Ausgabe 119
Politik

Das grüne Schweigen

Von Josef-Otto Freudenreich
Datum: 10.07.2013
Die Grünen waren einst angetreten, Stuttgart 21 zu verhindern. Jetzt sind sie an der Macht – und schweigen. Bloß nicht mit dem Thema in den Wahlkampf ziehen, schön still halten und darauf hoffen, dass es der brave Bürger honoriert. Das schafft gewaltigen Verdruss bei denen, die ihnen vertraut haben.

Pfarrer gelten gemeinhin als geduldig und leidensfähig. Sie verstehen und verzeihen und halten es auch 30 Jahre bei den Grünen aus. Wie Martin Poguntke, ein Stuttgarter  Theologe, der an einem Gymnasium unterrichtet. Ein Linker schon immer, der in seiner Tübinger Studentenzeit Blumengrüße an den RAF-Terroristen Günter Sonnenberg geschickt hat, wegen der Barmherzigkeit, und später grüner Gemeinderat in Weil der Stadt wurde. Wegen der Demokratie. Aber jetzt ist er ausgetreten, mit 59 Jahren und wegen Stuttgart 21. Seine Partei schlage sich "in die Büsche", schimpft Poguntke, ausgerechnet beim größten "Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte".

Der Pfarrer verrät damit nichts, was ihm geplagte Seelen anvertraut hätten. Es ist so, nur sagt's kaum einer. Ministerpräsident Winfried Kretschmann ("Die Katz isch dr Baum nuff") hat sich verabschiedet, von den Berliner Größen Jürgen Trittin und Renate Künast ist nichts mehr zu hören, Verkehrsminister Winfried Hermann ist abgetaucht, und der Bundestagskandidat Cem Özdemir eiert über die Wochenmärkte, stets in der Sorge, eine Haltung zu S 21 könnte bürgerliche Wähler verschrecken. Nur seine Parteifreunde in Stuttgart, und die wissen warum, halten das Fähnlein noch hoch. Ganz tapfer hat der Kreisverband erklärt, Stuttgart 21 sei und bleibe ein "wichtiges Thema" im Bundestagswahlkampf. Das musste betont werden, nachdem die grüne Landeswahlkommission beschlossen hatte, das Publikum damit nicht zu behelligen.

Brigitte Lösch – die letzte prominente Mohikanerin

Da wird's einsam um einen, wenn frau nicht mitspielt. Brigitte Lösch, die Vizepräsidentin im Landtag, ringt in ihrem Büro mit einem neuen Computerprogramm und um Worte. Kritik am eigenen Verein ist gefährlich. Klartext und mehr Kante wünscht sie sich von Kretschmann, der Partei und Fraktion, mehr Anerkennung für das, was die Bewegung geleistet habe. Sie ist die letzte prominente Grüne, die bei den Montagsdemos redet, und die einzige, die Poguntke geantwortet hat. Mit Bedauern habe sie seinen Austritt zur Kenntnis genommen, hat sie ihm geschrieben, aber vielleicht helfe der Schritt, die Partei aufzurütteln und die Basis in ihrem Widerstand zu stärken. Dadurch ist ihre Rolle als letzte Mohikanerin im grünen Machtapparat definiert. Das erhöht die Durchschlagskraft ihrer Argumente nicht, die zwar stimmen, aber nicht mehr in den Plan ihrer Partei passen: Der Bahnhof ist schlecht, und die Bewegung hat recht. Denkt Lösch und sagt, sie lasse sich das Denken nicht verbieten.

Kretschmanns Strategen sagen etwas ganz anderes: Stuttgart 21 ist kein Gewinnerthema. Ihre Analyse ist emotionsfrei: Niederlage um Niederlage habe man sich eingehandelt, die Volksabstimmung, zuletzt der Beschluss des Bahn-Aufsichtsrats, die zementierten Dreiviertelmehrheiten in den Parlamenten, sprich keine Chance. Was also der Kundschaft anbieten? Das Eingeständnis, nicht genug gekämpft zu haben? Die Illusion, das Projekt noch stoppen zu können? Mit Kretschmann, Özdemir & Co? Undenkbar. Das sehen die Politmanager kühl und rechnen die Prozente gegeneinander auf, die sie links verlieren und rechts gewinnen. Bürgerlich ist besser, so das Kalkül, und Stuttgart ist nicht Baden-Württemberg.

Dazu passt die Berliner These, die so steil nicht ist. Der Politologe Peter Grottian gelangt zu dem Ergebnis, dass die "machtstrategische Allianz Schwarz-Grün" subito kommt, nachdem die SPD bereits "das Handtuch geschmissen" habe, und die Wahl im September die letzte Chance der grünen Führungsriege sei, den scheinbaren Zauber von angeblicher Macht zu genießen. Serviert von Kanzlerin Angela Merkel, die als "Eintrittsofferte" unter anderem einen Rückzug aus dem S-21-Projekt auftischen könne. Solche verlockenden Aussichten mag man nicht durch Querschüsse stören. Lieber schön still halten.

Walter Sittler: Das Thema ist bei den Grünen durch

Auch Walter Sittler kennt diese Planspiele. Im Café Zimt und Zucker trinkt er Holunderbeersaft, voll erholt zurück vom Krimidreh auf Gotland, und sieht seine Mission im "taktischen Nebel" der Realpolitik verschwinden. Will sagen: Das Thema S 21 ist bei den Grünen durch. Nun ist Sittler zwar eine Galionsfigur der einst hoch bestaunten "Stuttgarter Republik", aber keiner, der "Verräter" oder "Lügenpack" schreit. Er hat's lieber grundsätzlicher und fragt nach den "ethischen Leitplanken" in der Politik, die er, wenn überhaupt, nur noch schemenhaft erkennen kann. Es sei "fast wurscht", wen er wähle, so lange der "Verstand im Schrank weggesperrt", eine selbstbewusste Bürgerschaft von allen Parteien "nicht erwünscht" sei. Offenbar auch von den Grünen nicht, die im Fall von Stuttgart 21 der Kapitulation den Vorzug geben, um die Macht zu erhalten.

Sittler war immer vorne mit dabei, wenn es um den Bahnhof ging und darum, was darunterlag: das erschreckende Demokratiedefizit. Nicht von ungefähr steht er, zusammen mit Peter Grohmann, Volker Lösch, Christine Prayon, Hannes Rockenbauch, Heinrich Steinfest, Annette Ohme-Reinecke und Egon Hopfenzitz unter dem "Stuttgarter Manifest", in dem vom "Prinzip S 21" die Rede ist. Der Bahnhof ist hier nur ein Synonym für eine korrumpierte Politik, die sich zum Spielball der Ökonomie macht und ihre Wähler am Nasenring durch die Manege führt. Die Stuttgarter Bürgerbewegung war für Sittler eine Antwort darauf – mitgetragen von den Grünen.

Ob das noch so ist? Der Zweifel ist ein doppelter. Stark bei der Ökopartei, zunehmend beim Protest. Die Resignation ist unverkennbar, der Rückzug ins Private ebenso. Das Kreative, Lockere, Leichte, die massenhafte Begeisterung ist einem ritualisierten Widerstand gewichen, der Montag für Montag, inzwischen zum 179. Mal, zum Zustand geworden ist. Die Debatten darüber sind nicht neu, neu ist ihre Schärfe in den eigenen Reihen. Auf den Parkschützer-Seiten wird über eine "unappetitliche Klientel" aus "fanatisierten Älteren" hergezogen, die "laut gestikulierend und Selbstgerechtigkeit ausstrahlend" durch die Straßen ziehe. Die Autorin wiederum wird als "elitäre Schnepfe" beschimpft, die nur das Ziel verfolge, zu spalten, was wieder andere schon als vollendete Tatsache sehen.

Und beim Protest geht wieder einmal der Spaltpilz um

Es geht, und auch das nicht zum ersten Mal, um den richtigen linken Weg. Eingefordert werden Transparenz und Demokratie – diesmal von den eigenen Leuten. Blogger Zwuckelmann, ein ausgewiesener S-21-Gegner, attackiert das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 als "geschlossenen Zirkel", die Aktiven Parkschützer als "abgeschottete Gruppe" und bilanziert, dass es auch hier um Macht, Einfluss, Prestige und Geld gehe. In den Kommentaren folgen ihm viele und warten auf Antworten. Kommen sie nicht, kehrt der Vorwurf, nur der Feind verhandle im Hinterzimmer, als Bumerang zurück.

Nun ist der Sitzungsraum 10 im Stuttgarter Rathaus kein Hinterzimmer und Clarissa Seitz nicht Tanja Gönner. Dort tagt das Aktionsbündnis, und Frau Seitz ist Sprecherin. Die 53-Jährige ist Psychologin, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit, grüne Stadträtin und geübt im Einstecken von Niederlagen. Sagt sie und verweist auf ihre Zeit im S-21-Protest. Seit den 90er-Jahren, als sie noch Flyer für den OB-Kandidaten Rezzo Schlauch verteilt hat. Sie ist also einiges gewöhnt.

