Ausgabe 136
Gesellschaft

"Juden sind wie alle Menschen – es gibt viele verschiedene"

Von Oliver Stenzel
Datum: 06.11.2013
Vor 75 Jahren brannte in der Reichspogromnacht auch die Stuttgarter Synagoge. Stolpersteine erinnern uns heute an die von den Nazis ermordeten Juden. Über die bereits 1945 neu gegründete jüdische Gemeinde wissen indes die wenigsten etwas. Wobei sich längst nicht alle Stuttgarter Juden über die Glaubensgemeinschaft definieren.

"Warum dürfen Juden eigentlich kein Schweinefleisch essen?" "Warum brennen an dem siebenarmigen Leuchter nur sechs Kerzen?" – Die Sechstklässlerinnen aus dem St. Agnes-Mädchengymnasium in Stuttgart haben Dutzende Fragen an Rachel Dror, die ihnen in der Stuttgarter Synagoge das Judentum erklären soll. Sehr zierlich wirkt die 92-Jährige und doch ungeheuer agil und resolut. Sie strahlt natürliche Autorität aus, ohne sich autoritär zu gebärden – vielleicht, weil Dror 1948 Israels erste Polizistin war. Den Schülern erläutert sie geduldig die Besonderheiten der jüdischen Religion, die Geschichte der Synagoge, das Stuttgarter Gemeindeleben.

Irgendwann fragt die Lehrerin, wie viel Angst Juden heute hätten. "Zunächst: Es gibt nicht die Juden", antwortet Dror und erzählt dann, dass manche Gemeindemitglieder ihren Kindern raten, sie sollten in der Schule nicht sagen, dass sie Juden seien. Dafür habe sie zwar kein Verständnis, andererseits sei in den letzten drei, vier Jahren der Antisemitismus wieder stärker geworden. Oft sind es "nur" wüste Beschimpfungen am Telefon oder Schmierereien, doch 2011 wurde in Stuttgart auch ein 15-jähriger Junge aus der Gemeinde krankenhausreif geschlagen. "Wenn ihr meine Nummer im Telefonbuch sucht, werdet ihr sie nicht finden", sagt Dror den Schülerinnen, "ich will ruhig schlafen." Von Normalität, so relativ dieser Begriff ist, scheint das jüdische Leben in Deutschland immer noch etwas entfernt zu sein. Das merkte man schon bei der Ausweiskontrolle an der Pforte der Synagoge.

Rachel Dror führt seit 35 Jahren regelmäßig durch die Stuttgarter Synagoge. Foto: Martin Storz
Rachel Dror führt seit 35 Jahren regelmäßig durch die Stuttgarter Synagoge. Foto: Martin Storz

Die neue Stuttgarter Synagoge in der Hospitalstraße wurde zwischen 1950 und 1952 gebaut, auf den Grundmauern der alten, die wie viele andere in Deutschland in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 angezündet und tags darauf gesprengt wurde. Es war der erste Synagogen-Neubau in der Bundesrepublik, dessen schlicht-elegante Bauhaus-Architektur aber heute nur noch auf der Rückseite sichtbar ist – der Rest ist zugebaut. Immer wieder wurde der umschließende Gebäudetrakt, in dem sich die Verwaltung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und das Gemeindezentrum befinden, aufgestockt. Der Haupteingang wurde 1976 zur Sicherheitsschleuse umgebaut, bestückt mit Alarmanlage und Überwachungskamera. Grund waren damals nicht Neonazi-Übergriffe, sondern die Gefahr arabischer Terroranschläge.

