Ausgabe 368
Gesellschaft

Der Dokumentarfilmer als Märchenonkel

Von Mario Damolin
Datum: 18.04.2018
Auf der Berlinale wurde er vorgestellt, jetzt kommt er in die Kinos und wird über den grünen Klee gelobt: der "SPK Komplex" von Dokumentarfilmer Gerd Kroske über das Sozialistische Patientenkolletiv im Heidelberg der 70er. Unser Autor lobt nicht. Der Streifen sei nur wenig komplex, dafür viel einfältige Geschichte.

Das sei ja "wie ein revolutionärer Akt, wenn man sich dagegen viele zeitgenössische Dokumentarfilme ansieht", schwärmt ein Redakteur in der taz voller Bewunderung. Und der Dokumentarfilmer antwortet bei einer Filmvorführung in Heidelberg so richtig offensiv: "Das ist eine TV-Krankheit, immer diese Bauchbinden bei Dokumentarfilmen, man sieht doch meistens, wer da gerade spricht." Das sei bewusst eingesetzt, als "dramaturgisches und künstlerisches Mittel", denn der Zuschauer solle schon mitarbeiten und von sich aus die Protagonisten zuordnen: ob Patient, Polizist, Rechtsanwalt, Arzt etc. Bauchbinden zur jeweiligen Person erscheinen da offenbar nur als eine Art schwarzer Pädagogik, die den Zuschauer mit Informationen zwangsernähren und mit Vorurteilen besetzen will. Im "SPK Komplex", Gerd Kroskes Dokumentation über die Geschichte des Sozialistischen Patientenkollektivs (SPK) sprechen allerdings viele, von denen man eben nicht weiß, wer sie sind. Und das ist noch lange nicht die ganze Misere dieses Films.

Das Sozialistische Patientenkollektiv war eine Gruppe Patienten und Patientinnen, die sich 1970 in Heidelberg innerhalb der Uni-Poliklinik für Psychiatrie konstituierte und den herrschenden Klinikbetrieb aktiv umzugestalten trachtete: gegen unzumutbare Behandlungsmethoden, gegen die Hierarchie Arzt-Patient und insgesamt gegen die damalige Verwahrpsychiatrie, in der die Ordinarien und Ärzte herrschen konnten wie sie wollten. Ein Arzt, Dr. Wolfgang Huber, solidarisierte sich mit den Patienten, was natürlich unter den mehrheitlich konservativen Professoren erheblichen Widerspruch provozierte. Dann gab es den Klinikleiter, Prof. Walter von Baeyer, er stammte aus einer jüdischen Familie und war Co-Autor des Standardwerkes "Psychiatrie der Verfolgten", ein anfangs seinem Mitarbeiter Huber eher zugeneigter Mann, obwohl durchaus bürgerlich-konservativ; und da war auch noch ein liberaler "Reform-Rektor", der Theologe Rolf Rendtorff, der versuchte, die Patientengruppe in irgendeiner Weise zu unterstützen.

Das Motto des SPK: Kampf der Ärzteherrschaft

Aber die Verhältnisse waren damals auf Konfrontation gebürstet. Das Rektorat wurde zwischen CDU-Kultusministerium, konservativen Ordinarien und dem rebellischen SPK zerrieben, die Gruppe galt als "Feind im eigenen Haus". Das SPK antwortete mit ebensolchen Feinderklärungen und Denunziationen: etwa, dass Baeyer ein "Euthanasiearzt" gewesen und nunmehr die "Krankheit als Waffe" gegen die Klassenmedizin auszurichten sei. Motto: Kampf der Iatrokratie, der Ärzteherrschaft. Der Patient als revolutionäres Subjekt.

