Ohne weitere Worte. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 250
Politik

Scharfmacher

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 13.01.2016
Seit Jahresbeginn gelten für Ausländer neue Regeln: Sie müssen Deutschland verlassen, wenn sie straffällig geworden und zu mindestens einem Jahr Haft verurteilt worden sind. Dennoch wird nach den frauenverachtenden Übergriffen in der Silvesternacht nach weiteren Gesetzesverschärfungen gerufen.

Für CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf gibt es "überhaupt nur eine Konsequenz" aus den Ereignissen in Köln, Hamburg, Stuttgart und anderswo: "Diese Menschen müssen schnellstmöglich in ihrer Heimat zurückgeführt werden." Der Jurist weiß, was er sagt, wenn er derart auf die Tube drückt. Schließlich war er Richter am Verwaltungsgericht in Sigmaringen, woran er nur zu gerne erinnert. Allerdings sind damals, in den Neunzigerjahren, vor allem Unionspolitiker – getrieben von den rechtskonservativen Republikanern – schon einmal nicht willens gewesen, die richtigen Antworten darauf zu finden, dass Hundertausende Menschen in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchten.

Natürlich weiß der Herausforderer von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dass das, was er unter schnellstmöglicher Rückführung versteht, gar nicht möglich ist. Bis wohin soll der Rechtsstaat gegenüber mutmaßlichen Straftätern seine Standards absenken? Sollen Verdächtige einfach ausgeflogen oder über die Grenze nach Österreich oder die Schweiz verbracht werden? Soll dieses "schnellstmöglich" selbst für jene gelten, denen in ihrer alten Heimat womöglich die Todesstrafe droht? Fragen über Fragen, die schwer wiegen, die aber nach Besonnenheit und Umsicht verlangen, um nicht wie damals bei der Landtagswahl 1992 vor allem wieder Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten zu lenken.

Die anstehenden Landtagswahlen trüben den Blick

Aber der Drang zurück an die Macht trübt den Blick auf unbequeme Fakten, und dies nicht nur in Stuttgart, sondern auch anderswo, zum Beispiel in Mainz. Julia Klöckner, Wolfs CDU-Pendant in Rheinland-Pfalz, ätzt gegen "das rot-grüne Multikulti-Larifari". Dessen Konsequenz ist für sie, "dass jeder als ausländerfeindlich gebrandmarkt wurde, wer Kritik geübt hat an denjenigen, die ein überkommenes Frauenbild haben". Belege für diese erstaunliche Wahrnehmung dürften zwar ähnlich rar sein wie Muslime bei der Mainzer Fasnet, macht aber nichts. Stattdessen greift Klöckner, die da und dort schon als mögliche Merkel-Erbin gehandelt wird, zu raschen Lösungen, die keine sind: Jeder Täter, der zu einer Strafe ohne Bewährung verurteilt wird, müsse sogleich abgeschoben werden. In seriösen Juristenportalen taucht da umgehend die Frage auf, ob Richter und Richterinnen eine solche Regelung dann nicht bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen hätten.

Das Rezept allzu vieler Politiker und -innen: Lieber keine Details und Differenzierungen, lieber alles in einen Topf und kräftig rühren. CDU-Landeschef Thomas Strobl, auch er ein Jurist, hat gemeinsam mit einigen anderen Unions-Experten jene Verschärfung des Ausländerrechts erkämpft, die am 1. Januar in Kraft trat. Statt im Zusammenhang mit den frauenfeindlichen Ausschreitungen genau darauf und auf seine Weitsicht zu verweisen, glaubt Strobl offenbar nicht daran, dass seine in Gesetzestext gegossenen Forderungen irgendetwas bringen. Als einer der Ersten reiht er sich stattdessen in die Phalanx jener ein, die jetzt "schnelles Handeln" verlangen: Das Vertrauen in den Rechtsstaat müsse durch Gesetzesverschärfungen untermauert werden.

Warum nicht erst einmal die vorhandenen anwenden? Aktionismus spült die Frage weg. Die Große Koalition beschließt am Dienstag in Berlin, dass Ausländer, die "wegen Taten gegen die körperliche Unversehrtheit, das sexuelle Selbstbestimmungsrecht oder wegen Eigentumsdelikten in Serie zu mindestens einem Jahr Haft verurteilt sind", künftig mit Ausweisung zu rechnen hätten. Prompt melden sich Praktiker zu Wort mit dem Hinweis, dass dies längst möglich sei, wenn bestehende Regelungen konsequent angewendet würden.

