Hat einen guten Draht nach oben: SPDler und Stuttgart-21-Fan Claus Schmiedel. Fotos: Jens Volle

Ausgabe 361
Politik

Gottes Segen hält

Von Josef-Otto Freudenreich (Interview)
Datum: 28.02.2018
Kaum einer konnte die S-21-Gegner so in Wallung bringen wie Claus Schmiedel. Besonders mit seinem Satz, Gottes Segen liege auf dem Projekt. Während andere Freunde des Tiefbahnhofs längst abgetaucht sind, spricht der frühere SPD-Fraktionschef. Auch über seine Partei.

Herr Schmiedel, vor sechs Jahren haben wir über Gottes Segen gesprochen. Lassen Sie uns aus aktuellem Anlass mit der SPD beginnen. Wie sieht's denn hier mit dem Wohlwollen des Allmächtigen aus?

Gottes Segen ruht generell auf der SPD, weil Sozialdemokraten gute Werke verrichten wollen, und das seit mehr als 150 Jahren. Zum Nutzen und Frommen der Menschheit.

Da muss der liebe Gott in den vergangenen Jahren einiges übersehen haben. Kann es sein, dass ihm etwa die Agenda 2010 entgangen ist?

Obacht. Mit der Agenda und Gerhard Schröder haben wir 2005 noch einmal ein prächtiges Ergebnis bei der Bundestagswahl eingefahren. Da hat nur ein Muckefurz gefehlt, und wir hätten die Merkel geschnappt und Schröder wäre Kanzler geblieben.

Aber Sie werden nicht ernsthaft bestreiten wollen, dass Ihnen die Agenda immer noch in den Klamotten hängt.

Das stimmt, und das liegt daran, dass die Gewerkschaften die Linken gepäppelt haben und daraus eine Partei entstanden ist, mit der wir noch einige Zeit zu tun haben werden. Innerparteilich ist das Thema durch.

Die SPD hat 2005 noch 34,2 Prozent erreicht. Im vergangenen Jahr waren es 20,5 Prozent. Jetzt liegen Sie bei 17. Alle zur Linken abgewandert?

Gerhard Schick

Claus Schmiedel (66) ist sich immer treu geblieben: Einmal Sozi, immer Sozi. Einmal S-21-Fan, immer S-21-Fan. Die SPD lasse ihn ein Leben lang nicht los, sagt er, und der Tiefbahnhof wird das Leben für alle besser machen. Zweifel ausgeschlossen. Daran ändert auch der Besuch in der Kontext-Redaktion nichts.

Dass der Ex-SPD-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag (2008 – 2016) an seiner Partei leidet, ist so offenkundig wie sein betonhartes Festhalten am „Jahrhundertprojekt“, zu dessen Bau er, nach eigener Einschätzung, „nicht ganz unmaßgeblich“ beigetragen hat. Nun ist das Wahlvolk bisweilen undankbar und hat die GenossInnen im Land 2016 arg abgestraft, was Schmiedel den Sitz im Landtag und die politische Bedeutung gekostet hat. Kurz danach wurde er „Direktor für Innovation und Globalisierung“ bei der Steinbeis-Hochschule Berlin, die auch die Deutsche Bahn zu ihren Partnern zählt. Bei der Critalog GmbH in Heilbronn, einem im Oktober 2017 gegründeten IT-Unternehmen, ist der Ludwigsburger zum Geschäftsführer bestellt. Ohne Gehalt, betont Schmiedel. (jof)

Nein. Es ist nicht zu bestreiten, dass die SPD massiv abgebaut hat. Zu unseren Hochzeiten Anfang der 70er-Jahre standen wir für eine positive Zukunftsvision: Demokratie wagen. Heute reiht sich die SPD ein in den Chor derer, die warnen, die verhindern und verbieten wollen. Wir wollen den Klimawandel verhindern, die Altersarmut, Fahrverbote aussprechen. Die Leute wählen einen aber nicht fürs Verhindern, sondern für eine optimistische Zukunft.

Und dabei hat's vor einem Jahr so schön angefangen: mit Schulz auf 30 Prozent.

Das hatte mit dem neuen Gesicht zu tun. Durch die Öffentlichkeit brauste plötzlich der Schulz-Zug, dem sich die SPD angeschlossen hat. Die Leute hatten allerdings schnell gemerkt, dass die Sprache die alte war. Das ist so, als würden Sie die Leute zur Premiere ins Kino einladen, der Saal ist voll, alle gucken erwartungsvoll nach vorne, und Sie zeigen den Film "Der Bürgermeister von Würselen".

