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Kretschmann Schirmherr für 199 kleine Helden

Ihr Dokumentarfilm hat bei drei Kinderfilmfestivals Preise abgeräumt, zuletzt in Chicago. Klar, dass sich die Regisseurin Sigrid Klausmann über diese Auszeichnungen freut. Seit Jahren begleitet die Stuttgarterin für ihr Filmprojekt "199 kleine Helden" Kinder weltweit auf ihrem Schulweg. Sie redet mit ihnen über ihre Ängste und Wünsche und darüber, wie sich die kleinen Protagonisten die Zukunft vorstellen. Daraus hat Klausmann den preisgekrönten Dokumentarfilm "Nicht ohne uns!" gemacht. Bereits diesen Sonntag (4.12.) wird er im Stuttgarter Metropol Kino gezeigt (16 Uhr), der offizielle Kinostart ist am 19. Januar.

Dass Stuttgart so früh dran ist, liegt mit daran, dass der Stuttgarter OB Fritz Kuhn die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Zusammen mit der Schauspielerin Senta Berger, die sich nun allerdings altersbedingt zurückzieht. Demnächst werden Sigrid Klausmann und ihre kleinen Helden neue Schirmeltern bekommen: Winfried Kretschmann und Hannelore Kraft, die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Beide Länder unterstützen die kleinen Helden über ihre Landesfilmförderung.

Die Stuttgarter Preview am Sonntag wird ein Familienfest werden. Die Regisseurin Sigrid Klausmann wird ebenso vor Ort sein wie ihr Mann Walter Sittler (Produzent) und die Tochter Lea. Die Musikerin hat den Titelsong zum Film der Mutter komponiert. (2.12.2016)


Im Hajek-Haus soll wieder Feuer brennen

Das Trauerspiel um das Hajek-Haus mag jetzt zumindest die Fraktion SÖS/Linke/Plus nicht mehr mit ansehen. Sie will, per Antrag im Stuttgarter Gemeinderat, dass die Stadt das Kultur-Denkmal "vor dem Verfall" rettet. Wie in Kontext ausführlich berichtet steht die Villa an der Hasenbergsteige 65 seit dem Tod des Bildhauers (2005) leer. Vor fünf Jahren kaufte sie der Möbelfabrikant Markus Benz und ließ sie – Denkmalschutz hin oder her – entkernen. Das wiederum gefiel den behördlichen Denkmalschützern nicht, die sich auf den Gerichtsweg machten, bis heute ohne Ergebnis.

Und seitdem rottet das Haus in bester Halbhöhenlage vor sich hin. Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktionsgemeinschaft, Guntrun Müller-Enßlin, vermutet, dass der Möbelmensch auf einen Abriss, und damit eine "verdeckte Immobilienspekulation" hin arbeitet. Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit erinnert an die Tradition des Hauses, in dem auch schon Willy Brandt Rotwein trank. Die Villa sei ein Treffpunkt für Menschen gewesen, die etwas bewegen wollten, und dieses "Feuer muss weiter brennen", sagt sie.(30.11.2016)


Das Geschäft mit Waffen läuft

Heckler & Koch hat einen Großauftrag erhalten und wird französische Soldaten aller drei Teilstreitkräfte ab 2017 zehn Jahre lang mit 100 000 Sturmgewehren vom Typ HK 416 ausstatten. Es soll um ein Volumen von 300 Millionen Euro gehen. Der Rüstungsauftrag, heißt es in Paris, werde "die soliden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich im Verteidigungssektor und besonders in der Rüstungsindustrie" stärken. Die Nachbarn stehen also auf der Liste der sogenannten "grünen Länder", denn – immerhin – nur die sollen weiter beliefert werden.

