Ausgabe 237
Politik

Fluchtweg verbaut

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 14.10.2015
Zu den unrühmlichsten Kapiteln in der Endlosgeschichte von Stuttgart 21 zählt der Brandschutz. Zur Beschreibung der neuesten Entwicklung reicht aber kein Negativ-Superlativ mehr aus. Denn jene acht Treppenhäuser, die im Katastrophenfalle den Reisenden die Flucht ermöglichen sollten, sind aus den Planungen – an ihrer bisherigen Stelle jedenfalls – komplett verschwunden.

Von keinem der für Kommunikation zuständigen Mitarbeiter des Bahnprojekts war am Dienstag Auskunft über den Stand der Planungen zu bekommen. Die "Stuttgarter Nachrichten" hatten berichtet, dass der Bau der dunklen, eckigen Kästen, als die die Fluchtwege in vielen Planskizzen des Tiefbahnhofs aufgetaucht waren, alles andere als sicher sei. Damit stünde das Konzept für die Rettung von den Bahnsteigen, beispielsweise im Brandfall, wieder komplett in den Sternen.

Schon seit einigen Wochen geistern Gerüchte durch die Stadt, dass die Verantwortlichen die Treppenhäuser in Richtung Bahnsteigende schieben wollen, was allerdings komplett neu genehmigt werden müsste. Im Netz sind ohnehin Vergleiche mit dem Berliner Hauptstadtflughafen BER an der Tagesordnung. Nicht zuletzt weil Experten die sogenannte Entfluchtung schon mit den geplanten Treppenhäusern nicht für realistisch halten. "Es brennt beim Brandschutz", schrieb Kontext-Autor Jürgen Lessat im vergangenen März.

Der Schlichterspruch interessiert nicht mehr 

Ganz ohne die Treppenhäuser fiele die Bahn jedenfalls auf den Stand vor der Schlichtung zurück: Vor fünf Jahren war im Stuttgarter Rathaus minutiös nachgewiesen worden, wie unrealistisch alle bis dahin erarbeiteten Konzepte für den Katastrophenfall waren. Heiner Geißler hatte in Punkt fünf der von allen Beteiligten – von Hannes Rockenbauch bis Volker Kefer – akzeptierten Empfehlungen seine ohnehin weit gefasste Konsequenz so formuliert: "Die bisher vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt." Nicht zuletzt, weil überdeutlich geworden war, dass Rollstuhlfahrer kaum Aussicht auf Rettung hätten.

Regelmäßig stand und steht die DB seither in der Kritik, weil sie genau diese – im Falle des Falles überlebensnotwendigen – Nachbesserungen nie lieferte. Schon gar nicht jene, die dem Geist der stundenlangen Diskussion mit den Projektgegnern vor laufender Kamera entsprochen hätten. Geißler selber war mehrfach laut geworden, unter anderem, weil Klaus-Jürgen Bieger, der Brandschutzbeauftragter der Bahn, ihn mit seinen Worthülsen über "Wunschvorstellungen" und "Simulationsrechnungen", über die Selbst- und die Fremdrettung und die notwendigen Zivilcourage bei der Hilfe für Dritte, auch für Eltern mit Kinderwagen, in Rage gebracht hatte.

Ausführlich hatten die Experten der Kopfbahnhofbefürworter viele Detailangaben zerpflückt und dargelegt, dass Wege und Treppen zu schmal, Fahrgastzahlen zu defensiv gerechnet und Rollstuhlfahrer ohnehin verloren seien. "Wir haben ein Problem", sagte Bieger irgendwann, "wir werden nie zusammenkommen bei der Frage, wie schnell die Reisenden da rauskommen." In seinem Schlusswort attestierte der Schlichter, dass "die Projektgegner eine Reihe von fundierten Gründen gegen Stuttgart 21 und die Neubaustrecke vorgetragen und vor allem auf Risiken, Mängel und Probleme der Stuttgart-21-Projektion hingewiesen haben". Er empfehle der Bahn dringend, aus berechtigten Kritikpunkten Konsequenzen zu ziehen.

Woraus nichts wurde. Gerade beim Thema Brandschutz konnten die Tiefbahnhoffreunde aber nicht zur Tagesordnung übergehen. Was folgte, blieb in weiten Teilen intransparent, jedenfalls gelang es der Bahn nicht, mit den Zuständigen, unter anderem bei der Stuttgarter Feuerwehr, tragfähige Konzepte zu erarbeiten.

