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Stuttgarter Zeitung kauft Stadtmagazin "Lift"

Das Stuttgarter Stadtmagazin "Lift", vor 25 Jahren als Alternativmedium angetreten, schlüpft unter das Dach der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts übernimmt das Pressehaus sämtliche Anteile der bisherigen "Lift"- Gesellschafter. Über den Kaufpreis schweigen sich beide Parteien aus. Dieser Schritt sei aus "persönlichen und perspektivischen Gründen" sinnvoll geworden, teilt der kleine Verlag in der Falbenhennenstraße mit. Laut Geschäftsführer Gerald Domdey wird sein PV Projekt Verlag "unverändert weiterbestehen". Alle Mitarbeiter blieben an Bord, die gleichen Titel würden produziert, dieselben Veranstaltungen gemacht und er selbst bleibe im Amt. Durch die Kooperation mit der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" erhofft er sich neue Möglichkeiten bei der Bewerbung seiner "Events" oder seiner Sonderhefte. Der Geschäftsführer der Medienholding Süd, Herbert Dachs, betont, "Lift" ergänze das publizistische Angebot der StZN "ideal" und werde die "Position des führenden regionalen Medienhauses weiter stärken". (4.5.2016)


Neuer NSU-Ausschuss fix

Grüne und CDU haben sich in ihrem Koalitionsvertrag auf einen weiteren parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum "Nationalsozialistischen Untergrund" geeinigt. Und sie wollen "die vom 15. Landtag von Baden-Württemberg beschlossenen Handlungsempfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses umsetzen". Dies gelte auch für weitere Erkenntnisse, "die ein NSU-Untersuchungsausschuss in der 16. Wahlperiode erbringen wird". In den vergangenen Tagen waren Zweifel daran laut geworden, ob sich die CDU an die interfraktionalle Vereinbarung aus dem Januar hält, auf jeden Fall einen zweiten Untersuchungsausschuss zum NSU und dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn einzusetzen. Jetzt ist auch eine Verbesserung der Ausstattung des kriminaltechnischen Instituts der Polizei vereinbart. Die NSU-Untersuchungsausschüsse im Bund und Land hätten gezeigt, heißt im es Koalitionsvertrag, "dass bei der Sicherung und Auswertung von Tatortspuren erhebliche Fehler passiert sind".


Männer verhindern feste Zusage zur Wahlrechtsreform

Im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU wird es abernmals keine feste Zusage zur Reform des Landtagswahlrechts geben, um endlich den bundesweit größten Männerüberschuss im Parlament abzumildern. Zwar hatten sich führende Politikerinnen beider Parteien, allen voran die grüne Landesvorsitzende Thekla Walker und die Vorsitzende der Frauen-Union Ingrid Gräßle, auf die Einführung eines Listenwahlrechts geeinigt, das die Chancen von Frauen im Parlament deutlich erhöhen würde. Stattdessen beschlossen die Verhandlungskommissionen einen trickreichen Aufschub: Zunächst soll noch mit der demokratischen Opposition im Landtag über das Thema gesprochen werden, das seit mehr als 30 Jahren auf der langen Bank liegt. Wie überflüssig solch ein Termin in der Sache ist, zeigen die Wahlprogramme von SPD und FDP für die Landtagswahl 2016: Beide versprechen ein neues Wahlrecht. CDU-Landeschef Thomas Strobl ist dennoch gegen eine Formulierung im Koalitionsvertrag, die eine Reform konkret ohne Konditionierung in Aussicht stellen würde. Und Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat eingelenkt. Was nicht wirklich verwunderlich ist, denn der Grüne gehörte schon in der abgelaufenen Legislaturperiode zu jenen Männern, die sich für neue Regelungen zugunsten von mehr weiblichen Abgeordneten nicht erwärmen konnten. Völlig ungeklärt ist - drei Tage vor der offiziellen Präsentation - auch, ob und wie Grüne und CDU eine adäquate Verteilgung der Kabinettsposten zwischen Frauen und Männern organisieren. (29.4.2016)


Trickfilm-Leckerbissen aus aller Welt

Das 23. Internationale Trickfilm Festival Stuttgart (ITFS) zeigt von Dienstag 26. April bis Sonntag 1. Mai herausragende Animationsfilme aus aller Welt. Mehr als 60 000 Euro Preisgeld werden in neun Kategorien an die Gewinner vergeben. Es ist der bedeutendste Filmwettbewerb in der Region und eines der wichtigsten Trickfilm-Festivals in Europa. In den Jahren nach der Gründung 1982 war das ITFS etwas für Spezialisten und die eher wenigen Fans der Branche. Inzwischen ist es beim breiten Publikum angekommen: umsonst und draußen kann man auf der Open-Air-Leinwand am Schlossplatz jeden Tag ab 17 Uhr aktuelle Kurzfilme und Musikvideos aber auch Trickfilm-Leckerbissen aus den vergangenen Jahren ansehen. Parallel gibt es im Haus der Wirtschaft die FMX, eine internationale Konferenz für "digital entertainment"; in english, of course.