Auch SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid, noch ein Jurist, ein promovierter sogar, wünscht sich dringend eine rasche Abschiebung von straffällig gewordener Flüchtlinge, und zwar noch vor Prozess und Urteil. Nirgendwo in Deutschland dürften Frauen Freiwild sein, sagt er, und dass ihn als Vater einer kleinen Tochter das Thema persönlich beschäftige. Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht, ohne sich allzu lange beim Kleingedruckten aufzuhalten, gleich ganz pauschal "das Bleiberecht verwirkt", sobald Flüchtlinge straffällig werden. Anders als seine Parteifreunde auf Bundesebene wäre der grüne Wahlkämpfer sogar zu entsprechenden Gesetzesänderungen bereit. Immerhin, er verweist auf Grundgesetz und internationale Verträge: Drohten im Heimatland Folter oder Tod, könne niemand abgeschoben werden. 

Zur Erinnerung: Es gilt das Grundgesetz und internationale Verträge 

Genau daran erinnert Pro Asyl seit Tagen eindringlich. Auch für Straftäter seien "menschenrechtliche Garantien" zu beachten, heißt es in einer im Internet verbreiteten Erklärung. Das internationale Recht verbiete die Abschiebung, wenn im Herkunftsland schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen Praxis sind: "Besteht im Herkunftsland die Gefahr von Folter, so darf die betroffene Person aufgrund des absoluten Folterverbots nach der Europäischen Menschenrechtskonvention auf keinen Fall in dieses Land abgeschoben werden."

Statt immer neue Ideen in die Debatte zu werfen, müsste vor allem sprachlich Klarheit geschaffen werden, nicht zuletzt bei den Begriffen Abschiebung und Ausweisung. Abgeschoben werden Asylbewerber, deren Antrag negativ beschieden wurde. Tatsächlich scheitert dies häufig nicht daran, dass sich die betroffenen Flüchtlinge der Ausreise unter Zwang entziehen, sondern vor allem an fehlenden Papieren oder an fehlenden zwischenstaatlichen Abkommen über eine Wiedereinreise.

Ausgewiesen wird nach den schärferen gesetzlichen Regelungen, wer rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt ist. Deutschland tatsächlich verlassen haben die Betroffenen damit aber noch längst nicht. Sollte unter den Tätern in Köln, Hamburg oder Stuttgart etwa ein Marokkaner sein, müsste er nach den geltenden Abkommen ausreisen. Die Behörden in Rabat bestehen ihrerseits aber auf einer eingehenden Prüfung, weil sie viele Migranten als afrikanische Transitflüchtlinge einstufen, die lediglich angeben, Marokkaner zu sein, oder weil sie den Kontinent nur über Marokko verlassen haben.

Schnellstmöglich sieht jedenfalls anders aus. Ein Bleiberecht, das verwirkt worden sein soll, müsste erstens erst einmal gelten und zweitens seine Beendigung durchgesetzt werden. Über Selbstverständlichkeiten wie diese sehen CDU und FDP – die Regierungsparteien vor sich hertreibend – aber ohnehin geflissentlich hinweg und zünden die nächste Stufe. Mit der Forderung, die Maghrebstaaten zu neuen sicheren Herkunftsländern zu erklären.


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11 Kommentare verfügbar

  • someoensdaughter
    am 19.01.2016
    "Heute gab es eine Razzia und Überprüfung solcher Menschen im Kölner Marokkoviertel. Dabei wurde kein Verbrechen registriert, sonder lediglich der "illegale Aufenthalt". Diesen Menschen sollten wir helfen wie Parksündern oder zu schnellem Fahren."

    Abgesehen davon, dass es kein "Kölner Marokkoviertel" gibt und die Razzia in Düsseldorf war, frage ich mich, wie denn "Parksündern oder zu schnellem Fahren" geholfen wird?

