Unterricht auf Sparflamme? Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 125
Kultur

Zu viele Musiker?

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 21.08.2013
Fünf Millionen Euro möchte der Landesrechnungshof bei den Musikhochschulen einsparen, das Wissenschaftsministerium nur vier: Das sind 0,01 Prozent des Landeshaushalts. Angeblich bilden die Hochschulen "über den Bedarf hinaus" aus. Aber wie bemisst sich der Bedarf an Musik?

"Es bestehen deutliche Indizien dafür, dass die Zahl der Absolventen in den klassischen künstlerischen Studiengängen mit Einzelunterricht (insbesondere zum Instrumentalmusiker) den Bedarf an qualifizierten Nachwuchsmusikern überschreitet", heißt es im Papier des Rechnungshofs, und das Ministerium stimmt eilfertig zu: "Die Aussage des Rechnungshofs, dass die Musikhochschulen über den Bedarf hinaus ausbilden, muss ernst genommen werden." "Dies zeigt sich daran", begründet der Rechnungshof seine Meinung, "dass längst nicht alle Absolventen der künstlerischen Studiengänge als Solo- oder Orchestermusiker arbeiten, sondern schließlich im Arbeitsfeld Musikpädagogik/Musiklehrer tätig werden, für das eine weniger aufwendige Ausbildung ausreichend gewesen wäre".

Eine zynische Argumentation. Denn natürlich können weniger Musikhochschulabsolventen mit einem festen Arbeitsplatz als Orchestermusiker rechnen, wenn die Zahl der Orchester ständig zurückgeht. 1992 gab es in Deutschland noch 168 Orchester. Heute sind es nur noch 132, und wie die Diskussion um das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg zeigt, droht eine weitere Abwärtsspirale. 2315 Planstellen sind seit 1992 bundesweit entfallen, das sind rund 20 Prozent aller Orchestermusiker. Eine Kürzung bei den Studienplätzen um ebenfalls 20 Prozent würde aber bedeuten, dass es nicht nur weniger Orchestermusiker, sondern ganz allgemein weniger hoch qualifizierte Musiker gibt. Ob dies gewünscht sein kann, darüber redet weder der Rechnungshof noch das Ministerium.

Die Arbeitslosenquote ist rückläufig

"Ich hab noch nicht von vielen arbeitslosen Musikern gehört", sagt Ulrike Storz, die als Soloviolinistin auftritt, aber auch mit Ensembles und Orchestern gespielt und zeitgenössische Musik auf Schallplatte aufgenommen hat. Mit dem Cellisten Scott Roller hat sie 2005 das Projekt Open Music ins Leben gerufen, das Schüler aller Schularten und Altersstufen anleitet, sich mit den Mitteln der Improvisation musikalisch auszudrücken. Im mehrfach ausgezeichneten Projekt "Jetzt!" stehen einmal im Jahr bis zu 150 Schülerinnen und Schüler auf der Bühne des Stuttgarter Theaterhauses. Dafür wäre keineswegs eine "weniger aufwendige Ausbildung ausreichend gewesen". Vielmehr mussten Ulrike Storz und Scott Roller über ihre herausragenden instrumentalen Fähigkeiten hinaus zusätzliche Qualifikationen im Bereich der Improvisation und der Musikpädagogik erwerben.

Aber Storz hat recht: Von 2005 bis 2011 – neuere Zahlen liegen nicht vor – ging die Arbeitslosenquote bei Musikern von 11,2 auf 4,3 Prozent zurück, bei Musikerinnen gar von 8,4 auf 2,1 Prozent. Im Durchschnitt aller Berufe lag sie 2011 dagegen bei 7,1 Prozent. Unter Musikern gibt es also deutlich weniger Arbeitslose als im Durchschnitt aller Berufsgruppen. Ist das ein Grund, weniger Musiker auszubilden? Neben einer Laufbahn als Orchestermusiker stehen Musikhochschulabsolventen viele andere Möglichkeiten offen. Einige der Besten arbeiten in selbst organisierten Ensembles, andere als Lehrer und in vielen anderen Bereichen. Der Vorschlag des Landesrechnungshofs liefe letztlich darauf hinaus, das Niveau der Ausbildung und damit die Qualität der Musikkultur im Land insgesamt zu senken.

