Ausgabe 127
Editorial

Grün ist aufgewacht

Von unserer Redaktion
Datum: 04.09.2013

Wer gedacht (oder gehofft) hat, Stuttgart 21 im Wahlkampf unter die Erde legen zu können, hat sich getäuscht. Zunächst gab's ein volles DGB-Haus für Cem Özdemir, der sich nach Kräften mühte, den 400 Zuhörern zu versichern, er sei schon immer gegen das "Unsinnsprojekt" gewesen. Assistiert vom  verkehrspolitischen Sprecher der Bundes-Grünen, Toni Hofreiter, der es zum "Quatschprojekt" steigerte. Befeuert von den Stuttgarter Rathaus-Grünen, die auch die Proteste der Untertürkheimer vernommen haben: gegen den Baulärm der Bahn. Und jetzt kommt Winfried Hermann aus der Deckung. Im Exklusivinterview mit Kontext redet sich der Landesverkehrsminister seinen ganzen Frust von der Seele. Über die Bahn, die Kanzlerin, die SPD – und über die Protestbewegung. Grün ist aufgewacht.

Irgendwann ist eben Schluss mit dem Krötenschlucken. Wer Rüdiger Grube, Volker Kefer, Peter Ramsauer und Claus Schmiedel permanent ertragen muss, braucht eine große Leidensfähigkeit. Wer sich dem Ukas aus dem Staatsministerium fügen muss, eine hohe Loyalität. Und wer schlussendlich in die Nähe des "Lügenpacks" gerückt wird, eine ausgeprägte Frustrationstoleranz. Nun kann man einwenden, dass all das im Gehalt eines Ministers inbegriffen ist, eines Politikers, der wusste, was dieses Amt mit sich bringen würde, den niemand gezwungen hat, den Job zu übernehmen. Aber manchmal darf man sich auch in den Menschen versetzen. Selbst die Politik ist keine empathiefreie Zone.

In diesem Zusammenhang ist ein Satz in dem Interview besonders aufschlussreich: "Was haben mir CDU- und FDP-Politiker und manche Genossen alles an den Kopf geworfen. Da ist keiner gekommen und hat sich entschuldigt, als sich meine Kostenprognosen bestätigt haben."

Insoweit ist das Interview auch ein Spiegelbild der Gemütslage Hermanns, die seine politische Sicht der Dinge und sein Handeln durchschaubarer machen kann. Und deshalb veröffentlicht Kontext das Gespräch in voller Länge.

Für die Linke ist die Lage einfacher. Sie hat ihren Chef Bernd Riexinger und ihre kundige Verkehrsexpertin Sabine Leidig nach Stuttgart geholt, um beide die Bahnpolitik im Allgemeinen und Stuttgart 21 im Besonderen für gescheitert ("100 % asozial") erklären zu lassen und die Grünen als Zaungäste des Projekts zu kritisieren. Da werden sie viel Zustimmung kriegen und womöglich auch noch die eine oder andere Stimme dazu, aber es macht sie nicht zur ausgewiesenen S-21-Gegenpartei. Auch wenn sie als Einzige das Thema, wohlbegründet, in ihrem Wahlkampfprogramm hat. Christina Frank, ihre Kandidatin im Stuttgarter Wahlkreis I, steht als Verdi-Frau für den Einsatz gegen prekäre Arbeitsverhältnisse bei Schlecker, H & M, C & A; die Ethnologin Marta Aparicio (Wahlkreis II) für eine humane Asylpolitik. Ihr Vorsitzender Bernd Riexinger darf als Montagsdemonstrant verbucht werden, wenn ihm die Zeit dazu bleibt. Aber der Chef der Linken ist kein Walter Sittler.

Fehlt noch die SPD. Ihr abtrünniger Waiblinger Flügel hat Sittler zwar zu einer Veranstaltung am 6. September eingeladen, aber ansonsten bleibt der Kurs unverändert. In Treue fest zur Bahn und schweigen. Kontinuität wahren die Sozialdemokraten auch in der Frage, ob sie Cem Özdemir bei seiner Kandidatur unterstützen sollen. Ihr Kreisvorsitzender Dejan Perc, der diesen Vorschlag in der letzten Kontext-Ausgabe gemacht hat, scheint damit auf taube Ohren gestoßen zu sein. Zumindest bei Ute Vogt. Das könne sie ihren Wählern nicht vermitteln, sagt sie, gegen einen "partnerschaftlichen Wahlkampf" spreche freilich nichts. Die zarte rot-grüne Annäherung, die Perc in Stuttgart für den 22. September anstoßen wollte, scheint damit schon zu Ende zu sein, kaum dass sie begonnen hat.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

