Ausgabe 307
Kolumne

Schlagstock und Stimmvieh

Von Peter Grohmann
Datum: 15.02.2017

Nein, Pech gehabt! Er heißt nicht Engelbert. Alles wird gut. Aber ich habe bis zur letzten Minute gezittert! Genau wie am vergangenen Donnerstag, als die "Stuttgarter Nachrichten" mit Großsprech den Trump-Berater Dr. Gorka ankündigten, der die aktuellen Publikumsängste in Richtung Terrorangst bedienen sollte. Doch Gorka ("Breitbart News") blieb zu Hause in den USA und skypte nur in Richtung Stuttgart: "Weiter so! Aber mehr Geld und mehr Waffen!" Damit kann man ja schon mal allerhand anfangen, gelle?

Ein guter Freund warnte mich vorab vor Angriffen auf die Hott-Vollje und die Aufklärungsorgie meiner Heimatzeitung: Solches "Wettern der Woche" könnte Rechtsanwälte nach sich ziehen, weil es den Nachrichten-Ruf schände. Das war gewissermaßen ein Wink mit dem Schlagstocke, sagte meine Omi Glimbzsch bei solchen Gelegenheiten. Aber noch ist Zittau nicht verloren, und Zürich auch nicht. Das Stimmvolk der Schweiz (rechtspopulistisch etwa: Stimmvieh) stimmte unerwartet mit +/- 60 Prozent gegen die Populisten der SVP und für eine leichtere Einbürgerung der Enkel der Enkel der Enkel. Passt. Und merci vielmals!

Zeitgleich wird in den Staaten zum Halali geblasen. Guadalupe García de Rayos ist der erste Mensch seit Trump, der ohne gültige Papiere in einer Behörde der US-Regierung verhaftet und dann abgeschoben wurde. Adiós Amerika, adiós meine Kinder. Die durften "daheim" bleiben, konnten aber die Koffer der Mutter zur Grenze tragen, die die vor 21 Jahren in Richtung gelobtes Land überschritten hatte. Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2017 kann doch da unser Slogan "Menschenrechte first" mit Hilfe eines aufklärenden Journalismus ein Bekenntnis werden – in Solidarität mit den Frauen weltweit und der Demokratiebewegung im Geburtsland der Menschenrechte.

Während zeitgleich so manche Dresdner Atheisten stocksauer sind, weil irgendwelche hergelaufenen Künstler in Erinnerung an die Toten, an die Leiden in Aleppo drei ausgebrannte Autobusse als Mahnmal hochkant vor ihre Frauenkirche stellen, wird 300 Meter weiter in der Semperoper der Dresdner Friedenspreis 2017 verliehen – der Preis wurde 1995 von den AnStiftern ins Leben gerufen. Der Preisträger Domenico Lugano, Bürgermeister des italienischen Fischerdorfes Rice, hat hunderte Flüchtlinge in seinem Dorf sesshaft gemacht: Das Dorf lebt wieder. Es lohnt sich.

Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren. Mehr zum Thema beim politischen Aschermittwoch – ich sitze links vor Ihnen im Theaterhaus.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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3 Kommentare verfügbar

  • Helmut Laun
    am 27.02.2017
    Schlagstock und Stimmvieh
    Von Peter Grohmann Datum: 15.02.2017

    Nein, Pech gehabt! Er heißt nicht Engelbert. Alles wird gut. Aber ich habe bis zur letzten Minute gezittert! Genau wie am vergangenen Donnerstag . . . . .
    . . . . . . ...........
    . . . . Solidarität mit den Frauen weltweit und der Demokratiebewegung im Geburtsland der Menschenrechte.
    Während zeitgleich so manche Dresdner Atheisten stocksauer sind, weil irgendwelche hergelaufenen Künstler in Erinnerung an die Toten, an die Leiden in Aleppo drei ausgebrannte Autobusse als . . . (Auszug aus dem Artikel)
    Meine Kritik:
    Als Atheist schon mit 18 Jahren aus Stuttgart— heute in Rostock lebend sollte man nicht denken dass die RECHTEN Atheisten sind
    und die LINKEN religiös — obwohl die Konfesionslosen die Mehrheit in der Gesellschaft haben wird die Trennung von Staat und Kirche nicht wirklich gelebt.
  • Peter Meyerholt
    am 20.02.2017
    kannitverstan:
    irgendein afrikanischer künstler kann doch jederzeit
    ein kunstprojekt in der stadt realisieren. kunst ist frei.
    da ist sicherlich eine amt davor, und damit das ganze
    nicht umkippt, auch der tüv. aber sonst? das hat weder
    was mit einem grünen OB noch einem schwarzen
    amts-leiter zu tun. dass es auch proteste geben
    würde (wie in früheren fällen auch - die kleinkarierten
    werden ja nicht weniger, sondern mehr), ist ja letztlich
    sinn solcher kunstaktionen.
  • Horst Ruch
    am 16.02.2017
    ....lieber " deeer" Bürgerbrief Verfasser. Stellen wir uns doch mal vor, irgendein afrikanischer Künstler aus Namibia mit Stuttgarter Akademiestudium hätte in Erinnerung der " kolonialistischen" Großtaten unserer Vorfahren, -ehrenwerte, geehrte "Bürger" des deutschen Reiches- vor der Stuttgarter Stiftskirche möglicherweise zwischen Schillerdenkmal und Fruchtkasten mehrere von ihm kunstvoll zusammengepresste militärische Kanonen aufstellen lassen. Ja, was wohl wäre die erste Tat unseres grünOB's und schwarz Ordnungsamtschef gewesen, bevor die Stuttgarter Zeitung und Kontext überhaupt zu berichten in der Lage gewesen wären?
    Leider wäre die Kunde des sofortigen Abrisses nur durch die AFD
    verbreitet worden........immerhin, nur eines von vielen "hinkenden" Beispielen. Erst schießen, dann schieben.

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