Ausgabe 337
Editorial

Laues Lüftchen

Von unserer Redaktion
Datum: 13.09.2017

Die Welt geht unter, und im Wahlkampf weht ein laues Lüftchen. Klimawandel oder Waffenhandel werden gemieden wie die Pest, wettert unser Wetterer. Und Angela Merkel scheint noch ein bisschen höher über allem zu schweben als sonst, meint unser Karikaturist. Scheinbar entrückt und unangreifbar. Da stört es auch nicht, dass das Phänomen im Blazer beim Landesparteitag der CDU von der Wolke gestiegen ist, und sich mal kurz und kenntnisarm in eine Kampfkandidatur eingemischt hat. Okay, in zehn Tagen wird gewählt, sonst noch was? Ja, die Stuttgarter Landtagspräsidentin hat beschlossen, die Schotten dicht zu machen, die Bürger nach dem Motto "Wir müssen leider draußen bleiben!" außen vor zu lassen und am Wahltag lieber in Berlin zu feiern. Das gab es noch nie, der Landtag bleibt dicht.

Jagoda Marinic hält das nicht davon ab, wählen zu gehen, als wäre es die feierlichste Sache der Welt. Bei Wahlen, sagt die Leiterin des interkulturellen Zentrums in Heidelberg im Kontext-Interview, seien alle Stimmen gleich, egal ob sie von Migranten oder Alteingesessenen kommen. Was sonst bei der Integration nicht unbedingt gilt.

Für unseren Wahlschwerpunkt waren wir in Heidenheim und haben mit Jungwählern des dortigen Basketballvereins diskutiert. Wir sind der Frage nachgegangen, warum selbst die Grünen nur noch verschwurbelte Öko-Botschaften nuscheln. Wir haben die Wohnungspolitik unter die Lupe genommen und die Straßenkünstlerin Barbara, die die Welt retten will, gefragt, warum sie keine Wahlplakate designen würde.

Und am Schluss unserer Interview-Serie "Siller fragt" darf Leni Breymaier (SPD) unverdrossen die rote Fahne hoch halten. Schulz mit Wagenknecht, trotz Nato-Austritts-Forderungen? "Warum nicht?", sagt die SPD-Landesvorsitzende, "ich bin da tiefenentspannt." Alles, was bei der Linkspartei völlig gaga sei, werde eh in keinem Koalitionsvertrag stehen. Ja da schau her.


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3 Kommentare verfügbar

  • Bernhard Meyer
    am 15.09.2017
    Warum soll der Austritt aus der NATO "völlig gaga" sein? Die NATO, der Deutschland in den Fuffzigern beigetreten ist, existiert nicht mehr. Es war damals ein Verteidigungsbündnis. Nach der Auflösung des Warschauer Pakts hat man die NATO - ohne uns zu fragen - in ein Interventions- und Angriffsinstrument umgebaut. Die Bundeswehr führt zur Zeit Krieg in 16 Orten in Europa, Asien und Afrika. Mit Kriegslügen - "Hufeisenplan", "zweites Auschwitz" - hat man uns in Serbien den ersten Bombenkrieg seit dem Zweiten Weltkrieg aufgedrängt und so den Bann gebrochen. Jetzt kümmerts (außer den Linken) keinen mehr, wo in der Welt wir überall Deutschland "verteidigen". Gaga ist man, wenn man all das Zeug glaubt, was man uns diesbezüglich vorsetzt. Z.B "Der Russe steht vor der Tür!" Gaga ist, wer durch Krieg Terror produziert und dabei behauptet, man bekämpfe ihn. Das ist total gaga! Und gaga ist übrigens eine Partei, die die erfolgreiche Politik Willy Brandts mit Verständigung und "vertrauensbildenden Maßnahmen" vollkommen ins Gegenteil verkehrt und nun säbelrasselnd 150 km vor St. Petersburg Krieg spielt.
  • Gerd Lange
    am 14.09.2017
    Ich stimme dem Kommentar von Bernhard Meyer vollkommen zu. Erschreckend ist für mich, dass nicht unerhebliche Teile des Wahlvolkes so gut wie keine Reaktionen zeigt und die Parteien wählt, die für eine andere Politik stehen. Es ist Irrsinn, dass die CDU immer über 35 % ist. Im Grunde gibt es da nur eine Wahl die LINKE.
  • Charlotte Rath
    am 13.09.2017
    „In den letzten zwei Jahrzehnten rückte Heiner Geißler immer weiter nach links.“ So?
    Ist es unmöglich, dass hier einer den Grundsätzen aus der katholischen Soziallehre treu blieb, während CDU, SPD & Co. KG in ihrer Wirtschaftspolitik immer weiter nach rechts rücken?

    „Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert. … Stärkung der wirtschaftlichen Stellung und Freiheit des Einzelnen; Verhinderung der Zusammenballung wirtschaftlicher Kräfte in der Hand von Einzelpersonen, von Gesellschaften, privaten oder öffentlichen Organisationen, durch die die wirtschaftliche oder politische Freiheit gefährdet werden könnte. Kohle ist das entscheidende Produkt der gesamten deutschen Volkswirtschaft. Wir fordern die Vergesellschaftung der Bergwerke. …“
    Das ist ein Auszug aus dem Ahlener Programm der CDU vom 3. Februar 1947, siehe:
    http://www.kas.de/wf/de/33.813/

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