Am Montagmorgen wurde bekannt, dass der Oberndorfer Waffenhersteller Neugeschäfte allein mit Staaten abschließen will, die demokratisch und nicht korrupt sind. Nach einer Meldung der Deutsche-Presse-Agentur würden damit Kunden wie Saudi-Arabien, Mexiko, Brasilien, Indien oder die Türkei wegfallen. Alte Aufträge sollen allerdings abgewickelt werden, gerade auch mit den Saudis. Das Unternehmen wartet aktuell auf die Genehmigung deutscher Behörden zur Ausfuhr unter anderen von Bauteilen für eine Gewehrfabrik.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bei seinem Auftritt kürzlich auf dem Bundesparteitag der Grünen in Münster ausdrücklich die Politik in der Pflicht gesehen: "Wohin wir exportieren, das muss die Politik entscheiden." Zugleich machte er klar, dass es für sein Unternehmen um 3500 von 100 000 Trucks gehe. Appelle, freiwillig auf deren Verkauf zu verzichten, verhallten bisher ungehört. (28.11.2016)


Bahnchef Grube mag Stuttgart 21 nicht mehr

Da rennt der Mann jahrelang rum und erzählt, wie großartig der Tiefbahnhof ist - und jetzt? Jetzt sagt Rüdiger Grube laut "Spiegel": "Ich habe Stuttgart 21 nicht erfunden und hätte es auch nicht gemacht". Nun wird schon spekuliert, ob es vielleicht ein Doppelgänger war, der diesen Satz beim Bundesverband Führungskräfte Deutscher Bahnen gesprochen hat, oder hier ein Fall von Persönlichkeitsspaltung vorliegt? Aber nein, es war der leibhaftige Grube.

Auf die Reaktionen all seiner Freunde darf man gespannt sein. Vorneweg auf jene seiner Chefin Angela Merkel, die mit S 21 die Zukunftsfähigkeit Deutschlands verband. Oder auf die von Teufel, Oettinger, Mappus, Gönner usw., die stets vor dem Abseits warnten, sollte der unterirdische Bahnhof nicht kommen. Nur der amtierende Ministerpräsident Kretschmann kann heimlich sagen, dass er auch schon immer dagegen war. (25.11.2016)


S 21: Kein neuer Deal mit der Bahn

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart zeigen der Deutschen Bahn die kalte Schulter und wollen die sogenannte Verjährungshemmungsvereinbarung nicht unterzeichnen. Damit versuchte die Bahn eine frühzeitige Entscheidung darüber zu vermeiden, ob sie eine Beteiligung von Stadt, Land und Region an den Mehrkosten des Milliardenprojekts einklagt. Alle Partner sollten einer Verlängerung der Verjährung für mögliche Ansprüche der Bahn auf zusätzliche Gelder für Stuttgart 21 zustimmen. Für die Stadt Stuttgart schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, diese Verlängerung abzulehnen. Endgültig entschieden wird am 8. Dezember.

"Die Vertragspartner sind der Auffassung, dass die DB Bauherrin ist und dass die Vertragspartner begrenzte und vor allem freiwillige Zuwendungen gewähren", erläuterte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) den mit der Stadt abgestimmten Standpunkt. Man werde sich "grundsätzlich auch gemeinsam gegen die Bahn verteidigen". Das Land sei mit der Stadt und der Region der Ansicht, "dass es ein falsches Signal wäre, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, weil die Vertragspartner die Ansprüche der DB für unbegründet halten".

Hermann erwartet jetzt eine vergleichsweise schnell eingereichte Klage, aber "viel länger hätte die DB ohnehin nicht gewartet". Denn bis zu einem letztinstanzlichen Urteil würden voraussichtlich mehrere Jahre vergehen, nach der Prognose des Minister werden aber "in ungefähr drei Jahren die vertraglichen Finanzierungsbeiträge der Vertragspartner erschöpft sein". Im Finanzierungsvereinbarung zu Stuttgart 21 ist der Kostenrahmen inklusive Risikopuffer auf 4,526 Milliarden Euro begrenzt. Bei weiteren Kostensteigerungen sind, unter Nutzung der Sprechklauseln, Gespräche vorgesehen. Im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat den Finanzierungsrahmen auf 6,526 Milliarden Euro erhöht und zugleich die Projektpartner aufgefordert, über weitere Beiträge zu verhandeln. Das lehnen diese allerdings strikt ab. (24.11.2016)


