Rund um den Oberrhein ist es nicht nur an der Oberfläche wärmer als anderswo. Auch tief unter der Erde speichert der Graben ungewöhnlich viel Wärme: heißes Wasser aus mehreren tausend Metern Tiefe, Energie für Städte und Gemeinden, vielleicht auch Lithium für Batterien.
Doch der Untergrund ist nicht nur eine potentielle Energiequelle. Der Oberrheingraben ist eine rund 300 Kilometer lange geologische Senke entlang des Rheins; zwischen Basel und Mainz liegt hier einer der bedeutendsten Grundwasserspeicher Westeuropas. Rund fünf Millionen Menschen werden aus ihm mit Trinkwasser versorgt. Wer in die Tiefe blickt, kommt deshalb am Wasser darüber nicht vorbei. Und genau dieses Wasser ist an vielen Orten bereits belastet. Das zeigt ERMES-ii, eine grenzüberschreitende Untersuchung des oberflächennahen Grundwassers durch Fachstellen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Das Ergebnis: fast überall Spurenstoffe, an mehr als jeder zweiten Messstelle mindestens eine Überschreitung von Schwellenwerten. Gefunden wurden unter anderem Pestizid-Abbauprodukte, PFAS, TFA, Nitrat, Arzneimittelrückstände und Industriechemikalien. Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU) spricht von "erheblichem Handlungsbedarf" und fordert, "konkrete Maßnahmen abzuleiten".
Das klingt abstrakt, ist es aber nicht. Viele dieser Stoffe sind langlebig, mobil oder nur mit Aufwand wieder aus dem Wasser zu holen. Je mehr Stoffe im Rohgrundwasser auftauchen, desto größer werden Aufwand, Kontrolle und Kosten für die Trinkwasserversorger, um die Ressource zu schützen.
Tiefengeothermie im belasteten Raum
Die Tiefengeothermie trifft also auf ein bereits belastetes Gebiet — und sie birgt neue Risiken. Denn die Folgen von Bohrungen, Abdichtungen, Betriebsstoffen sind unklar. Und wie sicher ist die Rückführung von salz- und mineralreichem Tiefenwasser? Gelangt diese Sole in Süßwasserbereiche, kann sie Grundwasser versalzen, chemisch verändern und die Trinkwassergewinnung erschweren.




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