    Da ich Düsseldorf-Oberbilk rund um die Ellerstraße ganz gut kenne und einige Jahre dort gewohnt habe, kenne ich auch noch die Einstellung derjenigen Marokkaner, Algerier, und Tunesien, die dort schon seit 20, 30 Jahren und länger leben und nicht ganz so unkritisch sind gegenüber den 'jungen Männern' die da seit einigen Jahren ihr Unwesen treiben:

    "Aber das so bunt wirkende Viertel hat auch Schattenseiten. Nach Einschätzung der Polizei finden Täter, die aus Nordafrika stammen und die rund um den Hauptbahnhof an Straßenraub oder an Taschen- und Gepäckdiebstahl beteiligt sind, häufig hier Möglichkeiten unterzutauchen. "Man redet mit uns, aber regelt ansonsten die Dinge gern unter sich", so eine Polizeisprecherin.

    Aber spätestens als einem Gast das Handy direkt vom Terrassentisch geklaut wurde, sammelte Haddad Unterschriften und wandte sich mit anderen Geschäftsleuten an die Polizei."

    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/oberbilk-in-duesseldorf-fisch-minztee-und-honiggebaeck-aid-1.5331326

    „Früher war es hier deutlich ruhiger“, sagt Mouna Mcharrak (49), die ihren Fischhandel seit 1991 auf der Lessingstraße betreibt. „Zum Großteil haben wir hier immer noch eine tolle Nachbarschaft, aber es ist nicht mehr mit damals zu vergleichen.“

    "Badr Haddad bringen die Zustände im marokkanischen Viertel am meisten zur Verzweiflung. Seit 13 Jahren lebt der Gastronom in Düsseldorf, seit 2012 führt er seine marokkanische Gaststätte „La Grilladine“ auf der Dreieckstraße. Badr Haddad: „Ich versuche seit Jahren, das Bild meines Heimatlandes so positiv wie möglich darzustellen. Und diese Generation von Einwanderern macht alles kaputt. Viele Gäste haben mittlerweile Angst, in unser Viertel zu kommen“, klagt der 32-Jährige. „Es handelt sich um Jugendliche nordafrikanischer Abstammung zwischen 15 und 25 Jahren. Sie weisen ein ungeheures Gewaltpotenzial auf, kennen fast keine Skrupel. Als ich letztens Mitleid mit ihnen hatte und ihnen etwas kochte, stahlen sie noch ganz dreist das Handy eines Gastes vom Tisch, als sie das Essen abholten. Was sind das bloß für Menschen?“

    http://www.express.de/duesseldorf/rund-um-ellerstrasse--marokkaner-verzweifeln---diese-leute-machen-uns-kaputt--23412228
  • Peterwmeisel
    am 17.01.2016
    Ich bin beängstigt von solchen "Christen", die Menschen im Land ohne festen Wohnsitz / Wohnung loswerden wollen: "Diese Menschen müssen schnellstmöglich in ihrer Heimat zurückgeführt werden."
    Heute gab es eine Razzia und Überprüfung solcher Menschen im Kölner Marokkoviertel. Dabei wurde kein Verbrechen registriert, sonder lediglich der "illegale Aufenthalt". Diesen Menschen sollten wir helfen wie Parksündern oder zu schnellem Fahren.

    Gerade Schäubles Schwiegersohn Thomas Strobel und Guido Wolf, die in BW christlich regieren Wollen, empfehle ich einen Blick in ihr christliches Grundgesetz, die Bibel:
    Dort werden die Rechtsordnungen Gottes zum Thema Integration und Asyl beschrieben.
    2. Mose 22,20 Rechtschtsschutz für die Schwachen
    "Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen".
    Vorschriften zur Integration stehen im 3. Mose, 33-34 und zum Asyl im 5. Mose 10, 18,19.

    Die CDU sollte eher ihre "strategischen Partner" wie Saudi Arabien und die Türkei überprüfen und Waffenexporte beenden.
    Für die Saud(IS) gilt für uns das 2. Mose 20 mit den 10 Geboten
    Nr. 13 "Du sollst nicht töten" insbesondere 21,12 "Wer Menschen schlägt, dass er stirbt, den sollst du totschlagen".