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Ausgabe 219
Medien

Stuttgarter Zeitungsnachrichten

Von Uwe Vorkötter
Datum: 10.06.2015
Zwei Titel, ein Inhalt. Für unseren Autor ist das eine Zeitungsrevolution im Südwesten. Und er muss es wissen. Uwe Vorkötter war lange Jahre Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", die im journalistischen Wettbewerb zu den "Stuttgarter Nachrichten" gestanden hat.

Im Jahr 1972 entwickelte der legendäre Verlagsgeschäftsführer Eugen Kurz das Stuttgarter Modell: Zwei Zeitungen erscheinen unter einem Dach, mit gemeinsamer Anzeigenvermarktung, gemeinsamer Technik, gemeinsamen Verlagsabteilungen - aber redaktionell strikt getrennt.

Damals wurde auf diese Weise die Existenz der "Stuttgarter Nachrichten" gesichert. Seitdem sind die Rollen verteilt: Die "Stuttgarter Zeitung" bedient als Flaggschiff des Medienhauses das gutsituierte bürgerlich-liberale Publikum der Stadt, die "Stuttgarter Nachrichten" liefern den Mantel für eine Vielzahl lokaler Blätter im Württembergischen und attackieren zugleich mit einiger Lust den Platzhirsch auf dem lokalen Feld. Gut vierzig Jahre später schleift Richard Rebmann, Chef der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), einen der Grundpfeiler dieses Modells, die redaktionelle Eigenständigkeit. "Der neue Stuttgarter Weg", wie Rebmann sein Programm nennt, ersetzt das alte Stuttgarter Modell.

Schon 2011 ging's bergab: Journalisten der Stuttgarter Zeitungen streiken auf dem Stuttgarter Schlossplatz.
Schon 2011 ging's bergab: Journalisten der Stuttgarter Zeitungen streiken auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Fotos: Joachim E. Röttgers

Die Eckpunkte der neuen Struktur: Eine "flexible Gemeinschaftsredaktion", die aus neun Ressorts besteht, liefert künftig die Inhalte für beide Zeitungen und produziert die Seiten in einem gemeinsamen Newsroom. Getrennt bleiben allein die Chefredaktionen, kleine Teams für die Titelseiten, Artdirektionen sowie insgesamt zwölf exklusive Autoren, die die inhaltliche Profilierung beider Blätter gewährleisten sollen. Neu gegründet wird das Ressort "Multimediale Reportage", in dem Reporter gemeinsam mit Videoredakteuren und Webdesignern Inhalte für die digitalen Kanäle erstellen.

Die Chefredakteure machen mit - ohne Begeisterung

Die Chefredakteure beider Titel haben das Fusionsprogramm maßgeblich mitentwickelt, wenn auch nicht aus Begeisterung. Sie sehen allerdings, dass auch in der wirtschaftsstarken Stadt Stuttgart Anzeigengeschäft und Auflagen bröckeln. Die Gesamtauflage von 470 000 Exemplaren, die in der aktuellen SWMH-Pressemitteilung stolz präsentiert wird, steht ohnehin nur auf dem Papier. Darin enthalten sind die Auflagen der Partnerzeitungen, die aus Stuttgart den Mantel beziehen, aber ansonsten eigenständig arbeiten, vor allem in der lokalen Vermarktung. Für die beiden Stuttgarter Blätter weist die ivw-Statistik im ersten Quartal 2015 zusammen 155 000 Abos aus - vor zwei Jahrzehnten lag die "Stuttgarter Zeitung" allein in dieser Größenordnung.