Tricks und Täuschungen der Planer

Ende 2012 rügte die Baseler Gruner AG als Gutachterin erneut schwere Mängel, darunter viel zu lange Fluchtwege. Die Fraktionsgemeinschaft SÖS und Linke, die den Tiefbahnhof inzwischen in "Kellerbahnhof" umgetauft hatte, beauftragte Christoph Engelhardt, die Personenstromanalyse der Bahn zu untersuchen. Im Februar 2013 präsentierte er seine vernichtenden Ergebnisse und sah es als erwiesen an, dass "der neue Stuttgarter Hauptbahnhof definitiv nicht in der Lage sein wird, die Reisenden aus 49 Zügen, auch nicht die aus 32 Zügen, pro Stunde in Minimalqualität zu verarbeiten". Und es gebe "Tricksereien bei der Entfluchtung".

Als besonders dreist bewerten Kritiker, dass die Fachleute der DB, wenn es um die Kapazität von S 21 geht, immer von Maximalwerten ausgehen. Die gelten aber nicht, wenn es um die Evakuierung geht. Ein Team des SWR wollte für die "Landesschau" seinen Zuschauern die Berechnungen an einer großen Tafel verdeutlichen. Die Bahn drückte sich. Engelhardt kam auf die unwiderlegte Zahl von 16 124 Menschen, die unmittelbar von einem Feuer in der unterirdischen Station bedroht sein könnten und sie so schnell wie möglich verlassen müssten. Die Projektbefürworter, wunderte sich Engelhardt, gingen in ihren Modellen "einfach davon aus, dass die Züge nie voll sind". Und sie lege längere Züge statt der kürzeren zugrunde, die aber wegen der Doppelbelegungen der Gleise mal zwei genommen werden müssten. "Richtig und mit vollen Zügen gerechnet wird der Tunnelbahnhof S 21 im Brandfall zur Todesfalle", prognostiziert der Physiker. Einen Tod werde auch das Projekt sterben: entweder wegen fehlenden Brandschutzes oder wegen mangelhafter Leistungsfähigkeit.

Fallen die Treppenhäuser völlig weg, wird der Konflikt zwischen der funktionierende Entfluchtung auf der einen und dem immerwährenden Kapazitätsteigerungs-Versprechen auf der anderen Seite noch größer. Letzteres hatte der Tübinger OB Boris Palmer schon in der Schlichtung derart gekonnt zerpflückt, dass es zu dem inzwischen legendären Jobangebot durch Bahnvorstand Kefer kam ("Ich zolle Ihnen meinen Respekt, hätten Sie nicht Lust, bei uns als Planer anzufangen?").

Würden die Treppenhäuser tatsächlich an die Tunnelöffnungen gerückt, bräuchte die Bahn allerdings einen vor allem in Psychologie geschulten Brandexperten. Einen, der erläutert, wie Panik entsteht, wenn es brennt und raucht und die Fluchtwege auf den 420 Meter langen, bekanntlich weit über Gebühr geneigten Bahnsteigen von vielen der Tausenden Reisenden überhaupt nicht oder nicht mehr zu sehen sind.


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23 Kommentare verfügbar

  • by-the-way
    am 20.10.2015
    @Müller

    Meine Empfehlung: "Proler go home" !

