KONTEXT:Wochenzeitung
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Gegen die Buschkrieger

Gegen die Buschkrieger
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Jetzt erst recht – braucht der Bürger eine Zeitung, die sich nicht täuschen lässt. Die sich die Spiele der Macht genau anschaut und daraus ihre Schlüsse zieht. Die Kontext:Wochenzeitung nimmt diese Haltung für sich in Anspruch. Nicht nur bei S 21, bei allem anderen, was sonst noch im Busch ist. Um das zu erhalten, braucht es die Hilfe der Leser. Durch Abos und Spenden.

Die Redaktion der Kontext:Wochenzeitung in der Hauptstätter Straße 57 in Stuttgart. Foto: Jo Röttgers

Jetzt erst recht – braucht der Bürger eine Zeitung, die sich nicht täuschen lässt. Die sich die Spiele der Macht genau anschaut und daraus ihre Schlüsse zieht. Die Kontext:Wochenzeitung nimmt diese Haltung für sich in Anspruch. Nicht nur bei S 21, bei allem anderen, was sonst noch im Busch ist. Um das zu erhalten, braucht es die Hilfe der Leser. Durch Abos und Spenden.

Kontext ist ein Kind der Stuttgarter Republik. Ein Stück direkter Demokratie, eine Werkstatt für neue Gedanken, ein Forum für einen Journalismus, der andere Wege geht. Unabhängig, kritisch, hintergründig. Nirgendwo sonst gibt es einen besseren Platz, schrieb der "Spiegel" im März dieses Jahres, als er Kontext eine ganze Seite widmete. Nirgendwo anders als in und um Stuttgart, wo die aufgeweckte Bürgergesellschaft zu Hause ist.

Seitdem haben wir 35 Ausgaben vorgelegt, bestückt mit Artikeln, die so sonst nicht zu lesen waren. Ein Beispiel soll genügen: der Streik beim "Schwarzwälder Boten". Immer wieder hat die Kontext:Wochenzeitung über den längsten Arbeitskampf in der deutschen Mediengeschichte geschrieben, während er den anderen Zeitungen im Land keine Zeile wert war. Bezeichnenderweise auch den Blättern der Südwestdeutschen Medienholding (unter anderem "Stuttgarter Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten", "Schwarzwälder Bote") nicht. Bis zum 88. Streiktag, als Verleger Richard Rebmann nicht mehr anders konnte, als mit der anderen Seite zu reden. Das könnte bedeuten, dass die Schwabo-Kollegen nicht mehr streiken müssen, bis ihnen der "Rotz in der Nase gefriert", wie ihnen von der Geschäftsleitung in Aussicht gestellt wurde.

Das ist die Unabhängigkeit, die wir meinen und die auch für andere Felder gilt. Sei es Stuttgart 21, sei es schwarz-gelbe oder grün-rote Politik, seien es Justiz und Polizei, Wirtschaft und Kultur. Was zählt, ist der unbestechliche Blick, und die Dinge so aufzuschreiben, wie sie sind. Nach all dem, was wir bis jetzt von unseren Lesern gehört und gelesen haben, sind wir damit auf dem richtigen Weg. Oder müssen wir es anders interpretieren, wenn die ersten Reaktionen schon mittwochs um 0.30 Uhr einlaufen?

Keine Frage: noch gibt es vieles zu verbessern. Bis hin zum Humor. Daran arbeiten wir und dazu bekommen wir ständig Anregungen. Auch von fest angestellten Kollegen, die gerne mitmachen würden, wenn wir sie bezahlen könnten. Das können wir (noch) nicht.

Was wir machen können, ist ein Programm. Dies werden wir in den nächsten Ausgaben vorstellen. Für das Jahr 2012. Es wird vier Schwerpunkte enthalten: Erstens Recherche, zweitens Lachen und Satire, drittens Bürger- und Leserbeteiligung, viertens Beiträge von Kolumnisten. Jeder Bereich wird erläutert und mit einem Beispiel unterlegt, an dem zu erkennen ist, wohin die Reise geht. Der erste Beitrag wird, so viel sei schon verraten, mit dem Thema Rechtsextremismus starten.