Als Schwachpunkt der derzeitigen Struktur haben Geschäftsführer und Chefredakteure die Tatsache ausgemacht, dass die Redaktionen nach wie vor stark auf die Printausgaben konzentriert sind. Die Digitalisierung der Mediennutzung ist denn auch ein zentrales Argument für den neuen Weg: Joachim Dorfs, Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", gibt als Ziel vor, "die Informationsbedürfnisse unserer Leser künftig besser von morgens früh bis in den späten Abend auf unterschiedlichen Kanälen zu befriedigen". Und sein Kollege von den "Nachrichten", Christoph Reisinger, will Kräfte freisetzen, "die wir in die quantitative und qualitative Ausweitung des Digitalangebots investieren können".

Investieren will SWMH-Chef Rebmann in der Tat auch: Zehn bis fünfzehn Stellen für "neue Aktivitäten und die Sicherung der Qualität" sollen neu geschaffen werden. Im Vordergrund steht allerdings das Sparen: 30 bis 35 Stellen fallen in den Redaktionen weg. Das finanzielle Ziel dürfte sich folglich auf eine Kostensenkung in der Redaktion von etwa zwei Millionen Euro belaufen. Diese Vorgabe ist nicht eben rabiat, die neue Gemeinschaftsredaktion soll immerhin 240 Vollzeitstellen umfassen. Auch bei der Umsetzung will man offenbar gemäßigt vorgehen: Der Personalabbau soll über freiwillige Abfindungsangebote, nicht über betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Und die Gelegenheit, mit der Gründung der Gemeinschaftsredaktion den Tarifvertrag zu verlassen, bleibt ungenutzt - betriebswirtschaftlich eine teure Entscheidung, die Rebmann als Vizepräsident des Zeitungsverlegerverbandes BDZV politisch allerdings kaum anders treffen konnte.

Die Stuttgarter Revolution wirkt im bundesweiten Vergleich nicht einmal besonders revolutionär. Bei DuMont Schauberg arbeitet die DuMont Redaktionsgemeinschaft seit Jahren aus einer Hand für die Abotitel "Berliner Zeitung", "Kölner Stadtanzeiger" und "Mitteldeutsche Zeitung". Nach wie vor ist auch die "Frankfurter Rundschau" an den Verbund angegliedert. Madsack hat im vergangenen Jahr das Redaktionsnetzwerk Deutschland gegründet, eine Gemeinschaftsredaktion, die von Hannover aus fast zwanzig Titel aus einer Hand beliefert und deren Mantelseiten produziert. Bei Funke in Essen wird mit Hochdruck an der gemeinsamen Mantelredaktion für die Titel der Gruppe (unter anderem "WAZ", "NRZ", "Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt") gearbeitet. Nun eben auch Stuttgart?

Die "Nachrichten" werden zur Light-Version der "Zeitung"

Tatsache ist, dass sich auch in Stuttgart seit den Zeiten des Eugen Kurz vieles geändert hat. "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" haben bereits seit 1979 mit "Sonntag Aktuell" eine gemeinsame siebte Ausgabe für die Abonnenten (die allerdings gerade zur Disposition steht), Beilagen werden gemeinsam produziert, die "Nachrichten" können auf regionale Inhalte der "Zeitung" zugreifen, die Onlineangebote beider Titel enthalten bereits weitgehend identische Inhalte.

Eine Woche später standen die Kollegen noch einmal an gleicher Stelle.
Eine Woche später standen die Kollegen noch einmal an gleicher Stelle.

Und dennoch ist die Fusion der beiden Redaktionen ein Bruch, in dem ein Stück Zeitungsgeschichte und -kultur untergehen: Wenn die beiden Abotitel der Schwabenmetropole künftig unter verschiedenen Markennamen, aber ganz überwiegend mit denselben Nachrichten, Reportagen und Kommentaren erscheinen, werden die "Stuttgarter Nachrichten" praktisch zur Light-Version der StZ: etwas dünner, täglich vier Seiten weniger Inhalt, dafür drei Euro billiger im Monat. Ein Stuttgarter Weg, der sehr dem Aachener Modell ähnelt. "Aachener Zeitung" und "Aachener Nachrichten" erscheinen seit 2003 ebenfalls unter verschiedenen Titeln mit gleichem Inhalt, allerdings unter einheitlicher Chefredaktion.

