KONTEXT Extra:
Sonntag Aktuell: Hängepartie bis zum Herbst

Die Zukunft von  Sonntag Aktuell liegt weiter im Dunkeln.  Die Gesellschafter der Stuttgarter Sonntagszeitung konnten sich bei ihrer letzten Versammlung im März zu keiner Entscheidung durchringen.  Bis Herbst soll die Hängepartie weiter gehen.

Seit Martin Jaschke, Noch-Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), kurz vor Weihnachten 2014, auf einer Betriebsversammlung über fehlende Gewinne klagte,  steht Sonntag Aktuell zur Disposition.  Die Devise heißt  Sparen, die Frage lautet: raus aus dem Sonntagsmarkt, rein ins Wochenende (Kontext berichtete). Kundige Betriebsräte, die schon 2009 das lange Sterben einer eigenständigen Sonntag-Aktuell-Redaktion begleitet haben, gehen seit dem Jaschke-Überfall („Wir sind keine caritative Einrichtung“) davon aus, dass das Ende der 36 Jahre alten Sonntagszeitung längst beschlossen ist. Doch sagen will das keiner.

Natürlich habe man sich Gedanken über Samstag und Sonntag gemacht, versichert Ullrich Villinger, der Geschäftsführer der Waiblinger Kreiszeitung. Mehr nicht. Weitere Anfragen beantworte Manager Bernhard Reese,  der wiederum auf den Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten,  Christoph Reisinger,  verweist. Und der sagt: „Im Moment erarbeiten wir konzeptionell, mit welchen publizistischen Angeboten wir unsere Leserinnen und Leser am Samstag und Sonntag… versorgen wollen. Eine Facette dabei ist, welchen Beitrag Sonntag Aktuell in Zukunft leisten soll.“  Reisinger verrät immerhin, dass die Gesellschafter im Herbst  „ausschließlich“ über Sonntag Aktuell sprechen werden.


StN-Lokalchef wird neuer Sprecher von "Stuttgart 21"

Ein konsequenter Schritt: Neuer Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 wird Jörg Hamann, Leiter der Lokalredaktion der "Stuttgarter Nachrichten". Der 52-jährige Journalist wird Nachfolger von Wolfgang Dietrich und soll seine Geschäfte spätestens zum 1. Oktober 2015 aufnehmen. Hamann hat sich in seinen Leitartikeln stets als Befürworter von S 21 hervor getan, unabhängig davon, was seine untergebenen Kollegen recherchiert hatten. Volker Kefer, Technikvorstand bei der Deutschen Bahn, lobt seinen neuen Mitarbeiter als "erfahrenen und professionellen Journalisten", der in der Region "bestens vernetzt" sei. Nachdem Georg Brunnhuber (CDU) zum Vorsitzenden des Vereins Bahnprojekt Stuttgart - Ulm e.V. gewählt sei, sei das Kommunikationsteam der Bahn nun komplett.


Sieben Jahre später: Petition abgelehnt

Mehr als sechs Jahre nach Einreichung hat der Bundestag eine Petition zum vollständigen Erhalt des Stuttgarter Hauptbahnhofs abschlägig beschieden. Nachdem der Nordflügel seit viereinhalb und der Südflügel seit drei Jahren abgerissen ist, nimmt der Petitionsausschuss damit die 3.133 Mitzeichnungen, 42 Diskussionsbeiträge, rund 5.000 Unterschriften und mehr als 50 inhaltsgleiche Eingaben nun endlich zur Kenntnis - um sich für unzuständig zu erklären: Stadtentwicklung, Denkmalschutz, Finanzierung und Wettbewerbssituation des ÖPNV seien Angelegenheiten des Landes Baden-Württemberg. Die achtseitige Begründung erweckt den Eindruck, sie sei über Jahre hinweg aufgesetzt und immer wieder verändert worden. "Der Nordflügel wurde mittlerweile abgerissen", heißt es an einer Stelle - vom Südflügel ist keine Rede.