Was sie nicht leiden kann, ist die "Selbstzerfleischung" im eigenen Lager. Die Psychologin möchte den "Esprit der Bewegung" zurück und die Verbitterung weghaben. Dazu zählt sie wohl auch den Vorwurf des geschlossenen Zirkels, der für den Außenstehenden unsinnig erscheint. In der Runde hocken nicht nur die Grünen, sondern auch der BUND, der VcD, Pro Bahn, die Linke, die SÖS, Teile der SPD, Architekten, Gewerkschafter, die Schutzgemeinschaft Filder, die Parkschützer, und sie streiten sich bisweilen wie die Kesselflicker. Um Kompetenzen, Kasse und Koalitionen. Aber irgendeiner fehlt halt immer in der Basisdemokratie.

Entscheidender ist, gerade jetzt in Wahlkampfzeiten, welche Sprünge der Bahnhofshase noch machen kann. Für Clarissa Seitz ist das klar. Sie will den "wirklichen Feind" bekämpfen, mit allen, die ihre Transparente noch hochhalten. Was sie nicht mehr will, ist, dass von der Demobühne herunter verkündet wird, Grüne hätten "Lügenbeine". Für sie ist das so unterirdisch wie der Bahnhof.

 

Eisenhart von Loeper und Werner Sauerborn, Mitglieder des "Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21", antworten auf die Kritik von Blogger Zwuckelmann.


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39 Kommentare verfügbar

  • Jörg Rupp
    am 04.08.2013
    Eine demokratische Partei beugt sich einer demokratischen Entscheidung und verrät deshalb die Bewegung?
    Ich kann nachvollziehen, dass man enttäuscht ist über den Ausgang der Volksabstimmung - nichtsdestotrotz war der Ausgang , wie er war. Ja, natürlich stimmten die Aussteigskosten nicht und nicht jedes der Argumente der Befürworter war korrekt. Aber bitte, auf beiden Seiten wurde manches beschönigt, kleingeredet, unterschiedlich dargestellt. Die Mehrheit der Bürger_innen hat sich entschieden. Und den Vertrag, der das "weiter so" trotz aller Ungereimtheiten ermöglicht, den hat jemand anders unterschrieben.
    Denn über all dem: es liegt ein rechtsgültiger Vertrag zugrunde. Den mag man Mist nennen, aber so ist es.
    Wer heute über uns Grüne schimpft, der muss sich fragen lassen, wo er war, als die S21-Planungen begonnen haben - über viele Jahre waren wir nömlich fast alleine mit diesem Thema. Wir haben wegen S21 das Verkehrsministerium gewollt - und dies teuer an die SPD bezahlt.
    Jetzt geht alles seinen bürokratischen Gang. Wir haben durchgesetzt - und das hätte die SPD sicherlich lieber anders gehabt - das der Kostendeckel drauf bleibt. Aus juristischer Sicht kann heute nur noch die Bahn das Projekt stoppen. Vielleicht ein grüner Bundesverkehrsminister.
    Nichtsdestotrotz gibt es genügend andere Themen im Land - und nicht nur den Tiefbahnhof. Als demokratische Partei, zudem an der Regierung, bindet die Volksabstimmung. Wieso macht diese Bewegung eigentlich keinen Druck auf die CDU/FDP in Sachen mehr Basisdemokratie? Lamentieren über verlorene Schlachten hilft nichts - man braucht eine Strategie, das es anders wird. Weiter dagegen kämpfen - in den Gremien - ist der eine Weg. Eine Kleinpartei wie wir kann nicht weiterhin jede Woche in Stuttgart auf die Straße gehen.
    Aber ich befürchte, werden die Demokratiegegner von enttäuschten Stuttgart 21-Gegenrn noch die Stimmen bekomen, die sie bevollmächtigen, das nächste Projekt genauso durchzuziehen, wie S21.
    Brigitte Lösch wird in diesem Artikel aber zurecht gelobt. SIe hat mit S21 ein Herzensthema. Aber so ist das nicht bei allen, und das kann man auch nicht erwarten. Es gibt tatsächlich auch noch andere Tehmen in Land und Bund. Warten wir mal ab, wie Stuttgart am 22.9. wählt.
  • maguscarolus
    am 15.07.2013
    Die "fanatisierten Älteren": Sind das nicht einfach jene, deren Lebenserfahrung angesichts der immer gleichen Bereicherungsmentalität kontrollentzogener "Eliten" allmählich in einen ohnmächtigen Zorn und Überdruss mündet?

    Und S21 ist doch nichts Anderes als das Schaustück, an dem der ganze menschenfeindliche Machtzirkus, der als "Demokratie" aufgepimpt daher kommt, in seiner ganzen intriganten Schändlichkeit und Abgefeimtheit für Alle, die noch klar sehen können, sichtbar wird.

    Es geht bei S21 nur um Macht und Geld und zu allerletzt um Stuttgart, um die Stuttgarter und um den Bahnhof. Der Bahnhof ist nur das Vehikel für den Trip, auf dem unsere "Eliten" gerade sind, und deshalb muss das "Projekt S21" gegen alle Vernunft und gegen alle Wirtschaftlichkeit durchgedonnert werden. Dass es ein Fiasko in jeder öffentlichkeitsrelevanten Hinsicht wird ist jetzt schon klar. Genau so klar ist aber auch, dass trotzdem einige Politiker daraus Prestigehonig saugen werden, dass einige Investoren daraus Geld saugen werden und dass der gesamte Schaden und der gesamte entstehende Verdruss zu 100% bei den Bürgern abgeladen wird.
  • maguscarolus
    am 13.07.2013
    Die staatstragende Grüne Partei stellt sich für eine schwarz-gelbe Koalition auf, in der man dann brutalstmöglich die FDP rechts und unterirdisch überholen wird.

    Wie kann irgend jemand die ministerpräsidentiellen Kretschmann'schen Eiertänze anders interpretieren wollen als so?
  • Jörg Krauß
    am 13.07.2013
    Rein von meinem Informationsstand in den letzten Jahren, kann ich für mich keine "Wahlempfehlung" für die Landes- oder Bundesgrünen abgeben. Evtl. ist mein Denken ebenfalls zu beschleunigt im allg. alternativlosen "Wachstumswahn". Das "grüne Schweigen" führe ich auch darauf zurück, das Anspruch und Realität, Mehrheiten zu bekommen, speziell bei Herrn Özdemir und Frau Roth dialektisch so ausgeprägt sind, das einem der persönlich grüne Gedanke einer gerechteren Welt schnell abhanden kommt, wenn Mensch versucht, die Inhalte zu ergründen, die die sich aus den Aussagen auch dieser Protagonisten ergeben oder auch nicht.
  • koste es was es wolle
    am 13.07.2013
    an den Poet des Wandels - Markus Koch

    Du nennst ein schönes Beispiel der Widersprüchlichkeit, dass man höhere Summen in einen ertüchtigten Kopfbahnhof stecken wolle, um Ökologie zu verwirklichen, wo wir doch gleichzeitig wissen, dass das gleiche Geld, in den Güterverkehr investiert, viel mehr Effektivität hätte. Dann kommt der Gedankensprung zu den inneren Widersprüchen und der mangelnden Bewusstheit über den eigenen gesundheitlich-seelischen Zustand, der eben auch zu den Verwerfungen innerhalb des Widerstandes seine Beziehung hat. Du hättest auch noch schreiben können, dass eine bessere innere Ausgeglichenheit nicht nur zu weniger Fleischkonsum / Rauchen und sonstige schlimme Sünden führen würde, sondern auch zu einer Verminderung des Güterverkehrs selbst.

    Ich denke, man muss kein Poet sein, um hier in schönen Worten und korrekter Rechtschreibung solche Appelle zu platzieren. Es würde wohl reichen, mal die große Schaffigkeit für ein paar Monate auszusetzen und sich wieder um seinen eigenen Kram zu kümmern oder noch besser sich Mußestunden zu genehmigen und Antennen auszubilden für Dinge, die nicht im Internet oder anderen sogenannten Medien zu finden sind.

    Die Illusion, direkt äußere Dinge beeinflussen zu können, die auf jahrzehntelangem "falschem" Denken basieren, ist schon arg groß und wir verkennen, dass diese äußeren Fehlentwicklungen der Spiegel sind, der uns unser Denken in seinen Ergebnissen deutlich vor Augen führt. Es ist ein Missverständnis, zu glauben, eine gewisse andere Gruppe könne für dieses falsche Denken verantwortlich gemacht werden. Denn es gibt kein falsches, sondern nur ein zu wenig gründliches Denken; ein Denken, das auf-eine-Meinung-haben reduziert wurde, und das dem Mehrheitsprinzip also dem Zufall unterworfen wird.