Im zweiten Quartal 2016 soll die neue Gemeinschaftsredaktion arbeiten, bis dahin stehen dem Stuttgarter Konzern wohl noch einige Turbulenzen ins Haus. Gewerkschaften und Betriebsräte werden die Opposition gegen Rebmanns Programm formieren; in den beiden Redaktionen sind sie traditionell stark verankert. Aufatmen werden dagegen ihre Kollegen in München: Für die Redaktion der "Süddeutschen Zeitung" ist der Stuttgarter Weg die Garantie, auf absehbare Zeit nicht in die Synergieprozesse der SWMH-Gruppe einbezogen zu werden. Denn das wäre die strategische Alternative gewesen: die SZ und die "Stuttgarter Zeitung" redaktionell eng miteinander zu verknüpfen. In München allerdings hat Chefredakteur Kurt Kister aus seiner Abneigung gegen jeglichen Synergieprozess keinen Hehl gemacht. Die Marke "Süddeutsche Zeitung", so wurde es schließlich beschlossen, bleibt ganz und gar eigenständig. Das wird die Stimmung bei den Schwaben nicht aufhellen. Sie sind seit dem Einstieg bei der SZ im Jahr 2007 ohnehin felsenfest davon überzeugt, dass die "Stuttgarter Zeitung" das Geld verdient, mit dem der Kauf der "Süddeutschen" finanziert wird. Und das ist keineswegs eine abwegige Sichtweise.

 

Uwe Vorkötter war Chefredakteur bei der "Stuttgarter Zeitung" (1996 - 2001), bei der "Berliner Zeitung" (2002 - 2006), bei der "Frankfurter Rundschau" (2006 - 2009) und danach für BZ und FR bis 2012. Er ist heute in gleicher Funktion bei dem Mediendienst "Horizont" tätig, dessen Onlineausgabe obiger Text entstammt - mit freundlicher Anteilnahme vom Autor zur Verfügung gestellt.


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Kommentare

Markus Fehring, 19.06.2015 20:34
@invinoveritas:
Ein kurzer Blick ins Impressum würde genügen, um zu sehen, dass der Mantel der NWZ nicht von den Stuttgarter Nachrichten geliefert wird (wurde er auch noch nie), sondern von der Ulmer Südwestpresse. So wie seit Anfang der 70er. Da wurde nämlich tatsächlich der Göppinger Mantel dichtgemacht, um die Stuttgarter Nachrichten zu retten: Die bekamen all jene Blätter als Kunden, die seither von Göppingen beliefert wurden. So wurden die StN wieder profitabel. Der NWZ-Mantel wurde geopfert.
Und noch ein Irrtum: Der Lokalteil "gehört" sehr wohl der Südwestpresse, die Lokalredaktion ist nicht selbstständig, sondern nur eine Ulmer Außenredaktion und dem Chefredakteur an der Donau unterstellt, der Göppinger Lokalchef ist einfacher Abteilungsleiter (Ressortleiter).
Allerdings wurde die NWZ nicht einfach von der SWP geschluckt, sondern die seinerzeit gegründete oder vielleicht auch nur neu formierte Neue Pressegesellschaft ist ein kompliziertes Geflecht (wiederum beteiligt an der SWMH), so liegen die Namensrechte am Titel der SWP meines Wissens noch immer beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen - wodurch dieses Blatt im Verbund ziemlich viel Macht hat. Aber einen eigenen Verlag gibt es in Göppingen schon lange nicht mehr, der einzige Geschäftsführer sitzt in Ulm, alle anderen "Chefs" sind mittleres und unteres Führungspersonal.

