Ausgabe 363
Editorial

Essensgutschein im Angebot

Von unserer Redaktion
Datum: 14.03.2018

Wunderbar: Die Stuttgarter Zeitungsnachrichten (StZN) melden, der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) habe am Montag sein Angebot "erhöht", während die Gewerkschaften bei ihrer "ablehnende Haltung" geblieben seien. Beides stimmt. In gewisser Weise. Die Verleger boten – im Ernst – wahlweise ein Fahrrad, ein Handy oder einen Essensgutschein an. Daraufhin sprachen die Gewerkschaften Verdi und DJV, die 4,5 Prozent mehr Lohn fordern, von einer Provokation. Von den "Entgeldumwandlungen", wie die neue Naturalwirtschaft im Medienwesen heißt, steht in den StZN nichts. Ihr Geschäftsführer Richard Rebmann ist Vizevorsitzender des BDZV.

Es gibt also wieder einmal Tarifverhandlungen für Tageszeitungsjournalisten, wieder einmal begleitet von Warnstreiks, an deren Ende stets dürre Ergebnisse drohen. In Kontext ist das immer nachzulesen, so ausführlich wie möglich, weil die Arbeitgeberzeitungen (hier) gerne dünn sind. Auch deshalb steht der Beitrag von Dagmar Lange, der Landesvorsitzenden des Deutschen Journalistenverbands (DJV), auf unserer Seite.

Entsprechend sauer sind die KollegInnen. Viele von ihnen arbeiten heute schon bis zum Anschlag und darüber hinaus. Im Newsroom, auch Maschinenraum genannt, füllen sie Print- und Onlineseiten ab, Videokanäle, Twitter und Facebook, und fragen sich am Abend, was das, was sie getan haben, noch mit Journalismus zu tun hat. Ihre Betriebsräte registrieren eine zunehmende Zahl von Burnouts, Depressionen, Schlafstörungen. Das Geld ist dann das eine, wenn es denn ein Gradmesser für Wertschätzung ist, die Sinn- und Statusfrage das andere, wenn es um die Rolle der Presse in der Demokratie geht. Beides zusammen ergibt ein düsteres Bild für diesen Berufsstand, der verstärkt um seine Glaubwürdigkeit zu kämpfen hat.

Von den Verlegern haben die JournalistInnen keine Hilfe zu erwarten. Im Gegenteil, die reißen weiter ab. Es sei ihre demokratische Pflicht, sich zu wehren, sagt Joe Bauer, der unverdrossene Kollege, mit ungebrochener Standfestigkeit. Und weil er damit so recht hat, veröffentlicht Kontext seine Rede zum Warnstreik.


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1 Kommentar verfügbar

  • Andromeda Müller
    am 18.03.2018
    ...... wird das die schreibende Zunft der "Leitmedien" dazu verleiten Diätenerhöhungen generell mit dem Hinweis auf die wohl Freikost in der Bundestagskantine , abzulehnen ?
    Oder kommt dann wieder der Vergleich mit dem "Verdienst auf dem freien Markt" , der Politikern jeden Tag entgeht ?

    Ich kann es mir bei allem neo"liberalen" Geschreibsel nicht mehr vorstellen , daß dies jemals geschieht. Insofern sollten sie ihrer verinnerlichten ideologie folgend und aufgrund ihres Glaubens an "den freien Markt"/Leistung lohnt sich/strengt euch einfach mehr an ( Zeitungen werden halt nicht mehr nachgefragt von jungen Menschen , für die alles O.K. ist) , im Sinne der Teilhabe am Arbeitsmarkt , auch auf die Gutscheine verzichten.
    Es wird ihnen bestimmt umgehend gedankt werden .

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