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Mafia im Schlaraffenland

Mafia im Schlaraffenland
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Hach, es sind herausfordernde, schwierige, schlimme Zeiten! Jede Sekunde müssen wir damit rechnen, dass der orangefarbene Unhold aus dem Weißen Haus kleine grüne Männchen in Grönland landen lässt. Und in Baden-Württemberg müssen wir eigentlich auch täglich Stoßgebete gen Himmel – respektive sonstige höhere Instanz – schicken, dass Donald Trump nicht irgendwann auf die Idee kommt, der Besitz des Landes rund um die in Stuttgart ansässigen US-Kommandozentralen Eucom (für Europa) und Africom (für Afrika) könnte ein Gebot der nationalen Sicherheit sein. Würde eine Invasion Grönlands eigentlich dann vom Eucom aus geleitet?

Und dann haben wir noch gar nicht von der desolaten Finanzlage der Kommunen gesprochen! Jüngst hatten einige Oberbürgermeister im Südwesten die famose Idee, auch bei der Kinderbetreuung oder der Inklusion behinderter Menschen zu kürzen, konkret: beim Bundesteilhabegesetz. Das griff Stuttgarts schnellschussbegabter OB Frank Nopper (CDU) gerne auf: Er rechnete vor, mit 175 Millionen Euro seien "die Ausgaben für Leistungen nach dem Bundesteilhabegesetz in Stuttgart höher als das gesamte Grundsteueraufkommen" und schlussfolgerte: Man müsse sich "leider vom Schlaraffenland verabschieden". Als "sprachliche Entgleisung" konterte dies sogleich die Landesbehindertenbeauftragte Nora Welsch und stellte klar: Die Lebensrealität von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen "ist weit von einem Schlaraffenland entfernt".

Taser und Mafia-Verbindungen bei der Polizei

Für die italienische Mafia, besonders die kalabrische 'Ndrangheta, ist Baden-Württemberg schon eine Art Schlaraffenland, sagen zumindest Kenner seit Jahren. Angesichts mehrerer parallel laufender Gerichtsprozesse in der Landeshauptstadt sei es keine Überraschung, "dass es auch in Stuttgart Kontakte" gibt, sagt der frühere Kontext-Redakteur und Mafia-Experte Sandro Mattioli im Interview. Und wie diese Kontakte aussehen können, beschreibt Redakteurin Gesa von Leesen anhand eines der Verfahren: gegen einen Fellbacher Polizisten, der mithilfe seines bei der 'Ndrangheta als "Buchhalter" geltenden besten Freundes seinem Vorgesetzten eine Abreibung verpassen lassen wollte. Oder auch nicht, zumindest nicht ernsthaft, wie am Ende das Gericht befand.

Das Problem der Mafia-Verstrickungen scheint die Polizei in Baden-Württemberg noch nicht ganz im Griff zu haben, aber immerhin steht ihr für die Bekämpfung anderer Bedrohungen nun ein neues Utensil zur Verfügung: der Taser! Die Landespolizei hat einen zweijährigen Testlauf mit der Waffe gestartet, die Menschen mittels Strom außer Gefecht setzen soll, und lud zur Präsentation in ein Trainingszentrum nahe von Freiburg. Kontext-Autor Fabian Kienert war dort und weist auch auf die Kritik am Taser hin, die es wegen des Risikos schwerer Nebenwirkungen schon lange gibt. Der Polizeiwissenschaftler Rafael Behr empörte sich etwa über eine Aussage von Guntram Lottmann, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP): Lottmann wünscht sich den Tasereinsatz gerade gegen Menschen in psychischen Krisen und hätte die Waffe deshalb gerne in Winnenden testen lassen, weil sich die Psychiatrie dort besonders auf die Gewaltzahlen gegen die Beamten auswirke.

Gedenken, Musik und Kunst für Demokratie

Patient:innen aus Winnenden gehörten auch zu denen, die von den Nazis in Grafeneck ermordet wurden: Im Rahmen der Aktion T4, als Probelauf für die Schoah, wurden hier mehr als 10.000 Menschen vergast, Menschen mit körperlichen oder psychischen Problemen. Heute gibt es dort eine Gedenkstätte, die über fast 30 Jahre der Historiker Thomas Stöckle aufgebaut hat. In Grafeneck leben heute auch rund 70 Menschen mit Handicap, und die Art, wie sie die Gedenkstättenarbeit bereichern, mit Leben füllen, das allein ist schon ein Ausrufezeichen gegenüber unüberlegten "Schlaraffenland"-Äußerungen. Kontext-Autorin Linda Roth hat Stöckle in Grafeneck besucht und porträtiert einen Menschen, der für Erinnerungsarbeit lebt und sie bis heute als politische Arbeit begreift – nicht zuletzt gegen die immer stärker werdenden Rechten.

Fast so lange wie Stöckle, aber ganz anders engagieren sich auch ZSK gegen rechts: Die Berliner Punkband war vor Kurzem in Stuttgart zu Gast und gab hier gleich zwei Konzerte: eines für Kinder am Nachmittag und ein "normales" am Abend. Im Gespräch mit Kontext-Autor Timo Büchner sagt ZSK-Sänger Joshi: "Jetzt muss man als Punkband anfangen, die Demokratie zu verteidigen. So weit sind wir schon." Doch daran zu erinnern, dass diese, 80 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur, verteidigungswürdig ist, scheint ihm nötig: "Wie verwöhnt kann man sein und das, was wir haben, nicht wertschätzen?"

Vielleicht hilft in manchen Momenten nur noch die Kunst: In Stuttgart hat diese ein eigenes Konsulat eröffnet, Kontext-Autor Dietrich Heißenbüttel hat es sich angeschaut. Im Konsulat werden unter anderem Visa ausgestellt für "das Land der Kunst", ein Land, "in dem es friedlich zugeht, intelligent, in dem sich die Menschen mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung begegnen." Wäre das auch ein schlaraffiges Land? Auf jeden Fall ein sehr erstrebenswertes.

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1 Kommentar verfügbar

  • Stefan Weidle
    14 hours ago
    Reply
    Himmel, diese ollen Kamellen, Mafia und Konsorten, das hat man schon vor vielen Jahren dem gestrengen Über-Minister Schäuble angetragen, keine Reaktion. Der hätte seinerzeit sogar noch die Chance gehabt Cum und Varianten im Keim zu ersticken und die überraschende Liquidität an Pizzeria…
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