KONTEXT:Wochenzeitung
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Georgische Schriftzeichen

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"Ein Stück aus dem Tollhaus", entrüsten sich die einen, "ich bin begeistert vom neuen Layout", freuen sich die anderen: Wenn es ums Redesign einer Zeitung geht und um den Abschied von liebgewonnenen Lesegewohnheiten, klar, da gehen die Meinungen auseinander. Viele Leser:innen unserer taz-Beilage haben sich gemeldet, um das neue Gesicht der gedruckten Kontext zu kommentieren. Denn am vergangenen Samstag erschienen wir erstmals runderneuert in der neuen "wochentaz". Wir bedanken uns für die rege Teilnahme, für Meinungsfreude und Kreativität in der Kritik.

Flattersatz, ja bitte, sagt ein Grafikdesigner, der seit Jahren für den Siegeszug des linksbündigen Flatterns kämpft, weil ja schließlich auch niemand von Hand Blocksatz schreibe. "Linksbündig und Flattersatz (wieder eine Vokabel gelernt) prima", freut sich eine Leserin aus der Pfalz. Eine andere findet, dass genau damit die neue Unübersichtlichkeit ausgebrochen ist. Und bei der neuen Schrift wähnt sich mancher auf einem Trip oder will ganz dringend zum Augenarzt. Je nach Temperament wird die Post scharf, cool oder humorvoll formuliert.

Am leidenschaftlichsten kommentiert wurden die gestürzten Linien. Bildlegenden und Autoren von unten nach oben lesen, ja wo gibt's denn so was? Hm, auf allen Buchrücken in Ihrem Regal vielleicht? Egal. Da hoffen manche inbrünstig auf einen Aprilscherz im November, weil sie die Zeitung umdrehen müssen. Andere wiederum haben kein Problem, von unten nach oben zu lesen. Unsere volle Bewunderung jedoch hat ein taz-Kontextleser aus Freiburg, dessen Mail durch Humor und Kreativität besticht. Er schafft es tatsächlich, seine Kritik vertikal und horizontal zu formulieren – und uns teilhaben zu lassen an den (danke, Kontext!) programmierten Frühstücksunfällen (Vorsicht, Marmeladebrot!) mit seiner Frau beim Drehen der Zeitung. Chapeau nach Baden!

Was uns aber besonders überrascht hat: Wie genau wir aus dem tiefen Süden doch im hohen Norden gelesen werden. Aus Lüneburg, Lübeck, Oldenburg, Bremen und Magdeburg kamen die Zuschriften, die sich nicht nur am Layout aufhielten. "Ich lese immer die Kontext:Wochenzeitung, obwohl ich kaum einen Bezug nach Stuttgart habe und die Stadt noch nie besucht habe", schreibt ein Lüneburger: "Euer Einsatz für die Verbesserung unserer Demokratie ist vorbildlich." Danke in den Norden, wir Südlichter grüßen euch. Kommt gerne mal vorbei.

Ja, und das haben viele betont, an erster Stelle stehen eben immer noch unsere Artikel. "Ich lese die Kontext Beilage in der taz jedes Wochenende mit großem Interesse, wegen des Inhalts und nicht wegen der Form", schreibt Thomas Rexin aus Regensburg. "Eure Inhalte sind nach wie vor gut, aber muss ich mich nun umgewöhnen?", fragt Jens Brodauf aus Oldenburg. So wird es wohl kommen. Wir sind zuversichtlich, dass mit der Zeit und eintretender Gewöhnung auch die gestürzten Linien nicht mehr für Abstürze oder Unfälle am Frühstückstisch sorgen.

Und in einem Fall können wir Entwarnung geben: "Werden die Textzeilen demnächst auch kopfüber oder mit georgischen Schriftzeichen gedruckt?", fragt uns ein bekennender Gegner der gestürzten Bildlegende. Wir mögen die georgische Alphabetschrift wirklich sehr. Aber keine Bange, das haben wir nicht vor.


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Ausgabe 609 / Über den Gleisen / Andreas Spreer / vor 2 Tagen 23 Stunden
Sehr interessant!


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