    Kommen wir also zurück auf den hier im Artikel beschriebenen Widerstand der zu einem verharrenden, weil ritualisierten Zustand geworden ist. Die jetzt beschriebenden Schwierigkeiten sind ein Zeugnis dafür, dass die Kritisierten und die Kritisierenden ein Teil des Systems sind, aus dem auszuscheren so schwer ist. Der Blick ist momentan weniger auf den äußeren als auf den inneren Feind gerichtet, und das ist vielleicht ganz gut so, wenn man da noch einen Schritt weiter geht. Allerdings nicht, um sich auf das Formelhafte und schön Formulierte zurückzuziehen, sondern um sich Fähigkeiten zu erwerben, die wieder eingebracht werden wollen, die im Äußeren und im Sozialen wirken sollen. Allerdings ist das ein zäher Prozess; das wusste schon Lessing:

    §. 85.
    Nein; sie wird kommen, sie wird gewiss kommen,
    die Zeit der Vollendung, da der Mensch,
    je überzeugter sein Verstand
    einer immer bessern Zukunft sich fühlet,
    von dieser Zukunft gleichwohl
    Bewegungsgründe zu seinen Handlungen zu erborgen,
    nicht nöthig haben wird;
    da er das Gute thun wird, weil es das Gute ist,
    nicht weil willkührliche Belohnungen darauf gesetzt sind,
    die seinen flatterhaften Blick
    ehedem bloß heften und stärken sollten,
    die innern bessern Belohnungen desselben zu erkennen.

    §.91.
    Geh deinen unmerklichen Schritt, ewige Vorsehung!
    Nur lass mich dieser Unmerklichkeit wegen
    an dir nicht verzweifeln.
    Lass mich an dir nicht verzweifeln,
    wenn selbst deine Schritte mir scheinen sollten,
    zurück zu gehen!
    Es ist nicht wahr,
    dass die kürzeste Linie immer die gerade ist.
  • mara
    am 12.07.2013
    "Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten" (Kurt Tucholsky)

    Die überwiegende Mehrheit der S21-Kritiker hat -bis heute- nicht wirklich verstanden, mit was und wem sie sich eigentlich angelegt hat. Auch deshalb fällt sie letztlich immer wieder auf die postdemokratische Finte der Personalisierung von Politik herein.

    Dazu kommt eine weit verbreitete Paternalismus- und Expertengläubigkeit. Wunderbar für alle Machtstrategen in Wirtschaft und Politik (also auch der Grünen), denn so hat man diese Bewegung unter voller Kontrolle, kann sie "befrieden", sedieren - sie sitzt fest am Haken dessen, was N. Luhmann "Legitimaion durch Verfahren" nannte.

    In dieser Logik wären Kretschmann und seine Grünen (inklusive der demokratischen Feigenblätter des Stuttgarter Kreisverbandes - "seht her, welch' innerparteilicher Pluralismus") schön blöd, S21 zum Wahlkampfthema zu machen.
  • Tauber
    am 12.07.2013
    Der Spruch dazu heißt:
    "Die Grünen sagen zu allem Ja, wenn sie nur ihren Dienstwagen behalten dürfen."
  • Demographischer Wandelnder
    am 12.07.2013
    Die abstoßende Altersdiskriminierung ebenso die äsethetische Benotung von Demonstrationsteilnehmern reproduziert genau die falschen Werte gegen die sich diese Bewegung auch zur Wehr setzt:
    Wird ein Protest schlecht wie Milch, nur weil er seinen Argumenten treu bleibt, sein politisches Handeln nicht den Zyklen von Begeisterung und Überdruss überantwortet? Nein, man sollte sich nicht die eigene Machtlosigkeit als Fehler ankreiden lassen. Wer so lange beharrlich argumentiert und protestiert und dafür im Ergebnis nur Verachtung vom Gegner und Verrat von den falschen Freunden erntet , der sieht nun mal objektiv alt aus. Man sollte stolz darauf sein, statt sich dafür zu entschuldigen! Oder müssen sich die die weitermachen nun für ihr Alter und ja auch für ihre Verbitterung bei denen entschuldigen. die rechtzeitig abspringen, wenn der ehedem schicke Protest die mühsame Ebene erreicht? Müssen sich die verratenen Protestbürger bei den Regierungsverrätern entschuldigen, dass sie den Verrat nicht freudig lächelnd hinnehmen. Und dafür dass sie Verrat Verrat nennen. Wie unschicklich. Und Warum sollen die Linken für den Grünen Verrat büßen nur weil sie auch eine Partei sind.?
  • Peter Schwilp
    am 11.07.2013
    Letztens stand in der TAZ über den Wahl-Parteitag der "Bundesgrünen" in einer Überschrift:

    " Wer hat uns veraten? Grüne Demokraten!"

    Leider ist der Inhalt meines Blog-Pamphlets vom 10.08.2011 (auf: Grüne-gegen-Stuttgart 21) durch die Wirklichkeit nicht mit Lügen gestraft worden. Deshalb weise ich an dieser Stelle noch einmal darauf hin:

    "Peter Schwilp August 10, 2011 um 15:54

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Ich habe erlebt, wie sich die Grünen in Schleswig-Holstein mit Posten haben kaufen lassen, damit der Bau der A 20, ein viel größeres Umweltverbrechen als der Bau von S 21, von den Beton- und Asphaltfanatikern leichter durchgedrückt werden konnte; gab für einige viel zu verdienen. Die Grünen waren dabei nichts anderes als feige Verräter; könnte auch sein, dass sie gar nichts mehr zu verraten hatten, so beliebig wie sie mittlerweile sind.

    „SPD und CDU sind einerlei, die sind bei jeder Schweinerei dabei.“ Wie sollte man jetzt auf die Grünen reimen? Wären die Grünen nicht nur an den lukrativen Posten interessiert, würden sie die Koalition sofort aufkündigen und sich an die Spitze des Kampfes gegen S21 stellen. Man wird ja noch ´mal träumen dürfen…

    Mit freundlichen Grüßen,
    Peter Schwilp"
  • Sabine Reichert
    am 11.07.2013
    Richtigstellung:
    Einen 'engen Kontakt' und 'gute Verständigungen und Unterstützungen' gab und gibt es zwischen dem Infobündnis Zukunft Schiene – Obere Neckarvororte und dem Aktionsbündnis leider nicht.
    Der in der Antwort von Dr. Eisenhart von Loeper und Werner Sauerborn erweckte Eindruck entspricht nicht den Tatsachen.
    Sabine Reichert
    Infobündnis Zukunft Schiene – Obere Neckarvorort
  • Marie Urban
    am 11.07.2013
    Bringen wir es in aller Kürze auf den Punkt: Nach Täuschungsmanövern wie Schlichtung und Volksabstimmung, dazwischen noch die Wahl, die die Grünen bitte wegen Fukushima und nicht wegen S21, gewonnen haben, wäre es höchste Zeit gewesen sich von der bisherigen Protestform zu verabschieden. Spätestens nach der Parkrodung musste doch jedem klar sein, dass NICHTS erreicht wurde.
    Mittlerweile profilierten sich verschiedene Grüppchen, indem sie versuchen sich mit unterschiedlichen "Freizeitangeboten" zu toppen. Montags nervt die Eventgemeinde die Stuttgarter Bevölkerung, die nur noch kopfschüttelnd das Weite sucht und sich mitnichten Infomaterial aufdrängen lässt. Die Mahnwache ist der Sammelpunkt für gleichgesinnte mit Tagesfreizeit. Das hat therapeutische Züge, hier findet jeder Kontakt. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch am Thema weit vorbei.
    Bedauerlich ist, dass jede Form der Neuorientierung kategorisch abgelehnt wird, denn ginge es um politische Forderungen wäre das die logische Konsequenz. Doch hier geht es nur noch um soziale Kontakte mit Bespassung und das musste kläglich scheitern.
  • Viktor von Berg
    am 11.07.2013
    Wenn Grohmann keine Parteifahnen sehen möchte, dann sollte er auch darauf einwirken, dass von der Veranstaltungsbühne herab keinerlei Wahlwerbung betrieben wird. Wenn Grüne auftreten und zur Generalabrechnung mit der aktuellen Bundesregierung aufrufen, wenn grüne innerhalb der Veranstaltung Stellungnahmen verteilen, wie aktiv sie im Verhindern von S21 sind.....dass die Grünen den Protest bis heute instrumentalisieren liegt auf der Hand - das AB hat erreicht, dass während des OB-Wahlkampfes keinerlei Positionierung öffentlich erfolgt - obwohl es Hannes Rockenbauch war, der jahrelang bei den Blockaden in der ersten Reihe saß und den Kopf hingehalten hat. Diese heuchlerische Neutralität Grohmanns ist unerträglich - die Grünen haben den Protest gespalten und ins Hintertreffen geführt. Wer hat den Landtagswahlkampf für die Grünen gemacht, wer ist jeder CDU-Veranstaltung hinterhergefahren, wer hat für die wahlentscheidenden Direktmandate in Stuttgart gesorgt ? Das waren wir - die S21-Gegner !
    Und jetzt wo das Pendel zurückschlägt, sich die Grünen als "Schwarzes Lügenpack" präsentieren, jetzt kommt das große Zittern und das Neutralitätsgehabe. Es reicht eben nicht sich auf eine Bühne zu stellen und "Köpfchen zeigen - oben bleiben" zu rufen und zum Füllen der Spendendosen aufzurufen. Und natürlich ist es ein "alter, grauhaariger Protest" - die Jungen wurden aus dem Protest hinausgeekelt, Aktionen wurden auf Konformität geprüft und dann anschließend (negativ) bewertet. Jetzt seid ihr eben unter euch und plötzlich verwundert, dass da auch der optische Bodensatz herumhängt, der außer einer "Trillerpfeife in der Gosche" ( Zitat Dr. Merkel) kaum etwas zu bieten hat. Der pseudointellektuelle Protest in dem zwar irgendwie alle gleich sein wollen, man aber doch gerne den Akademiker heraushängt ( siehe Beitrag oben), hat die Quittung doch längst bekommen: Ein kleiner Rundgang um dem HBF hilft weiter. Alle Bäume Heilbronnerstrasse, Schillerstrasse, Willy-Brandt-Strasse gefällt, der Schloßgarten wurde rasiert, das H7 ist nur noch eine leere Hülle - und der Protest macht so weiter also ob das alles nicht passiert ist. Irgendwie ist der Protest doch alt, verstaubt und wenig lernfähig.
  • maguscarolus
    am 11.07.2013
    Wie bei jeder "Massen"bewegung treten früher oder später die "Joschkas" dieser Welt in den Vordergrund und profilieren sich auf Kosten der ursprünglichen Anliegen und Inhalte so lange, bis ihr eigenes Ego der Inhalt und das Anliegen ist.

