Ausgabe 295
Kolumne

Die Gruselclowns

Von Peter Grohmann
Datum: 23.11.2016

Norbert Gerwald Hofer, Österreichs Bundespräsident in Wartestellung, übt schon fleißig. Seine politischen Steigbügelhalter können mit rechts todsicher auf ein Posterl hoffen. Herr Hofer sieht sich als so etwas wie sein Namensvetter Andreas: ein Freiheitskämpfer, der die Wahl machen wird. Aber der Gruselclown aus dem Gebüsch der Nachbarschaft ist ja nicht allein – da lauert Marine Le Pen, dort François Fillon, nordwärts Geert Wilders, Boris Johnson. Der Ehre wegen sei auch Nigel Farage genannt, Avigdor Lieberman, Hillary Clinton, Silvio Berlusconi, Heinz-Christian Strache, Viktor Orbán, Horst Seehofer, Alexander Gauland, Björn Höcke, Recep Tayyip Erdoğan, Jaroslaw Kaczyński. Die Liste ist natürlich nicht komplett. Was sie eint: Sie alle wissen, wie man Kinder erschrecken und Stammwähler in die Flucht schlagen – und mit eigenem Netz wieder einfangen kann.

Richtig ist: Der eine oder andere, der sich im seinem Dasein auf den Wahlgang im Fünf-Jahres-Rhythmus beschränkt und das Dreckgeschäft (sorry: Ich meine natürlich politisches Alltags-Engagement) schon immer die anderen machen ließ, hat aus unerfindlichen Gründen das Vertrauen in das politische System verloren. Die systemkritische Anti-Eliten-Rhetorik des Kabarett-Duos Beata Szydło/Jaroslaw Kaczyński in Polen begeistert junge Menschen mehr als Franziskus und erreicht mühelos erfahrungsferne Erstwähler. Rechtstendenz steigend.

So mancher hält angesichts des weltweiten Zugewinns der postfaktischen Rechtspopulisten (Neofaschisten, tät' meine Omi Glimbzsch in Zittau schlicht sagen) Wahlen schlechterdings für demokratieschädlich. Immer gewinnen die Falschen. Soll man lieber zu Hause bleiben? Aber wer reißt dann die Mauern ein?

Eben, denn die Wahl von Donald Trump ist mindestens so grandios wie der Fall der Mauer – und die kann man ja wieder aufbauen. Was Trump nicht weiß: Unsere haben wir ja schon. Sie heißt ganz vornehm EU-Außengrenze.

Aber was sagen denn die anderen zu Trump? Rechtspopulist ("Die Welt") Donald Trump ist Präsident der USA. Indien wird vom Hindu-Faschisten (FAZ) Modi regiert. Auf den Philippinen übt Diktator ("Die Zeit") Duterte Lynchjustiz. In Japan bestimmt der Reaktionär (WAZ) Abe seit Jahren die Politik. Präsident Erdoğan bekennt sich in der Türkei zu Hitler als Vorbild ("Der Spiegel"). Und in Deutschland macht Grohmann weiter, im Kontext mit den anderen.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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2 Kommentare verfügbar

  • Horst Ruch
    am 28.11.2016
    ..... ja/nein, lieber Peter Grohmann, (Neofaschisten, tät' meine Omi Glimbzsch in Zittau schlicht sagen). So weit so gut.
    Doch von vornhinein all diejenigen, die aus Frust mal ihr Kreuzchen im Wahlzettel für ein Wechselbad gemacht haben
    in die "miese" rechte Ecke zu stellen, ist unlauter. Solange die
    Gewählten (Trump& Co) sich innerhalb der parlamentarischen Ordnung bewegen, bedeutet dies doch 4 bzw 5 Jahre den Wählern zeigen, was manfrau so erwirken kann.
    Dann wird neu gemischt.
    Daß wir innerhalb Deutschlands Lei(d)(h)(t)Kultur "alternativlos" alle 5 Jahre die selbe Leitfigur wählen sollen, steht nun wirklich nicht für eine intakte Demokratie im klassischen Sinne, die letztlich in Wirtschaftskungelei und Machterhalt ausartete.
    Die Tragik gipfelt allerdings jetzt mit Erdogan dem Dauergewählten, der sich durch Parlamentsbeschränkungen. zum Diktator entwickeln will. Ein Fehler, daß nicht nach der ersten Wahlperiode neu gemischt wurde.
  • Peter Meyerholt
    am 24.11.2016
    Wir müssen zum Beispiel erleben, dass einige, die in wirtschaftlicher oder öffentlicher Verantwortung stehen, ungeniert in die eigene Tasche wirtschaften. Das Gefühl für das, was richtig und angemessen ist, scheint oft verlorengegangen zu sein. Egoismus, Gier und Anspruchsmentalität in Teilen der sogenannten Eliten schwächen auch das Vertrauen in die Institutionen selber, wenn deren Repräsentanten offenbar alle Maßstäbe verloren haben.

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