Hier argumentiert Theresia Bauer anders, nämlich mit einer "Steigerung der Qualität der Musikhochschullandschaft als Ganzes durch Profilbildung und fachliche Spezialisierung". Dieses Standardargument aus dem Baukasten der Hochschulpolitik mag auf technische Fächer anwendbar sein, wo bestimmte Forschungsaufgaben an einzelnen Standorten konzentriert werden, um teure Doppelinvestitionen zu vermeiden. Auf künstlerischem Gebiet wäre eine solche Fokussierung der Kompetenzen an getrennten Standorten tödlich. Wenn in Trossingen nur noch Alte Musik und Elementare Musikpädagogik angeboten würden, wie es das Wissenschaftsministerium vorschlägt, würde der Standort für Studierende völlig unattraktiv. Die "Elementare Musikpädagogik" (EMP) ist ein Musikunterricht, der die komplette Breite des Umgangs mit Musik umfasst. Wie sollen Studierende diese Breite lehren, wenn sie selbst sich in ihrem Studium nur mit Alter Musik beschäftigt haben?

Qualität entsteht nicht durch Spezialisierung

Auch für den Jazz gilt: Qualität entsteht nicht durch Spezialisierung, sondern wenn Musiker ein breites Spektrum an Fähigkeiten erwerben, also zum Beispiel gleichermaßen vom Blatt spielen wie improvisieren können. Mit der Konstruktion, Jazz nur noch in Mannheim anzubieten, meint das Ministerium auch die "ungelösten Strukturprobleme bei der Popakademie" bewältigen zu können. Die Popakademie war von Anfang an auf die Musikindustrie ausgerichtet, die allerdings mit der Förderung knausert. Offenbar soll sie nun auf Kosten der Mannheimer Musikhochschule saniert werden.

Das Ministerium argumentiert, fünf Musikhochschulen gäbe es in keinem anderen Bundesland. Das ist richtig, selbst in Nordrhein-Westfalen gibt es nur vier, wenn auch an sechs Standorten. In manchen Ländern wie Sachsen-Anhalt oder Rheinland-Pfalz kann man überhaupt nicht Musik studieren. Dafür gibt es an der Universität der Künste Berlin mehr Musikstudenten als an allen fünf baden-württembergischen Hochschulen zusammen. Auf die Bevölkerungszahl umgerechnet, liegt die Zahl der Studienplätze im Land minimal über dem Bundesdurchschnitt. Mecklenburg-Vorpommern oder das Saarland bilden vergleichsweise mehr Musiker aus.

Im Land gibt es 1,2 Millionen Musikschüler

Aber in Baden-Württemberg gibt es von allen Bundesländern die meisten Musikschulen. 36 000 Musiker unterrichten hier 1,2 Millionen Schüler. Diese Lehrer haben alle an einer Hochschule studiert. Dies ist für die Musikschulen die Voraussetzung, das Gütesiegel des Verbands VdM zu erhalten. "Die öffentlichen Musikschulen sind mit ihrem breit gefächerten Berufsfeld nach wie vor Hauptabnehmer von Absolventen der Musikhochschulen", betont Ulrich Rademacher, der Bundesgeschäftsführer des Verbands, in einer Stellungnahme zu den Plänen des Ministeriums: "Anders lautende Äußerungen jüngeren Datums sind als weitgehend analysefrei erfolgt zu werten." Welche "weniger aufwendige Ausbildung" den Bedarf der Musikschulen an qualifizierten Lehrkräften decken soll: Die Antwort auf diese Frage bleibt der Landesrechnungshof ebenso wie das Ministerium schuldig. 20 Prozent weniger Absolventen könnten den Bedarf der Musikschulen im Land niemals abdecken. Diese müssten versuchen, Bewerber aus anderen Bundesländern abzuwerben.

Ulrike Storz und Scott Roller hatten ursprünglich vor allem mit Gymnasiasten gearbeitet, die allerdings in neuerer Zeit durch das achtjährige Abitur mehr in Anspruch genommen sind. Dafür nimmt das Interesse der Grund-, Haupt- und Realschulen zu. In diesen Schulstufen müssen sie jedoch häufig bei null anfangen: Wie Storz feststellen musste, gibt es dort oftmals überhaupt keinen Musikunterricht. Unter Annette Schavan wurde das Fach Musik 2004 in den Fächerverbund Menuk (Mensch-Natur-Kultur) eingegliedert. Während Musiklehrer dieser Schulen früher an der pädagogischen Hochschule Musik studiert hatten, ist es heute reine Glücksache, ob die Schüler im Fach Menuk einen Lehrer erhalten, der einen qualifizierten Musikunterricht anbieten kann. Nur noch bei der Hälfte der Lehrer ist dies der Fall. Viele Schulen haben nicht einmal einen eigenen Musiksaal. Manchmal werden externe Lehrer herangezogen – die Kosten dafür tragen dann in vielen Fällen die Eltern. Hier gegenzusteuern wäre eigentlich die Pflicht der Landesregierung, die in ihrem Koalitionsvertrag "die Verbesserung der musikalischen Breiten- und Spitzenförderung" vereinbart hat.