19 Kommentare verfügbar

  • Bernhard Knierim
    am 10.09.2013
    Was soll denn das heißen, das die Linken "keine ausgewiesene S21-Gegenpartei" sei? Ich kenne keine andere Partei, die sich so konsequent und beständig gegen den S21-Unfug eingesetzt hat. Was bitte sind denn die Kriterien für solch einen Ausweis als S21-Gegenpartei? Und warum genügen die Grünen diesen Kriterien, obwohl sie nachweislich nichts von alldem unternommen haben, was man als Landesregierung unternehmen könnte, um das Projekt zu stoppen? Warum sind sie als offensichtlich ausgewiesene S21-Gegenpartei nie an den Punkten juristisch vorgegangen, wo dies möglich gewesen wäre?
    Und wann hat man die Chef-Grünen zum letzten Mal bei der Montagsdemonstration gesehen? Aber das ist dann kein Thema, sondern nur bei Bernd Riexinger?
    Also, unabhängigen, überparteilichen Journalismus hatte ich mir anders vorgestellt. Jetzt wissen wir also, woher der Kontext-Wind weht: Ziemlich grün. Schade, bislang hatte ich viel von dieser Zeitung gehalten, aber so eine billige Polemik ist kein Ausweis von Qualitätsjournalismus.
  • Norbert Jochum-Schäfer
    am 10.09.2013
    GRÜN IST AUFGEWACHT.....
    dreht sich mal kurz auf die linke Seite -
    und schläft spätestens am Wahlsonntag wieder ein.
  • Bernd Oehler
    am 10.09.2013
    Für die Özdemir-Festspiele:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/stuttgart-oezdemir-fordert-s-gegner-zum-einlenken-auf-1.1221210
  • Paul
    am 08.09.2013
    Und ja Kontext:
    das Linken Bashing ist hier merkwürdig....... Wahlkampf für die Grünen? Merkel wird im Urlaub mit Enkel gezeigt (snief) und Hermann menschlich (och wie nett)???
    insgesamt finde ich dass das 21Jahrhundert endlich mal mit dem dämlichen links/rechts Schubladen-denken aufhören sollte!!
    Wenn selbst Karl Marx im Wirtschaftstudien gelesen wird, wenn auch der FAZ Methusalem nachdenklich wird, wenn halb Afrika, halb USA und immer mehr Europa dem kommunistischem Land China gehört.....wenn unser Land von 2 DDR Leute regiert wird (luschtig, oder) (die eine hat gezeigt wie leicht gegen-sein ist in der FDJ Marketingabteilung und belebt das kohlsche Aussitzen mit DDRianischem 10jährigem Plansoll "mal sehen was kommt und wenn es nicht kommt macht auch nix")
    sollte dann nicht ein bisschen differenzierter gearbeitet werden?
  • Paul
    am 08.09.2013
    "Aber manchmal darf man sich auch in den Menschen versetzen. Selbst die Politik ist keine empathiefreie Zone."
    tja da gehören immer zwei dazu.....
    weiss die grüne ABMmannschaft dass wir dauernd wg der grünen Wischiwaschi Politik verhöhnt werden? Kuhn. den Fernsehturm stilllegen lassen das kann er aber bei S21 haben sie den Mund wohl zu voll genommen...... hä,hä,hä....
    wissen die da im Landtag wie ich im Alltag angegangen wurde und werde? und zwar schon direkt ab der mutigen Entscheidung offen meine Meinung zu vertreten?
    wissen die im Landtag, dass Ich die VArce von Anfang an eine verlogene undemokratische und unrechtliche Veranstaltung fand... und es merkwürdig war wie sehr die Grünen dafür waren?
    und war es nicht bezeichnend, dass die Grünen da lieber die sog Neutralität vertraten als die klare Kante?
    warum konnte sich die Grünen nie gegen die Sozialverweser durchsetzen....(hätte dann doch besser das Anti-Bürger-Original wählen können als...)
    und ist den Grünen bewusst wie verlogen ich den Satz mit dem Kostendeckel finde.... da lachen doch die Hühner..... erst wird gebaut und dann zahlt Stadt, Land, und Bund und Kunde...... und unsere Kinder, unser Sozialsysteme, unsere Schule, unsere Kultureinrichtungen

    Hier findet -dank der Grünen- eine gigantische Bürgerverarschung statt.... (Merkels die Konten sind sicher und Kohls blühende Landschaften in einer Reihe..)
    es wurde mir eine mich verachtende Bürgergouvernante aufgezwungen, die mir dauernd sagt, ich hätte keine Ahnung...... sei nur trotzig. Kretschi geht gen Herrenknecht... und ist selbstverliebt bis zum Anschlag und sülzt permanent von Dialog wo ich nur Laberstunden sehe....