Alle Infos zum Programm und den zahlreichen Begleit-Veranstaltungen gibt es auf www.itfs.de.


"Die Würde des Menschen ist auch beim Ficken unantastbar"

Mit solch harten Sprüchen will die Stadt Stuttgart im Rahmen ihrer Freier-Kampagne erreichen, dass "Zwangs- und Armutsprostitution in der Landeshauptstadt geächtet wird". OB Fritz Kuhn (Grüne) hofft auf eine "Wertediskussion zum Frauenbild in der Gesellschaft, zu Sexualität und Partnerschaft". In der "offenen Sprache", die auch Freier nutzen, und mit der Botschaft "Freunde, ihr könnt viel machen, aber nicht die Würde antasten". Nach den Zahlen von Sabine Constabel, Leiterin der Beratungsstelle für Prostituierte beim Stuttgarter Gesundheitsamt, arbeiten in der Stadt rund 450 Frauen als Prostituierte, rund die Hälfte davon im Leonhardsviertel. 90 Prozent der Frauen kommen aus Osteuropa. "Viele sprechen kein Deutsch", sagt Constabel, "sie haben keine Wahl und sind nicht in der Lage, über ihre Dienstleistung zu verhandeln." Die Freier aber hätten die Wahl. 165 Rotlichtobjekte – "Orte, an denen sich Frauen anbieten oder angeboten werden" (Constabel) – sind über die ganze Stadt verteilt. Kuhn will das "gesamte Thema aus dem Tabu-Bereich holen". Bewusst werde dabei auf Sprüche und nicht auf Bilder mit voyeuristischem Charakter gesetzt. Insgesamt hängen bis Ende Mai rund 250 Plakate in der Stadt, darunter 20 auf der Großfläche. Außerdem ist die neue Internetseite www.stuttgart-sagt-stopp.de geschaltet. Die rund 125 000 Euro teure Freier-Kampagne ist Teil eines vor eineinhalb Jahren vorgestellten Konzepts, mit dem die Stadt die Prostitution in Stuttgart zurückdrängen will. Ausgebaut wurden Beratung und die Wohnprojekte für altgewordene Prostituierte. Sechs Betriebe sind bereits geschlossen worden, weitere Rechtsverfahren laufen. "Es wäre naiv zu glauben", so der Oberbürgermeister, "dass es keine Prostitution mehr geben wird in der Stadt."(25.4.2016)


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Danke für die fette Fete!

Von unserer Redaktion Fotos: Michael Latz

Das Theaterhaus voll, prächtige Stimmung, ein sensationeller Hund auf der Bühne und 700 Gäste, die mit Kontext fünf Jahre Geburtstag feierten. Was will man mehr? Unsere Schaubühne zeigt in Wort und Bild, wer die gute Laune befeuert hat.

Grün-schwarze Früchtchen

Von Johanna Henkel-Waidhofer

Thomas Strobl muss sich laufend bohrende Fragen gefallen lassen, wie viel CDU denn eigentlich im Koalitionsvertrag steckt. Die grüne Basis dagegen ist zahm wie noch nie in der Geschichte der Partei. Dabei könnte auch sie bei näherem Hinsehen so manchen Stolperstein finden.

3 Kommentare

Auf Crashkurs mit dem Verkehrsminister

Von Jürgen Lessat

Grün und Schwarz haben sich nicht gesucht. Und beim Thema Verkehr offenbar auch noch nicht gefunden. Das zeigt sich beim dubiosen Wiederbelebungsversuch eines längst tot geglaubten Bundesstraßenprojekts: des Nordost-Rings Stuttgart.

2 Kommentare

Deutschland durch die AfD-Brille

Von Johanna Henkel-Waidhofer und Simon Wörpel (correctiv.org)

Frauen in die Küche, Männer ans Gewehr, der Strom kommt aus dem Atomkraftwerk, und alle Politiker sind selbstsüchtig: Mit der Verabschiedung ihres ersten Parteiprogramms hat die AfD bewiesen, dass gerade sie keine Alternative für Deutschland ist. Wer darüber abgestimmt hat, das zeigen die geleakten Daten der Parteitagsteilnehmer.

2 Kommentare

Scharf beobachtet

Von Josef-Otto Freudenreich

Ein Heer von Polizisten, angeblich 900 gewaltbereite Demonstranten – der AfD-Parteitag hat Stuttgart ein heißes Wochenende beschert. Und mittendrin die "Beobachter News", die fotografieren, was die Polizei nicht dokumentiert sehen will.