Seit 35 Jahren führt die ehemalige Kunsterzieherin Dror Besucher durch die Synagoge, seit ihrer Pensionierung 1986 fast täglich. "Wenn ich von einer Gruppe nur einen überzeugen kann, dass Humanität das Wichtigste ist, dann habe ich schon viel geleistet", sagt sie. Die Reichspogromnacht 1938 war für die 1921 im ostpreußischen Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geborene Dror der letzte Anstoß, Deutschland zu verlassen. Sie ging nach Palästina, ihre Eltern blieben und wurden in Auschwitz ermordet. 1957 kam sie nach Deutschland zurück, "ich wollte nach England, aber mein Mann, ein türkischer Jude, wollte lieber hierher". Seit 1963 lebt sie in Stuttgart. Wütend macht sie, wenn sie hier als Ausländerin betrachtet wird – "ich bin eine Deutsche jüdischen Glaubens", betont Dror. Zugleich fühle sie sich als Israelin und auch als Zionistin. "Ich bin im Grunde eine Mischung aus Preußentum, Judentum und Israelin."

Wachstum und Konflikte durch GUS-Zuwanderer

Während Dror erzählt, dringt Kindergeschrei aus einem Innenhof herein. Im labyrinthischen Gemeindezentrums sind viele Einrichtungen der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) untergebracht: Hort, Kindergarten, jüdische Grundschule, Religionsschule, Seniorenheim, Jugendzentrum, koscheres Restaurant und ein "Koscherladen". Eine ältere Dame begrüßt Dror in breitem russischem Akzent. Etwa 80 Prozent der rund 3100 heutigen Gemeindemitglieder sind aus der GUS, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Die größte Teilgemeinde außerhalb des Großraums Stuttgart befindet sich in Ulm mit 250 Mitglieder, gefolgt von Reutlingen und Heilbronn mit jeweils rund 100. Nur Ulm hat noch einen eigenen Ortsrabbiner, ansonsten betreuen ganz Württemberg Landesrabbiner Netanel Wurmser und ein "mobiler Rabbiner".

Über 200 000 sogenannte jüdische Kontingentflüchtlinge sind seit 1991 nach Deutschland gekommen, etwa die Hälfte trat in jüdische Gemeinden ein. Ohne die Zuwanderer wäre der Fortbestand der stark überalterten Stuttgarter Gemeinde ungewiss gewesen.

Mit den Neumitgliedern veränderten sich auch Struktur und Aufgaben der Gemeinde, in den letzten 20 Jahren sorgte ihre Integration für manche Spannungen. Am deutlichsten bei der Sprache. Alteingesessene fühlten sich an den Rand gedrängt, wenn bei Veranstaltungen auf einmal vor allem Russisch gesprochen wurde. Für Konflikte sorgte auch die Frage, was es denn bedeutet, Jude zu sein – in der atheistisch geprägten Sowjetunion galt "jüdisch" als Nationalität, nicht als Religion. Es gab kaum Möglichkeiten, den jüdischen Glauben auszuüben, weshalb vielen Immigranten der religiöse Hintergrund fehlt. Für Lilia Strelkowa, die 2003 aus dem ukrainischen Odessa nach Deutschland kam, sind das Probleme der Seniorengeneration. "Für ältere Menschen ist es schwierig, eine neue Sprache zu lernen", doch die Mehrheit der Zuwanderer sei mittlerweile gut integriert. Und die Kinder im jüdischen Jugendzentrum, in dem Strelkowa als Sozialpädagogin arbeitet, sprächen sowieso "nur Deutsch untereinander".

IRGW-Vorstandssprecherin Barbara Traub: „Durch die Zuwanderer ist das Gemeindeleben bunter und reicher geworden“. Foto: Reiner Pfisterer
IRGW-Vorstandssprecherin Barbara Traub: "Durch die Zuwanderer ist das Gemeindeleben bunter und reicher geworden." Foto: Reiner Pfisterer

Ihre jüdische Identität wiederum definiere die Mehrzahl der Zugewanderten nicht über die Religion, so Strelkowa, "für sie bedeutet Judentum eine Volkszugehörigkeit, Traditionen, eine gemeinsame Geschichte, einen besonderen Humor". Auch hier deute sich aber bei vielen Jüngeren ein Wandel hin zu mehr Religiosität an, so Strelkowa, die sich selbst "von beiden Seiten" jüdisch fühlt: "Ich fühle mich als Teil eines Volkes, aber praktiziere das Judentum auch als Religion."

