Stuttgart, 7. 11. 1995: Präsentation des Vorprojekts zu Stuttgart 21: (v. l. n. r.) der Stuttgarter OB Manfred Rommel, Verkehrsminister Hermann Schaufler, DB-Chef Heinz Dürr, Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann, MP Erwin Teufel. Foto: Martin Storz

Ausgabe 160
Editorial

Fürsten der Finsternis

Von unserer Redaktion
Datum: 23.04.2014

Es passt alles: Die Fürsten der Finsternis erheben am 18. April 1994 das Glas auf den Tunnelbahnhof, die Bahn ruft ihre Privatisierung aus, und jetzt, 20 Jahre danach, wird Bilanz gezogen. Einen "Kopf machen" wollen sich alle, die immer eine Bürgerbahn gewollt und einen marktradikalen Konzern bekommen haben. Drei Tage lang (25. bis 27. April) stecken sie die Köpfe in Stuttgart zusammen, Experten aus der ganzen Republik, Kritiker allesamt. Von den Fans der schnellen Schiene wollte niemand kommen, was schade ist, weil das der Diskussion sicher gutgetan hätte. Erwin Teufel gegen Egon Hopfenzitz, Rüdiger Grube gegen Christoph Engelhardt, das hätte Dampf in den Kessel gebracht. Aber Bahn, Stadt und Land schweigen zum Jubiläum, notierte die "Stuttgarter Zeitung" mit leichtem Bedauern und dem Verweis auf die Vergangenheit, in der "kein Superlativ zu groß war".

Im Sinne deren Bewältigung hat Kontext im Archiv gekramt und drei Texte ans Tageslicht geholt, die das 20-Jahr-Jubiläum auf ihre Art feiern. Der eine ("Schwäbische Verflechtungen") entstammt dem Buch "Die Taschenspieler", herausgegeben von Josef-Otto Freudenreich, auszugsweise gedruckt in der taz. Die anderen hat "Stern"-Autor Arno Luik geschrieben, der das Thema Stuttgart 21 in die bundesweiten Schlagzeilen gebracht hat. Seine Geschichten "Der große Eisenbahnraub" und "Mehdorns letzte Fahrt" lesen sich heute noch so spannend wie vor sechs, sieben Jahren. Luik sitzt auch auf dem Podium in Stuttgart. Aktuell ist das Interview mit dem ehemaligen Bahnmanager Klaus-Dieter Bodack, das Kontext-Redakteur Jürgen Lessat geführt hat. Den Link zur Veranstaltung finden Sie hier.

Zur Lektüre empfehlen wir auch die Rede von Ilse Kestin von der Stuttgarter IG Metall. Die friedensbewegte Gewerkschafterin hat sie auf der Ostermarsch-Kundgebung am vergangenen Samstag auf dem Schlossplatz gehalten, wo sich mehr als 500 Demonstranten eingefunden hatten. "Ostermarsch statt Ostereinkäufe", meldete der SWR, bemerkenswert wohlwollend und ein wenig verkennend, dass die Tütenträger deutlich in der Mehrzahl waren. Doch Hoffnung kommt von dem Berliner Konfliktforscher Dieter Rucht. Er sagt, der Straßenprotest werde wieder zunehmen. Die Verhältnisse seien danach.


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4 Kommentare verfügbar

  • Martin1
    am 27.04.2014
    "Hinweis: Ihre Nachricht wurde aufgenommen und wird angezeigt, sobald sie vom Moderator freigegeben wurde."

    Darf man das so verstehen, dass da nicht jemand die Kommentare auf evtl. strafrechtliche Relevanz (im Sinne des Pressegesetzes) überprüft, sondern jemand vom Politbüro?

    ;-) Spaß muss sein!
  • Martin1
    am 27.04.2014
    Uih, da ist mal jemand nach 20 Jahren aufgewacht? Respekt!

    Das erinnert mich irgendwie an die Anti-Stuttgart-21-Demos. Aber schön, dass Sie noch einmal daran erinnern, wie lange das eigentlich bekannt und geplant war.
    Und dann gab es Demos beim Baubeginn, und Behauptungen, die Bürger wären nicht informeirt worden.
    Klar, die, die mit Bussen aus Berlin und Hamburg von Gewerkschaften und anderen herangekarrt wurden, um dann zu "demonstrieren" (oder wie Angriffe auf Menschen (Polizeibeamte) und Sachen (Autos, Sachbeschädigung) heute heißen, die hatte Baden-Würtemberg tatsächlich nicht informiert. Die Betroffenen, die Stuttgarten Bürger(innen), dagegen schon.
  • Klaus Neumann
    am 23.04.2014
    Oh ja, danke für das Bild. Zwei Leutchen, die still das geniessen, was in das Glas von den drei anderen hineingegossen wurde, ohne dass ihnen gehört, was sie da ausgeschenkt haben. Geschenkt im Sinne des Wortes. Steuergelder. Aber dem in die Gesichter geschriebenen Erfolgserlebnis nach ganz offensichtlich im Bewusstsein, hier jemanden im Jahrhundertdeal über den Tisch gezogen zu haben oder zumindest an einem historischen Deal beteiligt gewesen zu sein, von dem der Bürger nach Herrn BP Gauck kein Sachverständnis haben oder es verstehen kann, hier ab min 19 http://cams21.de/tunnelbohrer-kampagne-demo-und-kundgebung-in-ludwigsburg-05-04-2014/ Jo, mir san mir. Ond mir san eben die grössten.

    Nix zu machen, das ist Demokratie. Herr Kretschmann hat das ja nochmals mit der VA zu S21 bekräftigt und es kam ihm gut fürbass, wegen dem Koalitionsfrieden und so.

    Ob Herr Wissmann damals schon im Lohn und Brot der Autoindustrie als künftiger VDA-Chef stand? Man möchte es fast meinen und so hatte er, wenn dem so war, eben einen ganz besonderen Glücksmoment seinerzeit wie auf dem Bild festgehalten zu verzeichnen.

    Herr Rommel dachte damals wohl ehrlich im Sinne seiner Stadt gehandelt zu haben und insofern dürfte seine Freude ohne Arg sein, während Herr Dr. Schuster dann schon ganz offensichtlich mehr über dieses Projekt wusste und die Öffentlichkeit 97 folgerichtig aus dem Projekt explizit ausschloss http://www.youtube.com/watch?v=2dATH3eVltU Und das Überlegenheitslächeln des Herrn Teufel, den ich von der Intelligenz her als Filbinger-Ersatz einordne, braucht man nicht weiter zu kommentieren und spricht für sich. Warum nur erinnert mich Herr Teufel immer so an Herrn Schmiedel?

    Hier nur mal so das Niveau angekratzt, das Herr BP Gauck dem Bürgerverstand vorzieht. Stimmt. Ein solcher nach oben hin offener Milliardenbetrug am Bürger ist für diesen viel zu komplex zu verstehen. Und da muss der Bürger selbstverständlich aussen vor bleiben. Da gebe ich dem Herrn Bundespräsidenten voll recht.
  • FernDerHeimat
    am 23.04.2014
    Der Filmtitel "Das Schwarze Loch" kommt einem in den Sinn.

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