Nun ja, großes Kino hat die SPD in den letzten Wochen auch geboten. Raus aus der Regierung, rein in die Regierung, Minister ja, Minister nein. 

Die Partei ist in hohem Maße irritiert. Die Mitglieder wissen, dass das keine Alleingänge von Schulz waren, dass das Entscheidungszentrum immer eingebunden war. Wenn Schulz eine Stunde nach Wahlschluss sagt, wir gehen in die Opposition, dann ist das kein plötzlicher Frust, sondern ein grandioses Ablenkungsmanöver von einem miserabel geführten Wahlkampf, den er nicht alleine zu verantworten hatte. Und so entsteht der Eindruck: Die machen eh, was sie wollen, die sind nur am eigenen Schicksal interessiert.

Das könnte einen gewissen Realitätsbezug haben.

Ja, aber um ein bisschen Gerechtigkeit walten zu lassen, muss ich auch sagen, dass die Partei gut verhandelt hat. Aber sie hat es eben auch geschafft, dass kein Mensch mehr darüber spricht, sondern fassungslos auf das Personalgeschachere guckt.

Wie geht die Mitgliederbefragung am Wochenende aus?

Wir kriegen deutlich über 60 Prozent Zustimmung. Was sollen wir denn sonst den Wählern sagen? Wir wollen nicht regieren, weil wir uns erneuern wollen! Eine solche SPD braucht kein Mensch.

Dann lassen Sie uns zum zweiten Thema kommen: Stuttgart 21. Hardliner, der Sie sind, haben Sie in dieser Frage auch Ihre Partei gespalten. Die Quittung haben Sie bei der Landtagswahl 2016 bekommen. 12,7 Prozent, das schlechteste Ergebnis ever.

Ich habe die Partei nicht gespalten. Eine Minderheitenposition gegen S 21 gibt es, ja, aber keinen Bruch in der SPD. Wenn das Pro zu S 21 jemandem hätte schaden müssen, dann den Grünen, die eine absolute Kehrtwende vollzogen haben. OB Kuhn spricht doch schon vom großen Nutzen für die Stadt, und der Kretschmann-Hype ist ungebrochen. Er ist der Schwabenliebling, den jede schwarze Seele hemmungslos mögen kann.

Nils Schmid war halt kein Kretschmann.

Wir hatten im Wahlkampf keine wirkliche Strategie, vor allem nicht für die Flüchtlingsthematik. Als Frau Merkel das Tor aufgemacht hat, konnten wir nicht sagen, das schaffen wir nicht. Wir mussten lavieren, weil unsere Wähler eher gespalten sind, in offene und verschlossene. Nils Schmid hat es dann überzogen, mit den Schuldzuweisungen an die AfD, an die wir fünf Prozent verloren haben. Die anderen fünf Prozent haben wir an die Grünen abgegeben. Das war entscheidend, nicht Stuttgart 21.

Da hat Gottes Segen gehalten?

Ja, bis heute. Das Projekt lebt. Selbst hauptamtliche Pfarrer breiten die Arme aus und segnen die Tunnel. Im Übrigen habe nicht ich Gottes Segen erfunden. Der Spruch war nur eine Antwort auf die Pfarrer, die ihre Gottesdienste unter der Blutbuche im Schlossgarten und Stuttgart 21 mit dem Turmbau zu Babel verglichen haben. Diese biblische Botschaft haben sie schon beim Bau der Landesmesse verkündet, als Kreuzweg Jesu. Und wer war vorneweg dabei, bei der Eröffnung?

Claus Schmiedel natürlich.

Nein. Boris Palmer mit zwei Kamerateams im Schlepp. Hei Boris, habe ich ihm zugerufen, du warst doch immer Gegner. Er sei Pragmatiker, hat er geantwortet. Und so wird es auch bei der Eröffnung des Tiefbahnhofs sein.

Palmer war mal eine Ikone des Widerstands.

Im Stuttgarter OB-Wahlkampf 2004 ist der gute Boris zu Ute Kumpf marschiert und hat ihr versprochen, sie zu unterstützen, wenn sie von S 21 abrückt. Das hat sie abgelehnt. Daraufhin ist er zu Wolfgang Schuster gegangen, der ihm angeblich zugesichert hat, einen Bürgerentscheid über S 21 durchzuführen. Worauf Palmer zur Wahl Schusters aufgerufen hat. Kaum war Schuster gewählt, hat er den Bürgerentscheid für juristisch unzulässig erklärt, und die Melodie der Montagsdemos war geboren: Lügenpack.