    und den Grünen in ihrem Wohlstandshäusern ist offensichtlich nicht klar dass hier im Kessel Menschen wohnen, Kinder leben..... neue Mobilität.... wenn man DAS Projekt das diese Möglichkeit Geld in die Hand zu nehmen und lebenswerte Zukunftspläne zu machen konterkariert...
    Wo wollen Sie denn mobil sein? Bei 4 gigantischen Einkaufszentren, die lt Schuster 3 000 000 000 Menschen aus dem Kreis in die Stadt locken sollen?

    die Grünen haben mir vermittelt wenn, ja wenn auch der Ob von den Grünen ist dann erst dann... können sie jederzeit Lenkungskreis einberufen (LGPCK), dann können sie gestärkt die Geldquellen versiegen lassen (LGPCK) (oder warum wird immer noch viel Geld für PR von Stadt und Land bezahlt (Turm,Rathaus oder die diffamierende (das tut auch weh was ich da auf meine Kosten zu lesen bekomme) BEZUGs Zeitung und der noch schlimmere Dementrich,) All das muss ich ertragen und bezahlen TROTZ Grüne!!

    und: erklär mir doch endlich mal jemand warum die in Schuttgart verhassteste Person von Euch mit Ehrenbürger (Wölfle) und Professorentitel (Kretschmann) versehen wurde: mehr Verarschung/mehr Verachtung/ mehr un-empathisches Verhalten geht kaum noch!!!

    also wenn hier dauernd "ich bin verletzt" geschrien wird: wie wär es mal nachzuschauen wie es den Mit-Menschen geht, denen ihr Euren bezahlten Job zu verdanken habt?
  • Werner Ott
    am 08.09.2013
    Liebe Redaktion,

    seid ihr jetzt kurz vor der Wahl "grün...aufgewacht"?

    Im Editorial, also im Leitartikel, euch dazu verleiten zu lassen, so deutlich-indirekt die Grünen zu unterstützen und inhaltlich höchst zweifelhaft - denn welchen "Ausweis" wollt ihr noch haben? - gegen die LINKE anzuschreiben, indem ihr z.B en passant das Hauptengagement im Vergleich zu S 21 von Marta Aparicio und Christina Frank so stark in den Vordergrund rückt, halte ich für höchst bedenklich.
    Ich dachte, ich hätte eine kritische, überparteilich Zeitung abboniert. Ihr könnt euch nicht als Redaktion so für Grün positionieren! - einzelne von euch meinetwegen.

    Ich erwarte also, dass in der nächsten Ausgabe dieser Ausrutscher korrigiert wird. Es gibt ja auch noch das "Opposite Editorial"!

    Mit freundlichen, leicht bedenklichen Grüßen

    Werner Ott
  • Reinhard M
    am 07.09.2013
    Wer hätte das gedacht, die Kontex Redaktion lässt sich von den Grünen in den Wahlkampf einbinden. Grün ist nicht aufgewacht, Grün versucht uns Wähler weiterhin einzulullen mit Märchen wie in der Volksabstimmung wurde über das S21 Projekt entschieden. Im Editoral setzt die Redaktion dem dann auch noch das Sahnehäubchen auf. Nach zwei Jahren Untätigkeit in der Landesregierung wird jetzt die Schuld am Weiterschreiten des S21 Projekts den Bürgern zugeschoben. Wofür sind die Grünen denn an die Macht gewählt worden? Um am Ruder dann still zu halten und weiter den Kurs der CDU Landesregierung zu fahren?
  • G.Siegel
    am 05.09.2013
    @Arne Großmann