Was wird aus dem Musikunterricht?

Was mit dem Musikunterricht passiert, wenn die Schullandschaft neu sortiert wird und die bisherigen Haupt-, Real- und Werkrealschulen nach und nach in Gemeinschaftsschulen aufgehen, dazu hat sich das Wissenschaftsministerium überhaupt noch nicht geäußert. Nach bisherigem Stand ist zu befürchten, dass dann selbst das jetzige, unzureichende Niveau nicht gehalten werden kann. Nur an den Gymnasien findet der Unterricht in aller Regel statt. Aber auch nicht an allen: "97 Prozent aller Schüler an beruflichen Gymnasien erhalten keinen Musikunterricht", stellt Hermann Wilske, der Präsident des Landesmusikrats, fest.

"Der drohende Verlust der Standorte Trossingen und Mannheim", warnt Wilske, "verbunden mit der beabsichtigten Schließung des SWR-Orchesters Freiburg, stellt einen dramatischen Kulturabbau dar, wie er in der Geschichte des Landes Baden-Württemberg ohne Gegenbeispiel ist. Zur Disposition steht nichts Geringeres als jene singuläre musikalische Vielfalt, welche das Leben der Menschen – und damit die kulturelle Identität dieses Bundeslandes – bis auf den heutigen Tag unverwechselbar prägt."


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10 Kommentare verfügbar

  • Pia Michel
    am 05.10.2013
    Ich persönlich finde es schade, dass der Musik ein so geringer Stellenwert eingeräumt wird. Vielleicht hat es etwas mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun. Früher war Musik noch etwas besonderes, da man sie nicht immer und überall abrufen konnte. Heute ist gute Musik etwas selbstverständliches, was eigentlich wundervoll ist, jedoch wird dadurch von den Musikkonsumenten leicht vergessen, dass Musiker viel Zeit, Aufwand und Kosten in ihr Können stecken. Durch den fehlenden qualifizierten Musikunterricht an den allgemeinen Schulen werden die Schüler auch gar nicht sensibilisiert auf qualitative Musik.( Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Popmusik so erfolgreich ist). Es scheint so, als wird in diesem Land effektiv darauf hingearbeitet, die Musik in den Abgrund zu drängen. Für mich soll Musik Freude machen. Und damit sie das machen kann, müssen die Musiker meiner Meinung nach auch die Möglichkeit haben, gut von dieser wundervollen Kunst leben zu können! Wie soll man Freude rüberbringen, wenn man Angst um seine Existenz haben muss! Es wird viel Geld in neue Straßen gesteckt oder neue Bahnhöfe ( Stuttgart 21), und bei den Musikhochschulen soll eingespart werden, obwohl sie dem Staat vergleichsweise fast nix kosten. Kultur ist die Identität eines Landes, meiner Meinung nach. Und unser Staat verkauft seine Identität. Wieso? Um Geld zu sparen. Zynischer geht es nicht. Das ist, als würde man seine Seele verkaufen. Mag sein, dass die Musiker mehr Geld bekommen, wenn es weniger von ihnen gibt, Aber diese Frage würde gar nicht aufkommen, wenn Musiker von vornherein einfach ein ihrem Aufwand und Können entsprechendes Honorar bekommen würden.
  • M.B.
    am 03.09.2013
    Ich poste einfach mal den Kommentar, den ich schon vor einiger Zeit bei Facebook abgegeben habe:

    Am meisten ärgert mich die Formulierung »weniger aufwendige Ausbildung«. Das suggeriert, dezidiert pädagogisch-künstlerische Studiengänge seien etwas für die fauleren und weniger engagierten Musiker. Diese zwischen den Zeilen zu lesende Geringschätzung pädagogischer Ausbildung ist für mich der eigentliche Skandal.