Spannungen zwischen Orthodoxen und liberaleren Gruppen

Dennoch scheint das Bedürfnis nach Alternativen zum orthodoxen Gottesdienst, befeuert durch die massive Zuwanderung in viele jüdische Gemeinden Deutschlands, für länger anhaltende Spannungen zu sorgen. In Stuttgart zeigt sich dies im Machtkampf zwischen einer orthodoxen Gruppe um den Stuttgarter Unternehmer Martin Widerker und einer liberaleren Gruppe um die Psychotherapeutin und gebürtige Wienerin Barbara Traub, die sich in den letzten zwölf Jahren zweimal als Vorstandssprecher abwechselten. Hohe Wellen schlug der Konflikt erstmals 2005, als der Vorstand unter Traub den Landesrabbiner Netanel Wurmser entließ. Offiziell, weil die IRGW sein Gehalt nicht mehr zahlen konnte, inoffiziell, weil Wurmser als zu orthodox in seiner Glaubensausrichtung betrachtet wurde. Als Traub bei den Vorstandswahlen 2006 Widerker unterlag, wurde der Rabbiner wieder eingestellt. Er blieb auch im Amt, nachdem Traub 2009 wieder Widerker ablöste, die Spannungen flammen trotzdem immer wieder auf.

Die Abspaltung einer liberalen jüdischen Gemeinde, von denen es bereits 22 in Deutschland gibt, zeichnet sich indes in Stuttgart nicht ab. Für die 56-jährige Traub, die sich als "traditionelle Jüdin" sieht, geht es vor allem darum, die IRGW als pluralistische Einheitsgemeinde zu bewahren, in der von orthodox bis liberal alle Richtungen Platz haben. "Wir sind mit dem Anspruch angetreten, den verschiedenen Strömungen in der Gemeinde anzubieten, ihren eigenen Gottesdienst durchzuführen." So gibt es mittlerweile seit 2011 eine kleine Gruppe, die regelmäßig Gottesdienste in liberalem Ritus veranstaltet. Das beinhaltet unter anderem eine völlige Gleichberechtigung und -behandlung von Frauen im Gottesdienst – beim orthodoxen Ritus sitzen die Geschlechter getrennt – und Verwendung der jeweiligen Landessprache neben Hebräisch. Für die Gottesdienste muss dabei immer ein liberaler Rabbiner oder Kantor von außerhalb geholt werden.

Nach über zwei Jahrzehnten Zuwanderung zieht Traub ein positives Fazit: So sei etwa die Gründung der jüdischen Grundschule im Jahr 2008, die momentan 45 Schüler hat, ein Ergebnis der Zuwanderung, ebenso der Bau der neuen Synagoge in Ulm. "Unser Gemeindeleben ist bunter und reicher geworden", sagt Traub, "es stellt uns aber auch fast täglich vor neue Aufgaben."

Als große Aufgabe jenseits der Gemeindegrenzen sieht Traub auch, den Dialog zwischen Juden und Nichtjuden zu fördern: "Jüdische Geschichte bleibt oft abstrakt, da es nach wie vor wenig persönliche Kontakte mit Juden gibt." Nicht zuletzt die Beschneidungsdebatte im Sommer 2012 habe gezeigt, dass manches an der jüdischen Kultur für nicht jüdische Deutsche nicht nachvollziehbar sei und daher abgelehnt werde.

Als Mittel der Kommunikation könnte man in diesem Sinne auch die von der IRGW veranstalteten Jüdischen Kulturwochen Stuttgart betrachten, die Traub 2004 ins Leben rief und die dieses Jahr ab dem 4. November zum zehnten Mal stattfinden. Zwei Wochen lang sollen Lesungen, Konzerte, Filme, Vorträge, Ausstellungen und ein Symposium dem Publikum möglichst viele Facetten jüdischer Kultur nahebringen.

Yaron Goldstein: "Ich lebe mit zwei Kulturen"

Mit der jüdischen Gemeinde in Stuttgart hat Yaron Goldstein wenig am Hut. Doch mit seinem Stück "Die Beichte" über die Vertreibung der Juden aus Spanien hatte es der freie Regisseur, Autor und Schauspieler 1992 geschafft, dass sich sowohl die Diözese Rottenberg als auch die IRGW über ihn echauffierten – wegen des Plakats, das einen an ein Kreuz genagelten Davidstern zeigte.

