KONTEXT Extra:
Von Franz Josef Strauß bis Gustl Mollath

Wer es aus erster Hand erfahren will, darf den Abend am kommenden Donnerstag (28. Mai) nicht verpassen: Ministerialrat a. D. Wilhelm Schlötterer, einst oberster Steuerfahnder in Bayern, spricht über „Unrechtssysteme in der Demokratie“. Konkret heißt das über das Amigo-Wesen in Bayern, das er lange bekämpft und das ihm Straf- und Disziplinarverfahren eingebracht hat. Von Strauß über Streibl und Stoiber hat Schlötterer die gezielten Einflussnahmen der Münchner Ministerpräsidenten auf die Steuerermittlung nachgewiesen. Im Jahr 2011 hat er den Skandal um Gustl Mollath aufgedeckt. Aber keine Sorge: Es wird nicht nur um Bayern gehen. Die Moderation übernimmt Richter a. D. Dieter Reicherter, der verspricht, dass auch Justizprobleme in Baden-Württemberg diskutiert werden. Die Veranstaltung findet in Schorndorf in der Barbara-Künkelin-Halle um 19 Uhr statt.


Die Anstifter: Ex-Minister Goll raus aus dem NSU-Ausschuss

Der frühere Landesjustizminister Ulrich Goll sei im Stuttgarter NSU-Ausschuss nicht mehr tragbar. Dies erklärt die Initiative NSU-Aufklärung des Bürgerprojekts "Die Anstifter" in einem offenen Brief. Der FDP-Abgeordnete war zum Zeitpunkt des Kiesewetter-Mordes in Heilbronn als Minister Vorgesetzter der Staatsanwaltschaft und damit mit verantwortlich für den Ermittlungsschlamassel. Kontext dokumentiert den Brief, in dem die Initiative eine Zwischenbilanz zieht. (Link zum Brief)


Burladinger Kino zeigt "Elser" jetzt doch

Unser Artikel über das Burladinger Kino muss an einer Stelle korrigiert werden. In diesem Fall können wir uns darüber sogar freuen: Ludwig Schülzle zeigt den Film "Elser - er hätte die Welt verändert" jetzt doch in seinen "Alb-Lichtspielen". So berichtet die lokale Presse. Am Freitagabend (8.5.) soll der Film anlaufen. Schülzle fühlt sich von der Polizei geschützt und hat doch noch viel Zuspruch aus der Burladinger Zivilgesellschaft erhalten. Aus Solidarität will das Melchinger Theater Lindenhof sein Stück "Elser - Allein gegen Hitler" am 3. Juni außerplanmäßig zurück auf die Bühne bringen.


Kontext bei der Re:publica

Zur Re:publica, Europas größter Konferenz zum Thema Internet und digitale Gesellschaft sind zur Zeit mehr als 6000 Netzaktivisten in Berlin versammelt. Gleich am ersten Tag war auch von Kontext die Rede. Günter Bartsch vom "Netzwerk Recherche" bezeichnete Kontext als Pionier des deutschen Non-Profit Journalismus. Etwa 300 TeilnehmerInnen lauschten ihm und seinen Co-Referenten beim Panel zu diesem Thema in der Halle 10 der Re:publica.


Stuttgarter Friedenspreis 2015 geht nach Lampedusa

Giuseppina Maria Nicolini (54), die Bürgermeisterin von Lampedusa und Linosa, erhält den Friedenspreis der Stuttgarter Anstifter. Sie habe sich für diejenigen eingesetzt, "die der Hölle in Syrien und Libyen entkommen sind, aber von der Europäischen Union grausam im Stich gelassen werden", begründet Fritz Mielert, der Geschäftsführer des Bürgerprojekts, die Ehrung.

Nicolini ist eine scharfe Kritikerin der EU-Flüchtlingspolitik und immer wieder Anfeindungen und Brandanschlägen ausgesetzt. Die neueste Katastrophe kommentierte sie so: "Wenn jemand aus einem brennenden Haus fliehen muss, dann flieht er einfach. Und in unserem Fall über das Meer."