    Und nutzen Sie die, solange zumindest noch ein Fluchtweg bleibt...
  • Müller
    am 19.10.2015
    @Thomas
    " ..Nunja, mit dreckigen Tricks die Meinung zu forcieren machen die Politiker ja schön vor. Behauptungen aufstellen, dramatisieren, diffamieren und einfach lügen..."
    Mal angenommen es würde stimmen, was Sie schreiben. Dann gestatten Sie mir eine Frage:
    Seid ihr nicht mal angetreten um besser zu sein als die Menschen die ihr so verachtet?
    Aber neun, man will beim Lügen noch einen draufsetzen.
    Was sollten z.B. diese beknackten Teilnehmerzahlen? 58.000 Menschen bei einer Demo im März 2011 vor dem kleinen(!) Schlossplatz. :-)
    Und danach "Lügenpack" grölend durch die Stadt marschieren.
    Einfach nur absurd.
    Dass bei einem Großprojekt nicht alles zu 100% berechenbar ist liegt schlicht an der Komplexität.
    Aber der Protest basiert nicht auf Komplexität sondern auf primitivster Stimmungsmache.
  • jon
    am 19.10.2015
    Offen gesagt ich versteh die Aufregung net. Lasst sie doch einfach machen und freuen wir uns auf das Ende. Das wird meiner Einschätzung nach ungefähr so aussehen: irgendwann ab 2025 wird die Bauabnahme und Betriebsgenehmigung fällig. Dabei wird dann klar, dass aufgrund der Bahnsteigneigung niemals 2 Züge auf einem Gleis stehen dürfen, also rein rechnerisch max. 32 Züge pro Stunde in den Bahnhof einfahren können. Allerdings wird die Genehmigungsbehörde dann sagen, aufgrund der unzureichenden Entfluchtung können aus Brandschutzgründen max. 28 Züge pro Stunde einfahren, wobei ein gleichzeitiger Halt von langen Zügen an einem Bahnsteig ausgeschlossen sein muss. Das bedeutet dann das Ende des Rosensteins und den Erhalt der oberirdischen Gleise, weil sonst das Fahrgastaufkommen nicht mehr bewältigt werden kann. Die Alternative könnte dann nur sein, dass ICE-Fernzüge künftig an einem noch zu schaffenden Halt in Untertürkheim verkehren um den Hauptbahnhof zu entlasten. Das hätte man allerdings auch schon ohne S21 machen können. Schilda war im Vergleich mit diesem Murks ja noch durchdacht.
  • Blender
    am 19.10.2015
    Die stümperhaften Bauherren der Bahn vergaßen "aus Versehen" so etwas banales wie die Statik und somit rechtzeitig die Baugenehmigung für die Bodenplatte einzuholen http://netzwerke-21.de/?p=12222 . Wenn das so bleibt brauchen wir uns vielleicht über Kelchstützen und Fluchtwege keine weiteren Gedanken mehr zu machen. Auch Ideen zu Städtebau sehen dann vielleicht am Ende ganz anders aus, als man es jemals heute planen könnte, Herr Ingenhoven. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-ingenhoven-vermisst-ideen-zum-staedtebau.f547dde3-5c16-4eb8-aa2d-f22db6750752.html
  • Thomas
    am 18.10.2015
    @Müller: Nunja, mit dreckigen Tricks die Meinung zu forcieren machen die Politiker ja schön vor. Behauptungen aufstellen, dramatisieren, diffamieren und einfach lügen. Wie weit Ehrlichkeit und Sachlichkeit dabei kommt, sah man ja bei der Schlcihtung: Interessiert keine Sau mehr.

    @Daeschler: Nein, wie kann man so eine schlechte Rechnung aufstellen mit maximal 200m? Wenn ich am Ende des Bahnsteiges stehe und genau dort das Feuer bzw. die Notsituation ausbricht, dann kann ich schlecht durchs Feuer flüchten sondern muss den ganzen Bahnsteig auf die andere Seite laufen.