    Scheint menschlich zu sein und ist Krux und Elend aller Bemühungen um linke gesellschaftliche Ziele.

    Macht, Machterhalt und Geheimniskrämerei sind Voraussetzung und Mistbeet jeder Korruption.

    Dem ist noch jede politische Bewegung erlegen, sobald sie von den eigentlichen Machteliten (i.e. Geldsäcken) als regierungsfähig abgeschliffen akzeptiert und danach von den mainstream-Medien nicht mehr permanent verteufelt wird.
  • Dieter
    am 10.07.2013
    Da prangern sie Politiker an die angeblich nichts von der NSA wussten und greifen nun die Grünen an weil sie entäuscht sind. Hallo ! Ihr hättet es doch auch wissen müssen ! Denkt mal zurück an die rot grüne Regierung ! Da wurde die Agenda erstellt die uns in den Dreck geritten hat. Da wurde unter grüner Beteiligung in den Krieg gezogen. Ja Leute, schlaft ihr alle ? Hat das Gedächtnis so eine geringe Halbwertzeit ? Ja, ich habe auch grün gewählt und zwar ausschließlich aus einem einzigen Grund. Die CDU musste nach dem Schlachtfest im Schlossgarten am 30.09.2010 weg. Es war die richtige Entscheidung auch wenn Kretschmann ein böses Spiel treibt. Man kann bedeutende Aussagen nicht einfach mit den Worten "Da habe ich den Mund etwas voll genommen" weg wischen. Ich werfe dem Ministerpräsidenten schon etwas Arglist vor. Herr Kretschmann ist nicht erst seit gestern in der Politik und weiß genau was er mit seinen Aussagen erreicht, er ist Profi und hat viele getäuscht und entäuscht. Das es aber mit Grün auch nicht besser wird, das sollte doch jedem klar gewesen sein der schon zu Zeiten Schröder politisch interessiert war.

    Herr Grohmann hat in einem völlig recht, in einen Widerstand gehören keine Parteifahnen egal welcher Sorte. Wenn da jetzt nach grüner Entäuschung ein paar Leute für die Linke Werbung machen, kann der Widerstand gleich einpacken. Je weiter es in bestimmte politische Richtungen geht umso mehr kehren dem Widerstand den Rücken zu. Wen wollt ihr noch hinterm Ofen hervor locken, wenn Ihr eine politische Richtung vorgebt ? Das hat nie funktioniert und wird es auch nicht. Übrigens verstehe ich die Aussagen über Spaltereien nicht. Wenn Kritik, Diskussionen, Debatten als Spalten empfunden werden, dann ist es mit dem Demokratieverständnis nicht weit her, da genau das zu einer Demokratie gehört ! Streiten mit Worten um dann zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen ist Demokratie.
  • Andrea
    am 10.07.2013
    jetzt geht mir wirklich langsam der Hut hoch.... (bisher habe ich mich ´rausgehalten)

    ich bin nicht fanatisiert, ich bin nicht alt, ich bin nicht unappetitlich i.S.v. nicht frisch geduscht (hoffe ich), ich habe einen soz.vers.pflichtigen Erwerb und einen Nebenjob, bin mit Berufsausbildung und 2 abgeschlossenen Diplomstudiengängen "ausreichend" qualifiziert, bin regelmäßige Teilnehmerin/Akteurin der Laufdemo´s und überzeugte Unterstützerin dieser Idee.
    Und: Auch ich bin Adressatin dieser mail und ich fühle mich maßgeblich beleidigt und angegriffen. Der Autorin dieser mail habe ich immer gute handwerkliche Arbeit bescheinigt, auch im direkten Gespräch. Keine Frage. Leider ist die Darstellung hier im Artikel stark verkürzt und läßt jegliche Historie außen vor. Der Kontext eigentlich nicht würdig.

    Falls es jemensch noch nicht weiß: die Autorin der mail und Uwe Mannke/koste es was es wolle sind eng befreundet.
    Eine Lanze für jemanden brechen führt machmal zum k..... .

    LG
    die Versorger-Andrea (mit dickem Hals und Schnauze voll)
    und Frau Clarissa Seitz würde ich gerne mal im Beratungsgespräch für Akademiker begegnen.
  • koste es was es wolle
    am 10.07.2013
    Wenn wir schon dabei sind, den Sachverhalt über die "fanatisierten Älteren" aufzuklären: Wir wissen inzwischen, dass ein langjährig aktives Mitglied in einer Mail unter anderem an den Verteiler der Demoorganisation mit klaren Worten beschrieben hat, dass das Erscheinungsbild der Demonstrationen nicht attraktiv ist und die Demonstranten eher so wirken, als ob sie nur sich gegenseitig bestätigen, dabei aber kaum eine günstige Außenwirkung haben, so wie das der Verfasser hier angedeutet hat: "Das Kreative, Lockere, Leichte, die massenhafte Begeisterung ist einem ritualisierten Widerstand gewichen". Diese interne Mail hat ein verärgertes Mitglied der Demoorganisation zur Veröffentlichung im Parkschützerforum und über die sozialen Medien weitergeleitet. Damit verkehrte sich die ursprünglich beabsichtigte Wirkung dieser Mail ins Gegenteil. Sie sollte innerhalb der Email-Diskussion, wo alles in rosa Farben gemalt wurde, etwas aufrütteln und zu einer kritischen Diskussion führen. Nun wurde sie zu einer Beleidigungsmail durch die Veröffentlicher umfunktioniert. Dieser Vorgang und seine Penetration durch "Louisiana" an diesem Ort zeigt, wie fanatisiert innerhalb des sogenannten Widerstands um Positionen und anderes gerungen wird.
  • Markus Hitter
    am 10.07.2013
    Lieber Ceasar von Struwe, warum sie das Aktionsbündnis nun mit einem Gang zur Toilette vergleichen, entgeht mir. So schlimm ist es sicher nicht. Auch, wenn sie auf Demokratie gänzlich verzichten wollen, sei ihnen das unbenommen. Doch an diesen Sitzungen teilzunehmen ist nur selten eine Option. Noch nie wurde eine Solche angekündigt und eine Anreise von mehr als 150 km ist einfach unverhältnismässig.

    Der Widerstand gegen S21 beschränkt sich nicht auf Stuttgart und die Annahme, dass es so sei, ist einer der grundlegensten Fehler, die bei den stuttgarter Organisatoren auszumachen ist. Man verbündet sich lieber mit Istanbul, als die Leute gleich hinter Degerloch mit einzubeziehen.
  • Brigitte Gerstenberger
    am 10.07.2013
    Jessas, Heike Schiller was ist das denn für ein Kommentar! Als Grünes Mitglied, lass ich mir doch das Denken nicht verbieten auch wenn sämtliche Grüne um mich herum nur noch zum abnicken bereit sind, frei nach der Devise wir sind jetzt Ministerpräsident. Das ängstliche Kätzlein kann ruhig auf dem Baum hocken bleiben, derweil unten am Boden sich der Widerstand weiter formiert. Irgendwann wird es meine Partei auch noch kapieren was sie alles bei S21 falsch gemacht hat. Aber dann könnte es zu spät sein, noch gilt das Prinzip Hoffnung bei vielen Mitglieder, nur für wie lange noch?