Auf Platz zwei des Friedenspreises setzten die Anstifter den palästinensischen Arzt Izzeldin Abuelaish, auf Platz drei die Friedensinitiative "Keine Waffen vom Bodensee". Der Preis wird am 6. Dezember 2015 Uhr im Theaterhaus Stuttgart verliehen. Die letzten Geehrten waren der Whistleblower Edward Snowden (2014), Enio Mancini und Enrico Pieri aus Sant'Anna di Stazzema (2013) sowie die "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!" (2012).


Die seemoz wird acht – Kontext gratuliert

Glückwünsche an den Bodensee: Die seemoz wird acht Jahre alt. Das kritische, widerborstige und informative Online-Magazin aus Konstanz ist zurecht stolz auf sein langes Leben. Entgegen vieler widriger Prognosen ("nach einem Jahr seid ihr weg vom Fenster") mischt die seemoz seit 2007 munter die See-Szene auf. Verantwortlich dafür sind Holger Reile und Hans-Peter Koch, die es tatsächlich geschafft haben, mit knappem Geld ein nicht mehr wegzudenkender Teil der lokalen Medienlandschaft zu werden. Die LeserInnen danken mit wachsenden Zugriffszahlen und dem Bekenntnis, dass sie das Alternativangebot nicht missen möchten, angesichts des "Niedergangs der traditionellen Printmedien". Das müsste sich dann wohl der Konstanzer "Südkurier" im Kopf herum gehen lassen. Noch besser wär's freilich, sie würden neben dem Lesen auch noch spenden, damit die seemoz auf "finanziell halbwegs solide Füße" kommt, wie Reile betont. Das können wir von Kontext nur unterstreichen, allein schon deshalb, weil die seemoz unser geschätzter Kooperationspartner ist.


Aller Titelzeilen zum Trotz: Piëch bleibt im Spiel

Rasante Demontage, schneller Absturz, überraschender Rücktritt. Nach den Titelzeilen zu urteilen, war VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am Ende. Und Kontext-Autor Ulrich Viehöver daneben gelegen mit der Überschrift "Piëch hat den VW-Plan". Ist er aber nicht. Piëch überrascht zwar mit seinem Schachzug, die Brocken bei VW als Oberaufseher hinzuwerfen. In zwei Jahren wäre dort ohnehin Schluss für ihn gewesen. Aber der 78-jährige Patriarch ist längst nicht aus dem Spiel. Denn im Gegensatz zum Manager Martin Winterkorn ist Piëch kein Angestellter, sondern ein Großaktionär des Autogiganten - und darüber hinaus der wichtigste Stratege im Machtzentrum seines Familienclans. Und hier steht ein Generationswechsel an, der darüber entscheiden wird, wer künftig das Sagen im größten Industrieimperium Europas haben wird. Bei dieser Schicksalsfrage wird ein Ferdinand Piëch kaum still als Zuschauer am Rande stehen. Nach den Hauptversammlungen im Mai in Wolfsburg und Stuttgart wird die Öffentlichkeit wieder von der Autodynastie hören - laut oder leise.


Die Linke stellt "Stern"-Autor Luik aufs S-21-Gleis

Großer Bahnhof in Berlin: Am 6. Mai wird im Bundestag über Stuttgart 21 gestritten. Offiziell heißt das Anhörung und sie hat das Ziel, dem Thema wieder eine bundesweite Reichweite zu geben. Beantragt haben sie die Grünen und die Linke, die "offene Fragen" klären wollen. Geladen sind Vorstand Volker Kefer, Projektleiter Manfred Leger, Brandschutzbeauftragter Klaus-Jürgen Bieger (alle Deutsche Bahn) sowie Ullrich Martin, der Direktor des Stuttgarter Instituts für Eisenbahn- und Verkehrswesen. Die Grünen haben Matthias Lieb vom VcD Baden-Württemberg als Sachverständigen benannt, für die Linke geht Arno Luik in die Bütt. Dem "Stern"-Autor gebührt das Verdienst, Stuttgart 21 mit seinen kritischen Berichten auf die Bundesbühne gehoben zu haben. In der Vorbereitung auf die Debatte liest Luik derzeit eifrig Kontext. Vieles komme ihm sehr bekannt vor, sagt er, darunter viele Schlimmfingereien, die er schon frühzeitig beim Namen genannt habe. Mit jeweils scharfen Dementis der Bahn gekoppelt.