„Ich war schon Deutscher, bevor ich es wusste“ – Regisseur Yaron Goldstein. Foto: Martin Storz
"Ich war schon Deutscher, bevor ich es wusste" – Regisseur Yaron Goldstein. Foto: Martin Storz

Goldstein ist Israeli, kam 1954 in Jaffa zur Welt, wuchs in Beer Sheva in der Negev-Wüste auf. Bei einer mehrmonatigen Europareise blieb er in Stuttgart hängen, der Liebe wegen, und lebt hier seit 1984. Deutscher ist er auch, "ich war es schon, bevor ich es wusste", erzählt er schmunzelnd: Sein Vater war Berliner Jude und emigrierte 1936, nach dem Krieg wurde in der Bundesrepublik ein Gesetz erlassen, nach dem alle zwischen 1933 und 1945 Ausgebürgerten die deutsche Staatsangehörigkeit zurückerhalten sollten, ohne ihre neue aufgeben zu müssen – auch deren Kinder.

"In Israel hat das Judentum für die dort Geborenen keine so starke Bedeutung. Ich habe erst in Deutschland angefangen zu verstehen, dass ich Jude bin", sagt Goldstein. Erst hier habe er sich intensiv damit beschäftigt. "Nirgendwo waren die Juden so in die Gesellschaft integriert wie in Deutschland", die Lücke, die sie in allen Gesellschaftsschichten hinterlassen hätten, in Kultur und Wissenschaft, gebe es immer noch.

Mit Religiosität habe sein Verständnis von Judentum nichts zu tun, "Judentum ist für mich keine Religion, sondern eine Volksangehörigkeit, gemeinsame Wurzeln, ein gemeinsames Schicksal." Eine wichtige Rolle spiele für ihn auch die Bibel. "Damit hat alles angefangen. Als Literatur." Aber bedeutet denn dies nicht doch eine gewisse religiöse Prägung? "Das habe ich erst hier gelernt", lacht Goldstein. "Für mich ist die Bibel nicht nur Religion. In Israel sprechen wir Neuhebräisch, Iwrit, das ist abgeleitet von der Bibel. Das Hebräisch der Bibel ist genau das gleiche, das ich spreche." Eine sprachgeschichtliche Kuriosität: Hebräisch war ab 200 n. Chr. keine Alltagssprache mehr, sondern nur noch Sakralsprache Erst ab Ende des 19. Jahrhundert wurde begonnen, es als Alltagssprache wiederzubeleben.

Mit der Frage nach seiner jüdischen Identität und der deutsch-jüdischen Geschichte habe er sich immer wieder in seinen Stücken beschäftigt, etwa in "Goldsteinvariationen" oder "Ich liebe dich". Momentan schreibt er an einem Stück, das auf der wahren Geschichte eines Esslinger Juden in der NS-Zeit beruht.

Theodor Bergmann und die Lehren aus der Geschichte

Theodor Bergmann wohnt im Süden Stuttgarts, unweit der Uni Hohenheim, an der er 1955 in Agrarwissenschaft promovierte und von 1965 bis 1981 lehrte, die letzten acht Jahre als Professor für vergleichende Agrarpolitik. Ein hagerer Mann mit sorgfältig zurückgekämmtem weißem Haar, leicht gebückter Haltung, aber ungeheuer lebendigen Augen öffnet die Tür. Im Flur hängen Poster von Leo Trotzki und Nikolai Bucharin, den beiden großen Stalin-Kritikern. "Ich bin ein kritischer Kommunist", sagt der 97-Jährige, der seit seiner Jugend politisch aktiv ist.

