"Es war einmal ein Krieg", erzählt die Stimme eines Mädchens. Die Kamera streicht über eine Steppenlandschaft. "Viele Männer gingen weit fort, um zu kämpfen. Ihre Frauen ließen sie allein zurück. Als sie wiederkamen, hatten ihre Frauen mehr Kinder als zuvor. Da haben sich die Männer zusammengesetzt und überlegt, was sie tun könnten, um zu verhindern, dass ihre Frauen mit anderen Männern schlafen." Eine junge afrikanische Frau geht vorbei an Büschen, trägt ein Tongefäß auf ihrem Kopf, wendet sich um, blickt in die Kamera. "So kamen sie auf die Idee, dass alle Frauen beschnitten werden sollten, um ihre Sexualität zu unterdrücken." Dann wechselt die Erzählung den Ort und die Person. Selenna sitzt an ihrem Schminktisch. "Es gab Zeiten", sagt sie, "da habe ich zu meiner Mutter gesagt: 'Mama, warum kann ich keine Frau sein, wenn ich groß bin?'"
Ruhig und konzentriert stellt Sigrid Klausmanns Film "Girls don't cry" schon in den ersten zweieinhalb Minuten zwei sehr unterschiedliche Schicksale vor: Nancy, die sich in Tansania der weiblichen Genitalverstümmelung entzog, Zuflucht in einem Schutzhaus der Organisation "Hope for Girls and Women in Tanzania" fand, und Selenna, die als Transgender-Person in Chile lebt. Vier weitere junge Frauen werden ihre Geschichte erzählen: Sheelan, ein jesidisches Mädchen aus dem Nordirak, das vor dem IS floh und nun in Tübingen lebt. Nina, eine Roma, die aus Deutschland nach Novi Sad in Serbien abgeschoben wurde. Paige aus Coventry, Großbritannien, die sich mit 16 Jahren gegen eine Abtreibung entschied. Sinai, die in Südkorea, dem Land, in dem die meisten Schönheitsoperationen vorgenommen werden, den schönen Schein ignoriert und sich stattdessen auf die Weltmeisterschaften im BMX-Rennen vorbereitet. So unterschiedlich ihre Geschichten auch sind, all diesen Protagonistinnen ist eine stille Zuversicht gemein: Ihre Situation mag ungewöhnlich sein oder schwierig – sie sind entschlossen, sie zu meistern.




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