    Mit grünen Obenbleibengrüßen
  • Tauber
    am 10.07.2013
    In all der Aufregung hat die Vorstellung, was geschieht, wenn der Gipskeuper sich nicht an die Volksabstimmung hält, etwas ungemein Beruhigendes. Menschen mögen sich streiten. Die Doline aber ist geduldig und weiß, was sie tut.
  • Louisiana
    am 10.07.2013
    Im Artikel heißt es: „Auf den Parkschützer-Seiten wird über eine "unappetitliche Klientel" aus "fanatisierten Älteren" hergezogen, die "laut gestikulierend und Selbstgerechtigkeit ausstrahlend" durch die Straßen ziehe.“ Dieser Satz gibt den Sachverhalt sehr stark verkürzt und wie ich meine auch verfälscht wieder. „Auf den Parkschützer-Seiten“ wurde nicht über eine "unappetitliche Klientel" aus "fanatisierten Älteren" hergezogen, sondern diese Floskel stammte aus einer E-Mail, die an einen breiteren Empfängerkreis gegangen war. „Auf den Parkschützer-Seiten“ wurde aus eben jener E-Mail zitiert und der Inhalt dieser Mail kritisiert. Mit „Autorin“ im Folgesatz (zur Beantwortung der obigen Verständnisfrage von Ulrich Frank) ist die Autorin eben jener Mail gemeint.
  • Susanne Jallow
    am 10.07.2013
    An Frau Heike Schiller, Grüne: wir wärs dann damit, damits in Zukunft besser läuft mit blödsinigen Projekten: Bürgerbeteiligung, Volksabstimmungen, so wie in Bayeren am laufenden Meter prakiziert. War da nicht mal was? Vor der Wahl? Und jetzt? Was soll man denn Euch (die wenigen Ausnahmen ausgenommen) noch glauben! http://www.kontextwochenzeitung.de/pulsschlag/119/rote-laterne-fuers-laendle-1294.html
  • Ulrich Frank
    am 10.07.2013
    Als Konsequenz des Verhaltens der baden-württembergischen wie auch der Bundes-Grünen kann sich nur ergeben daß die Partei und ihre Kandidaten nicht mehr gewählt werden. Mit ihrem unnötigen vollständigen Einknicken hinsichtlich Stuttgart 21 haben sie sich als wählbare Alternative aus dem Wettbewerb genommen. Auch Herr Kuhn sucht sich nur Nebenkriegsschauplätze. Die Partei folgt den Spuren der SPD - totale bequeme Anlehnung ans Bestehende, an die CDU. Wieso die Grüne Basis so stillhält insbesondere angesichts eines offensichtlich in elysische Gefilde, hinsichtlich der Wahlversprechen Lethe genießenden abgedrifteten Ministerpräsidenten mit royalen Anwandlungen - er will den Park der Villa Reitzenstein zumindest teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich machen (ist ja prima, so ein Park) - bleibt rätselhaft. Ist es Saturiertheit? Auch profilierte Grüne wie Frau Lösch, von welchen/r man annehmen könnte daß sie sich mehr herauszunehmen können verharren in Starre - wie in der Politbüro-Hackordnung. Beim Thema Kretschmann-Ausrichtung verstummt sie /völlig/ (so in einer Antwort auf eine mail). Das kann nur als skandalös bezeichnet werden. Solch eine Partei welche sich nur noch aufs Taktieren verlegt brauchen wir nicht. Eklatanter Verrat am Wähler muß geahndet werden. Deshalb, tut mir leid: NIE WIEDER GRÜN!
  • Uwe Mannke
    am 10.07.2013
    Zitat:

    "Das Kreative, Lockere, Leichte, die massenhafte Begeisterung ist einem ritualisierten Widerstand gewichen, der Montag für Montag, inzwischen zum 179. Mal, zum Zustand geworden ist."

    Das trifft es ziemlich gut. Und es verbietet sich eigentlich, das jetzt noch mit dem historischen Begriff "Montagsdemonstration" zu belegen, jene Bewegung führte nach einem halben Jahr zum Erfolg. Und eines ist sicher: die internen Diskussionen um Transparenz usw. werden zu keiner Demokratie-Blaupause führen. Man muss bestimmte Dinge einfach mal beenden, um irgendwann wieder frisch anfangen zu können.
  • Ulrich Frank
    am 10.07.2013
    Zunächst Verständnisfrage: /wer/ ist mit "die Autorin" gemeint?? " ("Die Autorin wiederum wird als "elitäre Schnepfe" beschimpft, die nur das Ziel verfolge, zu spalten, was wieder andere schon als vollendete Tatsache sehen).
  • K21
    am 10.07.2013
    Die einst so im Kampf gegen Stgt21 engagierten grünen Kretschmann und Hermann haben sich als die größten Wendehälse der Geschichte zu erkennen gegeben! Was hat Kretschmann in all seinen Wahlreden vor der Landtagswahl versprochen! Wie wurde der heutige Verkehrsminister Hermann auf der Abschlussdemo vor der Wahl als „ der Gegner von Stgt21 hochgejubelt! Was ist davon geblieben? Ein MP der gebetsmühlenartig artig den Ausgang der Volksabstimmung ins Feld führt ein Verkehrsminister der wieder besseres Wissen jetzt die Behauptung aufstellt der „neue Bahnhof“ sei kein Rückbau und keine Leistungsverschlechterung gegenüber dem bestehenden Kopfbahnhof! Man sollte diesen Herren ihre Wahlkampf Reden jeden Tag vorspielen damit Sie daran erinnert werden wie Sie das Wahlvolk belogen haben.
    Mein Fazit und meine Empfehlung ist deshalb „ WÄHLT ALLE BEI DER WAHL IM SEPTEMBER DIE L I N K E „ Wenn alle Baden-Württemberger die bei der Volksabstimmung mit „ JA „ gestimmt haben das tun werden die Grünen und die SPD in Baden-Württemberg kein Bein mehr auf den Boden bringen.
    K21
  • caesar von Struwe
    am 10.07.2013
    Sehr geehrter Herr Hitter, installieren Sie eine Kamera in Ihrem WC, wenn Ihnen die NSA nicht genügt. Demokratie heißt nicht übertragen lassen, sondern hingehen! Sonst haben wir neben dieser unsäglichen repräsentativen auch noch eine fernübertragene Demokratie. Da habe ich es lieber direkt und bin dabei - und ansonsten halte ich den Mund und trage das mit, was ohne mich beschlossen wurde. Oder mache Filz deutlich wo Filz ist.
    Callenbachs Ökotopia hatte andere Voraussetzungen.
    Mir gefällt dieser Artikel.
    Caesar von Struwe
  • PoetdesWandels
    am 10.07.2013
    Stuttgart21, unser Kopfbahnhof, und das Prinzip "Tod", welches alles umgibt?

    „Natürlich ist es schwierig, in einer Welt, die links und rechts von einem zu Schutt und Asche herunter gewirtschaftet wird, wirklich einen gänzlich anderen Weg einzuschlagen. Aber es gilt die alte Weisheit – Jammere nicht über die Dunkelheit, sondern entzünde ein nachhaltiges Licht!“


    Was wollen wir eigentlich?
    Was ist das Ziel des Widerstands gegen S21, was die Herzensangelegenheit all derer unter uns, die durchhalten, weiter machen, dran bleiben?

    Ich denke, dies wäre im Augenblick die einzig zielführende Frage. Und war es vielleicht auch schon immer.

    Jetzt werden viele sagen, „Wir wissen doch sehr genau, was wir wollen! Wir wollen S21 beenden, und wir wollen stattdessen einen ertüchtigten Kopfbahnhof.“
    Dann frage ich, „Warum wollen wir das?“

    Viele werden nun sagen “…weil er umweltfreundlicher wäre, und nicht so teuer.“
    In Zeiten knapper Kassen natürlich ein gutes Argument. Denn auch der Euro kann eben nur einmal ausgegeben werden. Nach der Finanzkrise ist dies voll einer guten Portion Menschen in diesem Land klar geworden. Wenn auch leider noch nicht allen.
    Und in Zeiten eines drohenden und mit massiven gesundheitlichen Gefahren für uns behafteten Klimawandels natürlich auch aus diesem Blickwinkel heraus eine klare Sache.

    Sind dies also in etwa die wesentlichen Eckpfeiler des Denkens im Widerstand? Abgesehen natürlich von den tausenden individuellen Nuancen an widerspenstigen Gründen und inneren Wertvorstellungen, warum S21 und auch das wirtschaftlich-gesellschaftliche Prinzip, das sich dahinter versteckt, gestoppt werden muss – nach „unserer“ tiefen Überzeugung?!

    Stimmen dem also viele so in etwa zu? Spielt die Verantwortung für Natur und für das Geld unserer Nachkommen denn wirklich eine so tragende Rolle?

    „Warum aber“, so frage ich dann, „wollen wir dann einen ertüchtigten Bahnhof in Stuttgart haben, der sicher auch immer noch 500 Millionen kosten könnte? Oder auch nur 300, egal. Warum so ein Tamtam um 200 Bäume, so schön, wichtig und wertvoll sie natürlich waren?
    Warum so viele Urlaubsflieger, auch in der Bewegung, warum so viele Raucher und warum so viele Fleischesser!“

    Wissen wir doch, wenn wir nicht wegschauen und auf die Experten aus den eigenen Reihen bei der Schlichtung vertrauen, dass Investitionen in den Güterverkehr auf der Schiene ein bis zu 100-faches Einsparpotential beim klimarelevanten CO2 generieren könnte.
    Wissen wir doch zudem, wenn wir entsprechenden Studien Glauben schenken, dass die Lungen der Welt, unser aller Heimat, also die Regenwälder in Brasilien oder Indonesien und auf den Philippinen, dem Anbau von Tierfutter-Mittel (z.B. Soja-Monokulturen) in einem Maße zum Opfer fallen, dass wir es uns gar nicht vorstellen können. Oder besser, es uns bei unserem täglichen Hunger und Bedarf nach Fleisch gar nicht vorstellen wollen.
    Und wissen wir doch in der Mehrzahl auch, dass hinten am Auspuff eines Autos oder eines Flugzeuges Abgase herauskommen, die wir nicht einatmen wollen, und die für unsere Gesundheit schädlich sind. Und dabei leben wir ja in einem geschlossen Ökosystem.

