KONTEXT:Wochenzeitung
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Aktualisierung: Urteil verschoben

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Es war doch nicht sicher: Eigentlich sollte heute, Donnerstag den 6. Mai 2021, das Urteil im Prozess Grauf gegen Kontext vor dem Frankfurter Landgericht verkündet werden. Wieder einmal kam es zu Verzögerungen. Noch ist der neue Termin unklar.

Immernoch steht die Klage im Raum: Ein Mitarbeiter zweier inzwischen ehemaliger AfD-Landtagsabgeordneter will uns verbieten, ihn namentlich zu nennen und seine rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen öffentlich zu machen. Wir wehren uns dagegen, dass versucht wird, ein spendenfinanziertes Projekt wie Kontext totzuprozessieren, weil die Prozess- und Schadenersatzkosten an die Existenz gehen. Dahinter steckt wohl auch die leise Hoffnung, dass uns nach drei Prozessjahren der Atem ausgeht. Doch unser Atem ist lang.

Weil wir überzeugt sind, dass gesagt werden muss, was ist. Weil wir UnterstützerInnen haben, die die Pressefreiheit hochhalten. Und nicht zuletzt, weil wir mit Markus Köhler einen sehr guten und überzeugten Presseanwalt auf unserer Seite wissen. Das Oberlandesgericht in Karlsruhe hat Kontext recht gegeben. Nun also entscheidet das Landgericht Frankfurt darüber, ob wir Marcel Grauf weiter mit Namen nennen und weiter aus den 17.000 Seiten Chatprotokollen zitieren dürfen. Wir halten Sie auf dem Laufenden. 

***

Ei, ei, ei, der Söder will Bayern total viel früher und noch viel klimaneutraler machen, als es der Rest von Deutschland schafft. Total im Zeitgeist, der Markus. Wo doch jetzt die USA und China und die EU und Russland und Japan und alle sich überbieten in der Frage, wer bis wann wie viele Emissionen einsparen kann. Sogar Brasiliens Bolsonaro hat versprochen, dass nur noch bis 2030 in seinem Land illegal Wälder gerodet werden dürfen. Verdammt, nur noch neun magere Jahre des Raubbaus!

Wenn das so weitergeht, haben wir bald ein prima Klimawettrüsten und die Welt wird wieder schön. Wenn es nichts kostet zumindest. Wenn doch, geht's der Welt wie Baden-Württemberg, wo sich Kretschmann und seine Grünen für maximale Klimaforderungen haben wählen lassen und diese jetzt, da gewählt, wieder einstampfen. Kein Geld, Pech. Schulterzuck. Und andernfalls, also da, wo Geld ist? Auch kein Umweltschutz, denn wer wie in Oberschwaben viel Schotter für Kies kassiert, den juckt doch die Umwelt nicht.

Aber immerhin: Stuttgart kriegt jetzt einen supercrazyfreaky – Trommelwirbel – unterirdischen Ergänzungskopfbahnhof! Mit mindestens vier Gleisen! Oder sechs! Wie geil ist das denn?! Und dann noch – so sexy kann Beton sein – den großartigen Bilgertunnel für die Gäubahn! Und alles zahlt der Bund! Also hoffentlich. Weil Stuttgart 21 zwar schon ziemlich hot ist, aber eben immer noch nicht hot genug für den Deutschlandtakt. Und deswegen muss noch ein bisschen mehr gebuddelt und Beton verbaut werden. Das ist zwar jetzt CO2-mäßig nicht so das Wahre, genau genommen, das ist so ziemlich der krasseste Treibhausgas-Shit, aber hey, wir wollen doch nicht den Söder mit seinen Klimaneutralitäts-Ambitionen düpieren, sonst kappt der noch die Südschiene.

Aber jetzt mal im Ernst, so ein Ergänzungskopfbahnhof, wie kommt man eigentlich auf sowas? Na so: Erst soll ein funktionierender Kopfbahnhof durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Und weil sich irgendwann zeigt, dass der unterirdische wohl nicht genug leisten können wird, soll er durch einen kleinen Kopfbahnhof ergänzt werden. Da könnte man ja einfach einen Teil des alten Kopfbahnhofs stehen lassen, denken sich jetzt vielleicht manche. Quatsch, viel zu einfach! Besser die alten Gleise erst mal abreißen und dann tieferlegen. Damit oben gebaut werden kann, jede Menge. Das ist der Stadt Stuttgart total wichtig, vor allem ihrem Chef, dem Frank Nopper. Denn Nopper will versöhnen, und wenn irgendwas versöhnt, dann ja wohl Bauen. Kann ja nicht jeder in Baumhäusern wohnen.


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3 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 05.05.2021
    Antworten
    Gratuliere zum langem Atem!
    Mein Blick ins Etymologische Wörterbuch des Deutschen hat dazu auch eine „Meinung“ die sogar zitierfähig ist:
    Nach dem Poss.Pronomen, dem Begriff Meineid folgt die Erklärung „meinen“. Das bedeutet eine bestimmte Ansicht haben, annehmen, denken, seine Gedanken auf…
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