Diese Konfrontation inmitten einer immer hysterischer werdenden bundesrepublikanischen Situation der beginnenden 70er Jahre nahm wachsende radikale Züge an: Teile der studentischen Rebellierenden sahen schon den Faschismus vor der Tür, Teile der Ordinarien imaginierten sich neue "SA-Truppen" in ihren Seminaren. Auch das SPK radikalisierte sich – der Druck von außen ergänzte sich mit dem Druck von innen. Das SPK, anfänglich entstanden aus berechtigten Patienten-Protesten gegen die Wirklichkeit der Psychiatrie, mutiert zu einer gewaltförmigen Sekte, mit allen Ingredienzien: ein Guru, Dr. Huber, dessen Charisma viele labile Menschen fesselt; ein innerer Zirkel, der die Gruppe dominiert; theoretische Amokläufe mithilfe von Hegel über Marx und Freud zu Wilhelm Reich; Verschwörungstheorien und Suche nach Verrätern in den eigenen Reihen; ein immenser Gruppendruck, auch körperliche Gewalt innerhalb der Gruppe; Spielereien mit Waffen im Wald; sexueller Missbrauch durch den Guru, der, weil er sich selbst in den Patientenstatus definiert, jetzt auch keine Rücksicht mehr auf das Abstinenzgebot nehmen muss und sich unter seinen Patientinnen umschaut. Das Ende: Selbstmorde, Polizeieinsätze, Razzien, Verhaftungen, Dr. Huber und seine Frau werden mit Gefängnisstrafen belegt; Patienten sehen sich allein gelassen; SPK-Mitglieder wechseln über die damals existierenden "Komitees gegen (Isolations-)Folter" in die Reihen der RAF; vier von ihnen werden Teil des "Kommandos Holger Meins", das im Jahr 1975 die deutsche Botschaft in Stockholm besetzt, um politische Gefangene freizupressen - Resultat: vier Tote, darunter zwei Botschaftsmitarbeiter.

Soweit die Geschichte, die natürlich erheblich vielschichtiger ist.

Was aber macht der Dokumentarfilmer Kroske, was macht sein Film aus diesem Stoff? Er recherchiert in Archiven und holt Personen vor die Kamera, die im Umfeld des SPK-Themas etwas zu sagen haben - und dies durchaus in zum Teil beeindruckender Weise. Etwa ein ungenannter Patient, der nachdenklich seine SPK-Erfahrungen schildert; oder auch die später in der RAF untergetauchte und verurteilte Ex-SPKlerin Carmen Roll, die nach der Haft in einer italienischen Psychiatrie arbeitet. Kroske sucht und findet Audio- und Video-Material, die das SPK zum Thema haben. Das gehört zum Handwerk des Filmemachers.

Dann aber erscheinen Personen, die mit dem SPK nichts zu tun hatten. Der Stockholm-Terrorist Karl-Heinz Dellwo kommt ausführlich zu Wort. Kripobeamte aus Heidelberg, Vollzugsbedienstete aus Stammheim, Richter, Rechtsanwälte, Journalisten. Wer in diesem Film nicht vorkommt, ist der Berliner Medizinhistoriker Christian Pross, der 2016 – zusammen mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen – nach vierjähriger Recherche eine bemerkenswerte Studie über das SPK herausgebracht hat, Titel: "Wir wollten ins Verderben rennen." Pross war anfangs selbst im SPK-Umkreis als Student aktiv.

Warum, wurde Kroske in Heidelberg gefragt, sei dieser bedeutende Zeitzeuge mit seinen Forschungsergebnissen im Film nicht zu finden? Kroske: "Der war zu eitel und wollte nicht kooperieren." Möglicherweise passte aber auch das Erkenntnisinteresse des Medizinhistorikers ganz einfach nicht zum Erkenntnisinteresse des Dokumentarfilmers. Der Buchtitel "Wir wollten ins Verderben rennen" (Zitat eines Patienten) deutet nämlich in eine völlig andere Richtung als der ursprüngliche Arbeitstitel des Filmes: "Psycho-RAF".

Während Pross akribisch die Einzelteile des Themas zusammenfügt, agiert Kroske mit routiniertem und populistischem Rundumschlag. Während Pross Stück für Stück die äußeren und inneren Verbindungslinien eines gewalttätigen Gruppenprozesses offenlegt, ist Kroske auf die Skandalisierbarkeit seines Themas aus. Der Eindruck des Wissenschaftlers Pross nach einem ersten Gespräch mit dem Dokumentarfilmer Kroske: "Der war mir zu oberflächlich, zu drängelnd und zu unsensibel im Umgang mit Zeitzeugen."