    Der Begriff für unsere Politiker ist auch in der Bibel zu finden:
    Pharisäer (Heuchler) und Sadduzäer (Lobbyisten)
  • Gela
    am 15.01.2016
    Bei der Diskusion über die schrecklichen Ereignisse in Köln und in anderen Städten in der Silvesternacht sollten erst einmal die verschiedenen Aspekte klar benannt werden, nämlich: massive sexualisierte Gewalt gegen Frauen - Diebstahl und Raub - alkoholisierter Mob - Ausländer - Polizeiversagen - Reaktionen und Konsequenzen.
    Johanna Henkel-Waidhofer befasst sich mit dem letztgenannten Bereich und zeigt klar, wie scheinheilig und undurchführbar die Forderungen vieler Politiker nach rascher Ausweisung sind (übrigens danke für die Begriffsklärung zwischen Abschiebung und Ausweisung!).
    Die meisten Kommentatoren beschäftigen sich aber damit, die Taten der Nordafrikaner indirekt in Schutz zu nehmen, indem sie aufzeigen, dass sexualisierte Gewalt und Benachteiligung von Frauen auch immer wieder in Deutschland existiert - oder aber (wie @ Blender) der Polizei und den Geheimdiensten zu unterstellen, dass sie Interesse an dieser Eskalatation gehabt hätten!
    Tatsächlich sieht es aber doch so aus, als hätten sich die Nordafrikaner verabredet, die Silvesternacht auszunutzen, um massenhaft Frauen auszurauben und zu demütigen - und damit auch ihre Macht zu demonstrieren und die Polizei bloßzustellen. Vielleicht haben sie sich vorher extra Mut angetrunken - wer weiß. Im Zusammenhang mit No-go-Areas in von Ausländern bewohnten Vierteln z.B. in Berlin oder erst recht in Paris ist das ein äußerst gefährliches Signal. Von daher ist eine eindeutige Reaktion unbedingt erforderlich, um den Zerfall unserer Gesellschaft in unbeherrschbare kriminelle Strukturen und zunehmende Fremdenfeindlichkeit zu verhindern. Die Drohung mit Ausweisung (wenn möglich) gehört genau so dazu wie die konsequente Strafverfolgung (ebenso wenn möglich...), die bessere Aufstellung der Polizei ebenso sowie soziale und integrative Projekte, um den hier bleibenden Ausländern eine Perspektive zu geben.
    Diese Politik unterscheidet sich natürlich im Prinzip nicht von der gegenüber demoralisierten Deutschen, die ja ebenfalls häufig sozial unterpriviligiert sind . Allerdings sind die Probleme der Nordafrikaner wegen der anderen kulturellen Herkunft und einer anderen gesellschaftlichen Sozialisation mit wohl meist geringerer Bildung, grösseren materiellen Problemen und der Entwurzelung mit all ihren Folgen sicher gravierender und machen uns leicht ratlos.
    Es ist aber wichtig, die kriminellen Handlungen nicht zu bagatellisieren - auch um der diffusen Fremdenfeindlichkeit eine eindeutige und verstehbare Haltung entgegenzusetzen.
  • Rolf Steiner
    am 15.01.2016
    Köln/Stuttrgart/Hamburg - öffentliche, von Kriminellen ausgetragene Frauenfeindlichkeit. Aber sonst, in der ganzen Republik, ist nicht nur bei den Nazis ein abschätziges Frauenbild gang und gäbe. Auch dieses durch und durch verlogene Aufheulen der sich plötzlich als Feministen gebärdenden CDU-Patriarchen ist völlig unanständig. 50 Jahre lang haben diese männlich Bevorrechtigten gegen Frauen gewettert. intigriert und sie verächtlich behandelt. Bis heute sind sie unfähig, für Frauen eine Entlohnung durchzusetzen, die der der Männer entspricht. Lächerlich, wenn auf die Frauenanteile in Aufsichtsräten oder Vorständen verwiesen wird. So wie die gravierenden Lohnunterschiede bei den normalen Mitarbeiterninnen in der deutschen Wirtschaft sichtbar sind, so schäbig bleibt auch das Frauenbild der CDU. Sollen wir wirklich solche ignoraten "Politiker" wählen? Vor allem dürften Frauen nicht mehr auf die scheinheiligen CDU-Parolen hereinfallen.
  • Ulrich Scheuffele
    am 14.01.2016
    der Text auf dem Plakat ist an Blödheit nicht mehr zu toppen.
