Ausgabe 386
Editorial

Kinder aller Länder

Von unserer Redaktion
Datum: 22.08.2018

Die Kindertagesstätte gleich um die Ecke der Kontext-Redaktion hatte im vergangenen Schuljahr das Thema Nachhaltigkeit im Programm. Also: Soll man einen Autoführerschein machen? Oder: Was passiert mit unserem Müll? Unter dem Motto "Wir sind Gäste dieser Erde" haben die Kinder zum Jahresabschlussfest auf wiesen-grünen Kartons formuliert, was die Erde sich wohl von den Menschen wünschen würde. Seitdem hängt das kleine Wunsch-Projekt am Tor der Tagesstätte. "Den Tieren soll es gut gehen", steht da. Oder "Mehr Ruhe und Zeit für alle".

Auf einem anderen Papier steht "Dass im Meer nicht mehr so viel Müll liegengelassen wird, vor allem nicht im Wasser" oder "Keine Chemikalien in die Luft sprühen". Für beide Wünsche müsste man nicht einmal bis zum pazifischen Müllstrudel reisen, sondern könnte im Kleinen anfangen. Am Bodensee beispielsweise, wo Motorbootfahrer mit ihren spritfressenden Geschossen übers Wasser schießen, wo Segeln doch so viel schöner ist.

Eines der Kita-Kinder wünscht sich, das die Leute "weniger Bäume fällen". Eine prima Idee. Denn Bäume spenden Schatten und mehr Schatten würde Stuttgart helfen mit dem immer größer werdenden Hitzeproblem im Kessel fertig zu werden. Übrigens steht da am Kita-Tor auch: "Mehr Fahrradfahren und weniger Autos". Das ist ein Wunsch, der möglicherweise tatsächlich in Erfüllung gehen könnte, denn ab dem 1. September dürfen nur noch Neuwagen mit geringen Kohledioxidwerten verkauft werden

Ein Kind wünscht sich "Frieden". Ob der junge Schreiber oder die junge Schreiberin dieser Zeilen es verstehen würde, dass sich Menschen auch deshalb in Kriegen umbringen, weil Unternehmen wie Heckler & Koch daran so gut verdienen

Auch "Mehr Toleranz" und "Mehr Menschlichkeit" ist dort am Kita-Tor zu lesen. Letztere vor allem gibt es auf dem Campingplatz Cap Rotach, der seit Jahren das Konzept einer Gesellschaft lebt, zu der alle gehören, egal wie sie sind. 2011 ist der Text über den Inklusionsbetrieb bei Kontext erschienen, für diese Woche haben wir die Geschichte als unsere Sommer-Perle aus dem Archiv geholt.

Und dann gibt es da noch einen Wunsch, der sich an diejenigen wendet, welche die Macht haben. Ein Kind möchte, "dass die Erwachsenen an die Kinder denken". Darüber würde sich auch Hans-Ulrich Keller freuen. Über 30 Jahre lang war er Direktor des Planetariums in Stuttgart und bedauert sehr, dass vor allem in großen Städten selbst die Nacht zum Tag wird. Jüngere würden die Milchstraße nur vom Hörensagen kennen, denn zahllose Lampen stehlen den Sternen die Schau.

Auf den ersten Blick haben die Kita-Kinder da große Wünsche formuliert. Solche, die das Wirtschaftssystem verändern würden, unsere Gesellschaft, die doch vor allem von Leistung lebt. Haha, lachen da die Großkopfeten, das geht ja alles nicht so einfach! Aber wäre es nicht schön, wenn die Erwachsenen nicht immer alles so kompliziert machen würden? 


Gefällt Ihnen dieser Artikel?

2 Kommentare verfügbar

  • Schwa be
    am 24.08.2018
    Auch diese Kids wird der Neoliberalismus - spätestens in seinen Gesinnungsschmieden sprich mit Schulbeginn - in die Spur bringen (zumindest geschätzte 99 % davon).
  • Ruby Tuesday
    am 24.08.2018
    Millionäre wollen Motorboote. Plastikmüll kommt durch zahllose Kotbeutel für Hunde in den See und wo die Schüler-Abo-Karte 1.325 Euro kostet, knapp 7 km mit dem Bus 5,50 Euro ( Hin- und Rückfahrt) oder die Monatskarte für Kindergartenkinder in der höchsten Preisstufe 22,80 Euro hat es der Umweltschutz schwer. Da fährt das SUV-Mamataxi vermutlich preisgünstiger. Dann blockieren Landesbank und Zisterzienser-Orden einen stark beanspruchten Radweg (Schloß Maurach). Die realen Immobilienpreise am See liegen zwischen 500.000 Euro und 1 Million. Ein Preis, den nur Mafiapaten (auch der Bodenseekreis gilt als Ruheraum), Ferien- oder Zweitwohnungsbesitzer (aus Stuttgart? Karlsruhe?) aufgrund der großzügigen Steuerabzugsregeln aufbringen. Sie können die gesamten Kosten steuerlich geltend machen und bekommen die Immobilie über Abschreibungen praktisch geschenkt und das Motorboot dazu, wenn man erklärt, es dient Vermietungszwecken. Für die ist das Motorboot, bevorzugt Riva, ein Statussymbol. Dann werden am Seeufer mehr Bäume gefällt als anderswo, um Betonpisten für die Landesgartenschau und den Zweck Seepromenade freizumachen oder um Hotels den freien Seeblick zu ermöglichen. Das gilt auch für allerlei Ferien- oder Zweitwohnungsbesitzer die den freien Blick über den See oder wenigstens auf freie Ackerflächen für sich beanspruchen. Da stören Bäume- und Büsche. Das Problem Überhitzung gibt es auch am See und wenn der Wasserspiegel sinkt, dann steigt die Zahl der Munitionsfunde am Ufer. Der Ausbau eines Radweges (Maurach) wurde von der unteren Umweltbehörde untersagt, weil Tiere die Überquerung des asphaltierten Radweges nicht überleben (Schneckengrill). Es bliebe nur die freie Durchfahrt Schloß Maurach. Das alles ist nur möglich weil die Parteienallianz B90/GRÜNE-CDU-FDP-FREIE WÄHLER-SPD-und die von mir als DIE LETZTE bezeichnete (AfD) sich nicht einen Millimeter in Richtung Umwelt bewegen. Also Kinder, wir vom forum langenargen im Schulterschluß mit den Gastgebern Uhldingen-Mühlhofen versuchen alles um eure Zukunft zu verbessern, sind aber enttäuscht weil alle Parteien sich für "nicht zuständig" erklären.

Neue Antwort auf Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!