So kommt Kroske zu steilen Thesen, die er sowohl in Interviews - zum Beispiel mit dem Deutschlandfunk Kultur – als auch bei der Heidelberger Filmvorführung wiederholt. Etwa dass es in Heidelberg nach dem Verbot des SDS (Sozialistischer Studentenbund) 1970 nur zwei Möglichkeiten gegeben habe, sich politisch in der Stadt zu betätigen: entweder im maoistischen KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschlands) oder eben im SPK. Blühender Unsinn, irgendwo aufgeschnappt und gerüchteweise weitergegeben.

Ein dramaturgisches Flickwerk

Was in Kroskes Film immer deutlicher wird, je länger er dauert: er hat keine Ahnung von der politischen Situation in der Stadt damals, und, was noch schwerer wiegt, er hat eine nur sehr begrenzte Ahnung von der Situation der Heidelberger Universität und Psychiatrie dieser Jahre. So verflüchtigt sich das Patienten-Thema im Film nach und nach zugunsten einer Erzählung zum Thema Terrorismus, in der es von RAF, Stammheim, Stockholmer Attentat, Schüssen in Wiesenbach, Polizeieinsätzen, Razzien nur so wimmelt.

Der Ex-Terrorist Lutz Taufer, der 37 Jahre brauchte, um öffentlich die Reue über sein mörderisches Tun zu bekunden, tritt gehäuft wie eine Art Elder Statesman als O-Ton-Geber in diesem Film auf; und da hilft es auch nicht, dass Ex-SPKlerin Carmen Roll in langen Kameraeinstellungen die Triester Psychiatrie Franco Basaglias und Franco Rotellis erklärt – nur um das Psychiatrie-Thema im Film zu halten. Das SPK hatte mit der italienischen Anti-Psychiatrie nichts oder nur wenig zu tun. Und, das muss betont werden: das SPK war keine Keimzelle der RAF, so sehr dieser Film auch versucht, das nachzuweisen.

Fazit: Wer vor dem Anschauen dieser Doku vom Thema wenig oder nichts weiß, wird in die Irre geleitet.

Und so bleibt diese Dokumentation ein dramaturgisches Flickwerk von Ereignissen und Personen, ein vom "Komplex" zur einfältigen Geschichte herabdekliniertes Stück Film, in dem fast alles fehlt, was dieses Thema hätte spannend und interessant machen können. Etwa die Herausarbeitung und Verschränkung jener individuellen und gesellschaftlichen Dynamik, die das Entstehen von Sekten dieser Art begünstigt und – wie Tolstoi einmal bemerkte – das wahre Gesicht des Staates in seinen Verwahranstalten zeigt.

Aber das wollte Kroske offenbar nicht, er war eher auf eine kriminelle Opfergeschichte aus - noch dazu im Jubiläumsjahr 2018, fünfzig Jahre nach 1968, und hat das SPK und seine Patienten als Aufhänger und Material dazu genommen. Bei der Diskussion nach der Heidelberger Filmvorführung beharrte er auch schroff auf seiner Wahrheit, der "Wahrheit des Dokumentarfilmers", und wies alle Einwände und Kritiken als "besserwisserisch" zurück.

Am Ende des Films langt Kroske noch einmal tief in die Metaphernkiste und verlegt seinen "SPK Komplex" auf die griechische Insel Leros, nahe der türkischen Küste. Er zeigt aktuelle und beeindruckende Bilder einer ehemals skandalumwitterten Psychiatrie, hinter deren erneuerten Zäunen heute Geflüchtete hausen. Ein unmissverständlicher Wink mit dem Zaunpfahl, was Psychiatrie im Sinne des Filmemachers im Kern wirklich ist: das ideelle Gesamtgefängnis, Leros als Sjnnbild eines internationalen "SPK Komplex". Aber auch hier zeigt Kroske seine mangelhaften historischen Kenntnisse.