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Ein König wider Willen

Von Josef-Otto Freudenreich (Interview)

Wenn der König von Oberschwaben geht, müsste eigentlich halbmast geflaggt werden. Ende Mai ist Schluss mit dem Ravensburger Landrat Kurt "Jack" Widmaier (65). Nach 16 Jahren hört er auf. Für Kontext Anlass, mit dem pressescheuen Schwarz-Grünen über sein gelobtes Land, Stefan Mappus, die OEW/EnBW und Nacktschnecken zu sprechen.

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"Außer Reden nichts gewesen?"

Von Annette Ohme-Reinicke

Alle reden von Bürgerbeiligung. Peter Grottian kritisiert die grüne Praxis und zitiert Hannah Arendt. Gisela Erler verteidigt und zitiert Jürgen Habermas. Unsere Autorin fragt in die illustre Runde: Welche politischen Konzepte liegen der Praxis der Bürgerbeteiligung eigentlich zugrunde?

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Mit Zuckerbrot und Peitsche

Von Jürgen Lessat

Deutschlands drittgrößter Energieversorger gibt sich bürgernah: Mit Infotreffen, Projektportal und Maultaschen informiert die Energie Baden-Württemberg (EnBW) zeitig über die Pläne eines Kraftwerksneubaus in Stuttgart. Auf anderen Baustellen steht der Konzern aggressiv unter Strom – und prozessiert sogar gegen seinen Eigentümer.

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Nicht radikal genug

Von Gastautor Franz Alt

Durch eine Masse an Veranstaltungen und viele prominente Namen allein werde niemand klug. Sagt unser Gastautor und kritisiert den Stuttgarter Kirchentag als ein Abbild der Großen Koalition: wenig radikal und schön brav in der politischen Mitte platziert.

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Neun Quadratmeter Harmonie

Von Susanne Stiefel

Unruhe kurz vor dem Kirchentag. Mit einem Messestand wollen die ehemaligen Korntaler Heimkinder auf erlittene Demütigungen und Missbrauch aufmerksam machen. Nun stellt dort auch die Evangelische Brüdergemeinde ihr Banner auf. Das gefällt nicht allen.

Fahren ohne Fahrschein

Von Johanna Henkel-Waidhofer

Unzählige Projekte zum Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr zeigen, dass deren großer Erfolg zugleich das Killervirus in sich trägt. Die Kommunen halten die Kostenexplosion auf Dauer nicht aus. In Tübingen wird trotzdem seit 2008 über die Freifahrt für alle nachgedacht. Vor der Sommerpause möchte OB Boris Palmer (Grüne) der Idee zum Durchbruch verhelfen. Auf die Landesregierung kann er dabei (noch) nicht bauen.

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Kleine Äuglein, rote Bäckchen

Von Winfried Wolf

Die Schlichtung bei der Bahn hat noch nicht begonnen – und wieder wird aus allen Rohren geschossen. Gegen die Gewerkschaft GDL und ihren Chef Claus Weselsky. Unser Autor hat im Zug von Bellinzona nach Berlin Zeitungen gelesen.

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Der Einfädler

Von Jürgen Lessat

Wolfgang Schuster handelte in ehrenwerter Absicht. Er wollte Jugendlichen in Europa einen Job verschaffen. Doch über dem Einsatz des Stuttgarter Ex-OB schwebt ein schnöder Filzverdacht: Schuster fädelte die Ausbildung von arbeitslosen Spaniern und Rumänen in Deutschland ein, an deren Betreuung das Kolping-Bildungswerk Württemberg verdient. Die Privatschule wird von langjährigen Weggefährten des CDU-Politikers geführt.

1 Kommentar

Quo vadis, Baubürgermeister?

Von Dietrich Heißenbüttel

Am Ende ist Peter Pätzold (Grüne) nun doch der einzige Kandidat für den Posten des Stuttgarter Baubürgermeisters. Vielleicht nicht die schlechteste Wahl, wenn auch das Findungsverfahren an Offenheit zu wünschen übrig lässt. Die Stadt scheut die Diskussion. Dabei gibt es viel zu besprechen.

