Oh, wie schön können Briefkästen sein. Foto: Pixabay

Oh, wie schön können Briefkästen sein. Foto: Pixabay

Ausgabe 263
Wirtschaft

Schlupflöcher schließen

Von Jürgen Lessat (Interview)
Datum: 13.04.2016
Armin Renz hat eine Briefkastenfirma. Jährlich liefert er bis zu einer Million reale Anlagen für Briefe und Pakete. Schwarzgeld und Geldwäsche kommen ihm nicht in den Kasten. Und den Ruf seines Familienunternehmens will er sich von Scheinfirmen nicht kaputt machen lassen.

Herr Renz, Sie besitzen eine Briefkastenfirma. Können Sie nach Enthüllung der Panama-Papiere morgens noch in den Spiegel schauen?

Aber sicher! Denn wir stellen echte Briefkästen her. Es handelt sich bei uns um keine Scheinfirma, sondern wir sind ein traditionsreiches Unternehmen in Familienbesitz. Die Renz-Gruppe stellt jährlich Briefkasten- und Paketkastenanlagen für bis zu eine Million Wohneinheiten her.

Mal ehrlich: Haben sich bei Ihnen schon einmal Steuerhinterzieher, Despoten und Mafiosi nach dem passenden Briefkasten für Schwarzgeld erkundigt?

Davon ist mir nichts bekannt. Unsere Kunden interessieren sich wirklich nur für unsere Produkte, um damit Eigenheim, Mehrfamilienhaus oder Gewerbegebäude auszustatten.

Na schön, das wollen wir so glauben. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie hörten, dass eine einzelne Anwaltskanzlei in Panama rund 200 000 Briefkastenfirmen gegründet hat?

Mit Scheinbriefkästen kann Renz keine echten Geschäfte machen. Foto: Renz
Mit Scheinbriefkästen kann Renz keine echten Geschäfte machen. Foto: Renz

Zunächst fand ich es schade, dass diese Masse an Firmen wohl nur auf dem Papier existiert. Natürlich hätten wir diesen gern auch unsere Briefkästen geliefert. Doch ich vermute, dass sämtliche Post an diese Unternehmen in einer einzigen PO-Box in Panama landet. Mit Scheinfirmen ist für uns wohl kein Geschäft zu machen.

Ich meinte eigentlich die wirtschaftspolitische Dimension der Enthüllungen …

Natürlich ist es nicht akzeptabel, dass Steuerhinterzieher und andere Kriminelle durch derartige Firmenkonstruktionen in exotischen Steueroasen ihre Taten und Geldströme verschleiern können. Der Ehrliche, der seine Steuern erklärt und zahlt, ist leider wieder mal der Dumme.

Was müsste denn geschehen?

Die politisch Verantwortlichen müssen alle Schlupflöcher für Steuerbetrug und Geldwäsche schließen. Und das nicht nur in der Karibik, sondern auch in Europa. Damit große internationale Konzerne auch nicht durch die Wahl ihres Unternehmenssitzes in einem Niedrigsteuerland wie beispielsweise Irland legal Steuern sparen können. Das Problem ist wohl nur global zu lösen.

Können Sie das näher erläutern …

Es ist eigentlich ganz einfach: Jeder Bürger und jedes Unternehmen muss dort steuerpflichtig sein, wo die Wertschöpfung entsteht. Also in dem Land, wo Arbeiter oder Angestellte tätig ist, wo das Unternehmen produziert oder die Dienstleistung erbringt. Wenn dies der Fall wäre, dann hätten wir sicher nicht die wirtschaftlichen Verwerfungen im Euroraum bekommen, müssten uns nicht mit einer Griechenland-Krise dieses Ausmaßes herumschlagen.

Wie viel Geld passt überhaupt in einen handelsüblichen Briefkasten?

Da bin ich leider überfragt. Ich habe gehört, dass es inzwischen Online-Rechner geben soll, mit denen sich das Packmaß von Geldscheinen unterschiedlicher Währungen berechnen lässt. Unsere Standbriefkästen haben ein Volumen zwischen zehn und 30 Litern. Ich müsste raten, ob da eine Million reinpasst.

Armin Renz am firmeneigenen Briefkasten. Foto: Renz
Armin Renz am firmeneigenen Briefkasten. Foto: Renz

 

Info:

Armin Renz (47) ist Mitinhaber und geschäftsführender Gesellschafter der Erwin Renz Metallwarenfabrik GmbH & Co KG aus Kirchberg an der Murr, rund 30 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Das Unternehmen, im Jahr 1925 gegründet und in der dritten Generation geführt, gilt heute europaweit als führender Brief- und Paketkastenhersteller mit Tochterunternehmen in Dänemark, Frankreich und Großbritannien. Im Stammwerk in Kirchberg und im Zweigwerk Döbeln in Sachsen beschäftigt es rund 460 Mitarbeiter. In ganz Europa zählt die Renz-Gruppe aktuell rund 700 Mitarbeiter.


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