Denn Leros ist eine seit Jahrhunderten als Verwahrort für unterschiedliche, gesellschaftlich exilierte Menschen genutzte Insel. Im Mittelalter für Leprakranke, dann militärischer Vorposten mit Soldatengefängnis; in den Jahren des griechischen Bürgerkriegs waren es die Waisen getöteter Kommunisten, die auf Leros, in den "Schulen der Friederike", zum proköniglichen Denken erzogen wurden; später drängten sich in der neugegründeten "Kolonie psychisch Kranker" 4000 Insassen in den düsteren Gängen und Zimmern der ehemaligen Militärgebäude; und in der Zeit des griechischen Faschismus beherbergte Leros ein KZ für politische Gefangene, darunter Mikis Theodorakis. Seit Jahrhunderten leben die Inselbewohner von den Internierten, die sie bewachen, füttern und mehr oder weniger gut versorgen, und damit ihre Existenz sichern. Die Geschichte ist interessant. Hat aber mit dem SPK nichts zu tun und führt einmal mehr in die Irre.

Der Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge hat einmal gesagt, der "naive Umgang mit Dokumentationen" sei "eine einzigartige Gelegenheit, Märchen zu erzählen". So ist es: der Dokumentarfilmer als Märchenonkel. Und es ist faszinierend, welche Phantasie manche Rezensenten dieses Films aufbieten und mit hymnischen Lobpreisungen und verstiegenen Interpretationen Kroskes Märchen vom "SPK Komplex" noch märchenhafter machen.


Die Termine zur Kinotour mit dem Regisseurfinden Sie hier


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10 Kommentare verfügbar

  • Anna Hunger, Redaktion
    am 26.04.2018
    Wir freuen uns immer über kontroverse Debatten, möchten aber vermeiden, dass sie in persönliche Beleidigungen abdriften. Die Argumente sind ausgetauscht und drehen sich im Kreis, deshalb schließen wir die Diskussion an dieser Stelle.
    Grüße,
    die Kontext-Redaktion
  • Thomas Onißeit
    am 26.04.2018
    Dank an den Autor, denn wer sich Kroskes Wahrheiten mutiert automatisch zum simplen Kunstbanausen. Text vom 09. März: Die Kombination von RAF und Psychiatrie ist eine geschickt gewählte Themenverflechtung, die aufgrund dieser Reizworte ein Brisanz erzeugen soll, die nur bedingt vorhanden ist. Doch Kroske bedient sich im Schlagwortkarussel der gesellschaftlichen Reizwörter noch dreister. Denn schon beim Filmtitel offenbart sich das ganze Dilemma. Jeder, der auch nur ansatzweise etwas von der RAF gehört hat, assoziiert automatisch den Baader Meinhof Komplex, der als Buch von Stefan Aust und als Film von Uli Edel (Drehbuch Bernd Eichinger) vorliegt. Offenbar erhoffte sich der Regisseur einen gewissen Mitnahmeeffekt, der seinen Film dadurch interessant erscheinen lässt. Freilich wird diese Absicht, gar Nähe vehement bestritten und auf die Jungsche Komplextheorie verwiesen.
    Doch dass es für diesen Bezug an Substanz fehlt wird deutlich am schwammigen Psychologisieren. Kroske thematisiert eben nicht, wie sich der vermeintliche SPK-Komplex konstellierte und heute noch konstelliert. Auch lässt er offen, welches Thema dieser Komplex beinhaltet und schon gar, welches archetypische Thema Kern des Komplexes ist.
    Stattdessen wird stereotyp eine Filmdramaturgie entwickelt, die wir schon von „Striche ziehen“ kennen. Talking Heads, Fotos abfilmen, Talking Heads, Originalfilme einspielen, Talking Heads, etc. ... Und ein besonderer „Kunstgriff“ soll hier den Kunstfilm von der Dokumentation unterscheiden. Nämlich die Tatsache, dass man den ganzen Film rätseln darf, wer gerade zu einem spricht, denn selbst zur Einführung eines Protagonisten wird sein Name bewusst nicht eingeblendet.
    Darüber hinaus werden im Film ausschließlich die spektakulären Ereignisse dieser Tage thematisiert und in Summe die Veränderungen in der Psychiatrie als „Erfolg“ des SPK dargestellt, was den tatsächlichen Zielen des noch heute bestehenden SPK zuwider läuft. Denn dass das SPK noch existiert, verschweigt der Regisseur. Aus gutem Grund. Hier werden Ängste als Gründe angeboten, nicht vor der Kamera reden zu wollen. Der wahre Grund ist viel simpler: Die Leute vom SPK haben dem Regisseur umfangreich und eindrücklich untersagt, jegliche Informationen von ihrer Website zu nutzen und schlussendlich folgerichtig entschieden, diesem Film nicht als Protagonisten zur Verfügung zu stehen. Kroske begründet das, wie gesagt, mit noch heute vorhandenen Ängsten, was ihn erstens nicht davon abhält, den Film übehaupt zu drehen und zweitens, sich in der Plakatgestaltung auch noch dem Layout der SPK-Veröffentlichungen annähert, um so zu suggerieren, dass eine tatsächliche Nähe zum SPK besteht.
    Dann gibt sich der Regisseur als feinsinniger und akribischer Rechercheur und behauptet, es gäbe kaum Informationen über das SPK. Dabei gibt es die umfangreiche Website des heutigen SPK, die ihm eine Nutzung der Informationen untersagte sowie ein umfangreiches Buch von Prof. Christian Pross, Psychotherapeut und Medizinhistoriker und ein Kenner des SPK. Angesichts dieser Tatsache, stellt sich natürlich auch die Frage, warum Herr Pross nicht als Protagonist gewonnen werden konnte? Und er oder sein Buch darüber hinaus keinerlei Erwähnung finden?
  • Hans Drager
    am 25.04.2018
    Einige der Mit-ForistInnen wundern sich über den armseligen, ich würde hinzufügen gehässigen Verriss, den sich ein Herr Damolin, seines Zeichens selbst Dokumentarfilmer, über den Dokumentarfilm „SPK-Komplex“ eines Kollegen aus der ehemaligen DDR geleistet hat, was sich insbesondere in seiner Belehrung über die einstige griechische Straf- und Psychiatriekolonie Leros zeigt, die heute als Hotspot für Kriegsflüchtlinge genutzt wird, womit auch der Dokumentarfilm des Kollegen zu schließen scheint.