Und jetzt kommt das Entscheidende: Das alles schaffen wir nur, liebe Leser, mit Ihrer Hilfe. Kontext ist eine spendenfinanzierte Zeitung, und unsere Spenden sind endlich. Deshalb rufen wir jetzt, rechtzeitig vor Weihnachten, die Kampagne Kontext:Ist mir's wert ins Leben. Unterstützen Sie das Projekt mit einem "Abo" von monatlich zehn Euro, und Kontext ist, wie gewohnt, jeden Mittwoch im Netz und am Samstag in der taz. Sie dürfen uns natürlich auch gerne mit einem größeren Betrag unterstützen. Ob monatlich oder einmalig, ob 100 oder 1000 Euro, Ihrer Spendenfantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Dass Sie sich dabei in guter Gesellschaft befinden, sehen Sie an unseren Förderern. Besonders freuen wir uns über Hanne und Andreas Schairer, die sich einem großen Journalisten verpflichtet fühlen: Erich Schairer, dem ehemaligen Herausgeber der "Stuttgarter Zeitung" und Streiter für die Meinungsfreiheit. Er ist Andreas Schairers Großvater.

Hanne und Andreas Schairer

Als Nachrichten getarnte Botschaften von Lobbyisten und Werbetextern überfluten uns in einem schier unüberschaubaren Strom. Flimmernde Bildschirme ziehen unsere Blicke in ihren Bann und malträtieren Hanne und Andreas Schairer.unsere Augen mit dem Ziel, uns mit ihrer hypnotischen Wirkung in einen Schlaf zu versetzen, der uns den Blick auf die wahren Zustände in unserer Welt verhüllt. Wir unterstützen Kontext, weil wir in dieser schnelllebigen Zeit ausführliche und gut recherchierte Zeitungsartikel lesen wollen – gedruckt oder auf dem Bildschirm. Guter Journalismus ist die vierte Säule der Demokratie. Das bedeutet, er unterstützt uns dabei, unser Gemeinwesen verantwortlich zu gestalten. Eine moderne Gesellschaft, in der die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen sind, in demokratischen Abstimmungen weitreichende Entscheidungen zu fällen, braucht umfassende und glaubwürdige Informationen als Entscheidungsgrundlage. Wir wollen uns ein eigenes Bild machen können. Dazu braucht es professionell und unabhängig arbeitende Journalisten anstelle von Lobbyisten bezahlter Reklametexter. Guter Journalismus bedarf behutsamer und gründlicher Recherche. An dieser wird heute in den Massenmedien gerne gespart. Deswegen gilt es, guten Journalismus wertzuschätzen und entsprechend zu fördern. Tun Sie's jetzt!

Edzard Reuter

Er finde es gut, hat mir Ulrich Wickert gesagt, dass ich jetzt Verleger werde. Ich habe dem ehemaligen Mister Edzard Reuter.Tagesthemen geantwortet: Nein, das werde ich nicht. Ich will nicht in einen Topf geworfen werden mit jemandem, der Journalismus mit Gelddrucken verwechselt. Was ich will, ist, dass Kontext Erfolg hat, und dazu möchte ich beitragen. Als begeisterter Unterstützer, der mit der Redaktion die Ansicht teilt, dass Unabhängigkeit, Qualität und Berufsethos im Vordergrund stehen.

Die bisherige Arbeit der Redaktion ist dafür ein Beleg. Sie möge auch künftig mit Mut diejenigen aufspüren, von den Jerzy Lec sagt: Ihr Gewissen war rein. Sie benutzten es nie. Und sie darf sich niemals in einer Falle fangen, die Mark Twain so beschreibt: Wir lieben die Menschen, die frischen Herzens sagen, was sie denken. Vorausgesetzt, sie sagen dasselbe wie wir.

Sigrid Klausmann-Sittler

Kontext lesen bedeutet für mich: Am Samstag doppelte taz-Lesefreude zu erleben und, noch vor der taz-Rubrik "Verboten", als Erstes die Kontext-Printseiten parallel mit dem Frühstücksei zu verschlingen. Wenn ich es eilig habe, kann ich Sigrid Klausmann-Sittler.mir die vier Seiten für jede meiner Handtaschen zurechtfalten und in Bus und Bahn in Ruhe weiterlesen. Vorteil: NachbarIn liest mit.