Pistole, Machete, Schlüsselbund

Sprachlos und überrascht, sagt NSU-Ausschusschef Wolfgang Drexler (SPD), hätten alle Abgeordneten reagiert, als er am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung von seinem Treffen mit Florian Heiligs Familie am Vortag berichtete. Denn Vater, Mutter und Schwester haben in Begleitung des Berliner Rechtsextremismus-Experten Hajo Funke insgesamt zwölf Gegenstände übergeben, die sie selber am vergangenen Wochenende aus jenem Peugeot holten, in dem der 21-Jährige Anfang September 2013 auf dem Cannstatter Wasen verbrannt war. Die Polizei wollte das Auto nur zwei Tage später verschrotten lassen. Jetzt haben sich darin der bislang verschollene Schlüsselbund, der Fahrzeugschein, ein Feuerzeug, ein Handy-Deckel, Pillenplättchen, ein Kanisterdeckel, der Bauteil eines Handys, Turnschuhe, Sicherheitsarbeitsschuhe, eine Pistole und eine Machete gefunden. Alle diese Objekte sind jetzt in der Obhut des Landtagsausschusses und werden ausgewertet, unter anderem von einem Spezialisten im westfälischen Lüdenscheid. Generell, so Drexler, sei sein Vertrauen in die Polizei nicht erschüttert, aber er müsse schon sagen: "Ich habe mir Ermittlungsarbeit immer anders vorgestellt." Außerdem nannte die Familie den Namen einer weiteren Zeugin. Der Ausschuss wird sich entgegen seiner ursprünglichen Planung im April weitere vier Tage mit Heiligs Tod wenige Stunden vor seiner polizeilichen Vernehmung zum NSU und dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter befassen.


Achtung gierige Internetvermieter

Wer seine vier Wände im Netz als "Ferienwohnung" anbietet, läuft Gefahr, fristlos gekündigt zu werden. So hat das Landgericht Berlin gegen einen Mieter entschieden, der sein Domizil für Touristen ausgelobt hatte. Der Trend, aus Mietwohnungen Ferienunterkünfte zu machen, ist auch in Stuttgart zu beobachten. Der Mieterverein schätzt die entsprechende Zahl in der Landeshauptstadt auf rund 1000. Dabei sind die Profite groß. Für eine Dreizimmer-Wohnung im Süden, die laut Mietspiegel 750 Euro kosten darf, werden im Internet bei "airbnb" 3537 Euro verlangt. In diesem Zusammenhang kritisiert der Mieterverein erneut die Grünen, CDU und FPD im Stadtrat, die kein Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum wollen. Stuttgart ist bundesweit die einzige Landeshauptstadt, die sich dagegen wehrt.

Mehr zum Thema im Artikel "Der grünbürgerliche Block". Wie es auch anders geht, steht in der kommenden Kontext-Ausgabe, in der über solidarisches Wohnen berichtet wird.


SWMH: Vorkötter verkündet neuen Geschäftsführer

Stuttgart. Der frühere Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", Uwe Vorkötter, weiß schon mehr. In seinem neuen Organ, dem Mediendienst "Horizont" , meldet er, dass die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) einen neuen Geschäftsführer gefunden hat. Es handele sich um den Manager Herbert Dachs von der "Augsburger Allgemeinen". Der 54-jährige war dort zuletzt als Leiter des Unternehmensbereichs Verlag und Technik im Einsatz. Dachs soll den geschassten Geschäftsführer Martin Jaschke ersetzen, der erst vor zwei Jahren zur Medienholding Süd (StZ/StN) nach Stuttgart gekommen ist und sich offenbar mit dem Vorsitzenden Richard Rebmann überworfen hat. Jetzt muss die SMWH nur noch den Sessel des Geschäftsführers der "Süddeutschen Zeitung" besetzen. Der bisherige Inhaber Detlef Haaks wird ebenfalls entfernt. Einen Kommentar seines alten Arbeitgebers hat Vorkötter allerdings auch nicht gekriegt.


SWMH-Geschäftsführer müssen gehen

Mo., 9.3.2015: Es rappelt in der Beletage der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH). Wie der Branchendienst "kress" berichtet, müssen die Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags (SZ), Detlef Haaks, und der Medienholding Süd (StZ und StN), Martin Jaschke, gehen. Letzterer habe sich mit Richard Rebmann, dem SWMH-Vorsitzenden überworfen, verlautet aus Stuttgart-Möhringen. Rebmann mische sich zu sehr in die Arbeit vor Ort ein. Das Pressehaus will den Vorgang nicht kommentieren. Vor einer Woche hatte sich der Konzernbetriebsrat mit einem Brandbrief an die Geschäftsleitung gewandt, in dem er vor betriebsbedingten Kündigungen warnte. Auslöser ist die Unternehmensberatung Schickler, die Arbeitsprozesse "optimieren", sprich beim Sparen helfen soll. Erster Kommentar aus der Redaktion: "Die Abfindungen kosten wieder ein paar Stellen bei uns".


