KONTEXT:Wochenzeitung
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Wunder, Eisbären und Kontext

Wunder, Eisbären und Kontext
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Es gibt auch gute Nachrichten in schlimmen Zeiten: Daimler ist am Abschiffen – aber Kontext lebt (und die kleine Schwester taz auch). 500 Mal Kontext, und meine Omi Glimbzsch in Zittau ist immer noch nicht blind.

Wir gratulieren! Klar, das Wehklagen der Autoindustrie dringt allzu oft und allzu grell selbst durch die stark durchlüftete Redaktionsetage des Kontext-Lusthauses in der Stuttgarter City. Dort schöpft eine hartgesottene Hundertschaft professioneller Frauen und Männer – Ghostreiter von Kultur und Politik – den geistigen Mehrwert der schwäbischen Intelligenz ab, bevor der BND zugreifen kann. Ja, wir gratulieren!

Die Autoindustrie, die uns alle nährt, selbst Grüne und Rote, beschäftigt bundesweit rund 850.000 Fach-, Fremd- und Leiharbeiter – die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft, zu der diese Zeitung gehört, dagegen weit mehr als 1.200.000 Menschen: querdenkende Schreibkräfte, omnipotente Theaterleute, Kinofritzen, Illusionisten, Träumerinnen, die uns den blauen Himmel und die Ruhr versprechen. Richtig: Die versuvte Auto-Industrie nippelt am selbstfahrenden Hungertuch – aber Kontext lebt. Wahr ist auch, dass es dem deutschen Gastgewerbe noch dreckiger geht als den Automobilisten: Mit 2.500.000 Beschäftigen (die Schwarzarbeiter nicht mitgerechnet) kümmern sie sich um die – brutal gesagt – deutlich zunehmende Zahl von Pennern, Säufern, Handlungsreisenden, um Menschen, die jetzt endlich gezwungenermaßen den Schwarzwald, das Filstal und Rothenburg ob der Tauber kennenlernen werden, mit Umstieg 21 in Stuttgart. Es grenzt an ein Wunder, wie gut wir dennoch drauf sind. Das bleibt so, versprochen!

Jeder dritte Baum im Schwäbischen Wald kränkelt, jeder vierte stirbt. Die anderen werden vorher gefällt. Aber Kontext lebt. Eisbären fressen Forscher auf, weil sie von der Natur im Stich gelassen werden, samt den Forschungsergebnissen. Aber Kontext lebt. Die Printmedien (früher Zeitungen genannt) werden dünner, unauffälliger, magerer und von allen guten Geistern verlassen. Aber Kontext bleibt – mit Blick in die Welt hinaus, weit über den Bahnhofsturm hinweg bis in die Vorstädte jenseits des großen Teiches. Dort bewaffnet man sich: Demokraten, Sozialisten und andere Kriminelle pochen mit harter Hand an die Türen. Kontext weiß: schlimm. Trump bleibt.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator von Bürgerprojekten. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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3 Kommentare verfügbar

  • Peter Grohmann
    vor 3 Wochen
    Antworten
    Jetzt sollten wir dafür sorgen, dass Lenk bleibt. Und nicht in irgendeiner Ecke oder hinterm Bahnhof oder unter der Erde
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