    S21 schafft sich selbst ab. Es hinterlässt in jeglicher Hinsicher verbrannte Erde. Schlimmstenfalls verbrannte Menschen.
  • FernDerHeimat
    am 16.10.2015
    Das Geschreibe von diesem "Müller" kennt man schon zur Genüge von den STN/Z-Forentrollen.
  • Müller
    am 16.10.2015
    @dichtbert
    Warum kann man un einem Artikel nicht einfach bei der Wahrheit bleiben?
    Weil die Wahrheit zu wenig Anlass bietet um Wut zu schüren?
    Warum musste man z.B. das Mineralwassermärchen erfinden um die Menschen gegen S21 aufzubringen?
    Die Antwort ist einfach. Durch die Dramatisierung kann man politischen Einfluss erreichen. Siehe Pegida. Siehe LTW in BW.
    Sorry, ich mags einfach nicht, wenn die ganze Aufregung, egal ob rechts oder links, durch haltlose Dramatisierung erreicht wird. Man kann an Ihnen sehr gut sehen wie leicht die Manipulation ist.
    PS: wenn 400 Meter ganz schlimm waren. Sind dann 200m halb so schlimm?
    Oder immer noch ganz schlimm? :-)
  • Horst Ruch
    am 15.10.2015
    ....ganz einfach, den Muster- Licht/Stützkelch als Denkmal für Frei Otto im Schlossgarten aufstellen und das komplette Leipziger"Platz" Dach/Lichtaugen/Notausgang/Rauchabzugs Gedöns weglassen, keine Bedachung ,einfach so wie die Bahnhofsfunktion ausgelegt ist, einen Bahn-Haltepunkt erstellen. Die Tiefpunktbahnsteige partiell mit 'nem Regendächle versehen, fertig ist S21. Die Bahn zahlt den verauslagten Kaufpreis zurück, keine teuren Rauchabzüge, sicherlich viel Geld gespart........und....es ist weltweit der einzige Hauptbahnhof, der Geschichte schreiben wird. Die Touristen werden in Scharen anreisen um das modernste Schilda allerzeiten in Augenschein zu nehmen. Ein Triumpf für Ex-OB Schuster und Noch-OB Kuhn.
    Ein Traum ist wahrgeworden.
  • maguscarolus
    am 15.10.2015
    Nach meiner Vermutung beruht der ganze Eiertanz der S21-Planer auf dem verzweifelten Bemühen, den Finanzierungsrahmen noch irgendwie zu halten. Würde alles getan, um das Projekt so fortzuführen, dass es allen Geologischen und rechtlichen Anforderungen gerecht würde, dann wäre das gewiss nicht im Entferntesten zu schaffen.
  • dichtbert
    am 15.10.2015
    Rainer Daeschler, 15.10.2015 12:46 Korrekt.. davon ausgehend, dass überhaupt an alle Bahnsteigenden gedacht wurde.
  • Rainer Daeschler
    am 15.10.2015
    @dichtbert: "Als Folge verlängern sich nämlich die Fluchtwege auf über 400m."

    Es sind 200m im schlechtesten Fall für die, die genau in der Mitte des Bahnsteigs sich aufhalten. Bei der Marschgeschwindigkeit napoleononischer Heere von 6 km/h ist man als sind 2 Minuten an der Fluchttreppe. Für einen Raum, der sich bereits mit Rauch zu füllen beginnt, ist das keine ideale Zeit. Sollte die Quelle allerdings an einem der beiden Enden sein und man deshalb die gegenüberliegende Fluchttreppe aufsuchen müssen, könnte es für einige tatsächlich auch mal zu 400 Metern Fluchtweg werden. Leistungssportler ohne Gepäck schaffen 100 Meter in 12 Sekunden. Wer aus diversen Gründen (unter anderem bereits genannten) aber nur langsam vorwärts kommen kann, der hat schlechte Karten. Das bedeutet in andern Worten: "Survival of the quickest".
  • dichtbert
    am 15.10.2015
    Müller, 15.10.2015 07:15 - ein Verschieben der Fluchttreppenhäuser an die Banhsteigenden enspricht de facto einem "Entfallen". Als Folge verlängern sich nämlich die Fluchtwege auf über 400m. Sie können doch hoffentlich rechnen. Dann überlegen Sie mal, wie lange man benötigt um so eine Strecke zurückzulegen (im ungünstigsten Fall mit Kinderwagen oder Krücken). Feuerlöscher werden ja auch nicht ausserhalb von Gebäuden installiert. Was das ganze nun mit Pegida zu tun haben soll, erschliesst sich mir allerdings nicht so ganz. Aber evtl. können Sie uns mit Ihrem brillanten Geist ja diesbezüglich aufklären.
  • Müller
    am 15.10.2015
    @dichtbert
    Es steht auch in den STN nichts davon, dass die Treppenhäuser völlig wegfallen sollen.
    Um etwas Drama in das Brandschutzthema zu bringen hat dies der Autor dazugedichtet.
    Die Foristen springen voll drauf an.
    Ein Musterbeispiel wie Stimmungsmache funktioniert.
    Pegida lässt grüßen.
  • Ralf Kiefer
    am 14.10.2015
    Wie wäre es mit einem Blick nach Addis Abeba:
    "In nur drei Jahren stampften nun überwiegend chinesische Unternehmen die 475 Millionen Dollar teure Stadtbahn aus dem Boden."

    17km Länge, 22 Haltestellen, eine Mischung aus U-Bahn und moderner Straßenbahn.

    Die Nutznießer und Befürworter von BER, S21, dem Kölner Untergrund und dem Karlsruher Fenrich-Loch mögen sich mal kurz hier weiterbilden:
    http://www.heute.de/aethiopien-faehrt-tram-chinesen-bauen-erste-stadtbahn-linie-in-afrika-40308188.html
  • Markus Hitter
    am 14.10.2015
    Ja, ein guter Artikel.