    @Charlotte Rath, sexuelle Belästigung ist sexuelle Belästigung und darf nicht hingenommen werden, weder bei den Flüchtlingen, noch bei den Kirchen, noch auf den Volksfesten, noch in den Firmen am Arbeitsplatz, noch sonstwo.
    Scheinheilig sind jedoch die, die Sexualdelikte als Cavaliersdelikte hingenommen haben und jetzt auf einmal entsetzt aufschreien.
  • Schwabe
    am 14.01.2016
    Sexuelle Gewalt ist fester Bestandteil des Patriarchats
    Nach der Silvesternacht entfaltete sich eine mittlerweile schon vorhersehbare Dynamik. Es wird ein Medienhype betrieben, bei dem sich die Sensationssucht der Presse mit dem Bedürfnis staatlicher Stellen nach immer weiter gehender „Verschärfung“ vereint, was gewollt oder ungewollt auch den Rechten Vorschub leistet. Nach dem Ereignis ist angeblich nichts mehr wie es war, nur drastische Maßnahmen können helfen, mehr Polizei und Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen… Und wer zur Mäßigung mahnt und auf andere, medial weit weniger hochgepushte Formen von Gewalt gegen Frauen hinweist, wird als Silvesternacht-Relativierer diffamiert. Schlimm und schockierend ist aber, wie sich der Fokus an rassistische Ängste seiner dumpfsten Leser anschmiegt und dabei um der Auflage willen selbst seit der Nazi-Zeit wohlbegründete Tabus über den Haufen rennt. Konstantin Wecker ruft zum Boykott auf.
    Quelle: Hinter den Schlagzeilen
  • Fraluxx
    am 13.01.2016
    Und wohin soll man dann einen straffällig gewordenen Syrer abschieben?
    Zum IS, zu Assad, oder ins Gebiet der sonstigen Rebellen?
    Oder darf der Übeltäter sich es aussuchen?
    Fragen über Fragen....
  • CharlotteRath
    am 13.01.2016
    ""Es ist richtig und gut, dass es jetzt sehr, sehr viele Anzeigen gibt", sagt unsere Bundeskanzlerin. Ein schöner Satz, der freilich zwei Auslegungsvarianten zulässt. Niemand wird der Sprecherin ernsthaft unterstellen, sie freue sich darüber, dass es sehr, sehr viele Straftaten gegeben habe. Deshalb bleibt nur diese Variante: Es gab sehr, sehr viele Straftaten, und richtig und gut ist, dass diese nun angezeigt werden. Ich hörte allerdings die Kanzlerin noch nie sagen, es sei wichtig und gut, dass es sehr, sehr viele Anzeigen wegen Tankstellenüberfällen gibt.
    Woher weiß die Bundeskanzlerin, dass es sehr, sehr viele Straftaten gegeben hat? Ich an ihrer Stelle würde sagen: Das weiß ich aus den sehr, sehr vielen Strafanzeigen. So schließt sich der Kreis der Mob-Bekämpfung, freilich auch der sinnlosen Beweiswürdigung. Dass man das "richtig und gut" findet, ist entweder ziemlich crazy oder eine üble Verdrehung. Der einzig rationale Blickwinkel, aus dem die vielen Anzeigen "richtig und gut" sind, ist das Interesse der CDU/CSU an einer Zeitenwende in der Ausländerpolitik.
    ...
    [Anmerkung zwischendurch: Dieser Kolumnist ist im Hauptberuf Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof.]
    ...
    "20.000 Millionen Euro schreibt unsere Regierung ab für die Resozialisierung der verrückt gewordenen Investmentbanker, damit dem deutschen Mittelstand kein weiteres Leid geschehe. Wenn in Köln 13 neue Stellen für Pädagogen oder Sozialarbeiter gefordert werden, um ein paar Hundert armseligen Verlierern eine klitzekleine Pforte zum Paradies zu zeigen, wandeln 1.000 Pegidisten um den Dom und murmeln: "Erlöse uns vom Araber".
    ...
    aus:
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/sexmob-koeln-kriminalitaet-strafrecht-fischer-im-recht/komplettansicht
  • Blender
    am 13.01.2016
    1.) Warum gerade in Köln, einer Stadt, die eindrücklich gegen Rechte Gewalt ihre Oberbürgermeisterin gewählt hat und die andererseits eine starke rechtsextreme Szene hat. Warum nicht im dichten Nebel Mannheims oder Heidelbergs, wo es auch viele Flüchtlinge gibt.