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Zeitbombe Trinkwasser

Von Patricia Klatt

Kann man den Spargel, die Erdbeeren, den Fisch noch essen, die Gärten noch bewässern? 345 Hektar in Nordbaden sind mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) verseucht. Und die stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

"Den Fall totmachen"

Von Roland Reck

Tatort Bodensee. Ein unaufgeklärter Mord, verschwundene Ermittlungsakten, eine Staatsanwaltschaft, die das Verfahren partout einstellen will, Nebenkläger, die sich dagegen wehren, und die örtliche Presse, die zu alledem schweigt – das sind die Ingredienzien in einem Mordfall ohne Mörder, der 30 Jahre zurückliegt. Die Generalstaatsanwaltschaft fordert nun weitere Ermittlungen.

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Immer Ärger mit Harry

Von Rupert Koppold

In Luca Guadagninos Remake des französischen Thrillers "Der Swimmingpool" spielen die Stars Tilda Swinton, Matthias Schoenaerts und Dakota Johnson mit. Die ganz große Show aber liefert Ralph Fiennes, meint unser Filmkritiker.

1 Kommentar

Ticken im Kopf

Von Elena Wolf

Ein Vater der Bewegung tritt ab. Gangolf Stocker ist raus aus dem Stuttgarter Gemeinderat und runter von der politischen Bühne. Schwer für einen, der ein Leben lang ein Kämpfer war. Doch der 71-Jährige muss sich jetzt um sich kümmern, er ist schwer krank.

2 Kommentare

Letzte Kommentare:

Ausgabe 262 / Mensch am falschen Platz / Veit, 04.05.2016 12:47
@Schwabe: Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Es macht eigentlich nicht schlauer, krampfhaft jede deutsche Geschichte mit einem Nahost-Vergleich zu relativieren (oder jedes israelische...

Ausgabe 266 / Ticken im Kopf / Demokrator, 04.05.2016 11:35
Dieser Artikel liest sich viel zu sehr wie ein Nachruf! Herrn Stocker alles Gute und einen erfolgreichen Kampf gegen all die lästigen Alterszipperlein!

Ausgabe 266 / Grün-schwarze Früchtchen / Dr. Edmund+Haferbeck, 04.05.2016 11:21
Und der Tierschutz bleibt im zukünftig geführten Agrarministerium, das ist der größte Verrat der Grünen an der Tierschutzbewegung. Er hätte mit ins Umweltministerium wandern müssen, eine seit Jahrzehnten bestehende Forderung (auch...

Ausgabe 266 / Immer Ärger mit Harry / Demokrator, 04.05.2016 11:21
Herrn Koppolds Filmbesprechungen gefallen mir sehr gut! Weiter so!

Ausgabe 266 / "Den Fall totmachen" / Demokrator, 04.05.2016 11:20
Der "tiefe Staat" beginnt eben schon auf der kommunalen Ebene. Und der Süden Deutschlands erinnert einen in der Hinsicht nur zu oft an Sizilien.

Ausgabe 266 / Scharf beobachtet / Demokrator, 04.05.2016 11:18
Die Prügeltruppe des Innenministeriums ist ja auch bis heute nicht abgerüstet worden. Für die ist jeder Demonstrant automatisch "gefährlich" - und wird auch so "abgewickelt". Und die massive Polizeipräsenz bezieht sich ja auch...

Ausgabe 266 / Ticken im Kopf / Horst Ruch, 04.05.2016 11:16
.....einer wie er ist unersetzlich für jede Gesellschaft, er der die Bewegung gegen das verblödete Projekt S 21 immer und immer wieder zum Nachdenken bis zum Aufstand geführt hat. Der Gründer und Urgestein der K21 Demos, hat durch...

Ausgabe 266 / Deutschland durch die AfD-Brille / Demokrator, 04.05.2016 11:10
Schon erstaunlich, daß hier immer wieder derselbe für seine Gesinnungsbrüder und deren Mogelpackung postet, wenn ihm der Kontext doch sonst immer "zu links" ist. Aber manche tun das ja auch nicht aus Überzeugung, sondern im Akkord...

Ausgabe 266 / Auf Crashkurs mit dem Verkehrsminister / Demokrator, 04.05.2016 11:07
Sie lasen einen Beitrag aus der CDU-Parteizentrale. Zu den Themen Grundrechte, Bürgerinteressen, Gemeinwohl und ähnlichem kommunistischen Unsinn verweisen wir sie auch weiterhin mit Vorliebe auf SWR, STN/Z und natürlich die...

Ausgabe 266 / Grün-schwarze Früchtchen / Demokrator, 04.05.2016 11:03
Glückwunsch an die Grünen! Diejenige Partei und ihre Politiker*, die euch damals, vor über 30 Jahren, am liebsten alle eingesperrt und/oder mit Berufsverboten belegt hätte, ist also endlich euer Koalitionspartner geworden! Aber euer...

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