Ausgabe 121
Schaubühne

O heilige Barbara, hilf

Von unserer Redaktion
Datum: 24.07.2013
Der Minister kommt mit dem Hubschrauber, fährt 150 Meter mit dem Mercedes, Pfarrer singen, und die heilige Barbara, die Patronin der Pyrotechniker und Totengräber, wacht über alle. Da kann nichts mehr schiefgehen beim Tunnel-Anschlag auf der Alb bei Hohenstadt. Unser Fotograf Martin Storz war dabei.

Die Limousine fährt vor, blitzblank, nachdem sie nur 150 Meter vom Hubschrauber wegrollen musste. Peter Ramsauer (CSU) und Gattin Susanne steigen aus und treffen als Erstes auf einen alten Bekannten: Georg ("Schorsch") Brunnhuber. Der 65-jährige Ostälbler saß früher für die CDU im Bundestag, daneben im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn und ist heute deren politischer Cheflobbyist. Ein fröhliches "Grüß Gott" gilt auch der Delegation österreichischer Baufirmen sowie untergeordneten Eisenbahnvertretern wie S-21-Kommunikationsvorsteher Wolfgang Dietrich.

Mit Sonnenbrille tritt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) von links zu der aufgeräumten Gruppe und holt sich, leicht unfröhlich, Geburtstagsglückwünsche (19. Juli/61) von Ramsauer ab. Danach bewegen sich die Anzüge zum Tunneleingang, wo schon weitere wichtige Personen warten. Unter anderem Ivo Gönner (SPD), der Oberbürgermeister von Ulm, der mit der Neubaustrecke schneller erreicht werden will. Als letzter trifft der Bauherr Rüdiger Grube (Bahnchef) ein.

Vor dem Rednerpult steht ein kleiner Altar, auf dem eine große und eine kleinere heilige Barbara thront. Sie ist die Patronin der Bergleute, Kampfmittelbeseitiger, Gefangenen und Totengräber. Besonders nahe ist ihr der S-21-Diakon Peter Maile, der sich um das Wohl der Arbeiter kümmern soll. Zusammen mit seinem Wiesensteiger Kollegen Jörg Schaber (an der Gitarre) intonieren sie das Lied "Danke für meinen Arbeitsplatz, danke für diesen schönen Tag". 

Derweil schöpft Tunnelpatin Susanne Ramsauer zusammen mit dem österreichischen Bohrunternehmer Karl-Heinz Strauss (Porr) und der heiligen Barbara Mut für ihren Flaschenwurf, der nach dem vierten Mal klappt. Draußen, weit weg und hoch oben, rufen neun S-21-Gegner "Lügenpack".

Das Spektakel gibt es hier sogar im Bewegtbild: Grüßi Gott, Herr Ramsauer!


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

4 Kommentare verfügbar

  • Die Lerche
    am 26.07.2013
    Liebe Redaktion,
    zwei in meinen Augen wichtige Aspekte habt ihr in eurem Artikel nicht aufgenommen:

    1. In dem Video sieht man sehr schön, wie der Herr Ramsauer mit seiner Frau umgeht. Immer schön im Hintergrund halten. Nachdem er alle begrüßt hat, wendet er sich gnädig zu ihr um und schiebt sie nach vorne, damit sie auch die Hände der Anwesenden schütteln kann. Für jeden ritterlicher Mann ist es selbstverständlich, dass er zuerst die Dame begrüßt.

    Aber hier handelt es sich nicht nur um eine Dame (und Ehefrau eines Ministers), hier handelt es sich um die Stellvertreterin der Heiligen Barbara auf Erden. Ein ähnliches Amt hat nur der Papst. Diese Ehrung der Rolle zu missachten, ist eines Katholiken nicht würdig (oder ist die Religionszugehörigkeit des Ministers auch nur Staffage?)

    2. Das Anschleimen des Bahnvertreters, Herrn Breidenstein, an den VM ist ab Minute 2:50 zu verfolgen. Er will sich und einen Kollegen unbedingt ins Spiel bringen. Herr Herrmann schüttelt kurz die Hände, auf das gewünschte nähere Kennenlernen hat er offensichtlich wenig Lust. Er flieht die beiden Herren und lässt sie (mit dem Gefühl einem wichtigen Mann in ihrem Projekt die Hand geschüttelt zu haben?) zurück.

    Trotz dieser leisen Kritik, der Artikel fängt die Stimmung prima ein, das Bild von dem jesusmäßigen Herrmann ist hervorragend ausgesucht.
    Weiter so mit der kritischen Berichterstattung!
  • Karin Koch
    am 25.07.2013
    Ob diese sexy Grubenheilige den mangelhaften Brandschutz während der Bauarbeiten ersetzen kann?
    Siehe:
    http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Grubenwehr-noch-nicht-einsatzbereit-Kreisbrandmeister-inspiziert-Steinbuehltunnel;art4319,2100640
  • dortgewesen
    am 24.07.2013
    wie kommt der Reporter auf 9 Gegner von S21 ? Ich war einer davon und in "meiner" Gruppe waren es 7 Leute - dann kamen auf einem anderen Weg ca. 15 dazu = 24 Leutchen (...oder gar 30 ?) .... und es diese Leute waren nicht nur "gegen S21" , sondern auch gegen die NBS. Warum wurden nur "9" wahrgenommen? Antwort: es waren auf JEDER Seite mind. 9 Leute
  • thomas a
    am 24.07.2013
    Der Hubschrauber ist das eine. Die S-Klasse hatte Berliner Kennzeichen.

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr
unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.
JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!