Nach gründlicher Lektüre stecke ich meinen Leseschatz in einen Umschlag und schicke ihn zu meiner Mutter in den Schwarzwald, damit auch sie informiert, ordentlich und umfangreich informiert ist. Dort geht das Ganze dann von vorne los; Frust abladen, der sich über die Woche angestaut hat, weil mein lokales Blatt hier in Stuttgart mir jede Menge Informationen vorenthält und andere Themen aufbläst, besonders schmerzhaft spürbar beim Thema Stuttgart 21. Aber nicht nur dort!

Artikel zu lesen, die gründlich recherchiert sind. Neue Inhalte neu präsentiert zu bekommen. Noch einmal zu begreifen, was unabhängiger, investigativer Journalismus bedeutet und wie er aussieh; und auf Reisen geht das Ganze online, mit dem Vorteil, dass besonders wichtige Artikel sofort per E-Mail weiterverbreitet werden. Kontext ist herrlich und nicht mehr wegzudenken aus der Stuttgarter Zeitungslandschaft.

Eva Hosemann. Eva Hosemann

Unabhängig, kritisch, frei, mutig, neugierig, überraschend, informativ – so manche Zeitungen haben sich diese und ähnliche Wörter als tragende Unterzeilen für den Zeitungsnamen ausgesucht und bald auch wieder vergessen.

Bei den Macherinnen und Machern von Kontext wird wider jegliches Vergessen gearbeitet – und das macht diese neue Wochenzeitung so aufregend und wach.

So soll es lange bleiben!

Dieter Baumann

Was macht guten Journalismus aus? Objektiv sollte die Berichterstattung sein, ausgeglichen, jede Seite zu Wort kommen lassen, einer Sache würdig. Dann, ja, unterhaltsam sollte er sein, bunt, nah bei den Menschen, aber sich nicht mit einer Sache gemein machen. Gibt es das noch? Dieter Baumann.Natürlich gibt es das noch. Viele Journalisten vieler Tageszeitungen arbeiten nach diesem Ethos, und es gelingt oft. Doch Zeitungsverlage sind auch Wirtschaftsunternehmen. Es geht um Wirtschaftlichkeit und Rendite, und dabei geraten sie in die Abhängigkeit der Werbekunden. Es könnte im Bereich des Machbaren liegen, dass Großkunden im Anzeigengeschäft Berichte über das eigene Unternehmen beeinflussen. Nein, wahrscheinlich ist so etwas noch nie vorgekommen. Allein der Gedanke absurd.

Um allen Vorbehalten entgegenzutreten, hilft es, unabhängig zu bleiben. Mit der Kontext:Wochenzeitung ist dies gelungen. Die Kontext:Wochenzeitung basiert auf einem Verein, der sich einen unabhängigen Journalismus auf die Fahnen geschrieben hat. Abhängig natürlich von Spendern und Förderern und vor allem von guten Journalisten. Es darf als Glücksfall bezeichnet werden, doch beim genauen Hinsehen ist es in Wirklichkeit eine unausweichliche Konsequenz, dass sich Josef-Otto Freudenreich, Meinrad Heck, Anna Hunger, Sandro Mattioli, Rainer Nübel, Martin Reinkowski und Susanne Stiefel als Team gefunden haben, um die Kontext:Wochenzeitung so umzusetzen, wie es sein soll, sein muss. Ganzheitlich, unabhängig.


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1 Kommentar verfügbar

  • VitoAndolini
    am 03.12.2011
    Antworten
    Was lese ich da?
    "Auch von fest angestellten Kollegen, die gerne mitmachen würden, wenn wir sie bezahlen könnten."
    Abgesehen davon, daß man Festangestellte nicht getrennt schreiben sollte (schließlich ist "fest nageln" was ganz anderes als "festnageln", gell?), frage ich mich schon, wieso…
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