    Storz und Roller (im Artikel) mussten ja auch zusätzliche Qualifikationen erwerben, um ihre pädagogische Arbeit in dieser Form anbieten zu können. Das zeigt doch, dass verantwortungsbewusste pädagogische Arbeit keineswegs mit einer »weniger aufwendigen Ausbildung« zu haben ist.

    Die Argumentation des Rechnungshofes ist eindeutig vorgeschoben, sie wirkt wie ein feiger Versuch, das eindeutig finanzielle Interesse dahinter zu kaschieren. Die musikalische Ausbildung soll also ingesamt eingeschränkt werden, dabei wäre die logische Konsequenz aus dem Argument der Arbeitsmarktsituation, über eine Anpassung der Schwerpunktsetzung innerhalb der Hochschulen nachzudenken, anstatt zu sparen und ganze Studienbereiche zu schließen bzw. an einem Standort zu konzentrieren. Aber auch bei einer moderaten Anpassung der Schwerpunkte sehe ich leider reichlich Konfliktpotenzial, vor allem hochschulintern.

    Langner und Gembris (2004) haben übrigens gezeigt, wie man es in Sachen Vergleich zwischen Ausbildung und Berufsrealität besser machen kann. Auf dieser Schiene sollte weiter evaluiert werden, am besten, BEVOR irgendein Rechnungshof meint, die Musikhochschulen kosteten zu viel Geld.

    Ich habe mir übrigens (neben anderen Standortfaktoren wie dem IMMM) meinen gegenwärtigen Studienort, die HMTM Hannover, auch deshalb für mein Zweitstudium ausgewählt, weil es hier noch einen dezidiert pädagogisch orientierten Bachelor (die künstlerisch-pädagogische Ausbildung) gibt. An vielen anderen Hochschulen ist ja derzeit im Zuge der Modularisierung eher die gegenteilige Tendenz zu beobachten, wodurch einige davon - trotz Interesse an den Hochschulen an sich - für mich nicht mehr in Frage kamen, da ich an einer rein künstlerischen Ausbildung keinerlei Interesse habe.
  • Ein Musikstudent (Betroffener)
    am 01.09.2013
    Zu Wochenzeitung Redaktion

