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Schräge Töne mit Tränen

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Was für eine schwierige Aufgabe für einen, der das Kino so liebt wie unser Film-Experte Rupert Koppold: den Film des Jahres 2016 zu küren. Gibt es doch zwischen Independence Day und Trash Detective so viele gelungene Streifen!

Ach, diese rückblickenden Ranking-Listen, aus denen am Ende ein einziger Film herausgefiltert werden soll! Muss man Alejandro González Iñárritus inszenatorische Tour de Force "The Revenant" wirklich ausspielen etwa gegen Deniz Ganze Ergüvens Coming-of-Age-Drama "Mustang"?

Eine atemberaubende Überlebensgeschichte mit fulminanter Bärenattacke gegen eine Erzählung, in der der soziale Raum für fünf Schwestern in der Türkei immer enger wird und in dem sich dennoch sinnlich-ausgelassene Szenen von der großen Freiheit gegen jene von der großen Repression behaupten?

Und ja, natürlich hat auch Maren Ades zu Recht mit Preisen überschüttete Vater-Tochter-Tragikomödie "Toni Erdmann" Anspruch auf den Titel "Film des Jahres". Aber man sollte eben auch erinnern, bevor es ganz vergessen wird, an das radikale Außenseiterwerk "Der Nachtmahr", erzählt von dem zwischen bildender Kunst und Genrekino changierenden Akiz, der für Pubertät und Teenage-Angst fantastische Bilder findet.

Wie? Ach so, ja. Nur ein Film! Na, dann meinetwegen auch nur eine Szene: Die aus Maria Schraders Exil-Drama "Vor der Morgenröte", in dem es den ganz exzellent von Josef Hader gespielten Schriftsteller Stefan Zweig auf seiner Flucht vor den Nazis nach Brasilien verschlagen hat. Dort steht er nun, verschwitzt und müde, in der tiefsten Provinz und hört zu, wie sich ihm zu Ehren eine schwarze Combo am Donauwalzer abmüht. Und trotz der schrägen Töne kommen ihm die Tränen, übermannt ihn also die Erinnerung an eine alte Welt, die er für immer verloren hat.



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