    All dies wissen wir, wenn wir nicht ignorant sind. Und doch stört es viele von uns nicht in dem Maße, als dass sie es durch ihr eigenes Konsumverhalten nicht mit unterstützen würden.
    Auch gibt es genügend statistisches und auf Studien basierendes Wissen, wie sehr der Verzehr von Fleisch und anderen Tierprodukten unserer Gesundheit zusetzt. Vom Rauchen gar nicht erst zu sprechen.

    Wie aber geht dann unser K(r)ampf für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, für eine gesunde Umwelt und für ein gesundes, menschliches Miteinander, einher mit diesen Krank machenden und umweltfeindlichen Verhaltensweisen in unserem eigenen täglichen Konsum - und Alltagsleben überhaupt.

    Wo ist hier die Klarheit, über ein Ziel, das die Mehrheit der Einzelnen und somit auch die Bewegung als Ganzes, im Herzen trägt?
    Die eigene Gesundheit, die eigene intakte Umwelt kann es ja in letzter Konsequenz nicht sein.

    Welche unbewussten Impulse leiten dann aber die Menschen, die hier nebst all den anderen diffusen inneren Zielen für so manch Ehrenwertes und Nachkommenfreundliches „kämpfen“, und die sich engagieren und einbringen, in die Bewegung?

    Welche Schizophrenie muss innerlich herrschen, wenn man von wieder Anderen, also z.B. Pro’lern, der Bahn oder der Regierung, Dinge einfordert - als diffuse Widerstandsforderung, die hinten „Gegen S21“ zu stehen scheint - wenn man an seine eigene Gesundheit selbst keinen wirklichen Wert anlegt, oder reflektiert achtsam damit umgeht?

    Und welche Unbewusstheit lenkt die Geschicke all derer, die die Umwelt und die Bäume achten wollen, und die Frieden und Solidarität fordern, von anderen, während andernorts die Ureinwohner vertrieben oder gleich getötet werden, und natürlich die Regenwälder niedergebrannt werden, damit ihr Steak und ihre Rote Wurst hergestellt werden können. Wo ist da der Frieden? Wo ist da Solidarität.
    Und wo ist die Klarheit, wenn die eigenen Rentenprodukte doch auch gerne 8 oder 10 Prozent Rendite abwerfen sollen.

    Da herrscht doch weder Frieden und Erkenntnis im eigenen, entwicklungsgeschichtlich-animalisch Raubtier-Herzen, noch findet Solidarität (mit Schwächeren) statt. Das Mitgeschöpf Tier wird ausgebeutet und getötet – weit weg, in anonymen Tötungsfabriken. Für das eigene Verdrängen gerade eben weit genug weg.

    Und die Lunge der Welt von morgen, der Welt unserer eigenen Kinder und Enkel also, sie wird halb blind, halb sehenden Auges, weiterhin der inneren Gier nach Fleisch geopfert – während man sich tapfer für ein paar Bäume und gegen sinnlose Milliardeninvestitionen hier engagiert.

    „Wo aber“, so frage ich euch, „soll man da eine sinnvolle Logik und klare, konsequent gelebte Werte erkennen können? Oder sich gar davon inspirieren lassen, als Mensch, der noch etwas über das Leben, über Frieden, über Solidarität, über die Liebe oder auch die Überwindung (dies hauptsächlich für die spirituellen unter euch) von Tod und Leid lernen will? Wo?“

    Was ich langsam voll klar sehe, und wofür mich so manche/r (zunächst) sicher „hassen“ wird, der/die sich zu sehr davon berührt, durchschaut oder auch verkannt fühlt, sind folgende Dinge:

    - bei aller Schönrednerei, und kopfmäßig messerscharfer Gegenanalyse einen Rattenschwanz an persönlichen Verletzungen vieler engagierter Akteure in der Bewegung, der wie Blei oder Seelenschatten auf den Herzen vieler lastet – und die Menschen letztlich spaltet, in ganz vielen persönlichen, zerbrochenen Widerstands-„Beziehungen“. Dies kostet ewig viel Kraft – und raubt seit langem, dabei stetig wachsend oder sich wiederholend, die ehemals ungebändigte Kraft für Kreativität und messerscharfe, entlarvende Sachanalysen. (daher sicher auch der ewig wiederkehrende Frust auf die Grünen, als verführerisch leichte, aber sinnfreie Emotion, statt die etwas mehr Kraft raubendere „Arbeit“ an den Betonsockeln der ignoranten SPD-Eliten und Co.)
    - eine ständige Wiederkehr an Vorwürfen, Beschuldigungen und Querelen, z.B. gegenüber/mit der APS, die oftmals unberechtigt sein könnten, die aber andererseits endlich zu der Einsicht führen sollte, dass es mit einem selbst zu tun haben könnte. Wobei dieses Muster sicher viele Gruppen und Individuen im Widerstand betrifft. Und wenn nicht äußerlich erkennbar, dann sicher oft, wie oben angeführt, auf Herzensebene und in der Art und Weise, wie man hintenrum über Mit-Engagierte (für die selbe Herzenssache?!) redet oder urteilt. Jeder muss dies aber zunächst selbst spüren und erkennen, bei sich!
    - die Art, wie manche mit den Gefühlen oder Lebenseinstellung/Erfahrungen anderer umgehen, wie herablassend und überheblich über andere und ihre Gefühle hinweg gegangen wird… von den eher „spirituell“ angehauchten Gruppen der Geomanten oder der K21-Energiegruppe angefangen, über die Linken an sich oder die engagierten K21-Politker anderer Farben im Speziellen, bis hin zu einem „Franz“, der seine Zeit opfert, um immer rechtzeitig und zuverlässig da zu sein. Empathie? Ein selten Gut.
    - das aktuell herrschende Chaos bei Finanzen, bei Finanzteam, bei Einfluss hier, bei Einfluss da, bei unberechtigten (?) Sorgen und berechtigen (?) Blockaden, beim nicht Loslassen eigener Positionen, beim nicht Vertrauen auf andere, und beim dadurch nicht Fördern des Anderen und seiner Fähigkeiten
    - die tiefenpsychologischen Spiele und Ränke kluger, aber kopflastiger Frauen, gepaart mit Männern, die auch im Widerstand das typisch männliche Verhalten ausleben, was auch in der Gesellschaft sonst vorherrscht. Dagegen(haltend) aber kaum Ansätze, tiefe, offene Verbindungen zu pflegen, zwischen Frauen einerseits, die wieder viel mehr vom Gefühl her agieren, vom „Nicht immer nur vorwärts drängenden“ - und Männern andererseits, die auch jenen Frauen, die mit Sexappeal und weiblicher Natürlichkeit im widerspenstigen Alltag agieren (würden), einen Platz in den Gremien und wichtigen Runden einräumen… weil sie die Reife haben, um mit etwas mehr Knistern/Erotik spielerisch und entspannt umgehen zu können sprich – der Widerstand müsste endlich „sexy“ werden, und somit attraktiv für neue „Engagierte“. (Wilhelm Reich würde mir sicher beipflichten, wenn ich ihn aus seiner 30er Jahre soziologischen Studie in Buchform interpretiere, dass zu einer erfolgreichen Bewegung – mit dem Ziel gesellschaftlicher Reifung – ein gehöriger Sprung in der „inneren und äußeren Sexualität“ aller Beteiligten gehören muss - auch in der heutigen, und bei diesem Thema vollkommen scheinheiligen Zeit noch.)
    - ein ewiges Vorwärts, ein verkrampftes „Gegen“ statt ein lichtes, leichtes und vertrauensvolles und gestaltendes „Wir sind für…“, oder auch ein vernunft- und verantwortungsvolles „Wir wollen dieses oder jenes, weil…“ – mit dem man Menschen abholen könnte!
    - wenig Chance – aktuell – dass diese meine Ansätze, oder auch die Kritik von Zwuckelmann, aber auch die Gruppenpsychologie über die Bewegung noch wesentlich mehr in den Fordergrund rückt, um Innenschauen zu halten, um sich auszusprechen, um sich zu versöhnen, um Wunden zu heilen… um wieder mit neuer, frei fließender Kraft und Agilität endlich…

    …ja was denn nun eigentlich?

    Habe selbst lange gebraucht, um zumindest zu erkennen, was ich nicht mehr will. Vieles Obenstehende will ich also definitiv nicht mehr.

