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Schleyer und das Soziale

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Er hat's getan. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Stefan Wolf, erinnerte tatsächlich an Hanns Martin Schleyers "Vergangenheit in der Zeit des Nationalsozialismus", an diesen "unauslöschlichen Teil" seiner Biographie, mit der er eine "Angriffsfläche" geboten habe. So ganz einfach war das nicht zu sagen vor der Männer-Versammlung, die sich zum 40. Todestag in der Alten Reithalle eingefunden hatte. Der ermordete Schleyer war einst ihr Präsident, mit einer Vita, die erst 1956 begonnen hat, als er bei Daimler eingestiegen war. Und fortan galt er als überzeugter Demokrat. Kontext hat darüber berichtet

Folgt man dem Gedenkredner Wolfgang Clement, 77, war Schleyer noch weit mehr. Einer der "bedeutendsten Wirtschaftsführer – auch für das Soziale". Da muss man wohl Ex-Genosse und Kuratoriumsvorsitzender der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sein, um zu solchen Einschätzungen zu gelangen. Oder Gedächtnislücken haben und sich nicht an die Aussperrung von 320 000 Metallarbeitern im Jahr 1963 erinnern.

Das "Soziale" nahm dann, das Schleyersche Wirken fortschreibend, einen breiten Raum bei der Veranstaltung ein. Hans Peter Stihl, Sägen-Patriarch und inzwischen 85 Jahre alt, befand, die soziale Marktwirtschaft sei "außerordentlich lebendig". Die Menschen hätten eine "auskömmliche Bezahlung". Walter Riester, früher IG Metall-Vize und SPD-Arbeitsminister, später teurer Gastredner der Versicherungswirtschaft, sah auch die Gewerkschaften im Boot. Er erkenne beim IGM-Vorsitzenden Jörg Hofmann "wenig ideologische Verharrung", sagte der 74-Jährige, und er habe auch immer ein "sehr gutes Verhältnis" zu Arbeitgeberchef Dr. Hundt gehabt.

In der Ideologieproduktion des Kapitals firmiert das unter Sozialpartnerschaft, wobei es der FAZ-Redakteurin Heike Göbel vorbehalten blieb, davor zu warnen, dass das "Soziale" nicht so selbstverständlich sei, wie ihr es bisweilen dünkte, wenn sie die Menschen reden höre. Denn dazu müssten auch die Voraussetzungen geschaffen sein. Zum Beispiel der Schutz der Eigentümerrechte. Will sagen, die Reichen können nur verteilen, wenn sie auch etwas haben. Also übt euch mal schön in Bescheidenheit. Geschlossen wurde die Veranstaltung mit Loup de Mer und Riesengarnele.

PS: Auch Thomas Strobl hat gesprochen. Wie erinnerlich ist der stellvertretende Ministerpräsident und Schäuble-Schwiegersohn ein Vertreter von Recht und Ordnung. Jetzt ist auch klar, warum. Er habe im Herbst 1977 erlebt, verriet Strobl, wie Lehrer "Sympathie für den RAF-Terror" bekundet hätten. Das habe ihn tief geprägt. Zum Schutz seiner Bürger habe er neue Sicherheitsgesetze verabschiedet.


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4 Kommentare verfügbar

  • Jörg Krauß
    am 31.10.2017
    Antworten
    Naja, wer hätte aber auch gedacht, das 2017 die strammen Rechtskonservativen und Ihre verlässliche Entourage nichts mehr zu feiern hätten. Und wenn es eben in Gegenwart und Zukunft nichts zu feiern gibt, wird eben die glorreiche Vergangenheit hochgehalten. Ich war nicht dort in der Alten Reithalle.…
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