Na ja, so wie sich das bestgeplante Projekt entwickelt hat, gibt es dazu auch einen passenden Text. Sollen wir mit der Kostenlüge anfangen?

Ich verstehe einfach nicht, warum sich die Leute darüber so aufregen. Die Kostensteigerungen liegen im System, das ist state of the art über einen so langen Zeitraum. Sie haben etwas mit den veränderten Rahmenbedingungen, mit dem Brand- und Naturschutz, mit dem Boom im Baugewerbe zu tun, das haut bei jeder Ausschreibung rein. Wäre es ein Projekt, das über den Bundeshaushalt finanziert wird, hätten wir null Aufregung.

Wenn also Bahnchef Grube im November 2009 sagt, 4,5 Milliarden Euro sind die "Sollbruchstelle", dann hätten wir mit Ihrem Wissen wissen müssen, dass das Quatsch ist.

Sie hätten annehmen können, dass eine solche Aussage nur solange Gültigkeit hat, bis sich ein neuer Kostenrahmen ergeben hat. Und der passt sich einer sich weiter entwickelnden Realität an. 

Verstehe. Deshalb sind wir inzwischen bei 8,2 Milliarden und mehr angelangt.

Inzwischen sind wir eben acht Jahre weiter.

Wie müssen wir dann Ronald Pofalla verstehen, der verspricht, die Bahn werde sich ehrlich machen? Da wird doch nicht etwa eine Quasi-Entschuldigung dahinter stecken.

Wenn der Häuptling wechselt, schaut er natürlich, dass alle Misslichkeiten, die noch auftauchen könnten, bei seinem Vorgänger landen. Sprich, die letzten Kostensteigerungen werden noch bei Kefer verbucht. Pofalla hat jetzt einen Risikopuffer eingebaut, mit dem er glaubt, das Projekt zu Ende bringen zu können. 

Das wird die Akzeptanz von S 21 gewaltig steigern.

Die Akzeptanz kommt, wenn das Projekt 2025 fertig ist. Dann wird sich die Prominenz, auch die grüne, von Fernsehkameras im Tiefbahnhof filmen lassen, und alle werden sagen: Was für ein genialer Schachzug. Schaut her, ein neues Stadtbewusstsein. Stuttgart erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Und die Historiker werden im Haus der Geschichte den staunenden Nachkommen berichten, mit welchen Geburtswehen Stuttgart 21 verbunden war.

Jetzt fehlt nur noch Stuttgart als Herz Europas und der Direktanschluss nach Bratislava.

Lassen wir das mal mit dem Herzen Europas. Das ist eine Floskel. Entscheidend war der Fall der Mauer und damit die Frage, wie die Ost-West-Verbindungen aussehen werden. Als man noch über den Bahnhof Hessental in den Osten gereist ist, hat sich kein Mensch überlegt, dass Paris etwas mit Bratislava zu tun haben könnte. Aber jetzt stand Paris-Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-München-Wien zur Debatte. Und was wäre aus Stuttgart geworden? Ein Sackbahnhof!

Das hat vor allem Günther Oettinger befürchtet.

Da hat er recht gehabt. Als Ministerpräsident hat er originär interessengeleitet gehandelt, um das Herz des Landes nicht abzuhängen.

Wir glauben aber immer noch nicht, dass alle nach Bratislava wollen. Ein funktionierender Regionalverkehr wäre vielen womöglich willkommener.

Es wird unglaubliche Fahrtzeitverkürzungen geben, wenn Stuttgart 21 steht. Dann bin ich von Ludwigsburg in 19 statt in 46 Minuten am Flughafen. Boris Palmer braucht von Tübingen nach Ulm fast eine Stunde weniger.

Fachleute sagen uns, dass solche exakten Angaben erst zwei Jahre vor Inkrafttreten des Fahrplans gemacht werden können.

Es sind noch keine gesicherten Zahlen, aber sehr begründete Annahmen. Mit S 21 erreichen wir eine um 30 Prozent höhere Leistungsfähigkeit im Regionalverkehr – vorausgesetzt, die Landesregierung bestellt genügend Züge. Die brauche ich nämlich, um jede Viertelstunde eine Anschlussoption zu haben. Das sorgt mich mehr als die Frage nach Kosten und Dauer des Projekts. 

Oder wie viele ICE am Flughafen halten.

Zur Geschäftsgrundlage von Stuttgart 21 gehören die ICE am Flughafen. Wenn die Bahn jetzt nur drei halten lassen will, dann würde sie diese Basis verlassen. Reden Sie mal mit Bürgermeistern, die mit der Bahn zu tun haben. Die sind alle verzweifelt, weil der Konzern aus vielen Einheiten besteht, die machen, was sie wollen. So kommen wahrscheinlich auch solche Meldungen zustande, die meines Erachtens auch schon wieder vom Tisch sind.