4 Kommentare

Auf dem Platz geben sie alles

Von Johannes Pimpl Fotos: Benjamin Ulmer

Auch im Behinderten-Fußball muss das Runde ins Eckige. Seit anderthalb Jahren gibt es die baden-württembergische Landesauswahl für Fußballer mit Handicap. In Stuttgart bereitet sich das Team auf die Deutsche Meisterschaft im Juni vor. Der Gegner: die Betriebsmannschaft des VfB. Ermöglicht hat das Martin Sowa, der seit vierzig Jahren den Inklusionssport im Land vorantreibt.

Letzte Kommentare:

Ausgabe 217 / Quo vadis, Baubürgermeister? / By-the-way, 27.05.2015 20:23
Es ist zu spät, noch etwas in Positive zu verändern zu können.Die VerUNmenschlichung dieser Stadt ist nicht mehr aufzuhalten.Das liegt im Ursprung an den Stuttgarter Schwaben, die in entsprechende Machtposititionen gelangt waren...

Ausgabe 217 / "Außer Reden nichts gewesen?" / Gela, 27.05.2015 20:13
Diesen Artikel finde ich sehr hilfreich zur Klärung, was Mitsprechen der Bürger in der parlamentarischen Demokratie bewirken kann und soll. Da stellt sich zuerst einmal die Frage, wie das Mitsprechen und Mitentscheiden besser...

Ausgabe 217 / Vollpfosten II / Kornelia, 27.05.2015 18:59
http://www.nachdenkseiten.de/?p=26237Pegida ist ein Spiegel deutscher VerhältnisseIngo Schulze:http://www.sueddeutsche.de/kultur/pegida-demonstration-in-dresden-die-nuetzlichen-idioten-1.2321605

Ausgabe 217 / Vollpfosten II / invinoveritas, 27.05.2015 18:57
Nee, liebe Kontext-Redaktion, es ist gar nicht gut, dass Ihr einer Meinung seid mit dem Kommentator, der "nicht verstehen" konnte, "wie man auf die Idee kam, aus dem Umland Nazis und Neonazis" nach Stuttgart zu karren. Es ist nämlich...

Ausgabe 217 / Nicht radikal genug / Kornelia, 27.05.2015 18:32
Tja und die KopfbahnhofBewegung? Sie macht mit, lässt sich freiwillig "einbinden" sowohl direkt als auch indirekt!Warum hat sich die ev Kirche wohl für eine Baustellenstadt entschieden?Weil sie dann die Widerständler noch mehr...

Ausgabe 217 / Nicht radikal genug / Heinz Greiner, 27.05.2015 18:00
H. Alt bleibt seiner schonend kritischen Arbeitsweise, bekannt schon unter Willibald Hilf, treu .Man könnte schon sagen , daß der Pfarrer Gauck zum Kampf ruft für Wirtschaftsverbindungen und Transportwege, die Pfarrerstochter Merkel...

Ausgabe 217 / Kleine Äuglein, rote Bäckchen / Ulrich Frank, 27.05.2015 17:43
Ergänzend hierzu das in telepolis abgedruckte Interview mit Winfried Wolf, "Spin Doctoring im GDL-Arbeitskampf" (http://www.heise.de/tp/artikel/45/45015/1.html), in welchem auch auf Hintergrund - die Strategie der Kompromißlosigkeit,...

Ausgabe 217 / "Außer Reden nichts gewesen?" / Zwuckelmann, 27.05.2015 17:18
Vielen Dank, Annette, für diese gute Analyse! Die "Politik des Gehörtwerdens" ist ein weiteres, aktionistisches Stöckchen, über das manch einer zu gerne springt, ohne sich vorher zu überlegen, dass er damit tatsächlich ein komplett...

Ausgabe 217 / Quo vadis, Baubürgermeister? / Florian S., 27.05.2015 16:47
Zitat Zeitgenosse:"Und dort wo nur kalte, leere, sterile Investorenarchitektur steht, wird die Stadt von Bürgern mit zunehmend kalter, leerer und steriler Denkweise geprägt sein.Eine Entwicklung, die im gesellschaftlichen...

Ausgabe 217 / Fahren ohne Fahrschein / Florian S., 27.05.2015 16:07
Stuttgart täte schon mal gut dran, das viel zu komplizierte Tarifsystem zu vereinfachen und weniger kleinkariert (im wahrsten Sinne des Wortes, nur in Kreisform) zu gestalten. Und warum zum Jahreswechsel die Fahrpreise je nach Zone pro...

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