Sant'Anna nach Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten

Fr., 3.3.2015: Die Einweihung der Kapelle auf der Piazza Anna Pardini im toskanischen Sant' Anna die Stazzema musste abgesagt und auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben werden. Der Grund: In der Nacht vom 4. auf 5. März ist ein Unwetter über Mittelitalien hinweggezogen und hat schwere Schäden verursacht. Mit die schlimmsten Folgen betreffen die Versilia: Sant' Anna di Stazzema ist vollkomen von der Außenwelt abgeschnitten. Über das Festnetz ist kein telefonischer Kontakt möglich, die Stromversorgung ist unterbrochen. Wie die Stuttgarter "Anstifter" medlen, ist das Dorf nur über eine schmale und kurvige Bergstraße zu erreichen, die über mehrere Kilometer durch den Wald führt. Es ist davon auszugehen, dass es Tage dauern wird, bis alle umgestürzten Bäume beseitigt sein werden. Eine Delegation der "Anstifter" wollte, wie in Kontext berichtet, am Samstag (7.3.) bei der Einweihung dabei sein.


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Wohnen ohne dicke Kohle

Von Oliver Stenzel

Wohnen muss nicht sündhaft teuer sein – wenn man es gemeinsam tut. Das Mietshäuser-Syndikat unterstützt selbst verwaltete Projekte, die auf Alternativen zum Eigentum setzen. Die meisten gibt es im Häuslesbauer-Land Baden-Württemberg. Aber jetzt droht Gefahr durch das Kleinanlegerschutzgesetz.

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Der Elser-Neffe: Aus Scham wird Stolz

Von Hermann G. Abmayr

70 Jahre nach seiner Ermordung scheint Georg Elser in Deutschland endlich akzeptiert zu werden. Auch sein Neffe hat dazu lange gebraucht. Heute ist Franz Hirth stolz auf den Schreiner von der Schwäbischen Alb, der Hitler und seinen Führungsstab ermorden wollte.

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Panikmache gegen Toleranz und Vielfalt

Von Johanna Henkel-Waidhofer

Ein neues, tolerantes Gesicht will Grün-Rot dem Land "durch die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern" geben. So steht es schon im fast vier Jahre alten Koalitionsvertrag. Jeder Schritt auf dem Weg zur Einlösung des Versprechens gibt Konservativen Anlass, mit immer neuen Unwahrheiten Ängste zu schüren.

King of BaWü

Von Anna Hunger Fotos: Joachim E. Röttgers

Winfried Kretschmann kann Fliesen legen, Trockenbauwände einziehen, Terrassen bauen, Gärten anlegen, Briefkästen basteln. "Alles außer Schweißen", sagte er mal in einem Interview. Kretschmann ist universal begabt. Er kann sogar Ministerpräsident für alle sein. Dafür lieben ihn drei Viertel der Baden-Württemberger.

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Von einem K zum andern

Von Gerhard Manthey

Ministerpräsident K. kam in den 70er-Jahren in den Genuss der Gesinnungsschnüffelei des Verfassungsschutzes. Grundlage für dessen große Ohren war der "Radikalenerlass" der Regierungschefs des Bundes und der Länder vom 28. Januar 1972. Aber was hat Kretschmann daraus gelernt?

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CDU-Erbhöfe werden geschleift

Von Rudi Schönfeld

Die Zeit, als die CDU mit einem schwarzen Besenstiel als Kandidat Wahlen gewonnen hätte, ist selbst in Oberschwaben vorbei. Nicht mal mehr in ihrer Hochburg gibt es 70 Prozent. Die Partei muss jetzt ihre erfolgreichen Altvorderen durch Jungmoderne ersetzen.

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Wenn Banker Lehrer spielen

Von Jürgen Lessat

Immer mehr Schulen holen sich Konzerne, Firmen und Verbände in die Klassenzimmer. Immer häufiger halten Banker, Makler und Manager Unterricht. Was die einen als wertvolle Bildungspartnerschaft feiern, ist für Kritiker ein mehr oder weniger verdeckter Lobbyismus.