    Das "witzige" an der Sache ist, dass die Bahn lustig umplanen kann wie sie will, die Weiterbaugenehmigung ist erteilt und wird mit den Umplanungen auch nicht hinfällig. Sie kann also weiterhin nach Herzenslust baggern und bohren, ob mit oder ohne Plan.

    An der Stelle fragt man sich dann langsam, wozu es überhaupt noch Planfeststellungen und Baugenehmigungen gibt, wenn das Ergebnis dann doch völlig anders aussieht als das, was ursprünglich mal genehmigt wurde.
  • Barolo
    am 14.10.2015
    Tja das ist nun echt ein Catch22.
    Nun hat man mit viel Aufwand die Zahl von 49 Züge hingelogen um eine Leistungsfähigkeitssteigerung zu beweisen. Wobei die Leistungsfähigkeit des Kopfbahnhofes tunlichst verschwiegen wurde.
    Und nun hat man mit der Lüge ein reales Brandschutzproblem.
    Aber mit Lüge 1 hat man sich schon mal den Baufortschritt gesichert.
    An die Brandschutzlüge machen wir uns erst am Schluss, wenn nichts mehr zu stoppen ist. Man nennt das ein hohes Erpressungspotential.

    P.S.: Von wieviel Zügen ist eigentlich im original Bauantrag die Rede?
  • CharlotteRath
    am 14.10.2015
    Sofern ich mich richtig erinnere, ist in der Festschrift zum 100-Geburtstag des Stuttgarter Hauptbahnhofs folgende Information enthalten, nämlich dass rund 80 % der Zugreisenden hier ein-, aus- und umsteigen. Also sind nur 20 % der Menschen auf der Durchreise. Einleuchtend, einen solchen Bahnhof zum Durchgangsbahnhof umzubauen. Und logisch, In einem Durchgangsbahnhof braucht es auch keine Treppenhäuser. Man könnte sich sogar die verflixt abschüssigen Bahnsteige sparen.
    Ungefähr 5 % des Tageslichts sollen die schicken Bullaugen später einmal zu den Gleisen leiten (siehe weiterer Kontext-Artikel dieser Ausgabe).
    S21 toppt längst schon den Bau des Rathauses zu Schilda ...
  • Schwabe
    am 14.10.2015
    Ein m.E. ebenso aufklärender wie wichtiger Artikel - vielen Dank Frau Henkel-Waidhofer.
    Meine spontane Vermutung ist übrigens, dass die S 21 Verantwortlichen mit der beabsichtgigten Verlegung der Fluchttreppenhäuser ans Ende der Bahnsteige - ohne es öffentlich einzugestehen - dem Rechnung tragen was die Kritiker schon immer sagen: Die Bahnsteige werden zu eng für die aufkommende Personenzahl! Als nicht sehr überzeugendes Argument versucht man dies nun mit den esthetischen Ansprüchen des Ingenhofen zu kaschieren.