Wir bilanzieren: Sie haben nie am Sinn von Stuttgart 21 gezweifelt.

Nie. Und ich bleibe dabei: S 21 bringt allen unglaubliche Verbesserungen. Die Splittergruppen, die noch dagegen sind, betreiben eher Erinnerungskultur als sinnvollen Protest. Darauf liegt kein Segen und das sollte auch Kontext begreifen.

Wir bleiben oben.

Das Jahrhundertloch: Stuttgart 21

Immer neue Kostensteigerungen, Risiken durch den Tunnelbau, ungelöste Brandschutzfragen, ein De-facto-Rückbau der Infrastruktur – das sind nur einige Aspekte des Milliardengrabs.

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17 Kommentare verfügbar

  • Bernhardt Faaß
    am 04.03.2018
    gerade die abstimmung der spd basis gelesen, dann das gespräch mit schmiedel, da bleibt nichts mehr zum sagen. oder doch "mit gottes segen und die erde ist eine scheibe" die nächsten wahlen werdens zeigen. seeheimer und netzwerker die totengräber der spd, schade.
  • adabei adabei
    am 02.03.2018
    „Heute reiht sich die SPD ein in den Chor derer, die warnen, die verhindern und verbieten wollen. Wir wollen den Klimawandel verhindern, die Altersarmut, Fahrverbote aussprechen.“ Diesen Satz muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Altersarmut und Klimawandel einzudämmen, ist für diesen rotgesichtigen Betonkopf also keine optimistische Zukunftsvision? Und so jemanden hat man mal auf unsere Schüler losgelassen…
    • hajo Müller
      am 02.03.2018
      Was ich besonders schlimm finde, Schmiedel ist in der SPD kein Einzelfall. Wenn man Sozialdemokraten auf ihre sozialdemokratischen Defizite anspricht, kommt man mit ihnen nicht ins Gespräch, nein sie reagieren sehr unwirsch um nicht zu sagen aggressiv. Mit Kritik werden sie zumeist von ehemaligen Sozialdemokraten oder deren Anhänger konfrontiert. Da nehmen sie doch lieber Lob aus Wirtschaft und Establishment für ihre neoliberale Wandlung entgegen.
  • Fritz Meyer
    am 01.03.2018
    Herr Schmiedel ist typisch als strammer Lobbyist im Durchsetzen von Partikularinteressen gegen das Gemeinwohl und damit einer der wesentlichen Totengräber der SPD. Nicht mehr und nicht weniger. Wie sagen die Engländer? "Good riddance!"
  • Paul Stefan Schulze
    am 01.03.2018
    Herr Schmiedel setzt die bisherige S 21-Lügen-Propaganda schamlos fort. Schon heute dauert die Fahrt von Paris nach Wien über Frankfurt und Würzburg deutlich länger als über Stuttgart und die Geislinger Steige. Die Warnung, Stuttgart, ein Wirtschaftsraum von 3-4 Millionen Menschen, könnte von Fernverkehr abgehängt werden, ist ohnehin absurd.
    "Unglaubliche Fahrtzeitverkürzungen", die Herr Schmiedel stolz verkündet, gibt es nur zum Flughafen, und das betrifft 97 Prozent der Fahrgäste überhaupt nicht. Den übrigen Fahrtzeitverkürzungen, die im einstelligen Minutenbereich liegen, stehen Fahrzeitverlängerungen im Vergleich zum Kopfbahnhof gegenüber, wie SMA zeigte. In allen Fällen - S 21 und K 20/21 - sind Fahrzeitverkürzungen auf die Neubaustrecke zurückzuführen. Denn der Kopfbahnhof kann an die Neubaustrecke angeschlossen werden, wie aktuelle Überlegungen zeigen, während es von S 21-Befürwortern monate- und jahrelang hartnäckig bestritten wurde.
    Der Nahverkehr wird durch S 21 nichts gewinnen, denn die S-Bahn, das Rückgrat des Nahverkehrs, wird durch S 21 nicht erweitert. Die Projektpartner der Bahn trauen offensichtlich nicht der von Herrn Schmiedel beschworenen Kapazitätssteigerung von 30 Prozent, denn sie überlegen schon, wie ein Teil der geplanten Nahverkehrszüge über die Drehscheiben Cannstatt, Vaihingen und Zuffenhausen am unterirdischen Bahnhof vorbei geleitet werden kann.
    Schmiedel behauptet treuherzig: "Stuttgart erwacht aus dem Dornröschenschlaf" durch S 21. Wie ist es nur möglich gewesen, dass Stuttgart mit seinem Kopfbahnhof "aus Kaisers Zeit", wie Spötter nicht müde wurden zu betonen, zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszentren Deutschlands wurde?
    Man kann es drehen und wenden, wie man will: S 21 ist unnötig. Angesichts der ausufernden Kosten, die Herr Schmiedel mit hanebüchenen Argumenten verharmlost, muss man sagen: unverantwortlich. In keinem der geplanten Bahnhöfe und in keinem Tunnel ist der Brandschutz bisher genehmigt. Das heißt: Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass der Finanzrahmen von 8,2 Mrd. Euro eingehalten werden kann. "Inzwischen sind wir eben acht Jahre weiter", wird Herr Schmiedel sagen. Wenn dann ein neuer Vorstand für Infrastruktur da ist, "schaut er natürlich, dass alle Misslichkeiten, die noch auftauchen könnten, bei seinem Vorgänger landen. Sprich, die letzten Kostensteigerungen werden noch bei [Profalla] verbucht."
  • Werner Buck
    am 01.03.2018
    Schmiedel hat noch nicht begriffen, dass durch solche Typen wie ihn die SPD ins tal der Tränen bzw. Bedeutungslosigkeit abgerutscht und auf lange Zeit weg vom Fenster ist. Und es hat der SPD in Abwandlung des bekannten Sprichworts auch nicht geholfen, dass sie zum Schmid anstatt zum Schm(iedel)le gegangen ist. Man darf halt Unfähigkeit nicht durch Inkompetenz ersetzen.
    Offenbar freut sich Schmiedel schon darauf, am Eröffnungstag des unterirdischen Haltepunkts Stuttgart bei der gefilmten Prominenz zu stehen. Jedenfalls lässt das Interview darauf schließen, dass er schon eine Zusage aus dem Bahntower zu diesem Event hat. Anders lassen sich seine Äußerungen nicht erklären. Es sei denn (s. Kommentar von Jörg Tauss).
    • Uli Völker
      am 01.03.2018
      Es wundert nicht, dass Claus Schmiedel die Empörung nicht versteht. Es gibt so viele Vorgänge, Dinge und Probleme, die er nicht versteht. Warum also gerade die? Ob Feinstaub-Dekadenz (ist prima, hatte freie Fahrt), Aluminiumschmelzen im Naturschutzgebiet (mal ehrlich, wir fahren doch alle Daimler) , unwirtschaftliche Prestigeprojekte (aber mit Gottes Segen) etc etc. , Schmiedel war noch nie mehr als ein fleischgewordener Kalauer. In ernst zu nehmen ist Verrat an der Vernunft.
  • Normaler Bürger
    am 28.02.2018
    Herr Schmiedel hat das eine oder andere bis heute nicht verstanden. Könnte irgend jemand Herrn Schmiedel mal erklären…