    Zuerst einmal möchte ich Ihnen meine Hochachtung für den sehr gut
    recherchierten Artikel aussprechen.
    Ich als betroffener Student finde eine Reduktion der Studienplätze nicht grundsätzlich schlecht, jedoch sollte man, wenn man schon so radikal umstrukturiert das eingesparte Geld dem SWR-Symphonieorchester zur Verfügung stellen, um wenigstens diesen exzellenten Klangkörper zu retten und mehr als 100 Künstlerarbeitsplätze zu erhalten.
    Hier finde ich das Verhalten der Musikhochschulen Trossingen und Mannheim extrem egoistisch, man drnkt hier nur an sich selbst und überhaupt nicht bspw. an den SWR, ich würde mir hier viel mehr Solidarität mit dem Orchester wünschen, dieser Umstand ist schon recht beschämend.
    Auch auf Herrn Rapke möchte ich kurz eingehen, da seine Argumentation die Sache im Kern sehr gut erfasst.
    Als freischaffender Künstler und das werden heute leider sehr viele, auch wenn sie es z.T. gar nicht wollen, muss man erstens mit sehr unregelmäßigen Einnahmen Leben, was immer schwerer wird, man ist kaum abgesichert (Renten-, Unfallversicherung, etc.) und die Gagen sind meist eine Unverschämtheit und ein Affront für den ausübenden Musiker, wenn man bedenkt was Instrumente und die Instandhaltung und Versicherung dieser z.T. sehr empfindlichen Arbeitsgeräte kosten, verschärft sich diese Situation noch.
    Durch eine Reduktion der Anzahl an Studierenden könnte man einen minimalen Mangel und im besten Fall eine Steigerung der Gagen erreichen, oder wollen Sie für max. 1500€ monatlich, quasi ohne Absicherungen arbeiten ?
    Auch darf man nicht außer Acht lassen, dass man zwar top ausgebildete Musiker und Musiklehrer haben möchte, diese aber am besten möglichst nichts kosten sollen, wie oft erlebe ich es, dass man mir sagt "30€ für eine Unterrichtsstunde, das ist viel zu viel, sie spielen doch nur ein wenig herum" ... kürzlich wurde die Tür meiner Waschmaschine repariert ... 15 Minuten Arbeit (Materialpreis: 76,13€) ... Und ich musste dem Kundendienst 254,76€ bezahlen ... diesen Vergleich bringe ich dann gerne. Oft wird mir dann gesagt, dass man ja waschen müsse und Musik ja NUR Freitzeitvergnügen sei ... gut zu wissen, dass wir für viele nur moderne Hofnarren sind.
    Was auch sehr beschämend für die Hochschulen in Trossingen und Mannheim war, sind die Reaktionen auf Frau Bauers Pressekonferenzen ... "Buh" Rufe, Beleidigungen und Beschimpfungen bringen niemandem etwas, am wenigsten den betroffenen Hochschulen, man sollte Frau Bauer lieber zeigen, dass man als Künstler durchaus kompromiss- und redebereit ist anstatt stur und kindisch nur seinen Kopf durchsetzen zu wollen.
    Schließen möchte ich mit dem Thema Ausländer, die für uns deutsche Studenten eine sehr große, kulturelle wie künstlerische Bereicherung sein könnten, wenn sie der deutschen Sprache mächtig wären, wie oft habe ich es schon erlebt, dass ausländische Studenten bis zu ihrer Abschlussprüfung kaum ein Wort Deutsch verstanden, geschweige denn geredet haben, das hat also nichts mit Rassismus zu tun, sondern leider in vielen Fällen mit einer ignoranten Haltung der ausländischen Studierenden gegenüber dem deutschen Gastgeberland.
    Und für Studiengebühren bin ich nicht nur bei Ausländer, sondern ganz generell, da eine solch gute, fundierte Ausbildung wie sie uns an unseren deutschen Musikhochschulen angedeiht, durchaus etwas kosten darf.
  • Gertrud Menczel
    am 24.08.2013
    Gratulation zu diesem ausgesprochen kompetenten Kommentar zur aktuellen Diskussion. Einige der kursierenden Gerüchte, Ungenauigkeiten und Unwahrheiten, zum Beispiel über den Arbeitsmarkt für Musiker oder die Anzahl von Musikstudenten im Verhältnis zur Bevölkerung des jeweiligen Bundeslandes, die zum Teil leider auch von manchen Journalisten kolportiert werden, haben Sie hier sachlich und treffend zurückgewiesen.
    Schade, dass nun im Kielwasser der Diskussion auch noch Ressentiments gegen Ausländer und deutsche Arroganz ihre Urstände feiern wie in einem der Kommentare hier. Wer da von wem Entwicklungshilfe bekommt, wenn deutsche / europäische und außereuropäische Musikkulturen aufeinandertreffen, das ist nicht von vorneherein ausgemacht.
  • Ernst Rapke
    am 23.08.2013
    Die Folge einer Musikerausbildung wie bisher ist ein Überangebot von gut ausgebildeten Musikern die für einen Hungerlohn arbeiten nur um zu überleben.Es ist durchaus sinnvoll die Zahl der Studenten und der Professoren zu reduzieren und dafür besser dotierte Verträge anzubieten.Bei Reduktion der Studentenzahl führt dies auf Dauer zu besseren Einstiegsmöglichkeiten in den Beruf.bei den heutigen Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen als Musiker muss sich jeder ,der diesen Beruf ergreifen will fragen , ob er sich das antun will!
  • Bernd
    am 22.08.2013
    @ Thomas
    ich muss leider korrigieren: In Landau konnte man nur bis einschl. dem WS 2012/13 Musik studieren. Das wurde leider auch abgeschafft. Sek I geht nur noch in Koblenz.

