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Tod im Mittelmeer

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Sie kommen auf überfüllten Seelenverkäufern und hoffen auf das Paradies. 1750 Menschen sind auf ihrer Flucht nach Europa in diesem Jahr schon im Mittelmeer ertrunken – mehr als im ganzen Jahr 2013. Der "Zeit"-Reporter Wolfgang Bauer hat sein Leben riskiert, als er sich gemeinsam mit Flüchtlingen auf den gefährlichen Weg machte. Auf Einladung von Kontext und Anstiftern liest er am kommenden Donnerstag, 30.4., im Stuttgarter Weltcafé aus seinem Buch "Über das Meer".

Das Sterben im Mittelmeer ist keine Naturkatastrophe wie das Erdbeben in Nepal. Es ist menschengemacht, denn die Ursache liegt – auch – in der europäischen Flüchtlingspolitik. "Einen Schandfleck auf dem europäische Gewissen" nannten das  der schwedische Expremier Carl Bildt und der Ex-NATO-Generalsekretär Javier Solana. Die EU-Regierungschefs haben Europa zu einer Festung gemacht, deren Grenzen im Mittelmeer von Frontex geschützt werden. Nicht Seenothilfe heißt deren Programm, sondern Schutz der Außengrenzen Europas. Dafür gibt Europa monatlich drei Millionen Euro aus.

Nach den zwei schrecklichen Schiffsunglücken mit mehr als 1000 Toten fanden die EU-Regierungschefs Worte des Mitgefühls, wie schon bei den Flüchtlingskatastrophen in den Jahren zuvor. Doch warme Worte helfen nicht, Menschenleben zu retten. Mit Taten und einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik jedoch tut sich Europa schwer. Das zeigte sich einmal mehr beim EU-Sondergipfel am vergangenen Donnerstag in Brüssel. Großbritannien etwa will Kriegsschiffe zur Rettung schicken, aber keine Flüchtlinge aufnehmen, sondern sie am liebsten in Italien abliefern.

Die Mittelmeermission "Triton" soll zwar aufgestockt werden. Doch was sind 120 Millionen Euro für die Rettung von Flüchtlingen im Vergleich zu 700 Milliarden Euro für die Rettung der Banken? Europa soll eine Festung bleiben. Zuständig bleibt die Grenzschutzagentur Frontex.

Wir von Kontext haben die Flüchtlingspolitik im Land seit jeher kritisch begleitet. Wir berichteten nicht nur einmal über das Erstaufnahmeheim in Meßstetten (Nachzulesen hier und hier). Wir haben über Willkommenskultur und über Anschläge auf die Heime geschrieben. Wir haben den "Zeit"-Reporter Wolfgang Bauer auf seiner Lesereise nach Thüringen begleitet, nach Suhl, wo Montag für Montag der Ableger der rechtsextremen Pegida gegen Flüchtlinge hetzte. Flüchtlingspolitik ist nicht nur eine kommunale und nationale Aufgabe. Sie fordert auch die europäische Politik.

Das weiß auch Wolfgang Bauer. Vor wenigen Tagen diskutierte der Journalist aus Reutlingen noch bei Maybritt Illner über nationale und europäische Flüchtlingspolitik. Kommenden Donnerstag liest Bauer auf Einladung von Kontext und den Anstiftern aus seinem Buch "Übers Meer" und berichtet von seinen Recherchen über die gemeinsame Flucht mit Syrern vom ägyptischen Alexandria nach Europa. Seine Reportage hat durch den Tod vieler Flüchtlinge im Mittelmeer traurige Aktualität erlangt. Anschließend steht Wolfgang Bauer für Fragen und die Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung.

Lesung und Diskussion am Donnerstag, 30. April, 19.30 Uhr, im Stuttgarter Weltcafé am Charlottenplatz 17. Eintritt frei. Moderation Susanne Stiefel und Michael Seehoff.


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1 Kommentar verfügbar

  • Vielvoelkermord
    am 29.04.2015
    Antworten
    Was da auf dem Mittelmeer passiert ist eine Art Vielvölkermord, eine konzertierte Aktion gewissenloser Fluchthelfer und gewissenloser NICHT-Helfer. Statt vergiften, erschießen, totschaffen und verhungern (Deutschland gegen Deutsche (jüdischer Glaube) 1933-45), erschießen (Türkei mit deutscher…
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