    1. dass die SPD vieles tut, nur nicht zum Nutzen und Frommen der Menschheit sondern eher zum üblichen politischen Machterhalt?

    2. dass nicht nur die Linke die Agenda 2010 als falschen Weg erkannt hat, sondern auch die vielen Betroffenen, die dadurch gesellschaftlich und persönlich stigmatisiert werden?

    3. die SPD heute mehr denn je eine Verhinderungspartei ist? Sie verhindert zukunftsfähigen weil zuverlässigen Bahnverkehr, und zügigen Wohnungsbau wegen jahrelanger Belegung wertvoller Bauflächen durch die S21-Logistik.

    4. dass die Menschen ganz genau so eine SPD gebrauchen könnten, die sich erst mal erneuert und gesundet bevor sie wieder ans Regieren denkt?

    5. dass es der SPD und diesem Land sehr gut getan hätte, wenn sie zu Frau Merkel ehrlich gesagt hätte, wir schaffen das nicht, anstatt aus Machterhaltungsgründen zu lavieren?

    6. dass S21 sehr wohl ein bedeutendes Wahlthema war, aufgrund dessen die Grünen überhaupt den MP stellen konnten, und aufgrund dessen SPD wie auch CDU einbüßen mussten?

    7. dass Kostenlügen nicht state of the art sind?