    Was ich nun genau will, bzw. was ich mir wünsche, hab ich ja nun andererseits für mich einigermaßen klar umrissen, vom Äußeren her kommend vor allem.

    Jetzt liegt es meines Erachtens natürlich an der Bewegung, an allen Akteuren, an dir persönlich, mir meine Fragen zu beantworten - oder eben auch nicht! Es gibt keinen Zwang. Nur den Wunsch, die Bitte.

    Denn ich halte sie für essentiell, damit die Bewegung wieder in Bewegung kommt, und damit der Reifeprozess, den wir uns im Außen, bei der restlichen Bevölkerung, bei der Politik und bei den Wirtschaftseliten wünschen und einfordern, dass dieser Reifeprozess überhaupt erst wieder weitergehen kann.

    Dies ist definitiv mein Wunsch – um wieder zu spüren, dass die Bewegung noch mein Stamm ist, noch meine Werte vertritt, und dass sie auch den gleichen Weg gehen möchte. Damit ich spüre, es lohnt sich, mich hier weiter einzubringen – weil wir ein wirkliches gemeinsames Ziel haben.

    „Was also ist unser Ziel?“, fragte Kennedy für mich sinngemäß, als er vor über ca. 50 Jahren forderte, jeder solle schauen, was er für sein Land (bei mir = Stamm – incl. der Interessen unserer Ungeborenen) tun kann!

    Dies hier also zunächst mein Tun – für meinen Stamm!

    Ich freue mich auf eure Anmerkungen, Rückmeldungen, Kritiken und mehr.

    Von Herzen

    Markus Koch


    APS’ler
    IHK-Kaktee
    Plattsalat’ler
  • peter grohmann
    am 10.07.2013
    Grohmanns Widerspruch, Josef-Otto:
    Es ging bei Stuttgart 21 noch nie um den richtigen „linken“ Weg - sondern bestenfalls um überhaupt einen. Und da viele Wege nach Rom führen, wäre so ein Streit auch müßig. Und im übrigen: Die „Linken“ könnten stolz sein auf diese Massenbewegung - es war und ist aber nie ihre gewesen.
    Transparenz und Demokratie sind allemal einzufordern, überall und immer - bei SPD und Gewerkschaften, AnStiftern, Kontext - von den eigenen und den anderen. Aber Blogger Zwuckelmann irrt leider in zu vielen Punkten, auch wenn er mit wichtigen Aussagen den Finger in eine Wunde steckt. Ein kluger Mann also - aber wo bleiben denn die Alternativen?
    Weder das Aktionsbündnis noch die Parkschützer, aktiv oder nicht, haben freilich nennenswert “Macht, Einfluss, Prestige“ - wo denn? Im heimischen Gemüsegarten? Und beim Thema Geld klingt’s ein bissel so, als bestehe die Möglichkeit, über die Bürgerbewegung zu Geld zu kommen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Bürgerbewegung ist für alle Beteiligten so richtig teuer - und je aktiver man ist, umso teurer wird’s. Die Leute stecken da eine Menge Energie, Zeit und Kohle rein, und die Kohle vor allem muss verantwortungsvoll und behutsam verwendet werden. Über die Verwendung streitet man sich - gut so, besser als abnicken.
    Was nun die Abschottungen angeht: Das Aktionsbündnis ist kein Personenbündnis, sondern die Beteiligten handeln im Auftrag jeweils ihrer Gruppen - klar, daß es da auch Unstimmigkeiten und Differenzen gibt, die Szene ist bunt. Aber das Bündnis repräsentiert den Widerstand schon ganz gut, angesichts der Kompromisse, die man immer wieder machen muss. Anders bei den Parkschützern: Die „aktiven“ haben sich so genannt, weil das Aktionsbündnis den Begriff „Parkschützer“ quasi gepachtet hatte. Dass Bewegungen nach einer gewissen Zeit ermüden, dass sich neue Kerne bilden, neue Forderungen kommen, neue Menschen dazu stoßen, ist der Dauer dieser einmalig Bewegung geschuldet.
    Ich finde immer: Nicht jammern, sondern zupacken, sich einmischen. Um ein Flugblatt zu verteilen, ein Transparent zu entwerfen, eine Veranstaltung zu organisieren etc etc - da braucht’s keine Genehmigung, weder vom Aktionsbündnis noch den Parkschützern. Das kann jeder. Die Nachfrage nach Information du Diskussion ist erfreulich - und riesengroß, und man findet für fast jedes Thema Mitstreitende.
    Und liebe Clarissa Seitz: Wenn Bewegungen ermüden - ein normaler Prozeß - und sich verraten fühlen, suchen sie nach den Ursachen. Manchmal findet man die. Ich habe mich immer gegen die Einflußnahme (und Beteiligung) von Parteien auf diese und andere Bürgerbewegungen gewehrt - da haben da nichts verloren, sondern verursachen Spaltungen und seltsame Heilserwartungen wie die an Kretschmann und Co. Die Bewegung hat die Grünen im Lande immerhin an die Macht gespült. Aber wenn sie nun einmal dabei sind im Aktionsbündnis , müssen sie auch die Schelte aushalten, ob berechtigt oder nicht - das gilt für alle Parteien.
    Wer sich nun allerdings allzu sehr auf die Bundestagswahl kapriziert und einmal mehr glaubt, dass alles Gute von oben kommt, verschwendet seine Hoffnungen. Stuttgart21 wird nicht gebaut, weil die Parteien es wollen, sondern weil’s ein Schwindel ist: Finanzpolitisch, rechtlich und technisch.

    Peter Grohmann
    10.7.2013
  • Peter
    am 10.07.2013
    Weder bin ich tief im Protest verankert, noch würde ich mich als "Linken" bezeichnen. Trotzdem bin ich entschieden gegen S21 und wählte zuletzt -und nicht nur bei der LTW- die Grünen.
    Wähler wie ich, und ich kenne einige Gleichgesinnte, verstehen die baden-württembergischen Grünen und allen voran den MP schon lange nicht mehr. Wie schnell und kalt man sich von S21 als Thema abgewendet hat und nach der völlig unorganisierten Volksbefragung sich bis zur Lächerlichkeit auf diese bezieht, obwohl selbst Neutrale heute sagen, dass sich die Voraussetzungen mittlerweile drastisch geändert haben.
    "Das Thema ist bei den Grünen durch", damit hat Walter Sittler vollkommen recht - nur was ist das Thema der Grünen? Man könnte die Abkehr verstehen, wenn es andere Themen gäbe, bei und mit denen man sein "Wahlvolk" bei Laune halten kann. Nur - ich sehe keines. Keinen Grund, die Grünen wieder zu wählen. _Gerade_ weil der Protest bei S21 (und auch bei der Energiewende) stark bürgerlich war und eben nicht nur von den "Altlinken" getragen., müsste man diese "Kunden" bei diesem Thema bei der Stange halten.
    Die Regierungszeit der Grünen und des Herrn Kretschmann werden für mich in Erinnerung bleiben als mutlos, ideenlos, akzentlos. Und im Nachhinein als "Glücksfall der Geschichte" für die Grünen, dass gleichzeitig in Japan ein AKW hochging und in Stuttgart der Schwarze Sumpf weit über das unerträgliche hinaus zutage trat. Dieser "Glücksfall" wird sich nicht wiederholen, und damit wird es auch nicht wieder einen grünen Erfolg geben.
    Tatsächlich sind die Reste des S21-Protestes heute nicht mehr die Mitte der Gesellschaft, wie es vor 2 Jahren noch war. Und daran sind für mich vor allem die Grünen und ihr halbschwarzer Ministerpräsident schuld.
  • Claus Schöttle
    am 10.07.2013
    Herr Kretschmann wird nichts in Sachen S21 unternehmen. Sobald das Desaster da und der Bahnverkehr zusammengebrochen ist, wird er sagen können "Ihr, liebe BürgerInnen habt es so gewollt, ich habe euer Votum respektiert, auch wenn ich es immer für falsch hielt!". Schlimm ist nur, dass er nie die Chance ergriffen hat, die S21-Befürworter auf seine Seite zu ziehen, sondern sich ihnen anzubiedern.
  • Markus Hitter
    am 10.07.2013
    Na, sinnfrei ist die Mahnwache ganz sicher nicht. Im Gegensatz zum Aktionsbündnis kann man dort hin gehen und mit den Leuten reden. Zum Beispiel tagsüber, wenn die Touristen kommen und sich wundern, warum der Tiefbahnhof trotz all der hübschen Bildchen im Turmforum so umstritten ist.

