Ausgabe 348
Kolumne

Politik belästigen

Von Peter Grohmann
Datum: 29.11.2017

Die Männer sind alle Verbrecher, vor allem die Neoliberalen, die es ja als Spezies im Grunde genommen gar nicht gibt. Oder doch? Einen Berliner Gassenhauer von 1913 kann man jedenfalls nicht nur auf den Kampf der Geschlechter beziehen, sondern auch auf den der arbeitenden Bevölkerung gegen die neoliberalen Arbeitvernichter: "Ihr Herz ist ein finsteres Loch! ... Das Männchen legt sich eins, zwei, drei/ ein Liebchen bei,/ Vielleicht auch zwei./ Trinkt Sekt im Separee,/ Du trinkst zuhause Tee."

Ebenso funktioniert der Text mit Wählern und Politikern. Was der gemeine Wähler den Parteien immer wieder schenkt, ist das grenzenlose Vertrauen in seine (also des Wählers!) Fähigkeit, jede Kröte zu schlucken, damit die Auserwählten das Vaterland mit starker Hand beschirmen. Ist der Akt erledigt, muss man erst wieder in vier Jahren ran. Damit das aber nicht zu lästig wird, wollen die wichtigsten Parteien dem Wähler ein weiteres Jahr spenden, damit er mehr Zeit zur Kontrolle hat. Bis dahin steht die Regierung.

Martin Schulz sagt ja dieser Tage sehr richtig: "Ich strebe keine Große Koalition an, ich strebe auch keine Minderheitsregierung an. Ich strebe auch keine Neuwahlen an. Ich streb gar nix an." Der heilige Martin hat noch mehr gesagt, aber die Schote mit der Gerechtigkeit kennen ja schon alle.

Da hat einer sehr wahr aus dem Parteiennähkästchen geplaudert. Doch Vorsicht, Genosse Martin, Whistleblower sind hierzulande quasi Freiwild! Die Politik tut sich wahnsinnig schwer, die Aufklärer zu schützen. Sie könnte ja über kurz oder lang selbst betroffen sein. Der weiche Teppich des Vertuschens und (Ver-)Schweigens darf nicht verrutschen, ob es nun um Verfassungsbruch beim KPD-Verbot, die RAF oder staatlich angeheuerte Mordhelfer beim NSU geht.

Letztens hat die Aufklärungs-Sendung "Die Anstalt" ganze Arbeit geleistet und auf die neoliberalen Elitezirkel hingewiesen, die es gar nicht gibt. Konkurrierende Medien tun sich halt schwer, neue Fässer aufzumachen, noch dazu, wo es um dieses weltumfassende Netzwerk von Eliten geht: Das kostet Geld und bringt Ärger statt Umsatz und Absatz. Die meisten Leute würden sich ja auch ärgern, wenn sie wüssten, welchen Einfluss ich als kleine radikale Minderheit habe – und wir alle als Belästiger.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.Alle "Wettern"-Videos gibt's hier zum Anschauen.


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2 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 30.11.2017
    Dem schließ ich mich an - Regiere dich selbst!
    Das stammt aus der Schweiz wo die Berge aus aufgehäuftem Geld bestehen. Der aktuelle Zustand (Höhenmessung) zur Zeit:
    Der Börse sei Dank: Die 300 Reichsten in der Schweiz waren noch nie so wohlhabend wie heute. 2017 haben die Millionäre und Milliardäre um über 60 Milliarden zugelegt. 23.11.2017, 22:00 Uhr (sda) · Auf den Finanzmärkten lief es im Jahr 2017 ziemlich gut – trotz den Unsicherheiten wegen US-Präsident Donald Trump und dem angekündigten Brexit. Das dürfte auch die 300 reichsten Menschen der Schweiz freuen: Ihr Vermögen stieg um 60 Mrd. Fr. an.
    Gemeinsam besitzen sie neu 674 Mrd. Fr., wie das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» am Donnerstagabend bekanntgab. Hinter dem Geldsegen steckt gemäss «Bilanz» die gut laufende Börse. Ein Vermögen von 100 Mio. Fr. ist nötig, damit man in die Liste der 300 Superreichen aufgenommen wird.
    Neun Personen oder Familien haben dieses Jahr diesen Status neu erhalten. Zusammen kommen sie auf 23,3 Mrd. Fr. Der finanziell gewichtigste Zuwachs ist die Familie Safra von der Basler Bank J. Safra Sarasin mit einem Vermögen von 19 bis 20 Mrd. Fr.
    Joseph Safra – laut «Bilanz» der wohl reichste Bankier der Welt – hat sich in der Gemeinde Crans-Montana im Wallis niedergelassen. Beim Eintritt in die Rangliste hat es die Familie direkt in die Top Ten, nämlich auf Platz vier, geschafft.
    Mit einem Besitz von 11 bis 12 Mrd. Fr. schaffte es auch die Familie Blocher in die Top Ten. Mit einem Vermögensanstieg von 4 Mrd. Fr. ist die Familie die grösste Aufsteigerin in diesem Jahr. Der Reichtumszuwachs ist insbesondere auf den Kunststoff- und Chemiekonzern Ems zurückzuführen: Innert eines Jahres ist der Wert um einen Drittel gestiegen.
    Und wir, der kleine Mann hilft kräftig dabei: Ikea-Familie unangefochten auf Platz 1
    Die reichste Familie in der Liste ist nach wie vor die Ikea-Familie Kamprad. Die «Bilanz» beziffert ihr Vermögen auf 48 bis 49 Mrd. Fr. Im vergangenen Jahr betrug es noch 45 bis 46 Mrd.
    Danke Peter Grohmann, damit ist alles gesagt, was gesagt werden musste (G. Grass):
    "Martin Schulz sagt ja dieser Tage sehr richtig: "Ich strebe keine Große Koalition an, ich strebe auch keine Minderheitsregierung an. Ich strebe auch keine Neuwahlen an. Ich streb gar nix an." Er kann nix dafür - wir haben ihn einfach blind gewählt - wie Frau Merkel.
  • vale Mutrasiel
    am 29.11.2017
    Ja LIBERTAS (Freiheit) gibt es schon - diesen Ton nutzen die "Liberalen" um grenzenlosen Bargeldverkehr und Reichtum zu fördern. Das hat nix mit Staat und Sozialität zu tun - wir müssen das Ernst nehmen und die soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard wieder fördern.

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