    8. dass auch 2025 keine Akzeptanz für S21 kommen wird, zumal es auch 2025 lange nicht fertig sein wird? (siehe die Ausschreibungen für 2026)

    9. dass ein zu kleiner Lochbahnhof nichts mit einem Stadtbewusstsein zu tun haben wird? (jedenfalls nicht mit einem positiven)

    10. dass Paris-Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-München-Wien aufgrund der Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart und der NBS Wendlingen-Ulm eben NICHT zur Debatte stand, außer in der Ängsteschür-Strategie der Lochbahnhof-Lobby?

    11. dass aus Stuttgart niemals ein Sackbahnhof werden kann, da Stuttgart eine Stadt ist und ein Sackbahnhof ein Bahnhof?

    12. dass die Verbindung von Ludwigsburg zum Flughafen, wie jede andere Verbindung zum Flughafen auch, von den anteilmäßig wenigsten Fahrgästen pro Tag genutzt wird und die allermeisten Fahrgäste (Berufspendler) im Netz mit optimiertem Kopfbahnhof SCHNELLER unterwegs sind als mit S21 (siehe SMA-Gutachten), und dass zudem die 46 Minuten ab LB nicht stimmen weil man von Ludwigsburg statt mit der S-Bahn auch direkt mit dem Regionalzug zum Hbf kommt und von dort mittels Express-S-Bahn ruckzuck am Flughafen wäre?

    13. dass Boris Palmer, falls er denn nach Ulm will (denn es soll auch andere Städte geben), nicht wegen S21 schneller dort wäre sondern ausschließlich wegen der NBS Wendlingen-Ulm?

    14. dass es wegen S21 keine "30 prozentige" Leistungssteigerung gibt, sondern sich die 30 Prozent lediglich auf einen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen (max. Kapazität von S21 vs. realer Istzustand im Kopfbahnhof statt dessen max. Kapazität) beziehen?

    15. dass diese "30 Prozent" deshalb auch nichts mit der bestellten Zugzahl durch das Land zu tun haben?

    16. dass S21 nicht allen Verbesserungen bringt, sondern lediglich denjenigen wenigen, die nach Ulm oder zum Flughafen wollen? (siehe SMA-Gutachten, Punkt 12)