    Dass im Widerstand alles mögliche schief läuft ist wohl offensichtlich, doch die Mahnwache scheint mir eher ein Beispiel für etwas zu sein, was funktioniert.
  • F.-M. Stephan
    am 10.07.2013
    Auch wenn es bei der Wahl am 22. September um den Bundestag geht, dürfte ein erheblicher Teil der grünen Stammwähler im Wahlkreis Stuttgart I versucht sein, den Stimm- zum fälligen Denkzettel für die Landesgrünen zu machen. Ich nehme mich davon nicht aus. Tut mir leid, Cem.
  • Heike Schiller
    am 10.07.2013
    jessas, was ist das denn? nix neues unter der sonne? jawoll: d' katz isch de bom nuf. da bin ich ganz bei meinem ministerpräsidenten. das ist ein rechter scheiß. dieser bahnhof und seine tunnelstrecken werden jetzt so lang gebaut bis der bauherrin deutsche bahn entweder die luft ausgeht und wir eine bauruine zum musealen projekt umwidmen müssen oder das ding fertig ist und eingeweiht wird. und der grüne und die grünin sind schuld. ganz einfach die sache. vermutlich sind wir auch noch korrupt und leidenschaftslos undwasweißichnochalles. ich sage dazu nur: was ca. 15 jahre vorlauf hatte und trotz grünem ministerpräsidenten seit 2011 immer noch die gleichen mehrheiten dafür in den dafür zuständigen politischen gremien hat, war es unsere vielen, vielen schmerzhaften und gescheiterten versuche wert, es dennoch zu schaffen. wir haben es nicht geschafft. das ist eine niederlage. aber vielleicht kann man mal hinschauen und versuchen zu sehen: grün sucht die zukunft anzugehen und andere entscheidungsverfahren auszuprobieren und damit wege zu finden, diesem willkürlichen tun für die zukunft ein ende zu bereiten. für s21 ist es heute zu spät. und das ist zum kotzen. aber neues braucht zeit. dabei machen wir sicher auch fehler, aber ohne die kann man auf lange sicht nichts richtiges entwickeln. jede woche aufs neue auf uns rumzukloppen hilft da auch nicht. im übrigen weiß jeder und jede, die sich mal mit den phasen sozialer bewegungen auseinandergesetzt haben: ist die euphorie erst mal durch, kommen andere befindlichkeiten zum tragen und dann krachts. auch nix neues unter der sonne. aber es bleibt dabei: s21 ist in der jetzt auf den weg gebrachten form ein mist, den wir mit vielen milliarden sehr, sehr teuer bezahlen und kein noch so gutes und kluges argument wird es mehr drehen. sagen kann man das, helfen wird es nicht. mit grünen grüßen heike schiller
  • Viktor von Berg
    am 10.07.2013
    Es ist alles viel schlimmer als im Beitrag beschrieben. Die Grünen haben sich nicht nur von ihren Wahlkampfversprechen verabschiedet - entgegen der Behauptung sie haben nichts versprochen, verweise ich nur auf das von den Grünen in Auftrag gegebene Rechtsgutachten zur Mischfinanzierung und der nachfolgenden Aussage Kretschmanns: "Die Zahlungen des Landes sind verfassungswidrig, der Finanzierungsvertrag nichtig. Falls die Grünen nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg Regierungsverantwortung tragen, werden wir die Zahlungen sofort einstellen und bereits gezahlte Beträge zurückverlangen. Mit uns wird es keine Fortsetzung des Verfassungsbruchs geben."
    Bitter für den Protest ( das Wort Widerstand dürfen tatsächlich nur eine handvoll Personen in Stuttgart für sich beanspruchen) war aber die persönliche Abrechnung von Boris Palmer via facebook in der er die S21-Bewegung rüde attakiert - oder diverse öffentliche Briefe von Kretschmann.
    Die S21-Protagonisten ( leider oft Selbstdarsteller ) haben nach der verlorenen Volksabstimmung den großen Befreiungsschlag unterlassen, weil sie ebenso an ihren Stühlen kleben, wie die so oft von ihnen gescholtenen Berufspolitiker. Immerhin gilt es ein Spendenaufkommen von fast 300.000€ p.a. zu verwalten und das weckt Begehrlichkeiten.
    Die Volksabstimmung war organisatorisch ein Desaster, eine grottenschlechte "Ja zum Ausstieg" Kampagne. Kurz: Kein Plan von NIX !
    Und genau diese Leute, die dem Grunde nach nichts zu bieten haben, diese Leute führen den Protest weiter in die Bedeutungslosigkeit. Die gruppentherapeutische Zusammenkunft montags könnte ebenso in einem Hinterzimmer in einer Kneipe stattfinden - inzwischen habe ich aber kapiert, dass das Montagsevent ausschließlich zum Akquirieren von Spenden abgehalten wird, damit die Protagonisten weiter als "scheinselbständige Unternehmer" auftreten können. Von den vormals registrierten 33.0000 Parkschützern haben sind nach dem Eigentümerwechsel und der damit verbundenen Frist gerade mal etwas mehr als 3.000 Parkschützer aus ganz Deutschland zurückgemeldet und als Zeichen der Demokratie wird im Forum zensiert ohne Ende - kritische Stimmen werden konsequent abgeschaltet - man verliert sich im Verlinken des mainstreams - auch das ein Beispiel wie ausgebrannt der Protest ist. Gangolf Stocker hat in seinem bemerkenswerten letzten Interviews auf cams alles Wichtige ausgeführt. Aber selbst die Protestikone konnte bei kritische Selbstreflektion im Protest anregen.
    Demnächst ist Mahnwachenfest - 3 Jahre sinnfreie Dauerbesetzung, die selbst nachts um 2 Uhr noch betrunkenen Nachtschwärmern Vorträge über Stuttgart 21 hält - ein besseres Bild zum Abgesang auf den S21-Protest gibt es nicht.
  • Niklas Luerßen
    am 10.07.2013
    @Markus Hitter

    Das Problem ist, daß das Thema $21 für Kretschmann nie "Herzblutthema" war und auch immer noch ist - im Gegensatz zu etlichen anderen Grünen - sondern nur ein x-beliebiges politisches, was man also auch ggf. mal wieder hinten runterfallen lassen kann, wenn die Widerstände zu groß erscheinen oder man damit scheinbar weniger punkten kann.

    Also wird eine eiskalte Rechnung aufgemacht: "Wie viele Leute können wir auf dem Land gewinnen und wie viele vergrätzen wir (u.a. in Stuttgart) durch unsere Neue Haltung?" - Günstigere Tendenz ist derzeit, wenn man den Umfragen glauben darf, die erstere.
  • Tom
    am 10.07.2013
    Brigitte Lösch hat sich mal im März mit Peter Conradi und einem mir unbekannten Dritten getroffen. Man konnte vom Nebentisch sehr schön mithören. Die Hoffnung, so war es zu hören, setzten sie in Fritz Kuhn.
    Kuhn scheint aber auch nur ein bürokratisierter Blindgänger zu sein. Schade.
  • Markus Hitter
    am 10.07.2013
    Kretschmanns Strategen sehen also nur Niederlagen. Das ist bedauerlich und zeugt von einer offensichtlich sehr pessimistischen Sichtweise.

    Wie wäre es denn hiermit? (1) Stuttgart 21 hat ihn überhaupt erst ins Amt befördert, denn ohne dieses Projekt wären die Grünen ziemlich sicher hinter der SPD zurück geblieben. (2) Die Aufsichtsratsentscheidung ist gar nicht sein Thema, sondern das der Bundesregierung. (3) Er selbst war standhaft, doch in Berlin spielten sich die skurrilsten Dinge ab. Und überhaupt, (4) die Kostensteigerungen entsprechen doch genau dem, was er all die Jahre vorher gesagt hatte.

    Wie viele Steilvorlagen möchte der gute Mann denn noch haben? Würde er bei diesem Thema endlich mal aus seinem Hasenbau kommen, oder zumindest nicht die Bundeszentrale aktiv zurückhalten, könnten die grünen Wahlkämpfer das Thema der Bundes-CDU links und rechts um die Ohren hauen. Die Anhänger der Grünen wären begeistert.

    Ich verstehe Kretschmann einfach nicht mehr. Seit er Ministerpräsident ist, scheint ihm jegliche Luft entwichen zu sein.
  • Markus Hitter
    am 10.07.2013
    Dem Aktionsbündnis will ich keineswegs Aufrichtigkeit und ehrliches Bemühen absprechen, gleichzeitig kann man aus der Zahl der Sitzungsteilnehmer nicht auf die Demokratieform schliessen. Egal, ob das in einem Hinter- oder in einem regulären Zimmer stattfindet.

    Strategische Planungen und Entscheidungen allein auf Funktionärstreffen abzuhandeln, das ist CDU. Das ist 20. Jahrhundert. Von Demokratie kann da keine Rede sein, denn gewählt ist keine(r) von denen und es finden auch keine Wahlen statt.

    Demokratisch und aktuell wäre es, bei den Sitzungen eine Kamera dazu zu stellen, damit man hören kann, was dort passiert. Tagesordungen, soweit vorhanden, und Protokolle zu veröffentlichen. Planungen bekannt zu machen, bevor über sie entschieden wird. Eine öffentliche Diskussion zu ermöglichen.

    Doch nichts davon findet statt. Noch nicht einmal die Ergebnisse werden mitgeteilt. Deswegen wundert mich der Unmut über dieses Gremium nicht im geringsten.
  • Daniel S.
    am 10.07.2013
    Bravo. Eine klarere, zutreffendere Bestandsaufnahme dürfte derzeit kaum möglich sein. Danke.

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