    2.) Was wussten unsere Geheimdienste? Ist es denkbar, dass es unter den 800 Migranten vor dem Marktplatz in den Flüchtlingsheimen tatsächlich KEINE V-Männer gab? Dass sich so viele über die sozialen Medien verabreden ohne dass es jemand merkt? Wohl kaum, in Anbetracht der von DeMaizière proklamierten "Gefahrenlage"!

    3.) Gab es unter den Migranten auf dem Marktplatz also sogar V-Männer, dann stellt sich die Frage wie viele davon betätigten sich an "szenetypischen" Straftaten?

    Thesen:
    1.) Wenn Moslems unter Alkoholeinfluss außer Kontrolle geraten, dann handelt es sich nicht um eine Islamisierung des Abendlandes sondern um ein "Abendlandisierung des Islam". Es sind keine Taten von Moslems sondern typische Taten von Alkies! .. und diese unterscheiden sich damit auch nicht wesentlich von alkoholisierten Bio-Deutschen.

    2.) Der Verfassungsschutz hat, meines Erachtens nach, absichtlich die Polizei und die Bevölkerung NICHT über die bevorstehenden Gefahren informiert, oder die Polizei hat absichtlich nicht vorgebeugt um diese Eskalation zu ermöglichen.

    3.) Mich würde nicht wundern, wenn:
    3A) V-Männer in vorderster Linie an den Übergriffen beteiligt waren, um die Stimmung aufzuheizen
    3B) Köln gezielt als Tatort ausgewählt wurde
    3C) Mit der Androhung der Absage des Kölner Karneval in ca. 6 Wochen [kurz vor wichtigen Landtagswahlen am 13 März in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt und Kommunalwahlen am 6 März in Hessen] Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht werden soll.

    FAZIT:
    Nein, ich glaube nach allem was es schon in der BRD gab nicht mehr an Zufälle. Die kurzfristige Absage des Karnevals in Braunschweig 2015 und des Fußballspiels in Hannover hat den interessierten Kreisen wohl nicht ausreichend Wellen geschlagen. Immer schön dranbleiben...
  • Schwabe
    am 13.01.2016
    Hört endlich auf so zu tun, als sei das alles neu!
    Gewalt gegen Frauen wird nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln instrumentalisiert. Das ist unerträglich und lenkt vom Thema ab. Ich rege mich auf, schon seit Tagen. Darüber, dass plötzlich alle über sexualisierte Gewalt reden, als sei sie in der Silvesternacht erfunden worden. Als sei ein irrer Mob in Köln der Auslöser für sexuelle Belästigung von Frauen. Als hätte es den #Aufschrei nie gegeben. Und als hätte das Ganze auch nur im Entferntesten mit der deutschen Asylpolitik zu tun und sei nur in diesem Zusammenhang eine Debatte wert.
    Blödsinn, Bullshit, Schluss damit!
    Frauen werden jeden Tag belästigt, begrapscht, verhöhnt, in jeder Stadt sicher zigmal. Nicht nur an Silvester – und nicht nur in Köln, Hamburg und Berlin. Das passiert ständig. Mal ist es vielleicht mit einem „Lass das!“ getan, mal leider nicht. Sexualisierte Gewalt ist nicht neu – sie ist immer da. Oft genug geht sie unter. Aber kaum passt sie in die Argumentationslinie der vielen besorgten Burger, ist sie auf einmal gut genug, um darüber zu sprechen? Das ist kaum zu ertragen.
    Die Täter sind groß und klein, alt und jung, manchmal sind es einzelne, manchmal mehrere, sie sind aus Potsdam genauso wie aus München, aus Prag genauso wie aus London, Rom, Istanbul und Tunis. Es ist völlig egal, woher sie kommen. Klar ist: Es sind Vollidioten, Arschlöcher, respektlose Chauvinisten. Ihre Herkunft oder Kultur als Rechtfertigung oder Erklärung für oder gegen sie zu verwenden, demütigt die Frauen noch mehr, denn es macht die Übergriffe zu etwas, das sie nicht sind: zu einem Politikum.
    Quelle: Hamburger Abendblatt
  • CharlotteRath
    am 13.01.2016
    Circa 700 Fälle von Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung, alleine bei den Regensburger Domspatzen:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/regensburger-domspatzen-ratzinger-nennt-aufarbeitung-des-missbrauchsskandals-irrsinn-1.2814560
    Und keiner, der die Rückführung katholischer Priester in den Vatikan fordert ...

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