Vor ziemlich genau einem Jahrzehnt, im April 2016, rief der damalige AfD-Chef Jörg Meuthen auf einem Parteitag in Stuttgart den "Fahrplan in ein anderes Deutschland" aus, "weg von dem links-rot-grün verseuchten 68er-Deutschland". Wie auch die früheren Bundesvorsitzenden Frauke Petry und Bernd Lucke ist der Wirtschaftsprofessor längst aus der AfD ausgetreten, verkündete Anfang 2022 den Triumph der Rechtsextremen um Björn Höcke im internen Machtkampf.
Und so wechselten die Gesichter an der Spitze, mit denen sich die Partei verharmlosen will – während das andere Deutschland, dem Meuthen den Weg ebnen wollte, immer deutlichere Konturen annimmt: als eine Republik, in der sich Menschenfeindlichkeit ausbreitet und die Bedrohung für gesellschaftliche Minderheiten wächst.
In Baden-Württemberg fallen diese Entwicklungen auf einen fruchtbaren Boden, rechtsextreme Tendenzen sind hier tief verwurzelt. Die Investigativjournalistin Andrea Röpke berichtet seit über 30 Jahren über die Szene und wurde für ihre Arbeit mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Für das Kontext-Projekt "Recherche gegen Rechts" legte sie die Kontakte von Markus Frohnmaier, AfD-Spitzenkandidat bei der anstehenden Landtagswahl, zu autoritären Regimen dar. Zudem berichtete Röpke in der Serie über völkische Sippen, die deutsches Blut "reinhalten" wollen und als Netzwerk meist im Hintergrund bleiben – doch eng mit der AfD verbunden sind.
"Recherche gegen Rechts" soll einen Überblick bieten, wer die treibenden Kräfte hinter dem Rechtsruck im Südwesten sind und wie sie untereinander vernetzt sind. Unter der Leitung von Fachjournalist Timo Büchner und Redakteur Minh Schredle veröffentlicht Kontext seit November dazu Beiträge im Wochentakt. Büchner recherchierte zum Beispiel, wie viele Beamt:innen in Baden-Württembergs AfD-Posten übernehmen. Und wie viele Rechtsextremist:innen aus dem Südwesten eine Waffe besitzen.




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