Geboren wurde Bergmann 1916 als Sohn eines Berliner Rabbiners, die Religion spielte für ihn schon früh keine Rolle mehr. "Meine geistige Heimat wurde die Arbeiterbewegung" – 1929 trat er in die Jugendorganisation der KPO ein, einer Abspaltung der Kommunistischen Partei Deutschlands. Im März 1933 flüchtete er vor den Nazis nach Palästina, ging 1936 in die Tschechoslowakei, "damit ich schnell dabei sein kann, wenn in Deutschland der Faschismus zusammenbricht". Weil es anders kam, floh er 1938 nach Schweden. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, "weil ich hier Freunde habe, weil ich in Deutschland ein Heimatrecht wie jeder andere hier Geborene beanspruche." Mit anderen Kommunisten wollte Bergmann im Westen eine von Moskau unabhängige, undogmatische Linke aufbauen, "aber das ist gescheitert". Resigniert hat er nie – "Ich bin ein marxistischer Optimist". 1990 kandidierte er bei den Bundestagswahlen für die PDS, deren baden-württembergischem Landesverband er damals vorstand. Heute ist er Mitglied der Linken, hält regelmäßig Vorträge und schreibt immer noch Bücher – im Schnitt eines pro Jahr.

„Nichtjüdischer Jude“ und „marxistischer Optimist“: Theodor Bergmann. Foto: Jo Röttgers
"Nicht jüdischer Jude" und "marxistischer Optimist": Theodor Bergmann. Foto: Jo Röttgers

Die jüdische Gemeinde interessiert Bergmann nicht, "ich kenne sämtliche Bräuche, aber sie sagen mir nichts". Gibt es für ihn dennoch eine Art jüdische Identität jenseits der Religion? "Schwierige Frage", sagt Bergmann. "Für mich sind die Beiträge von Juden zur Weltkultur wichtig: Was Karl Marx geschrieben hat, was Einstein gemacht hat oder Rosa Luxemburg." In seiner 2000 erschienen Biografie hat sich Bergmann, den Schriftsteller Isaac Deutscher zitierend, als "nicht jüdischen Juden" bezeichnet. Für ihn habe es nie eine besondere Rolle gespielt, Jude zu sein – "die Juden sind wie alle Menschen – es gibt viele verschiedene" – er habe es aber auch nie verheimlicht. Und musste immer wieder erfahren, dass es für andere durchaus eine Rolle spielt. "Bei zwei Stellen bin ich eindeutig nicht genommen worden, weil ich Jude bin." Immer wieder habe er nach dem Krieg mehr oder weniger offenen Antisemitismus erlebt, "aber das nimmt man nicht so tragisch. Man zeigt seine Zähne."

Mit dem Land, in das er 1933 zuerst floh, beschäftigt sich Bergmann dennoch immer wieder, kritisiert ebenso entschieden die Regierung Netanjahu, wie er das Existenzrecht Israels verteidigt. Nach Auschwitz sei für Juden ein Staat Israel "bisher die einzige realistische Lösung" gewesen, "aber vielleicht müssen wir noch eine bessere finden". Eine "internationalistische Lösung" für den Nahostkonflikt hat er in seinem 2011 erschienen Büchlein "Der 100-jährige Krieg um Israel" aufzuzeigen versucht. "Das hat mir einigen Ärger von linken Gruppen eingebracht, die haben mich als Zionisten bezeichnet."

2006 haben die Filmemacher Thorsten Fuchshuber, Julia Preuschel, Gabriele Reitermann und Danièle Weber einen Dokumentarfilm über Bergmanns Leben gedreht, Titel: "...dann fangen wir von vorne an". Der Film sei in seinem Beisein auch in Schulen gezeigt worden, erzählt Bergmann, "Da bin ich von den Schülern auch gefragt worden, was ich von der Kollektivschuldthese halte. Da hab ich gesagt: Keiner von euch ist schuldig, das ist Blödsinn. Aber wir sind verantwortlich für das, was kommt, und deswegen müssen wir lernen aus dem, was gewesen ist. Insofern glaube ich, dass uns die Vergangenheit angeht."

Veranstaltungshinweis: Vom 4. bis zum 17. November veranstaltet die Israelitische Religionsghemeinschaft Württembergs die Jüdischen Kulturwochenin Stuttgart. Mehr dazu hier.

 


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