Ausgabe 417
Editorial

Willkommen im Klub

Von unserer Redaktion
Datum: 27.03.2019

Wenn ein SWR-Direktor die "alten journalistischen Tugenden" einfordert, dann heißt es: alle Türen auf. Auch für Jan Büttner, den Verwaltungschef des Südwestrundfunks, der mit solchem Gedankengut bisher nicht aufgefallen ist. Ja, er hat es niedergeschrieben, in einem scharfen Brief an die Rundfunkräte, was den Schluss zulässt, dass ihm ernsthaft etwas fehlt. In seinem Sender. Das ist nachvollziehbar, in Kontext auch immer wieder nachlesbar, sei's in redaktionellen Texten oder in den Kommentarspalten. Insofern heißen wir Büttner willkommen im Kreise der Kritiker, und damit es niemand vergisst, veröffentlichen wir seinen Brief hier in voller Länge.

Womöglich hat sich der 57-Jährige, der in frühen Jahren ein Journalist war, an seine Anfänge beim SDR erinnert, als er zur Feder griff und von seinem "Herzensanliegen" schrieb: Den Journalismus zu stärken. Vielleicht war das auch einmal sein Traumberuf, der es immer noch sein könnte, wenn man ihm die Fesseln nähme. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk allenthalben, der profitfreien Zone. Den Konjunktiv, den einschränkenden, hören wir meist aus dem Zeitungsgewerbe. Dort sind noch viel schlimmere Sparfüchse am Werk, die einem das Träumen ganz schnell austreiben, weil es sich, ihrer Meinung nach, mit den Bilanzen nicht verträgt. Viele KollegInnen haben daraus den Schluss gezogen, dass es besser ist, die Seiten zu wechseln. Ab in die PR, zur Deutschen Bahn, zu den Stadtwerken, zur FDP, zu Daimler, Porsche oder zu sonst einer GmbH & Co. KG. Für mehr Geld gibt's dort die Garderobe, an der die Restzweifel abgegeben werden können.

Damit wird es immer schwerer für Leute wie Peter Grohmann, der noch der alten politischen Tugend anhängt, die da lautet: Schafft Orte, an denen Demokratie immer wieder neu eingeübt wird, damit sie funktioniert. Schafft (mit) Medien, die sich das Einmischen trauen, am besten als vierte Gewalt, als Mithelferin, "in Freiheit frei zu sein". Das hat er von Hannah Arendt. Der unermüdliche Anstifter hat uns gefragt, ob wir mitmachen, beim Stuttgarter Demokratiekongress 2019? Zur Debatte stehen Europa, der Lernort Schule, der Raubbau an den Grundrechten, Politik in der Stadt und die Medien.

Natürlich sind wir dabei. Zusammen mit Autor Arno Luik, von dem Grohmann wissen möchte: Welche Medien braucht eine demokratische Gesellschaft? Lieber Peter, so viel können wir schon verraten: Gute.

Zum vorläufigen Programm des Demokratiekongresses und zur Anmeldung geht es hier.


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2 Kommentare verfügbar

  • Josef Tura
    am 27.03.2019
    Der Terminus "journalistische Tugenden" und das Kürzel "SWR" in unmittelbarem Zusammenhang - da bekommt man schon mal Schluckauf... Dieser Sender - als er noch SDR hieß ein reputierlicher Verein mit großen Namen von Bausch (der Mann war noch Journalist! Kein von der Politik auf den Sessel gehievter Verwaltungshengst) über Brodman bis Loriot - dieser Sender ist seit der erzwungenen Fusion ("feindliche Übernahme" liest man sogar bei Wikipedia!) anno ´98 mit dem Baden-Badener Dudelfunk in einer Weise runtergekommen, die schaudern macht. Die angeblichen Synergie-Effekte haben nur bewirkt, daß alles noch teurer wurde - etwa durch den Rundreise-Tourismus bei Sitzungen an drei Standorten. Man hat sich ja schon immer gefragt, weshalb eigentlich die Republik einen Sender hinter den sieben Bergen in einem Kaff wie Baden-Baden braucht - dieses Relikt französischer Besatzungspolitik hätte man schon in den 6oer Jahren abschaffen können. Aber wie es halt so geht in der modernen Welt: der Parvenu übernimmt das Traditionsunternehmen. Was daraus wurde, sehen wir heute: Dieses SWR-Fernsehen ist ja nicht ohne Grund Quoten-Schlußlicht der dritten Programme.
  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 27.03.2019
    „…, veröffentlichen wir seinen Brief hier in voller Länge.“
    Da würde mein Brief, ebenfalls in voller Länge, vom 03. Febr. 2010 an den Referatsleiter des Rundfunk- und Verwaltungsrat passen.
    Auf ebenfalls 2 Seiten, werden von mir die "Zustände" im Umgang mit dem SWR-Personal durch Direktoren und Nachgeordnete aufgezeigt, in drei Portfolios, mit Umfassenden Dokumenten, belegt sind! [b][1][/b]
    Am 20. Juni 2011 an den Nachfolger des Referatsleiters mit weiteren Dokumenten ergänzt.

    Geschäftsberichte 2009 Justiziariat und Verwaltungsdirektion von der Internetseite des SWR als PDF-Datei gespeichert:
    Dr. Hermann Eicher Biografie https://up.picr.de/35372629br.pdf – Auszug:
    Das Justitiariat des Südwestrundfunks mit Sitz in Mainz ist für alle
    Rechtsangelegenheiten des SWR zuständig: Die Bandbreite reicht vom
    großen Bereich Medienrecht über das Programm-, Arbeits- und
    Urheberrecht bis hin zu Spezialgebieten wie dem Marken- und
    Titelschutzrecht oder dem Rundfunkgebührenrecht. Mit dem Jahr 2009 hat
    der SWR die Geschäftsführung in der ARD übernommen und damit hat das
    SWR-Justitiariat auch gleichzeitig den Vorsitz der Juristischen Kommission
    von ARD und ZDF übernommen. Eine große Verantwortung in
    medienpolitisch bewegten Zeiten.

    Viktor von Oertzen Biografie https://up.picr.de/35372630yh.pdf – Auszug:
    Die Verwaltungsdirektion ist am Standort Stuttgart angesiedelt und betreut
    standortübergreifend die Hauptabteilungen Gebäudemanagement,
    Allgemeine Dienste und Beschaffung, Programmverbreitung, Finanzen,
    Personal, Honorare, Unternehmensentwicklung und Personalentwicklung.

    [b]Leitbild: Gesunder SWR[/b]
    Der SWR ist Arbeits- und Lebensstätte. Er ist angewiesen auf gesunde und
    engagierte Mitarbeiter. Deshalb kommt der Förderung der Gesundheit eine zentrale
    Rolle zu. Gesundheitsmanagement ist seit 2009 Teil der Unternehmenskultur. Das
    Strategiekonzept hat die gesamte Organisation im Blick, aber auch die einzelnen
    Beschäftigten. Es sorgt für mehr Vertrauen, Transparenz und Konfliktfähigkeit. Das
    Ziel: mit einem Bündel an Maßnahmen den gesundheitlichen Beeinträchtigungen am
    Arbeitsplatz vorzubeugen, Gesundheitspotenziale zu stärken und das Wohlbefinden
    am Arbeitsplatz zu verbessern.

    [b][1][/b] Es muss sich nicht unbedingt so auswirken:
    2011.03.24 Do. SWR Fernsehen "Acht Wochen verrückt"
    Die Geschichte eines Burn-outs https://up.picr.de/35372639xb.pdf

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