    Beim geplanten Kellerbahnhof S 21 und dessen mangelndem "Brandschutz" geht es nicht nur um Menschenleben die von den Verantwortlichen bewußt aufs Spiel gesetzt werden (trotz Fluchttreppenhäuser), sondern auch um den andauernd und massiv geleugneten/vertuschten und mit Milliarden Euros an (veruntreuten) Steuergeldern finanzierten Leistungsrückbau des Öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehrs. Also um eine bewußte Zerstörung eines Teils der Daseinsvorsorge unserer Gesellschaft, zu der neben dem ÖPNV im Übrigen auch das Gesunheitswesen, die Energieversorgung, sozialer Wohnungsbau und die Bildung gehören (Privatisierung der Daseinsvorsorge = Enteignung der Gesellschaft und degradiert ausschließlich zum zahlen).
    Mir drängt sich immer wieder folgendes Bild auf:
    Unter dem fortwährenden Hinweis der demokratischen Legitimation durch unsere Verantwortlichen (Politiker), flankiert von den Leitmedien, werden wir als Gesellschaft/Steuerzahler geradezu gezwungen unser eigenes Grab auszuheben/zu finanzieren. So funktioniert m.E. bürgerlich neoliberale Politik. Radikal am Kapital orientiert und ausschließlich dem Schutz von Investoren und der Privatisierung verpflichtet. Ganz im Sinne einer "marktkonformen" besser "marktradikalen" Demokratie. Meines Erachtens kommt dies kollektivem Amtsmißbrauch durch Mißachtung/Mißdeutung des Mandats unserer sogenannten Volksvertreter gleich. Insbesondere derer in Regierungsverantwortung.
  • Tillupp
    am 14.10.2015
    Da Feuer und Rauch nach oben strebt ist die einzige sinnvolle Möglichkeit für Menschenschutz bei Feuer- und Rauch viele kleine Schutzräume die unterhalb der Bahnsteige liegen und die mit Betten, Wickeltischen, Getränken und Essensrationen ausgestattet sind. Wenn dann das Feuer gelöscht ist, kann man sich um die Überlebenden kümmern. Wahlweise könnten diese rauchfreien Flucht-Räume auch durch ein Tunnel- und Brandtüren-System miteinander verbunden sein und vielleicht sogar einen Zugang nach außen haben, aber eben alles unterhalb der Schrägtiefhaltestelle (S21). Flucht nach oben war in Kaprun https://de.wikipedia.org/wiki/Brandkatastrophe_der_Gletscherbahn_Kaprun_2 damals zu 100% tödlich, und wird es auch in Stuttgart sein.

    Die bessere Alternative bleibt aber die Tunnel für den Autoverkehr zu benutzen die Abluft aus den Röhren als Zuluft in Heizkraftwerken zu verwenden und so den Feinstaub gleich mit zu verbrennen. Der Bahnverkehr bleibt oben, bekommt noch 2 Gleise mehr (dort wo Süd- und Nordflügel abgerissen wurden) und die bisherigen Durchgangstraßen werden verkehrsberuhigt.
  • leo loewe
    am 14.10.2015
    Brandschutz ist kein "nice to have" -- es ist schlicht Vorschrift und die notwendige Vorsorge für den Fall der Fälle. Und wenn die Bahn AG jetzt meint, es ginge auch ohne, dann wir aus dem "Kellerbahnhof S21" tatsächlich eine unendliche Geschichte werden, vergleichbar mit dem Superflughafen BER in der Hauptstadt.

    Einige Fragen bleiben aber schon heute: Wer ist denn für diesen Dilettantismus beim Bau verantwortlich? -- Und wer zahlt am Ende für dieses Rumgeeiere um Bauvorschriften, die ja schwarz auf weiß nachzulesen sind? -- Warum schaffen es die DB-Projektbau und das zuständige Architekturbüro denn nicht von selbst, sich an solche Leitlinien zu halten?

    # leo loewe
  • Peter Boettel
    am 14.10.2015
    Die Planer gehen wohl davon aus, dass es keinen Brand geben dürfe; die Nutzung der Fahrstühle ist in einem solchen Fall bekanntlich verboten; also überlässt man die Fahrgäste ihrem Schicksal.

    Vemutlich werden oder wurden die Vorschriften des EBA auch wieder diesem Schildbürgerstreich angepasst.

    Nur ein privater Bauherr eines Eigenheims bekäme Probleme mit der Baurechtsbehörde, womöglich sogar eine Abrissverfügung. Aber die DB darf sich über alle noch so einschlägigen Regelungen, die dem Schutz von Menschen dienen, hinwegsetzen.
  • dichtbert
    am 14.10.2015
    @Müller, 14.10.2015 07:12 das müssen Sie schon die StN fragen. Wie oben im Artikel steht, stammen diese Informationen aus deren Recherchen (aus deren Redaktion übrigens der Projektsprecher Hamann entsprungen ist und sicher noch vorzügliche Kontakte dorthin hat) http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-im-tiefbahnhof-doch-keine-fluchttreppen.084f49ee-6573-47f0-b357-6e0b7ad83ba9.html
  • Müller
    am 14.10.2015
    Was ist denn das wieder mal für ein Artikel?
    Die Bahn prüft in Kooperation mit den Experten, z.B. der Brandschutzdirektion, ob man die Treppenhäuser verschieben kann.
    Zitat:
    "Fallen die Treppenhäuser völlig weg,.."
    Davon redet doch gar niemand. Was ist das für ein Journalismus der den Lesern stets Dinge suggeriert, die gar nicht Inhalt der Debatte sind?

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