Zuerst haben wir uns mit drei Schülerinnen von unserer Schule getroffen und sie interviewt. Weil wir sie schützen wollen, nennen wir ihre Namen nicht.
Wurdet ihr schon mal diskriminiert in der Schule?
Person 1: Ja, weil wir schwarz sind.
Person 2: Oft sogar.
Person 3: Es gibt viele Rassisten auf dieser Welt.
Wollt ihr erzählen, was genau passiert ist?
Person 1: Also, bei mir war es schon oft so, dass die Jungs Affe zu mir sagen. Oder zum Beispiel, dass die das Licht ausmachen, wenn wir einen Film gucken. Und dann sagt plötzlich einer: Oh mein Gott, wo ist sie denn?
Findet ihr es lustig, wenn ihr drei gegenseitig so etwas zu euch sagt?
Person 1: Ja, ich finde es lustig untereinander.
Person 2: Aber das dürfen nur Schwarze sagen.
Gibt es andere Personen, zum Beispiel eure Freundinnen oder Freunde, bei denen ihr es lustig findet?
Person 1: Ja, bei schwarzen Freunden. Aber bei weißen Freunden finde ich es nicht lustig, nö.
Ist euch in der Schule schon mal so etwas passiert?
Person 3: Ja, das ist schon länger her, da hat jemand zu mir das N-Wort gesagt.
Person 2: Ja, ich bin auch als N-Wort bezeichnet worden. Schon drei Mal. Von zwei Jungs. Oder die sagen Black Monkey zu mir und diskriminieren meine Lippen, weil die anders aussehen. Sie sagen dann, dass ich sie gespritzt habe. Oder sie sagen Sucuk-Lippen. Über meine Nase sagen sie auch Sachen. Gestern hat ein Junge neben mir gesagt, dass zwei Filzstifte in meine Nasenlöcher passen, weil sie so groß sind.
Traurig. Findet ihr das schlimm?
Person 1: Ja, sehr.
Person 2: Ich finde das sehr schlimm.
Sprecht ihr mit Lehrerinnen oder Lehrern darüber, wenn sowas passiert?
Person 2: Ja. Frau Kurrle war früher unsere Klassenlehrerin und mit ihr konnte man immer darüber reden, wenn man diskriminiert oder beleidigt wurde. Auch wenn man irgendwas anderes hat oder Leute was gegen einen sagen, weil man irgendwas nicht kann, dann kann man mit ihr gut reden.
Wir finden Rassismus und Diskriminierung schlimm. Deshalb haben wir auch unsere Schulsozialarbeiterin Simone Brand zu diesem Thema interviewt:
Frau Brand, haben Sie schon mal Diskriminierung von Schülerinnen und Schülern erlebt?
Ja, das habe ich. Ich bin seit 2000 Schulsozialarbeiterin in Stuttgart und hier an der Bismarckschule seit 2009. Natürlich nenne ich keine Namen, aber ich habe viel Diskriminierung wegen der Hautfarbe oder der Herkunft miterlebt.
Was machen Sie dann?
Ich versuche immer, dass die verschiedenen Parteien wieder miteinander ins Gespräch kommen. Aber manchmal ist es sehr verhärtet. Ein Eklat war zum Beispiel Arabisch gegen Israelisch, da ist ja jetzt gerade wieder Krieg. Das war vor drei Jahren auch sehr extrem, da gab es viele Streits und teilweise kam auch Mobbing vor.
Wurden auch schonmal Lehrende diskriminiert an dieser Schule?
Ich weiß, dass wir schon auch Lehrkräfte hatten, die darunter leiden, wenn die Schüler über sie lachen. Ob man klamottenmäßig nicht im Style ist von der Jugend, oder wenn jemand aus der Klasse sagt: Was hat die denn für einen ekligen Rock an, und die Lehrerin hört das. Da haben sich schon manche diskriminiert gefühlt, ja. Wir haben keine Lehrerinnen und Lehrer, die eine dunkle Hautfarbe haben. Aber einen Tänzer von der AWO. Der sagt, wenn er mit den Schülerinnen und Schülern tanzt, wird er gerade weil er eine andere Hautfarbe hat, akzeptiert. Weil das eben ein Projekt ist und kein Unterricht. Eine dunkelhäutige Lehrerin haben wir nicht, das wäre interessant.
Wie gehen die Lehrenden damit um, wenn eine Schülerin oder ein Schüler diskriminiert wird?
Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man das sieht. Dass man es mitbekommt und darüber redet. Ob im Einzelfall oder im Klassenrat. Und ich bin mir sicher, dass alle Lehrerinnen und Lehrer auch im Studium gelernt haben, oder auch einfach als Menschen, dass man sich dann einsetzt. Dass man aufeinander zugeht. Diskriminierung ist ja nicht nur an unserer Schule verboten, sondern soll auf der ganzen Welt nicht passieren.
Wenn ein Lehrer diskriminiert wird, was macht denn dann die Schule?
Das ist eine gute Frage. Natürlich kann man das mit Kolleginnen und Kollegen besprechen. Oder mit der Schulsozialarbeit. Und natürlich gibt es auch so etwas wie ein Supervisions-Team für Lehrerinnen und Lehrer. Bei der schulpsychologischen Beratungsstelle könnte man sich auch Rat holen. Dann gibt es noch eine Gewerkschaft, die sich einsetzt für den Berufszweig. Da kann man sich auch Beratung holen. Es ist wichtig, dass Lehrerinnen und Lehrer genauso darüber reden, wenn sie abends traurig sind oder etwas nicht verarbeiten können. Nicht nur Diskriminierung, auch wenn man nicht wertgeschätzt wird, wenn man immer Lachen abkriegt zum Beispiel, oder ständig von der Klasse hört: Sie verstehen uns nicht!, Ihr Unterricht ist so langweilig! Sie geben so schwere Hausaufgaben! Das tut auch weh.
Haben Sie schon mal Diskriminierung erlebt?
Ich selber sehe einfach sehr deutsch aus. Und ich bin schon älter, das ist ein Vorteil. Ich selber habe noch keine Diskriminierung erlebt. Wobei, als Frau am Anfang von meinen Arbeitsjahren haben mich manche Rektoren oder auch ältere Kollegen sehr blöd angemacht. Das ist Diskriminierung, weil ich eine Frau bin.
Wurden denn schon Schüler von Lehrkräften diskriminiert?
Vor vielen Jahren sind Schüler auf mich zugekommen und haben erzählt, dass ein Lehrer gesagt hätte, geht doch zurück in euer Land. Oder: Ihr Ausländer, das ist ja furchtbar mit euch. Der eine Schüler war sehr traurig, der hatte sehr dunkle Haut, er kam von der Elfenbeinküste. Das ist schlimme Diskriminierung. Das ist Rassismus und sowas von daneben und respektlos, das geht gar nicht. Wenn man sowas mitkriegt, kann man zur Rektorin gehen und ihr das sagen.
Zum Schluss haben wir noch eine wichtige Botschaft von den Schülerinnen und Schülern, die wir zuerst interviewt haben. Sie sagen: No racism an dieser Schule, please!
Dieser Artikel ist Teil des Medienprojekts der Kontext-Wochenzeitung mit der Bismarckschule in Stuttgart-Feuerbach. Zur gesamten Schulausgabe geht es hier.




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