    Ihr Kommentar trifft exakt den "Nagel auf den Kopf", ich kann den Frust der S21-Gegner oder K21-Befürworter sehr gut nachvollziehen, weil ich diesen ebenso habe. Trotzdem verstehe ich die beiden Parkschützer nicht, denn wie Sie schreiben, sie unterstützen damit genau die Kandidaten, die sie am allerwenigsten wollen.
  • tom adler
    am 04.09.2013
    Grün ist aufgewacht, meint das "Editorial" feststellen zu können,weil Winfried Hermann von seinem dicken Hals erzählen darf im Kontext-Interview und Anton Hofreiter für Cem Özdemir gegen S21auftreten darf im DGB-Haus. Grün ist nicht "aufgewacht", sondern wir sind zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl. Und es ist wohlkalkulierte Wahlkampfstrategie, in Stuttgart und dem Einzugsgebiet des S21-Protests jetzt einen schärferen Ton anzuschlagen als sonstwo im Bundestagswahlkampf, wo Grün Stuttgart 21 nicht weniger de-thematisiert als die erklärten Pro-Parteien. Siehe den heutigen Bericht über den Auftritt von MP Kretschmann in Bretten auf parkschützer.de. Eine ernstzunehmende Beurteilung, ob grün aufwacht und handelt gegen S21 oder wie bisher nichts wesentliches tut, um das Fakten schaffen der Bahn wenigstens zu behindern, dürfte nicht auf Wahlkampf-Parolen beruhen, die auf dem besonde Pflaster Stuttgart abgesondert werden. Sondern auf der Beurteilung dessen, was Grün gegen S21 tut, wenn Grün in Machtpositionen gewählt wurde und regiert. Diesen Lackmus-Test haben wir ja nun bereits hinter uns.

    Käme die "Aufgewacht"-Diagnose wenigstens nach konkreten Änderungen im Handeln der Landesregierungsgrünen oder des grünen OB 2 Wochen vor der Wahl, wäre das ein seriöser, objektiver Beitrag. Das ist dieses Editorial nicht, auch wegen seiner unnachvollziehbar schlampigen Argumentation zur LINKEn, was auch Bernd Öhlers Kommentar (4.9.,11:47) aufzeigt. Nein, es ist schlicht ein Wahlaufruf. Peinlich für KonText.
  • Stefan Dreher
    am 04.09.2013
    Ein Super-Artikel! Die Grünen sind gegen S21. Und die Linke tut nur so. Zitronenfalter falten Zitronen und der Papst ist evangelisch.
  • Arne Großmann
    am 04.09.2013
    Ich weiß nicht, was Frank Schweizer zu der Darstellung verleitet, bei der kommenden Bundestagswahl würde nur mit der Zweitstimme direkt über die Person der/des Bundeskanzler(s)in entschieden. Staatsbürgerkunde: Note 5-6 setzen,
    Die/der Bundeskanzler(in) wird in geheimer Wahl durch alle Mitglieder des am 22. September zu wählenden Parlamentes bestimmt, egal ob diese per Erst- oder Zweitstimme eingerückt sind. Sicher ist wohl jetzt schon, dass weder die Kandidatin noch der Kandidat aus der Parkschützerecke genügend stimmen sammelt, um in direkter Wahl per Erststimme ins Parlament einzuziehen. Die Wählerstimmen, die diese beiden Kandidaten erhalten, mögen zwar gut gemeint sein als Protest gegen S21, bewirken aber genau das Gegenteil, sorgen nämlich dafür, dass diese Stimmen dem Kandidaten Cem Özdemir fehlen und - schlimmer, viel schlimmer noch, dem Kandidaten Kaufmann (CDU und erklärter PROler) zugute kommen und dieser dann trotz mangelnder Listenplatzabsicherung in den Bundestag einziehen kann. Alle Özdemir fehlenden Erststimmen wirken sich also in der Realität als Unterstützung für die Projektbefürworter aus. Ich werde deshalb meine Erststimme auf keinen Fall dem Kandidaten der Parkschützer geben! Ich will keinen Kaufmann durch die "Frank Schweizer"-Hintertür. So naiv bin ich dann auch wieder nicht.
  • Heike
    am 04.09.2013
    Wenn die Linke keine "ausgewiesene S21-Gegenpartei" ist, wer dann??? Hat der Autor eigentlich mitbekommen, wieviele Anfragen die Linke schon im Bundestag zu S21 gestellt hat? Wie sich Sabine Leidig dort unermüdlich gegen S21 engagiert?
    Soll hier Wahlwerbung für die Grünen gemacht werden? Nein, danke.
  • G. Siegel
    am 04.09.2013
    @Markus Hitter,

    Ihre Frage: " was empfindet man bei der SPD, CDU, FDP mit all den Schieflagen beim Bau? " müssen Sie an diese Parteien richten. Diese lassen doch dieses Thema, vor der Wahl und am liebsten gänzlich, unter dem Tisch verschwinden.