    Sie wissen vielleicht nicht, dass besagter Herr Damolin Ende der 80ger selbst einen Dokumentarfilm über die Straf- und Psychiatriekolonie Leros gedreht hat, dass der Beweggrund für seine obige „Rezension“ folglich, gelinde gesagt, auf „Futterneid“ beruht. Er gönnt dem Kollegen halt seinen „Erfolg“ nicht. Mehr noch: wie ein Oberförster betrachtet er alles, was sich mit dem SOZIALISTISCHEN PATIENTENKOLLEKTIV (SPK) in und um Heidelberg herum begeben hat, als sein Jagdrevier. Er darf sich dabei des ärztlichen Beistands seines Bekannten aus den „wilden Heidelberger“ Jahren, des Mediziners Christian Pross sicher sein, dessen in Bezug auf das SPK und dessen Gründer, Wolfgang Huber, Dr.med., erfundene Zwecklügen er in seiner von Besserwisserei und Krankheitshass strotzenden „Rezension“ unhinterfragt übernimmt und frömmelnd nachbetet.

    Was sie aber sicher nicht wissen, ist, dass der so sehr um die griechische Psychiatrie-Kolonie Leros bekümmerte Herr Damolin, Mitte der 70ger u.a. noch im Heidelberger „Carlo Sponti AStA“ tätig, eine Gruppe von SPK-Patienten, die den Carlo Sponti AStA zur Solidarität mit einem in Wiesloch, einer der Heidelberger Universitätspsychiatrie angeschlossenen Außenstelle, zwangseingewiesenen Patienten aufgefordert hatte, als Kriminelle denunzierte und ihnen androhte, sie durch die Polizei aus dem AStA werfen zu lassen.

    Was hatte sich besagter Patient zuschulden kommen lassen. Er hatte es gewagt, sich als Arzt auszugeben, um beim Roten Kreuz in Mannheim eine kurzfristige Einstellung zu finden. Obwohl durch seinen Einsatz niemand ums Leben gekommen war, er im Gegenteil Betroffenen sogar erfolgreich Erste Hilfe geleistet hatte, bekam er nun die ganze Rachsucht der Ärzteschaft zu spüren und sollte mittels Psychiatrie auf Dauer unschädlich gemacht werden.