Michael F.,+13.06.2015, 18.06.2015 19:48
Zu invinoveritas

Ach, wer ist denn der Ahnungslose?
Zur Wahrheit: Eine wirtschaftlich gesunde Zeitung wurde seinerzeit abgewickelt. Der Mantel der NWZ war sehr gut! Er brauchte den Vergleich zu anderen regionalen Blätter nicht zu scheuen. Und übrigens: die "Illustrierte Wochenzeitung" (IWZ) war ein Produkt eben dieser Mantelredakteure.
Die in Göppingen bestehende NWZ-Lokalredaktion ist eine 100prozentige Tochter der Neuen Mediengesellschaft. Diese gehört der Südwestpresse. Nach anfänglicher Eigenständigkeit wurde die NWZ Anfang der 1990erJahre auf den Ulmer SWP-Kurs getrimmt...
Eine Tatsache, die nichts mit "Inkompetenz" o. ä. zu tun hat. Auch wenn es der Verfasser gerne so hätte. Die Berichte und Kommentare aus Göppingen waren eigenständig und sehr geistreich. Und nicht eine Zusammenschau von dpa-Meldungen und -Kommentaren. Schade, dass manche auch das heute nicht mehr wahrhaben wollen.
Weil sie es nicht wissen? Oder, schlimmer noch, weil sie es einfach nicht wahrhaben wollen?
Nicht nur in der Redaktion sondern auch in der Leserschaft gab es seinerzeit dem Vernehmen nach einen Aufschrei über den Verlust des guten, fundierten Göppinger Mantels.
"Die Weisheit liegt in der Wahrheit!"

invinoveritas, 14.06.2015 11:17
@ Michael F.


Die zentimeterweise sterbende Freiheit wankt noch schneller ihrer letzten Ruhestätte entgegen, wenn ihre vermeintlichen Verteidiger von so grässlicher Ahnungslosigkeit geschlagen sind.

Die Stuttgarter Nachrichten brauchten 1974 weder Mantel noch frisches Blut, sondern liefern seither das Überregionale nach Göppingen, wie schon zuvor und danach an etliche andere kleinere Lokalzeitungen in der Region, die unmöglich einen halbwegs qualifizierten Mantel aus eigener Kraft zustande bringen können und konnten.

Grundsätzlich ist es ein - wiederum auf Inkompetenz zurückgehendes - Missverständnis, solche Mantellieferungen automatisch abzulehnen. Stattdessen muss abgewogen werden: Meinungsvielfalt versus Qualität. Wenn eine winzige Vollredaktion noch gerade so eben einen Mantel stemmt, d.h. überwiegend nur auf dpa-Texte angewiesen ist, trägt das schwerlich zur Meinungsvielfalt bei - was die Leserschaft bemerkt und dann gern abschätzig von ihrem "Käseblatt" spricht. Demgegenüber kann der Mantel von einer halbwegs ordentlich besetzten Vollredaktion, zumal aufgrund des eigenen Korrespondentennetzes im In- und Ausland, einen so beträchtlichen Zugewinn an Qualität und Substanz darstellen, dass die erwähnte Abwägung zugunsten derartiger Kooperationen ausfallen kann.

Und den Lokalteil bekam damals auch nicht die Südwestpresse in Ulm. Sondern der wird nach wie vor in Göppingen produziert, vom nach wie vor bestehenden Verlag der NWZ.

Michael F., 13.06.2015, 13.06.2015 22:41
"Freiheit stirbt zentimeterweise"

Rückblick: Anfang der 1970er Jahre wurde die Vollredaktion der "Neuen Württembergischen Zeitung" Göppingen, abgewickelt. Die "Stuttgarter Nachrichten" als zweite Hauptstadtzeitung brauchten einen Mantel und "frisches Blut". Den Lokalteil "bekam" die Ulmer "Südwestpresse".

Davon spricht heute keiner mehr.