    Also richten Sie diese Frage direkt an diese Parteien und veröffentlichen Sie dann die Antworten in Kontext.
  • Frank Schweizer
    am 04.09.2013
    S21 hin oder her. Entschiedene Parteien gegen S21 sollten die Zweitstimmen bekommen. Die Kanzlerschaft wird mit den Zweitstimmen entschieden. In Stuttgart sind die Erststimmen für die Kandidaten lediglich Streicheleinheiten, die innerparteilich relevant sind. (Auf konservative Ausnahmen möchte ich nicht eingehen). Allein viele Erststimmen für die Kandidaten der Netzwerke könnten ein klares überparteiliches zeichen setzen und ggf sogar Mandate bringen, die noch einer auf dem Schirm hat.
  • Markus Hitter
    am 04.09.2013
    Ein eigenartiger Kommentar. Obere und untere Hälfte passen nicht zusammen. Oben wird über die Befindlichkeiten einer Partei geschrieben, unten über die Situation zweier anderer Parteien. Befindlichkeit und Situation sind zweierlei Dinge. CDU und FDP kommen überhaupt nicht vor.

    Wie also ist die Situation der Grünen nach Meinung des Autors? Oder was empfindet man bei der SPD, CDU, FDP mit all den Schieflagen beim Bau? Das fände ich interessant.
  • Bernd Oehler
    am 04.09.2013
    Na, dann werden wir doch mal inhaltlich.
    Die Linke ist keine ausgewiesene S-21-Gegenpartei, denn
    1. sie hat »als Einzige das Thema wohlbegründet, in ihrem Wahlkampfprogramm«
    2. »Christina Frank […] steht als Verdi-Frau für den Einsatz gegen prekäre Arbeitsverhältnisse«
    3. »Marta Aparicio [steht] für eine humane Asylpolitik«
    4. Bernd Riexinger hat nicht immer Zeit für die Montagsdemo und vor allem »der Chef der Linken ist kein Walter Sittler«.
    Aha. Vor allem Letzteres ist ein gewichtiges Argument, denn die beiden sehen sich ja zum Verwechseln ähnlich und Parteichefs müssen ja auch immer ein wenig Schauspielern, gell?
    Was aber wären echte ausgewiesene S-21-Gegenparteien? Nun, sie haben das Thema nicht im Wahlprogramm, schließen dafür hie und da ein paar überflüssige Musikschulen, bauen Lehrerstellen ab, sorgen für den Verkauf von Sozialwohnungen an profitorientierte Investoren und begleiten vor allem den Bau von S 21 staatsmännisch und zuverlässig und lassen sich von so blöden Themen wie als Bahnhof getarnten Immobilienprojekten oder dubiosen Finanzierungskonstrukten nicht weiter beirren.
    In summo: echte ausgewiesene S-21-Gegenparteien werden S 21 echt & ausgewiesen so was von … äh, bauen.
    Auch Walter Ulbricht war bekanntlich ein ausgewiesener Gegner eines Mauerbaus.
  • G. Siegel
    am 04.09.2013
    Ich kann weder Frau Lilliason noch Herrn Oehler zustimmen. Der Absatz über die Linken ist weder unverschämt noch antikommunistisch geschweige subversiv. Die Darstellung entspricht schlicht den realen Tatsachen nicht mehr und nicht weniger!

    MfG G. Siegel, Stuttgart
  • Bernd Oehler
    am 04.09.2013
    Ich stimme Frau Lilliason zu: der Absatz über die Linke ist eine Unverschämtheit und reiht sich ein in das permanente Linken-Bashing der Mainstream-Medien.
  • Merit Lilliason
    am 04.09.2013
    Man muss wohl noch ziemlich benebelt sein vom kräftigen Schluck aus der antikommunistischen Pulle, seinerzeit Jahrgang 1950-irgendwas, Adenauer/Churchill/McCarthy/Filbinger-Cuvée, um derartige Unlogik zu generieren:

    >Für die Linke ist die Lage einfacher. Sie hat ihren Chef Bernd Riexinger und ihre kundige Verkehrsexpertin Sabine Leidig nach Stuttgart geholt, um beide die Bahnpolitik im Allgemeinen und Stuttgart 21 im Besonderen für gescheitert ("100 % asozial") erklären zu lassen und die Grünen als Zaungäste des Projekts zu kritisieren. Da werden sie viel Zustimmung kriegen und womöglich auch noch die eine oder andere Stimme dazu, aber es macht sie nicht zur ausgewiesenen S-21-Gegenpartei. Auch wenn sie als Einzige das Thema, wohlbegründet, in ihrem Wahlkampfprogramm hat.<

    Wahlwerbung für Cem! (oder andere grüne Eisbergsalate) kann man auch anders machen. Nur sollte man dafür nicht -sich subversiv wähnend, tatsächlich jedoch plumpes Polit-Product-Placement betreibend- ein Editorial einer unabhängigen Zeitung be-nutzen, denn Kontext, remember: so, wie man sich (em)bettet, lügt man ;)

    MfG - Merit Schumacher-Lilliason/Kopenhagen

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!