    Es ist wohl eine Ironie des Schicksals, dass Herr Damolin - wie er sich in seinem Bericht über seinen Dokumentarfilm über die Psychiatrie-Kolonie Leros stolz brüstet - sich zwecks dieses seines Erfolgs einer List bediente. Er gab sich nämlich gegenüber dem ärztlichen Direktor der Psychiatrie-Kolonie als Kollege aus Deutschland aus. Bekanntlich ist Herr Damolin damals nicht „aufgeflogen“ und folglich auch nicht hinter Anstaltsmauern verschwunden, wie obiger Patient, dem er zehn Jahre zuvor seine Solidarität verweigert hatte.

    Aber einmal von solchen Begebenheitsgeschichten abgesehen kann Herrn Damolin, wie auch Herrn Nowak, dem Pro-SPK-Komplex-Rezensenten, gegen den er sich so oberlehrerhaft gebärt, getrost darin bestätigt werden, dass der Film „SPK-Komplex“ seines Kollegen und Dokumentarfilmmachers aus der DDR ein Film OHNE das SPK ist, ja sogar ein Film GEGEN das SPK ist. Siehe dazu: http://www.spkpfh.de/Achtung_Gattungsgifter_am_Werk.htm

    Das Gleiche gilt auch für das Buch des Heidelberger Mediziners Christian Pross angeblich zur Geschichte des SPK. Siehe dazu: http://www.spkpfh.de/Spitz_aus_Iackers_Stall.htm .

    Ist es zu viel verlangt, wenn Rezensenten, wie Herr Damolin oder Herr Nowak, unabhängig davon was man von ihren Rezensionen halten mag, wenigstens und zumindest darauf verweisen, was die eigentlich Betroffenen, wie hier das SPK und die Patientenfront, SPK/PF(H), zu dem vermeintlich über sie Berichteten selbst zu sagen haben?!
    • Mario Damolin
      am 25.04.2018
      Hans Drager oder wie ihr auch immer heißen mögt...
      ihr Ober-Schlaumeier von der Patientenfront; ihr, die ihr die einzigen seid, die wissen, wie es in der Welt zugeht (Arzt contra Patient), ihr, die ihr auch heute das tut, was ihr schon immer getan habt: aus der Deckung heraus, anonym, Leute bedrohen, denunzieren, Lügen verbeiten und Rufmord betreiben, Leute: könnt ihr euch mal was anderes einfallen lassen? Oder wollt ihr euren Patienten-Stalinismus bis zum Ende aller Tage hoch halten?
  • Peter Nowak
    am 23.04.2018
    ich finde immer auch kritische Texte wichtig, gerade, wenn sich alle ein Projekt, in diesem Falle den Film SPK-Komplex, loben. Allerdings vermögen mich die Argumente des Autors nicht zu überzeugen. In dem Film kommen die unterschiedlichsten Menschen vor, die etwas mit dem SPK zu tun hatten, als Mitglieder, Sympathisant_innen, Kritiker_innen, auch die an den Ermittlungen beteiligten Polizisten lässt der Regisseur zu Wort kommen. Damit gelingt ihn eine gute Rückblick auf eine Organisation, die lange nur als ein Haufen Irrer dargestellt wird. Nein, das SPK war nicht die Keimzelle die RAF, das wird im Film auch nicht behauptet. Es werden aber ehemalige SPK-ler_innen gezeigt, die zur RAF gingen, wie Karl-Heinz Dellwo und Lutz Täufer, an denen sich der Autor besonders stört, weil die ihre Geschichte auch heute noch verteidigen.
    Es ist eine Stärke des Films, dass alle SPK-Mitglieder als politische Akteur_innen dargestellt werden, die zur RAF gingen ebenso, wie die, die frühzeitig ausgestiegen sind. . Das ist eben ein Unterschied zu dem vom Autoren als Interviewpartner empfohlenen Christian Pross, der natürlich genau wußte, dass die SPKler_innen "nur ins Verderben rennen wollten", so der bezeichnende Titel seiner Studie. Es ist dem Regisseur hoch anzurechnen, dass er die Rolle des Stefan Aust in dem Film unbesetzt ließ.

