bedankt und danach noch zwei eigene scharfe Artikel zum Thema veröffentlicht hat, so bei der StZ geschehen. Wir dürfen nicht schadenfroh zuschauen, wenn eine Zeitung nach der Anderen eingestellt wird. Jedes mal geht ein Stück Demokratie verloren. Und jedes mal stehen Journalisten auf der Strasse. Man mag zu den beiden Blättern stehen wie man will, mich macht diesse Entwicklung traurig.

Fred Heine, 10.06.2015 12:39
Was will uns Josef-Otto Freudenreich mit dieser Aussage sagen: "Die sagenhaften Umsatzrenditen von 20 Prozent und mehr sind Geschichte, die Verleger aber daran gewöhnt und hätten sie gerne wieder. Da macht ein Fehlbetrag von 71,4 Millionen Euro, den die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) für 2013 ausweist, nervös - und einen einzigen Gedanken zur einzigen Option. Sparen."

Hier geht es längst nicht mehr um Umsatzrenditen, sondern um immense Verluste. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, bedeutet das über Kurz oder Lang das Aus. Hier geht es um eine existenzielle Bedrohung des Unternehmens, und der Autor faselt was von Umsatzrenditen. In welcher Welt muss man leben, um das zu verstehen?

Ernst Hallmackeneder, 10.06.2015 11:32
Boah, damit habe ich jetzt aber nicht gerechnet.
Damit, daß die Kontext-Wochenzeitung mit ihrem ganz speziellen "Qualitätsjournalismus" (oben grün, unten grün, vorne grün, hinten grün, plus hin und hin und wieder ein bißle Futter für den roten Salon) nach nur 4 Jahren den Möhringer Riesen zum Wanken bringt!
Faszinierend!

Zaininger, 10.06.2015 09:39
Zu dem erwähnten Eugen Kurz folgendes: bevor er vor 41 Jahren in Möhringen "eiskalte Luft" verbreitete durfte er sich als Geschäftsführer der DVA bewähren. Wer heute Dienste des ADAC in Anspruch nimmt oder beim Amtsgericht anzutreten hat, wird kaum wissen, dass sich auf dem Areal eines der größten Druck- und Verlagshäuser der Region befand.
Nicht nur der Wandel im grafischen Gewerbe sondern auch hier führte Missmanagement zum Niedergang der Druckerei. Hunderte von Setzern, Druckern, Korrektoren, Lithographen verloren ihren Job und dank Kurz mussten Versammlungen der Belegschaft im Hof und auf der Straße stattfinden. Die Flugblätter aus dieser Zeit spiegeln das Klima in der "kleinen Fleetstreet" von Stuttgart wieder. Und was da von außen angetragen wurde, war auch nicht ohne: "Es gibt noch eine RAF, Herr...!" hieß es in einer der Flugschriften.
Die damals noch kurz zuvor für teures Geld angeschaffte Rolle soll zu einem Spottpreis nach Möhringen geschlüpft sein - ein schöner Brautpreis für den Einstieg in das Imperium.

Madeleine, 10.06.2015 09:16
Hier kann ich "By-the-way" nur zustimmen!

Die sog. Redakteure haben ja in den letzten Jahren alles - aber auch wirklich alles getan - um sich auf dieses "Niveau" runterzuschreiben! Nun haben sie es endlich geschafft ......... und was den Rückgang der Zeitungsabos betrifft: Selbstkritik ist anscheinend bei diesen sog. "neutralen" Zeitrungsredaktionen immer noch nicht angekommen!
Die Abo-Zahlen werden weiter zurückgehen ........... und das haben sie sich auch redlich "verdient"!

gerd_k21, 10.06.2015 07:21
Diese Zusammenlegung wird für mich der Anlass sein mein ABO der Stuttgarter Zeitung zu kündigen!

Gerd_k21

By-the-way, 10.06.2015 00:48
Es ist doch schön,

wenn diese tiefschwarzen CDU-Propaganda-Blätter endlich auf dem Niveau landen, auf welches sie seit Jahren hingehören:

BILD-Zeitungs- "Niveau" !

Claus, 10.06.2015 00:15
Kommt da noch was nach? Oder endet das wirklich mit dem Bundeskartellamt und aus? Hm.

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