    Vielleicht liegt es ja an den von der S21-Lobby kolportierten Dauerlügen dieser Art, dass die von Herrn Schmiedel angesprochene Splittergruppe nicht die S21-Gegner/Kritiker sind, sondern die Handvoll Restproler die sich noch nicht still und heimlich verkrümelt haben. Ich kenne keinen einzigen echten Befürworter mehr.
    • Heinz Greiner
      am 01.03.2018
      Es ist sehr viel zu viel der Ehre ,sich sachlich mit dem Herrn aus LB auseinanderzusetzen . Das ihn - durch ihn selbst - bloß stellende , entlarvende Interview gilt im Grunde auch für die gesamte sPD in BW . Das Feigenblatt Mattheis , das ja auch von der Politik leben muß , kann darüber nicht hinwegtäuschen .
      Von ihm , seiner und der NachfolgersPDgeneration wird wenig Positives bleiben . Ob man S21 oder die Handlangerdienste für die Finanzindustrie , die Kriegsbeteiligungen oder die autoritäre Regierungen viele Dienste zukünftig leistende Rechtspolitik , das Abwenden von der Sozialpolitik ,für die die Familie Schmiedel als Doppelbeamte besonders steht ; mit dem wofür die SPD gegründet wurde , hat das alles nichts zu tun .
      Mit Zivilisation auch nicht und mit einem zukunftsfähigen Staat , der für seine Bürger gestaltet , erst recht nicht .
      Er wird ja seinen Ruhestand mit vermutlich fast dem Zehnfachen eines Durchschnittsrentners genießen können . Ohne einen Cent oder Pfennig dafür gelöhnt zu haben .
      Es lohnte sich " demokratischer " Politiker zu sein . Die um deren Gunst er sich bemüht hatte , die werden anstoßen auf ihn im Weinberghäusle .
      Sich den Bauch halten vor Lachen .
  • Andromeda Müller
    am 28.02.2018
    Totaler Realitätsverlust 1 :
    "Nein. Es ist nicht zu bestreiten, dass die SPD massiv abgebaut hat. Zu unseren Hochzeiten Anfang der 70er-Jahre standen wir für eine positive Zukunftsvision: Demokratie wagen. Heute reiht sich die SPD ein in den Chor derer, die warnen, die verhindern und verbieten wollen. Wir wollen den Klimawandel verhindern, die Altersarmut, Fahrverbote aussprechen. Die Leute wählen einen aber nicht fürs Verhindern, sondern für eine optimistische Zukunft. "
    Sehr geehrter Herr Schmiedel , die Leute wählen die Parteien , die Negatives verhindern , und keine , m.E., Marionetten , Opportunisten und "Luftgitarristen".
    Bei den Wählern der anderen Kartellparteien ist das noch nicht so in den Köpfen angekommen , da ihre wirtschaftliche Demontage noch ansteht. Aber deren Wählerschaft bröckelt auch.
    Realitätsverlust 2 : "Ja, aber um ein bisschen Gerechtigkeit walten zu lassen, muss ich auch sagen, dass die Partei gut verhandelt hat. Aber sie hat es eben auch geschafft, dass kein Mensch mehr darüber spricht, sondern fassungslos auf das Personalgeschachere guckt. "
    Vielleicht war niemand an den tollen Verhandlungsergebnissen wirklich interessiert (Medien/SPD/Wähler) , da ja , siehe Vergangenheit , prinzipiell keine Veränderungen zu erwarten sind . Wichtiges war ja auch gar nicht Bestandteil der Verhandlungen.
    Und das "Personalgeschachere" zeigt an , um was es allen , außer den Wählern , wirklich geht .
    Realitätsverlust 3 :" Wir kriegen deutlich über 60 Prozent Zustimmung. Was sollen wir denn sonst den Wählern sagen? Wir wollen nicht regieren, weil wir uns erneuern wollen! Eine solche SPD braucht kein Mensch. "
    Na klar gibt es eine Zustimmung . Opportunismus ist Trumpf. Kein Mensch braucht eine SPD , die sich nicht erneuert . Aber Sie können die %-Zahlen ja gerne weiter ignorieren.
    Die Funktion der SPD in der Kartellpartei CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE/halbe Lederer & Co."Linke", ist die zugewiesene als reine 50 %+ x -Beschafferin. Eine programmatische Erneuerung braucht es für diese gestellte und angenommene Aufgabe nicht, das stimmt.
    Aber jetzt bin ich ganz baff :
    "Wir hatten im Wahlkampf keine wirkliche Strategie, vor allem nicht für die Flüchtlingsthematik. Als Frau Merkel das Tor aufgemacht hat, konnten wir nicht sagen, das schaffen wir nicht. Wir mussten lavieren, weil unsere Wähler eher gespalten sind, in offene und verschlossene. Nils Schmid hat es dann überzogen, mit den Schuldzuweisungen an die AfD, an die wir fünf Prozent verloren haben. Die anderen fünf Prozent haben wir an die Grünen abgegeben. Das war entscheidend, nicht Stuttgart 21. "
    Er hat "Lavieren" gesagt ! Unter den Kommentaren kein einziges , daß jetzt Schmiedel als Rechtspopulisten/Nazi drgl. beschimpft . Bei Palmer , Lafontaine, Wagenknecht u.a. blieb das nicht aus . Warum ? Cui bono ?
    Realitätsverlust 4:
    " Wenn also Bahnchef Grube im November 2009 sagt, 4,5 Milliarden Euro sind die "Sollbruchstelle", dann hätten wir mit Ihrem Wissen wissen müssen, dass das Quatsch ist."
    "Sie hätten annehmen können, dass eine solche Aussage nur solange Gültigkeit hat, bis sich ein neuer Kostenrahmen ergeben hat. Und der passt sich einer sich weiter entwickelnden Realität an."