    Peter Nowak
    • Mario Damolin
      am 24.04.2018
      Sehr geehrter Kollege Nowak,
      auch ich finde kritische Texte wichtig, gerade wenn sie von einem Kollegen kommen, der selbst schon unkritische Rezensionen über diesen Film geschrieben hat: sozusagen ein Rezensionen-Rezensent. Und der dazu noch behauptet, dass dieser Film einen "guten Rückblick" auf das SPK ermöglicht. Nur kurz: Wussten Sie beispielsweise, dass befragte Zeitzeugen im Film deshalb nicht auftauchen, weil sie die suggestiven Fragen des Autors nicht zu dessen Zufriedenheit beantworteten? Wussten Sie das? Wenn ja, warum haben Sie nicht darüber geschrieben, wenn nein, warum schreiben Sie überhaupt darüber? Wussten Sie auch, dass studentische Polit-Aktivisten wie Taufer (nicht Täufer wie bei Ihnen), Jünschke und Schiller als eine Art politische Kader den inneren Zirkel des SPK dominierten, den Kroske beharrlich leugnet, obwohl dieser innere Zirkel von mehreren SPK-Zeitzeugen beschrieben ist? Wussten Sie davon, und warum haben Sie das nicht erwähnt, und wenn nein, warum schreiben Sie überhaupt etwas zu diesem Thema? Und nur noch eine Frage: Wie kommen Sie dazu, dass befragte "unterschiedlichste Menschen" an sich schon eine Qualität repräsentieren? Kommt es nicht darauf an, was sie sagen und was in diesen Film aufgenommen wird? Dies alles und noch viel mehr könnten Sie in Ihrer "kritischen Rezension" angehen. Aber dazu ist eines unabdingbar: präzise Recherche und nicht allgemeines Geblubber über einen Artikel, dessen konkreter Inhalt Sie überhaupt nicht zu interessieren scheint. Also nur Mut zur Recherche Kollege Nowak und Karl Kraus nicht vergessen: "Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten."
  • Bernd Oehler
    am 19.04.2018
    Frau Strunkmann, Herr Hall, wie wäre es denn, wenn Sie mit einem winzigen Argumentchen erläutern würden, wo der Autor falsch liegt? Bislang klingt es so, als suhlten Sie sich armselig (um Ihre Rechtschreibpatzer geradezurücken) in merkwürdigem SPK-Epigonentum. Absolutistische Selbstgerechtigkeit im Ton war ja 1972ff. an Infotischen vor der Marstallmensa sehr en vogue und klingt mir noch nach …
  • Günther Hall
    am 19.04.2018
    Was ist das für eine armseelige Rezension in diesem Blatt? Ich meine, Sie haben ja den Film gar nicht gesehen. Wenn ja , um so schlimmer für Sie.
  • Elisabeth Strunkmann
    am 18.04.2018
    Ich habe vergangenen Sonntag eine Vorführung des Films "SPK Komplex"gesehen und finde Ihre Darstellung liederlich. Das ist ein ganz präziser Film, der sich nicht im Heidelberger Kleinstadtmief sühlt, sondern sehr gekonnt Zusammenhänge zeigt. Bravo für den Film und Ihnen sei auf den Weg gegeben: auch Verisse zu schreiben muss man können! Also Üben, üben, üben...
    • Dani Walter
      am 19.04.2018
      Ohne den Film gesehen zu haben:
      Frau Strunkmann, dass war der heftigste, schönste, liebenswürdigste Kommentar, den ich je zu einer Filmrezension lesen durfte. Sie sprechen eine sehr präzise, liebenswerte Sprache. Danke dafür. Was den Film betrifft:
      Das ist alles schon hinlänglich verklärt worden:
      https://www.youtube.com/watch?v=k1y1PFeE794
      Ankucken (den Film, nicht das Video der Band SPK, oder doch?) und eigene Meinung bilden.

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