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Er hatte ein fliegend Herz

Von Holger Reile Fotos: Gustav Mesmer Stiftung

Zeitlebens träumte Gustav Mesmer davon, mit einem Fahrrad zu fliegen. Er war der "Ikarus vom Lautertal", weggesperrt in einer psychiatrischen Anstalt, weil er einen Gottesdienst gestört hatte. Heute wird er europaweit als Künstler und Visionär gefeiert und im Zeppelin Museum in Friedrichshafen (27. März bis 28. Juni) mit einer großen Ausstellung geehrt. Eine Geschichte über einen, der auszog, das Fliegen zu lernen, und dem wohl auch gar nichts anderes übrig geblieben ist.

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Letzte Kommentare:

Ausgabe 208 / CDU-Erbhöfe werden geschleift / Schwabe, 31.03.2015 08:30
@InsiderDa haben Sie aber lang suchen müssen um diese knapp 60-jährige Nachwuchskraft ausfindig zu machen! Zufrieden bin ich denoch nicht.Haben Sie vielleicht auch jemanden im Repertoire der hart (körperlich) gearbeitet hat, ohne...

Ausgabe 207 / Masse auf Kosten von Tier und Mensch / Martin Schäfer, 30.03.2015 23:29
Vielen Dank für diesen Artikel , der die landwirtschaftliche Wahrheit in großen Milchviehbetrieben ans Tageslicht fördert. Eigentlich hätte man nach der Wende in der DDR mal fragen können wie es so klappt in den 1200er Kuhställen,...

Ausgabe 208 / CDU-Erbhöfe werden geschleift / Insider, 30.03.2015 21:04
Antwort auf Kommentator "Schwabe": So einen gibt es: MdL Klaus Martin BurgerGeboren am 7. August 1958 in Mengen . Grund- und Hauptschule Hohentengen. Mittlere Reife. Kaufmännische Berufsschule Bad Saulgau. 1977 Abschluss...

Ausgabe 207 / Der Designer der Stuttgarter Lichtaugen / dipl-ing, 30.03.2015 19:46
" Aber er wusste natürlich auch, dass die Ingenieure für jedes Problem sicher Lösungen finden könnten, und sei es unter einer höchst kreativen Auslegung der Vorschriften, vorsichtig gesagt." - Im Gegensatz zu Ihnen wusste Frei Otto...

Ausgabe 208 / King of BaWü / Ernst Hallmackeneder, 30.03.2015 12:56
Die ultimative Antwort der CDU auf die unsägliche Kretschmann-Lobhudelei der Kontext: "Mappus schließt Rückkehr in die Politik nicht aus" (StZ).Mit Freudentränen in den Augen und der Gewißheit, daß der HERR seine CDU niemals im...

Ausgabe 205 / Verlorene Heimat Oberschwaben / Insider, 30.03.2015 11:42
Link als Ergänzung:schwaebische.de/region_artikel,-Kritisches-Heimatgefuehl-_arid,10204237_toid,581.html

Ausgabe 208 / Er hatte ein fliegend Herz / günther munz, 29.03.2015 16:13
der "Ikarus vom Lautertal". 1sehr guter Artikel !!der direkte Nachfolger vom Schneider von Ulm, der ja die 1 flüge schon viel früher unternommen hat.ich hab ihn 1 mal Live im GR. Lautertal erlebt, ,dieses "Ereignis" werd ich...

Ausgabe 208 / King of BaWü / caesar von+struwe, 29.03.2015 14:04
Das ist ein sauber komponiertes Portrait mit eine Fülle von Beobachtungen, psychologischen Hinweisen und Meinungen anderer Politiker. Es ging nicht darum aus Autorinnensicht, den Ministerpräsidenten vorzuführen, zu kritisieren, zu...

Ausgabe 208 / King of BaWü / Tilmann Fischer, 28.03.2015 23:24
Dieser Artikel in der Art einer Homestory befremdet doch sehr in einer Zeitung, die sich angeblich dem investigativen Journalismus verschrieben hat.Mag Frau Hunger auch dem Charme des Womanizers K. erlegen sein, ein bisschen mehr ...

Ausgabe 208 / Der Elser-Neffe: Aus Scham wird Stolz / Willy Baireuther, 28.03.2015 19:31
Mord (wie im Vorspann geschrieben) steht allgemein für ein vorsätzliches Tötungsdelikt, dem gesellschaftlich ein besonderer Unwert zugeschrieben wird. Das ist bei Georg Elser ja wohl nicht der Fall. Er hat vielmehr versucht, einen...

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