    Ist das auch mit den , jetzt nehmen wir doch mal die "eh vorhersehbaren" ( anstatt Kostensteigerungen) , Fahrzeitverlängerungen/Verspätungen so ?
    Realitätsverlust 5 : "...vorausgesetzt, die Landesregierung bestellt genügend Züge. Die brauche ich nämlich, um jede Viertelstunde eine Anschlussoption zu haben. Das sorgt mich mehr als die Frage nach Kosten und Dauer des Projekts. "
    Ach ja , je mehr Züge bestellt werden , desto mehr können auch fahren . Wie auf der Autobahn . Verdoppelung des Auto- und Lastwagen-Verkehrs und alle sind schneller am Ziel. Jeden Tag "erfahrbar" .
    Liebe SPD-Wähler und Mitglieder , hier ein Spruch der Dakota lt. Schildträger vor einer SPD-Veranstaltung : "Wenn du merkst , daß dein Pferd tot ist , .... steig ab.
    Das Interview lässt wieder mal "Aufmerken".
  • Helga Stöhr-Strauch
    am 28.02.2018
    Herrlich!
    Selten so gelacht! Auch das Foto ist schlichtweg genial. Wenn der Hintergrund nicht so dramatisch und wirklich traurig wäre, könnte man dieses Interview als gelungene Satire bezeichnen. Realitätsverlust ist natürlich eine tragische Angelegenheit, vor allem, wenn sie mit dem Ende einer zwar nur provinziellen aber doch für sehr wichtig erachteten Politikerkarriere verbunden ist. Nur dass man dann auch noch solche Dinge von sich gibt, befremdet so sehr, dass man nur noch lachen kann. Danke, liebe Kontext. In Stuttgart kann man leben und lachen, bis einem die Luft wegbleibt.
  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 28.02.2018
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    auch wenn ich bekanntlich die Sozen nicht ausstehen kann (u.a. weil sie arbeitsfaule Leute und diabolische Panker fördern möchten), muss ich doch ein klein wenig meinen Hut vor dem immerhin offenbar teil-redlichen Herrn Schmiedel ziehen: Was er hier alles an Vorteilen über das hochredliche Projekt "Stuttgart 21" aufzählt, hat absolut Hand und Fuß und sollte jetzt auch dem letzten Projektgegner einleuchten! Dass Stuttgart-21 ein gottgewolltes Projekt ist, über dem sogar der Segen Gottes hängt, hat Herr Schmiedel ebenfalls ganz richtig erkannt. Er irrt jedoch darin, dass der Segen Gottes auch über den unredlichen Sozen hängt - wieso sollte der HERR eine derart unredliche Partei unterstützen? Gottes Segen hängt selbstverständlich nur über redlichen Parteien, die den Namen seines Sohnes im Namen tragen, also der löblichen CDU und vor allem der hochredlichen Partei bibeltreuer Christen!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (bekennender und praktizierender Katholik, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • Charlotte Rath
    am 28.02.2018
    Narri – Narro! Das ist also ein Vertreter einer so genannten Volkspartei. Welche soeben in die Koalitionsverhandlungen einbrachte, Arbeitgeber von ihren Sozialbeiträgen zu den Mindestlöhnen zu entlasten - in der Hoffnung, dass die so begünstigten Verlagshäuser künftig netter über diese so genannte Volkspartei schreiben lassen.
    Grokomäßig wird die eingeübte Praxis fortgeführt, ob bei kleinen Deals wie S21 und Flüchtlingsaufnahme, mittleren wie der Autobahn- und Rentenprivatisierung, oder großen wie der Bankenrettung, TTIP, Ceta & Co: Der Steuermichel übernimmt die Kosten und Nebenwirkungen grundsätzlich ungefragt. Ein Hoch auf die repräsentative Demokratie! Nur blöd, dass das Großkapital auch noch andere Parteien sponsert …
  • hajo Müller
    am 28.02.2018
    Wen wunderts bei solchen SPD Politikern wie Schmiedel, dass sich die Partei weiterhin im Sinkflug befindet. Gewählt wird sie ja eigentlich nur noch von Leuten, die unter Realitätsverlust leiden.
    Der Satz, "Gottes Segen ruht generell auf der SPD, weil Sozialdemokraten gute Werke verrichten wollen, und das seit mehr als 150 Jahren. Zum Nutzen und Frommen der Menschheit", sagt alles. Die Betonung liegt auf wollen, es hapert aber mächtig am Tun. Für Schmiedel waren Hartz IV, die Agenda 2010 und der Schwenk zum Neoliberalismus natürlich auch gute Werke. Deshalb hat ja auch nur ein "Muckefurz" zum Machterhalt gefehlt, wie sich Schmiedel ausdrückt. Das hört sich an wie Kretschmanns "es geht nicht um die Wahrheit, sondern um die Mehrheit". Bei Schmiedel heißt das, "es geht nicht um gute Werke, sondern um die Mehrheit". Es scheint so, als ob die Lüge vom Wähler eher verziehen wird, aber wer gute Werke verspricht, danach aber nicht liefert, ist beim Wähler unten durch.
  • Heinz Greiner
    am 28.02.2018
    Selbst wenn man am württembergischen oder Ludwigsburger Parlamentarismus vieles aussetzen kann , eines hat er doch vermocht :
    Daß der vorgebliche Sozialdemokrat und ehemalige Lehrer für Gemeinschaftskunde an der Gewerbeschule nicht mehr zur Erhöhung des Feinstaubes in Stuttgart beitragen kann . Die Liste für ihn auch zu spät wohl kommt .
  • Jörg Tauss
    am 28.02.2018
    War Schmiedel bei diesem Interview nüchtern? Man glaubt's ja nicht.
    • Wolfgang Zaininger
      am 01.03.2018
      Wann war er das? Beim Eintritt in die SPD?

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