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Heiligs Blechle

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Ein "heißer Vorgang" sei's, schreibt uns das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie und fragt, wie es die Regierung Kretschmann mit der Atomkraft hält? Eigentlich dagegen, so viel ist bekannt, und Fukushima war ja mit ein Grund, warum es diese Regierung gibt.

Aber jetzt befindet sie, dass sie nicht mehr haften will für das, was der Abriss der Meiler und die Endlagerung des Mülls kosten. Milliarden Euro. Wie viele, weiß niemand...

Die Wuppertaler, einst gegründet von Ernst Ulrich von Weizsäcker, halten das für eine "bemerkenswerte" Entscheidung einstiger Atomkritiker. Es könne doch nicht sein, dass sich grüne Politiker einer Haftungszusage entziehen, die von ihren schwarzen Vorgängern gegeben worden ist. Vor 40 Jahren. Wir erinnern uns: Damals erklärte Hans Karl Filbinger, ohne Wyhl gingen in Baden-Württemberg die Lichter aus. Und heute? Heute sagen die, die in der Protestbewegung ihre Wurzeln haben, einfach: "Ach, lieber doch nicht." Wo sie recht haben, haben sie recht, die Wuppertaler, und deshalb steht in Kontext die Geschichte von Jürgen Lessat: "Haftung, nein danke!"

Passend auch das Interview, das Hermann G. Abmayr mit dem Wiener Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher geführt hat. In der österreichischen Hauptstadt geht, was in Stuttgart offenbar ein Ding der Unmöglichkeit ist – das Auto zu zähmen. Trotz eines grünen Oberbürgermeisters und trotz eines grünen Verkehrsministers. Fritz Kuhn und Winfried Hermann haben sich jüngst getroffen, um den Feinstaub zu bekämpfen. Mit großen Tafeln an den Straßen und der Versicherung, dass sie beide ökomäßig voll korrekt sind. Der eine will im Falle eines Feinstaubalarms  aufs Elektromobil verzichten, wegen des Reifenabriebs, der andere geht ohnehin zu Fuß ins Büro. Als gutes Beispiel vorneweg, dem alle folgen sollen, die noch nicht guten Willens sind. Die Tafeln werden ihnen sagen, ob Gefahr ist oder nicht, und je nachdem sollten sie sich überlegen, ob sie ihr Fahrzeug stehen lassen oder nicht. Freiwillig gegen den Feinstaub. Heiligs Blechle.

Ein "Schlechtmensch" am Neckartor

Von den Blechles stinken täglich 90 000 am Neckartor vorbei. Am schmutzigsten Ort Deutschlands. Und genau dort hat Philipp Scheffbuch seine Fairtrade-Boutique "Schlechtmensch" aufgemacht. Hausnummer 86, gegenüber vom ADAC, schicke Mode, natürlich ohne Kinderarbeit, aber auch ohne Räucherstäbchen. "Die habe ich vor der Tür", sagt der frühere Wirtschaftsredakteur der "Stuttgarter Zeitung". Dem Klub für freie Bürger und freie Fahrt gönnt er die Adresse ("Der hat die Luft, die er verdient"), für ihn ist es eine "traumhafte Lage" zur Bewusstseinsbildung. Die Feinstaub-Freiwilligkeitsapostel seien herzlich eingeladen, lockt der 44-Jährige, ihn in seinem Laden zu besuchen. Zum Gucken, Hören und Riechen.


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5 Kommentare verfügbar

  • Reblaus
    am 20.01.2016
    Antworten
    Ich bin von "unserer" Landesregierung nicht enttäuscht. Die zwei "Volksparteien" hatten ja vor den Wahlen bei jeder Gelegenheit ausdrücklich betont, dass sie am liebsten mit der CDU in eine Koalition gehen würden.

    Dass die nach den Wahlen dann genau diesselbe Politik wie ihre "Wunschpartei"…
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