    Bernd
  • Kontext:Wochenzeitung Redaktion
    am 22.08.2013
    Hallo Kritikus,

    derzeit sind in Deutschland rund 25 % der Musikhochschulstudenten
    Ausländer, v.a. in den Bereichen Instrumentalmusik, Gesang und
    Komposition. Dies liegt daran, dass sich die Musikhochschulen ihre
    Bewerber ausschließlich nach Können aussuchen, in Ostasien und Osteuropa aber viel mehr für die musikalische Früherziehung getan wird.
    Klavierspielen ab 4, intensiver Musikunterricht im Kindesalter sind in
    Ostasien weit verbreitet. Damit sind wir wieder da, wo der Artikel
    endet. Das heißt, durch die Ostasiaten und Osteuropäer steigt das Niveau der deutschen Musikhochschulen. Die Musikkultur ist eines der
    Aushängeschilder Deutschlands. Die Studierenden kommen hierher, weil sie die Namen Bach, Händel, Beethoven usw. kennen. Die Musikhochschulen stehen im internationalen Vergleich sehr gut da. Sie unterhalten alle Beziehungen zu Musikhochschulen in China, Korea oder anderen Teilen der Welt, die dazu führen, dass auch Dozenten aus Deutschland dort unterrichten. Ob Studierende aus Korea, Japan und China anschließend mehrheitlich wieder in ihre Herkunftsländer zurückgehen, ist mir nicht bekannt. Viele bleiben auch hier, während für gute deutsche Dozenten die Chancen an osteuropäischen oder ostasiatischen Hochschulen keinesfalls schlecht stehen. Die Musikhochschule Weimar hat seit 2000 sogar eine Dependance in Südkorea.
    2004 lag der Ausländeranteil an den Musikhochschulstudierenden sogar bei 35 %, d.h. er ist im letzten Jahrzehnt wider zurückgegangen, weil offenbar die Musikhochschulen in diesen Ländern selbst besser werden. Letztlich ist es unerheblich, in welchem Land Orchestermusiker nach ihrem Studium spielen, da die Orchester, wenn sie gut sind, international auftreten, z.B. deutsche Orchester in Korea, Japan und China. Richtig ist, dass in anderen Ländern zumeist Studiengebühren verlangt werden. Ob Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende bei schätzungsweise 700-750 ausländischen Studierenden in Baden-Württemberg, von denen wiederum nur ein Teil aus Nicht-EU-Ländern stammt, die Finanzen der Hochschulen wesentlich aufbessern würde - Verwaltungsaufwand und Stipendien für finanziell schlechter Gestellte abgezogen, weiß ich nicht, ganz sicher würde dies den Landeshaushalt um nicht mehr als 0,001% entlasten. Zum Vergleich: an den Universitäten der USA beträgt der Anteil der Nicht-Amerikaner bei den Dozenten etwa 50 %, bei den Studierenden liegt er nochmals wesentlich höher.
    Dietrich Heißenbüttel
  • Kritikus
    am 22.08.2013
    Wer wird denn heutzutage eigentlich ausgebildet?
    Schaut man sich die Staatsangehörigkeit der Musikstudenten an, so sind das doch mehrheitlich Asiaten und Osteuropäer. Diese erhalten eine sehr teure Ausbildung kostenlos und verlassen nach dem Studium in der Regel die BRD. Muss Deutschland wirklich so viel Geld in "Entwicklungshilfe" stecken? Bei der Musikausbildung ist der Nutzen der Ausbildung von Ausländern doch eher fraglich.
  • Thomas
    am 22.08.2013
    Sehr guter Artikel, kleine Korrektur: in Rheinland-Pfalz kann man durchaus Musik studieren, nämlich sowohl in Landau (Lehramt Sek I) als auch in Mainz (alle anderen Studiengänge). So schlecht geht's uns hier nicht, aber es ist natürlich dennoch ein Unding, mit dem Argument anderswo Schulen zu schließen...
  • Martin Schlömer
    am 21.08.2013
    Es ist durchaus sinnvoll, die Musiklandschaft in Baden Württemberg endlich auszudörren. Jahrzehntelang waren wir aus den nördlichen Bundesländern neidisch auf diese Struktur der guten bis sehr guten Laienorchestern, die es in jedem Dorf und an jeder Straßenecke gibt. So etwas kommt ja nicht von nix, hier hat eine früh einsetzende Begeisterung für das Thema Musik die Jugend sensibilisiert. Die Tatsache, dass es den meisten Orchestern dort gelungen ist, den Altersschnitt und die Qualität zu halten, wo jetzt doch die Ablenkungsmöglichkeiten für die Jugendlichen vielfältiger und leichter zu erreichen sind, zeigt, wie wirksam diese Bemühungen waren. Das hat viel damit zu tun, dass in Baden Württemberg die musikalische Ausbildung so reichhaltig und vielfältig ist. Wenn das jetzt endlich aufhört, wird in einigen Jahren auch der Nachwuchs in den Musikkapellen nachlassen und wir Nordlichter können endlich aufhören, neidisch auf dieses (dann ehemalige) Vorzeigebundesland zu schauen.

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