Karl Haessner, 12.06.2015 18:06
Das ist doch alles Pipifax. Die SWMH, die Südwestdeutsche Medienholding, beherrscht von weniger als einer Handvoll Personen, insbesondere von Richard Rebmann, beherrscht doch eh die Gesamtrichtung von Süddeutscher Zeitung, "Freier" Presse, "Freies" Wort, Frankenpost, Neue Presse (Coburg), Südthüringer Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Schwarzwälder Bote, Sonntag Aktuell, Bayerische Staatszeitung, Werben & Verkaufen u.a. Völlig egal, welche der Zeitungen der Leser nimmt: Er erfährt sowieso keine neutrale Information. Und das gilt für die gesamte deutsche Mainstreampresse. Ich lese die STZ vor allem nur wegen des Sport- und des Regionalteils.

Wolfgang Schleiermacher, 10.06.2015 19:00
'Tschuldigung aber dieser Kalauer muss einfach raus:
Wie wäre es mit einem neuen Mischnamen für die Mischung aus Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten:
"Stuttgarter Umnachtung"

Petzi, 10.06.2015 15:21
Ich hoffe nur, dass das journalistische Niveau der Stuttgarter Zeitung nicht sinkt (jetzt ganz unabhängig von der politischen Ausrichtung). Die Stuttgarter Nachrichten lese ich nicht, aufgrund ihres starken Boulevard-Charakters mit wenig Tiefgang. Fällt mir die StN mal in die Hand, ist die Zeitung ruckzuck durchgeblättert. Hier vermisse ich v.a. anspruchsvolle Hintergrundartikel.

Eigentlich lese ich ja am liebsten die Süddeutsche Zeitung, doch es fehlen hier eben die ausführlichen Beiträge zur Landespolitik BaWü und der Lokalteil Stuttgart. Das ist für mich in Prinzip der einzige Grund, über 30 Jahre Abonnentin der StZ zu sein.

Tillupp, 10.06.2015 08:48
Zusammenlegung ist immer ein Verlust für den Kunden. In Mannheim gibt es beispielsweise seit Jahrzehnten auch nur eine Regionalzeitung, die aber eine so unerträglich schlechte (mehrfach vom Presserat kritisierte) Lokalredaktion hat, dass wir den Mannheimer Morgen inzwischen abbestellt haben. Statt dessen halte ich mich mit dem Rhein-Neckar-Block (http://www.rheinneckarblog.de/ ) und Kontext auf dem Laufenden. Ich lese also weiter, aber eben woanders. So sollten es die Stuttgarter auch machen. Unabhängigen Journalismus fördern.
Die größere Medienrevolution fand im Südwesten aber schon 1998 statt als SWF und SDR https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCddeutscher_Rundfunk zusammengelegt wurden. Der Kunde wurde nach dem Friss-oder-Stirb Prinzip genötigt und das Kartellamt hat alles abgenickt.

Peter S., 10.06.2015 01:44
Kann Zaininger nur zustimmen.
Gehöre übrigens in der Zwischenzeit (hatten StZ seit Kindertagen im Haushalt) zum "gutsituierte bürgerlich-liberale Publikum der Stadt".
Der findet sich aber anscheinend immer weniger von der vierten Gewalt ernst genommen.
Seltsam, daß mich sowohl meine ehemalige Partei als auch meine Zeitung verloren hat.
Ob da wohl ein Zusammenhang besteht?

Zaininger, 10.06.2015 00:21
Muss ich jetzt ein schlechtes (und einige Journalisten-Stellen auf dem) Gewissen haben, weil ich die Stuttgarter Nachrichten abbestellt habe? Die Kommentare des Chefredakteuers jeden Morgen, und die z.T. schludrige Sprache waren kaum noch zu ertragen und Jo Bauers Stadtschlenderei kein ausreichender Grund für die Fortsetzung eines Dauerabonnements. Wer will sich da noch für Pressevielfalt und den Erhalt beider Titel einsetzen?

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Alles in allem doch eine sehr lustige Geschichte und irgendwas wird immer hängenbleiben. Auch witzig, dass sich die Verbotsexperten der grünen Partei einen "Internetspürhund" halten, da wären manche Stasichefs neidisch gewesen.

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